Die hohe Kunst des Veräppelns zwecks Selbstverwirklichung

Ende Februar 2012

Nach der hundert Tage Feier von Vaters hinschied, karrte Dick im Oktober ein gefülltes Auto zurück. Es waren wenig Schätze an Bord, im Gegenteil. Mutters Dauergeplapper ließ die Fahrerin nicht einnicken. Den Rücksitz füllten einer der Söhne mit Begleitbiene und Gepäck.
Einen Tag darauf meldete sich eine Babystimme lauthals im Salon. Die Mutter, Dicks Tochter, brachte das Kleinkind ohne jegliche Anmeldung. Zumindest ich wußte von nichts. Sie müsse dringend nach Bangkok an eine Konferenz. Nur bester Bruder mit blasierter Biene könnten besonderes Baby betreuen, ohne daß es dauernd schreie.

Als die Frau wenige Tage später von Bangkok zurück kam, hatte sie, oh Wunder, ein Haus im Dorf. Nebst ihrer Waschmaschine besass sie einen lukrativen Job in Chiang Mai. Zahlreiches Kinderspielzeug, wie ein ferngesteuertes einsitziges Cabriolet, war ebenfalls vorhanden. Und das in Thailand, wo üblicherweise der Kriechgang gilt: Gut Ding will Weile haben!
Dick meinte, bis Weihnachten wäre Sohnemann mit Bienchen Summ wieder zurück im angestammten Domizil. Mitte April sind sie zusammen mit Baby immer noch hier. Neuerdings scheffelte dessen Mutter Kohle ohne Klotz am Bein in Bangkok.

Im Januar wurde dem Hundezüchter der Schmutz und die Arbeit mit seinen Kötern zu mühsam. Wenn er selten im Salon übernachtete und die Hunde laut gaben, sandte er aus Bequemlichkeit den schlafenden Mowgli, um die bellenden Bestien zu beruhigen. Mowgli holte am nächsten Tag den verpaßten Schlaf in der Schule nach.

Zu jeder Zeit heulten an die dreißig Sänger im Chor, vorzugsweise in der Nacht. Es war nie Mozarts Nachtmusik. (1) Ein unbeaufsichtigtes Tier brach sich ein Bein. Eine einsame Hündin begann einen Wurf. An Weihnachten badeten ausgerückte Huskies bei uns im grossen Teich und fanden nicht mehr heraus. In ihrer Angst beschädigten sie die Wasserpflanzen. Das alles scherte den Tierfreund wenig bis gar nichts.

Der feine Herr wollte sich in Zukunft bloß noch auf den Verkauf konzentrieren. Er beauftragte seinen Bruder, sich um Futter und Kot der Tiere zu kümmern. Der hatte wenig Lust. Vor allem, weil der clevere pseudo-Kynologe und Geschäftsführer, selten bis nie für Futter und Aufwand entschädigte.

Darauf quartierte der geschäftstüchtige Hundehalter ohne Vorankündigung seinen Vater, Dicks geschiedenen Mann, als billigen Hundepfleger in der benachbarten Nagelburg ein. Dick zahlte dem einstigen Staatsdiener und geldgierigen Gatten für eine schnelle Scheidung einst Hunderttausende. Dank Schnaps, Spiel und Weibern, geriet das Geld in Umlauf, wo es sich leider ohne Zugriff, heute noch befindet.

Als Dick auf die Anwesenheit des einstigen Herrn Gemahls aufmerksam wurde, mußte ich handeln. Der gewissenlose junge Dreckskerl versuchte ohne jegliche Erlaubnis, unser Haus zu betreten. Ich schmiß ihm gezielt kräftig die Stahltüre ins Gesicht. Unzimperlich erklärte ich, sein Vater befinde sich im Dorf in Lebensgefahr. Doch der flüchtete, als ihm Dorfbewohner vom aggressiven Stirnrunzeln des unberechenbaren, mit bösen Geistern verbündeten Farangs berichteten. Danach forderte ich den unwillkommenen Gast samt Begleiterin, die Bleispritze im Händchen haltend, nervös und unmißverständlich auf, das Grundstück sofort zu verlassen. Die Aktion dauerte wenige Minuten. Sie kamen mir wie Stunden vor. Dick erlitt einen schweren,depressiven Anfall.
Nach zusätzlich drei krepierten Kötern (Angeblicher Verkaufserlös netto 30 000 Baht), man gönnt sich sonst ja nichts, gab das saubere Söhnchen endgültig auf und räumte die Nagelburg.

Die Hälfte der Besatzer sind weg. Der Rest ist mehr als genug für Dick. Die junge Mutter benutzt zwecks Selbstverwirklichung drei Personen rücksichtslos als Babysitter. Dagegen bin ich bloß geduldeter Gast im Lande. Leider ist das Baby längst zum Freund geworden. (2)

(1) Eher ungewohnt, mit Orgel:  http://www.youtube.com/watch?v=loFm_NlohUw
href=“http://www.youtube.com/watch?v=o1FSN8_pp_o&feature=related“>

(2) Die Leiden des jungen Guun. Veröffentlicht am 6. April 2012

4 Gedanken zu „Die hohe Kunst des Veräppelns zwecks Selbstverwirklichung

  1. Sauber, die Aktion mit der Bleispritze.
    Es gibt manchmal Grenzen, die man verteidigen muss, Gast im Land oder nicht.
    Aus Selbstachtung auch, aber nicht nur.

    Gruß
    PS: Gut, dass Du jetzt ein Gesicht hast.

    • von finalgon zur final gun –
      Low, ich hoffe Du verlierst unter diesen Veräppel-
      Experten nicht endgültig die Nerven.
      Vor Kopflosigkeit wird Dich sicher Guun bewahren.

      Im übrigen lieber Low staune ich immer mehr über die
      enormen Nutzungsvarianten eines Schönheitssalons..

      mfg rm

  2. Film:
    Ein Rambo Typ in Siegerpose, dessen Augen gekonnt aufwärts nach der Jungfrau Maria schielen. Auf dem einen Arm liegt eine bewußtlose, zusammengebrochene, schwarzhaarige Schönheit im langen, duftigen Seidenkleid. In der andern Hand hält er seinen vergoldeten Colt, dessen Mündung noch ein Räuchlein entsteigt.
    Realität:
    Das Finale ergab ein eher tristes Bild.
    Aufheulende Dieselmotoren. Reifengequietsche. Ein alter, weißhaariger Mann spritzt eine auf der Treppe am Hauseingang liegende Leiche mit einem grünen Gartenschlauch ab. Erste Hilfe!
    Danach sucht er im Kühlschrank – schlotternd, fieberhaft nach Psychopharmaka für die darnieder liegende Hauptdarstellerin.

  3. Ja, ja….die nicht wesentlichen, kleinen, unbedeutendenund zu vernachlässigenden Unterschiede im finalen Traum und Wirklichkeit, da nur das Ergebnis zählt.
    M.f.G. a. BKK
    Klaus

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