Kreisläufe und Kollaps

Als Dick an der ersten Elternsitzung der Schule teilnahm, war sie entsetzt über die unbeholfenen, aber um so eindeutigeren Skizzen und Sprüche auf den Tischblättern in den Unterrichtsräumen. Jedes Pornomuseum hätte die gesammelten Schweinereien gegen Bares gerne übernommen.
„Ich will dich vernaschen,“ stand in hundert Variationen, in zweiunddreissigtausend Farben, in Thai und sogar in Englisch mit haufenweise Fehlern. Vulgär genügen nebst Namen sieben Buchstaben. Abstraktionskünstler schafften dieselbe Aussage mit nur vier Schriftzeichen. SMS-Kurznachrichen Unkultur hinterläßt Spuren. Das ist begrüßenswerter angewandter Fremdsprachenunterricht, obwohl die Ausdrücke kaum aus den Lektionen stammen dürften.

Die Lehrer lassen die Schüler frisch fröhlich gewähren. Moderne Psychologie erklärt, keimende Kinderseelen und ihr sexuell bedingtes Mitteilungsbedürfnis sollte man nicht hemmen. Das könnte zu geistigen Blähungen, Konvulsionen sind nicht auszuschliessen – und damit zu traumatisch triebbedingten Verhaltensstörungen führen.

Ich bin blockiert und verhaltensgestört, weil wir in unseren Schulen weder Pimmel noch Titten auf Pultdeckel oder an die Wände der Bedürfnisanstalten malen durften. Sogar an der Uni kamen die WC Wände ohne die nun überall üblichen Graffiti aus.(1) Jetzt im hohen Alter leide ich im keuschen Kaff besonders darunter. Wenn eine Dorfschlampe verstohlen den Rock hebt um ihre Leibesblöße zu ventilieren, oder blitzschnell ihre Bluse bis zu den Brüsten hochzieht, fühle ich mich immer  angesprochen. Besonders dann, wenn das Fallobst günstig, oder gratis angeboten wird. Glücklicherweise bereichern nicht nur gelangweilte Mia Noi, Zweitfrauen dritter Klasse, das Leben im Dorf. Da wird noch richtig geheiratet.

In der Schule ließ man die Tische übermalen. Von weiteren Diskussionsrunden wurde Dick fortan ausgeschlossen. Die Aufsicht an der Schule ist mehr als mangelhaft. Es ist peinlich, was sich die Jugendlichen alles erlauben dürfen. In den Pausen wird bereits von dreizehnjährigen öfters eine schnelle Paarung, Fachsprache Quickie, eingelegt. (2)

Gestern vernahmen wir bei einem Spaziergang durchs Dorf unfreiwillig, zwei vierzehnjährige sollten eine Heiratsvereinbarung treffen. Zwei Elternpaare konferierten lautstark. Ein neues Kapitel Dorf-Seifenopfer ohne Bild. Diese Eltern vernachlässigten Erziehung und jegliche Sorgfalt. Sie wollten es nicht wahrhaben, daß ein junges Ding seit Monaten zwei bis dreimal pro Woche die Nächte und ihre schulfreie Zeit mit ihrem gleichaltrigen Freund verbrachte. Die Mutter muß zudem einen schweren Sehfehler haben. Bis zum sechsten Monat bemerkte sie nicht, daß ihre Tochter schwanger war. Als darüber hitzig gestritten wurde, hing sich das Mädchen so unsachgemäß auf, daß es gerettet werden konnte. Das ist in diesem Quartal mindestens die zweite Schwangerschaft in Mowglis Klasse. Abtreibungen sind gratis und weit verbreitet.

Wie erziehen nach der Geburt fünfzehnjährige Eltern einen Säugling? Wie ortsüblich gar nicht. Die Mutter wird, wenn sie nicht bereits wieder guter Hoffnung ist, als sechzehnjährige in einer Bar anschaffen. Wehe dem Farang, der auf die süße Kleine mit vielen Mandelaugen und einem beachtenswerten Vorbau dank Milchleistung, abfährt. Die Polizei wird ihn wegen Verführung einer Minderjährigen zur Kasse bitten oder gröberes Geschütz auffahren.

Wenn die Polizei, wie üblich, untätig bleibt, wird es für den naiven Farang noch teurer. In einer Art pseudoreligiösem Wahn, vielleicht ist es ein Gutmenschsyndrom, wird er versuchen, die junge Frau der Gosse, das heißt, dem angenehmen Leben in der Bar, zu entreissen. Dazu sendet er ihr regelmässige Unterhaltsbeiträge. Das ist nicht nur Entwicklungshilfe, sondern höhere Selbstbefriedigung, denn bei jeder Zahlung erinnert er sich an das liebreizende Wesen mit dem Besentrick. Würde ihn ein Richter zu Alimenten verknurren, risse er stocksauer das Maul auf. Er ist ahnungslos, daß diese verdorbene Kindfrau bereits mehrfache Mutter ist. Aber beim nächsten Besuch in Thailand wird er seine Süße mit Geschenken überhäufen und in seine Heimat einladen!

Wenn eine junge Frau, wie ich es erlebte, zwei oder gar drei großzügige Spender hat, könnte sie sich zur Ruhe setzen. Aber, je mehr Geld fließt, desto weniger hat sie. Es wird investiert, in eine Hütte für die Mutter, in Fahrzeuge, in falschen Schmuck, in schrille Klamotten und bodenlos ins Glücksspiel, denn man benötigt ja noch viel mehr. Für lohnende Treffer beim Glücksspiel sorgen üppige Opfer im Tempel. Sonst investiert frau in schwarze Magie.

Kritische Situationen für dämliche Damen entstehen nur, wenn die Herren Sponsoren ihren Urlaub in Hinterindien gleichzeitig antreten sollten.

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Graffiti

(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Quickie

 

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