Souvenirs

Der Wein ist gegenwärtig zum Weinen. Besonders nach den europäischen Spitzentropfen, ist das hiesige Angebot von der Menge her gut, von der Qualität her äußerst bescheiden. Der Wein ist so schlecht, daß oft eine halbe Flasche übrig bleibt. Diese Traubensäfte haben nicht einmal die notwendige Schwerkraft, um automatisch in die Gurgel zu fließen. Sie schlucken sich wie mißratener Getreidebrei.

Vor einigen Jahren kauften wir in Nim City, Chiang Mai, einen einfachen Amaronegro aus Apulien. Der erste Schluck offenbarte einen erlesenen Geschmack im Munde, ein Hauch wie von legendärem Amarone von G. Brunelli. In Gedanken sah ich die Kirche auf dem Hügel über San Pietro in Cariano, Valpolicella. Darum herum das gesegnete Rebland. 

Nach unserer Rückkehr entdeckte ich eine Flasche Amaronegro eines anderen Produzenten. Die griffige, grüne Flasche aus echtem Glas wirkte solide. Die Etikette sah ansprechend aus. Vorsichtigerweise kauften wir keinen Karton davon. 

Auf unseren Reisen goss es teilweise ausgiebig. Da stand irgendwo, einsam ein alter, grauschwarzbrauner, zweirädriger Handkarren aus echtem, verwitterten Holz. Die grossen Holzspeichenräder waren mit Metallreifen beschlagen. Es regnete. Das Wasser floß über den Karren, über die rostroten Reifen. Es floß aus den geschmierten, oxydierten Radnaben. Unter einem Rad bildete sich eine imposante Pfütze von öligem Rostwasser eines frisch gewaschenen, beinahe antiken Handkarrens. Genauso war der Geschmack dieses Amaronegro. Keine Spur der Sonne Apuliens. (1) 

Aus medizinischen Gründen wurde mir von Milchprodukten vor vielen Jahren abgeraten. Milch mochte ich nie besonders. Auf die meisten Hartkäse, außer Greyerzer, Emmentaler oder Parmesan, verzichte ich gerne. Bei den weichen Sorten gefallen uns Brie und Camembert, mir besonders die würzigeren Gorgonzola und Roquefort, um einige zu nennen. In sieben Wochen genossen wir zu zweit etwa ein Pfund hochwertiger europäischer Produkte. Das waren Gaumenfreuden anderer Art, als in Hinterindien das importierte, nachempfundene Zeug aus Australien, Dänemark und Neuseeland. 

Im Reisetagebuch erwähnte ich unsere Abendausfahrt nach Affoltern im Emmental. Dort steht eine Schaukäserei. Sie wird jährlich von einer viertel Million Menschen besucht. (2) (Angabe ohne Gewähr.) Ich konnte es nicht verkneifen, trotz gefüllter Koffer, ein Andenken mitlaufen zu lassen. Aus einem echten, gut gereiften Emmentaler, ein tolles Loch!

 (1) http://de.wikipedia.org/wiki/Apulien

(2) http://www.emmentaler-schaukaeserei.ch/de/home.html

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