Metallbügelsägen

Zu Songkran keine fünf Baht Geschichte,    März 2012 

Mit einem Automobil könnte man üblicherweise leicht von A nach B fahren. Wenn ein Nachbar Schulden nicht zurückzahlen will, oder missliebig auffällt, könnte man ihn mit einem Fahrzeug schuldlos umbringen, –  besonders dann, wenn man ihm vorher einige Flaschen Lao Khao kredenzte. Wer beherrscht letztendlich die Technik? Sind es Geister oder unsere kranken Gedanken?                                                                      Die allgemeine Auseinandersetzung mit Technik fängt nicht bei komplexen Gebilden wie Fahrzeugen, Computern oder Mobiltelefonen an.  Sie beginnt bereits bei trivialen, unbeherrschbaren Gegenständen wie Messern, Schraubenziehern, Zahnstochern und

Metallbügelsägen.

Diese Sägen sind preisgünstig und universell einsetzbar. Damit säge ich alles: Aluminium, Buntmetalle, Stahl, Backstein, Bambus, Bäume, Kerzen, Knochen und Sträucher. Im Notfall das Bein einer Elfe: Elfenbein. Ein stumpfes Sägeblatt kann leicht ausgetauscht werden. Beim Kauf von einzelnen Teilen kostet ein Ersatzblatt von fünf Baht an aufwärts. Im Dutzend sind sie billiger! 

A.    Zum Austausch wird die Verschlußschraube gelöst.
B.    Das alte Blatt kann über zwei Haltedorne weggezogen werden.
C.    Das neue Blatt über die Dorne legen.
D.    Der Wirkungsgrad der Säge ist wesentlich höher, sofern die Zähne des Blattes nach außen gerichtet sind.
E.    Danach die Spannschraube mir den Fingern leicht angeziehen.
Lokalmatadore benutzen dazu eine fünfzehn Zoll Klempnerzange. Als Zugkraft dienen zusätzlich zwei Wasserbüffel. Theoretisch könnte danach weiter gearbeitet werden.

Meine Werkzeuge werden nicht mehr verliehen, nur noch verschenkt oder verkauft. Die Eingeborenen haben die Fähigkeit, jedes Werkzeug zu zerstören, zu stehlen oder zu verlieren. Meine kleinkarierte, ki niaoh Haltung wurde durch eine ausgeliehene Metallbügelsäge erneut bestätigt.                                                                                        Ein freundlicher Geist sprach für Dritte unhörbar zu mir: “Gib das Ding. Fünf Baht für ein neues Sägeblatt fallen in deinem Budget bei den Weiber- und Weinpreisen nicht auf.“ Ich befolgte den weisen Ratschlag aus dem Jenseits und sah die Säge erst nach längerer Zeit wieder. Genau so war es. Ich erhielt sich nicht zurück. Sie gelangte, von Engeln oder Fledermäusen der Sorte Vampir getragen, auf die Veranda. Schlimmste Befürchtungen bestätigten sich. Die Säge diente eventuell zum Anlegen eines kleinen Kartoffelackers im Karstgebirge und wies entsprechende Benutzungsspuren auf. Mit dem verdorbenen Sägeblatt, es wies mehr Lücken als Zähne auf, ließ sich nicht einmal ein Fischlein schuppen. 

Darauf kaufte ich zwei Blätter. Eines zu fünf Baht, ein besseres für dreißig Baht. Eine junge Frau tippte rund zehn Minuten am Keyboard. Ein Drucker beschmutzte geräuschvoll grünes Papier. Dann verlangte sie fünfunddreißig Baht. Ich hielt eine fünfziger Note bereit. Sie nahm einen Taschenrechner im A5 Format und versuchte sich mit Eingaben, fünfunddreißig minus fünfzig. Sie wollte mir zusätzlich zur Ware 15 Baht überreichen. Bereits beim zweiten Anlauf klappte die knifflige Berechnung. Wählte ich die hübscheste Kassiererin mit dem tiefsten Intelligenzquotienten aus? Ihre Anmut hielt sich in Grenzen. Etwa zehn junge uniformierte Frauen saßen gelangweilt untätig vor ihren Bildschirmen und warteten auf Kundschaft: “Herr, erlöse mich aus diesem Business!“

Zu Hause nahm ich die malträtierte Metallbügelsäge, ölte die verrostete Verschlußschraube und löste die Flügelmutter, nicht die Schwiegernutte, um das Sägeblatt auszutauschen. Kein Austausch! Der einfallsreiche Benutzer schlug die Haltedorne fürs Sägeblatt mit einem großen Hammer flach, weil er den Sinn der Spannschraube nicht begriff. 

Schlußfolgerungen:                                                                                                            Bevor lokale Benutzer gefahrlos mit einer Metallbügelsäge arbeiten können, brauchen sie ein Diplom einer technischen Hochschule. Ausweise als Mopedfahrer oder Automobilbenutzer genügen den hohen Anforderungen dieser Sägen nicht. Beachte besonders den Hinweis D, wie Dubel oder Depp.                                                         Amen.

Warum ist das keine 5 Baht Geschichte?  Der Metallbügel wurde ebenfalls ersetzt.

7 Gedanken zu „Metallbügelsägen

  1. Herrlich geschrieben , genau so erlebe ich es selbst . Nur , ob Diplome da helfen , eher nicht. Denn auch die Damen an den Bildschirmkassen haben ja solche und es hilft nicht.
    Gruss Pinkas

    • Ein Glück für die Damen an den Bildschirmen ist,
      dass es im LoS nicht die germanische Art der Vorspiegelung scharf kalkulierter Preise gibt.

      Lieber Low, auch Deine A – E Aufstellung sieht m.E.
      etwas „zersägt“ aus.. Vielleicht fehlt aber auch eine
      Spannschraube in meinem alten PC. :-)

      mfr rm

      • Lieber rm,
        Du hast recht! Ich benutzte anstelle des 24″ LCD Displays den tragbaren ACER und erlebte einen technischen K.O. Die Formatierung A bis E war verloren. Zutiefst unglücklich wollte ich die Fehler korrigieren. Mein Urin-stinkt sagte, versuch es doch vor der Arbeit mit dem PC. Auf dem 24″ Display schien alles in Ordnung.
        Doch es war mein Fehler. Ich Tor kannte den Editor nicht.
        Low

  2. Lieber Low,

    nachdem ich nun so viel über Geister gelesen habe, muß ich
    mich für meine naßforsche Kritik entschuldigen. Es hat nichts
    mit „Unvollkommenheit“ zu tun.

    Ich bin eher überzeugt, dass Du unabsichtlich Phi Bug nicht die
    gebührende Aufmerksamkeit geschenkt hast. Bei der Menge
    der Geister kann das passieren. Dass Phi Bug nachtragend
    ist, wurde also wieder einmal bestätigt. Vielleicht kann man ihn
    mit ein paar Bites & Bit besänftigen. Aber, up tu you :-)

    mfg rm

  3. Was geschieht mit dem Exklusivreservesägeblatt für 35 Baht?
    Mit dem kann der Thaihandkärcher viel,viel mehr anstellen, wie schlagen,hacken,sparkeln oder auch weiterverkaufen als ???
    Warum habe ich den Eindruck du siehst zu viel und denkst auch noch dabei.

    Wir haben „kleinere“ Bauobjekte gehabt von einheimischen Blauhandferkler hingestampft.
    Ich bin täglich verschwunden und habe nicht einen Blick auf das Verbrachte geworfen, denn Stress hatte ich im Leben genug

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