Die Partydroge

Unterwegs zu unserem Treffpunkt bemerkte ich, in den letzten zwölf Jahren reduzierten sich die Reisfelder um das Dorf. Aber noch gibt es sie. Die braunen Enten, sie wurden während der Vogelgrippe praktisch ausgerottet, schnatterten wieder auf den Dämmen. Meine erste Schlummermutter, vom Schnattern her – eng mit Enten verwandt, feierte Geburtstag.

In einem Kommentar jammerte ich kürzlich: ‘Die Sehkraft wurde seit dem zweiten Dengue Fieber deutlich schlechter. Bei geöffneter Blende (schlechte Schärfentiefe oder Tiefenschärfe) brauche ich (zum Sehen) viel mehr Zeit. Gegenwärtig ist das Hörvermögen durch Mittelohrentzündung eingeschränkt. Ich kann nicht einfach irgendwo am Steintisch  zuhören und spionieren. Um Geschichten zu recherchieren, bin ich in Zukunft auf den Tastsinn angewiesen. Aber seit meiner Schulterverletzung, sie brachte mich seinerzeit nach Thailand, ist meine linke Hand zeitweise gefühllos.‘ (1)

Im schummrigen Schuppen,  frühe Gäste labten sich feuchtfröhlich bereits an Häppchen, konnte ich nur wenig erkennen. Die Gastgeberin schien seit unserer ersten Begegnung unverändert. Ein paar Krisen und Skandälchen, die zwanzig Kilogramm, die sie mehrmals zulegte und wieder abspeckte, hinterliessen ohne Scheinwerferlicht keine sichtbaren Spuren. 

Die überbetonten Bässe der Karaoke Maschine lösten schmerzhaftes Klingeln und wahre Explosionen im Kopf aus. Wirken diese tiefen Frequenzen verdauungsfördernd oder hirntötend? Deshalb verstand ich nichts von der sicherlich interessanten Unterhaltung der Gäste. Ausser der sexy Puppe mit der Nudelsuppe waren fast sämtliche Akteurinnen der Geschichten anwesend. (2) Sogar der Fahrer des Unglücksfahrzeuges, ihm verdankte ich 37 Nähte im Gesicht, prostete mir zu.

Im dämmrigen Licht stocherte ich im geheimnisvollen Essen, Es präsentierte sich in dunklen Grautönen. Bloss den weissen Reis erkannte ich auf Anhieb. Der Wind bewegte eine Lampe an der Decke. Hin und wieder zuckte ein Lichtstrahl über Teller und Schalen. So gelang es mir verschiedentlich, etwas Fleisch aus dem aufgetürmten Gemüse zu bergen. Kompliment an die Köchin. Ihre Plättchen schmeckten immer noch sagenhaft. Mit sämtlichen Einschränkungen eines halbblinden, gehörlosen alten Trottels genoss ich den Abend.

Irgend ein Schlaumeier würgte die letzten Milliwatt der schummrigen Beleuchtung ab. Ein Stromausfall war es nicht, denn die Lautsprecher plärrten munter weiter. Dann erstrahlten Kerzen auf einer Torte und erhellten die Finsternis. Möglicherweise leicht angetrunkene Gäste grölten laut, dafür falsch: „Happy Birthday… “ Die Welt war wieder in Ordnung – Schummerlicht ein.

Ein hübsches Kind brachte Khun Low mit einem Knicks ein grosses Stück der kleinen Torte. Zur Sicherheit erkundigte ich mich bei Dick: „Kann ich das essen?“ „No Plobmen,“ schrie sie in mein Ohr. Explosion pur. Herzhaft biss ich zu. Diskret entsorgte ich danach in einer Serviette, wie landesüblich WC-Papier, das Kerzenwachs.

(1)  https://hinterindien.wordpress.com/2012/07/24/drogen-im-garten/#comment-170

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