Töpfe in Hinterindien

Eine gut ausgestattete Küche ist nicht nur eine Augenweide. Sie verlockt, zu Pfannen und Töpfen zu greifen und gleich etwas Schmackhaftes zu brutzeln.
Zu Beginn gab es in den Küchen am Reisfeld bloss Aluminium. Beim Zubereiten eines Currys sah man förmlich, wie der Sud (1) das Metall angriff.

Die Bestecke waren vom Billigsten. Sämtliche Gabeln waren ausnahmslos verbogen. Es gibt immer noch Fressbuden, die ihre, ich gebe es zu, schmackhaften Speisen in Kunststoffgefässen zusammen mit verformtem Besteck anbieten. Die Plastikschalen toleriere ich, solange kein Einfaltspinsel den Kunststoff mit Glimmstengeln bearbeitete. Die Bestecke werden bleiben, weil bedürftige Gäste das Zeug als Souvenirs mitnehmen, ohne zu bezahlen.
Dieses traditionelle Brauchtum wird noch heute in der westlich geprägten Nim City, in Chiang Mai, gepflegt. Da gibt es dubiose Kunden, die bestellen haufenweise Essen, holen sich bei Wine Connection eine möglichst teure Flasche Wein, vergnügen sich einige Zeit mit dem Gebotenen und plötzlich sind sie weg.

Griffige Qualitätsbestecke aus Europa fanden Platz im Koffer. Bei Pfannen gab es einen lokalen Anbieter. Ich möchte für die Firma keine Werbung machen, weil die gebotene Qualität in den letzten Jahren litt. Die Chromstahlpfannen waren so dünn, dass es nicht empfehlenswert war, Haferflocken anzurösten. Die Marke nennt sich wie Pferde im gestreiften Pyjamaanzug. Ihre Kleber, je teurer die Pfanne, desto mehr davon, – liessen sich äusserst schlecht entfernen und beschäftigten mich stundenlang. Mann ist hungrig und möchte etwas Pasta kochen. Nein, geht nicht, hämischer Gruss vom unlösbaren Kleber. Während dessen sabbert Speichel über die Lippen auf den polierten Stahl, weil die Bolognese auf dem Herd bereits verführerische Düfte verbreitet.
In Kochgeschirr aus Aluminium oder rostfreiem Stahl kann Lochkorrosion durch Chlorfrass  auftreten. (2) Liegt Salz (Natriumchlorid, NaCl) im Wasser am Boden von Töpfen und Pfannen , können kleine Löcher, der Lochfraß, entstehen. Lochfraß wird verhindert, wenn das Salz in kochendes Wasser gegeben wird. (3)

Ich hielt immer wieder Ausschau nach Küchenutensilien. Namen wie Kuhn Rikon, WMF, Tefal, Landert, Le Creuset, Bialetti fehlten in der Lanna Küchenlandschaft. Plötzlich waren sie da. Kochtöpfe mit aufgesetzten Böden von neun Millimetern dicke. Der Name Meyer stank förmlich nach deutscher Qualität. Ich irrte mich, weniger bei der Qualität, als beim Namen. (4)

Meyer ist weltweit der zweitgrösste Hersteller von Küchenutensilien. Ein Herr Stanley Cheng begann 1971 in Hongkong im 1951 gegründeten Familienbetrieb erfolgreich mit der Herstellung von beschichteten Aluminiumpfannen und expandierte rasch.
Der Name Meyer ist eine Komposition aus den chinesischen Schriftzeichen “Mei“, schön und “Yah“, Asien.
Meyer produziert und vertreibt mittlerweile aus zwölf Ländern rund um den Globus. In Thailand steht eine Fabrikhalle. Sie weist eine Fläche von über einer Million Quadratfuss auf, das sind 93 000 Quadratmeter. Durchschnittlich werden hier pro Tag 100‘000 Pfannen hergestellt, an Spitzentagen bis 140‘000.

Noch immer liebäugle ich mit Durotherm. Mit Meyer bin ich zufrieden. Einige Pfannen zeigen Gravitationsschäden, weil grazile Lannarierinnen Töpfe nicht von Flugzeugen unterscheiden können.

  Mei Yah

Meine Meyer Pfannen hatten keine Kleber!

(1) http://www.kochrezepte.de/magazin/fachbegriffe.92.Sud.html
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Lochfra%C3%9Fkorrosion
(3) http://www.kochen-essen-wohnen.de/pflegehinweise-von-toepfen-und-pfannen.html
(4) http://www.meyergroup.co.uk/aboutus.html

Fragwürdige Internetnutzung 2

Fortsetzung

Dann versuchte ich, den beschlagnahmten, elektronischen Schlafverhüter zu starten. Es ging harzig, mit Fehlermeldungen: Kein freier Speicher. Die Festplatte ist in vier virtuelle Laufwerke aufgeteilt. C: ist eigentlich für das Betriebssystem und häufig benötigte Programme reserviert. Trotz wiederholter Einführung und eingehenden Erklärungen, müllte der vergessliche Benutzer C: einmal mehr unbeirrt mit gigabyteweise Musik zu.

Vier Megabyte Speicher enthalten drei Minuten MP3 Musik. (MP3 nutzt die Psychoakustik mit dem Ziel, nur die bewusst hörbaren Audiosignale zu speichern. Dadurch ergibt sich eine starke Reduktion der Datenmenge. Eine Compact Disc könnte das Achtfache in MP3 Kompression speichern.) Ein Gigabyte speichert 250 Titel, mal drei ergeben 750 Minuten, gleich 12,5 Stunden Lärm und Geräusch. 10 Gigabyte berieseln 125 Stunden, immerhin 5 Tage, nonstop
Ohne jegliche Selektion speicherte er jeden Mist, doppelt und dreifach. Nicht auf den fast leeren Partitionen D:, E:, oder F:, sondern auf C: – bis nichts mehr ging. Heutige Festplatten für Süchtige und Filmfreunde haben Speicher im Terabyte Bereich!

Nach dem Entschrotten schaute ich die Benutzungszeiten des Gerätes genau an. Der listige Dreckskerl startete üblicherweise nach Mitternacht, oder wenn bei uns im Haus die Lichter ausgingen. Er benutzte das Gerät bis 4 Uhr morgens. Zwei Stunden Schlaf reichten dann für die Regeneration seines ausgebrannten Betriebssystems nicht mehr aus.

Irgendwoher kriegte er einen Internetzugang. Meinen bestimmt nicht. Ich schraubte für den Hausgebrauch beim dLink die Antenne ab. Die Reststrahlung genügt für die Innenräume.
Eine weitere Überraschung zeigten Email und soziale Netzwerke mit dreitausend empfangenen Mitteilungen pro Monat!
Der Inhalt: Links auf Porno, Spiele, YouTube und MP3. Fingern an Smartphones macht aus Hohlköpfen Giganten!
Hundert Prozent meist fehlerhafte Kommunikation in Thai. Nach einem einzigen Satz waren Gehirn und Finger überfordert. Zwei Drittel der Botschaften stammten von Mädchen mit der wichtigen Aussage: “Muschi und ich benötigt Freund.“ Nach mehreren Dutzend ähnlichen Botschaften, verweigerte begreiflicherweise die überforderte Dolmetscherin den Dienst.

Unsere Lösung: Zwecks Förderung der Nachtruhe verschenkten wir seinen Laptop. Er benutzte in den letzten Monaten kein einziges der Office- oder anderen Programme. Unsere Mails aus Europa beachtete er nicht.
Er erhält bei guter Führung einen MP3 Spieler mit 4 Gigabyte. Der muss seinen sämtlichen zukünftigen Anforderungen genügen.

Ich bin kaum besser. Mein Bewusstsein sagt: Blog ist höchstens Edel Spam! Wenige Artikel sind lehr- und hilfreich. Andere amüsant, langweilig und unnötig. Bisher konnte ich in und mit Hinterindien einige Menschen vor Schaden bewahren. Viele lachten, wenige dachten. Darum blogge ich vorerst unverzagt weiter. Zumeist vor Mitternacht.

http://de.wikipedia.org/wiki/MP3
http://de.wikipedia.org/wiki/Psychoakustik
http://www.koepenick.net/mp3.htm
Facebook:
http://www.blick.ch/news/ausland/15-jaehrige-von-auftragskiller-ermordet-id2007176.html
Die Regierung scheint betreffend Facebook den Angestellten grosse Freiheiten zu gewähren: http://www.bangkokpost.com/news/local/311386/interior-ministry-bans-facebook-use

Fragwürdige Internetnutzung 1

                                                         16. August 2012

Für viele Auswanderer ist das Internet die Nabelschnur zur alten Heimat. Zeitungen wie Bild und Blick erlauben unnötige Information über unbedeutende Ereignisse. Der rasche Kontakt mit Angehörigen und Freunden ist möglich, ohne dass ich Zeitverschiebungen wie beim Telefonieren, berücksichtigen muss. Für mich sind neben Kontakten mit Mitmenschen die Geldüberweisungen wichtig. Ohne Internet wäre mein Leben in Thailand schlecht möglich. 
Google und Wikipedia ersetzen teilweise meine Bibliothek. YouTube ist eine unglaubliche Fundgrube für verlorene Musikkonserven. Knapp die Hälfte meiner Compact Discs nahm ich mit. Manche der über die Jahre gut gepflegten Schallplatten, bereits deren Hüllen waren beinahe Kunstwerke, verschenkte ich an Interessenten. Es gab mehr Platten als Sammler. Mit den Büchern war es dasselbe. Was passierte mit dem Rest? Die Frage erübrigt sich. Hier wären diese Artikel im Laufe der Regenzeit Brutstätten für Insekten und Schimmelpilze geworden. Uns genügt der grassierende Amtsschimmel mit immensem Aufwand und unglaublichen Wartezeiten.

Fliege verleiht Daten Flügel 3G

Durch all die neuen Kommunikationsgeräte wurde der Zugang zum Medium Internet ebenfalls für intellektuell Unterbelichtete und andere Schwachköpfe möglich. Gedankenloses herumfingern auf Glasoberflächen bei Diskussionen verfluchte ich schon bei den ersten Bildschirmen. Was jeden Kriminaler begeistert hätte, reichlich Fingerabdrücke, durfte ich nachher entfernen. Mittlerweile entwickelte sich die Spielart zum Weltstandard. 
Wie wenig Substanz dazu genügt, zeigte meine siebzehn Monate alte Enkelin. Sie war in der Lage, iPhone zu nutzen. Nicht zum Sprechen, das konnte sie noch nicht. Aber im Schnellfingern war sie sackstark. So stark, dass ich alter Esel beim Bildlein betrachten kaum folgen konnte. Letzte Woche gab es wieder Telefonanrufe aus der Schule. Unser Wunderknabe sei wiederholt eingeschlafen, ob er denn keine Medikamente mehr nehme. Ratlos brachten wir ihn ins Krankenhaus. Dann beobachtete Mae, wie er die Pillen schluckte. Dennoch gab es keine Besserung in der Schule.
Gestern spät in der Nacht kontrollierte Dick, ob das Bürschchen schlief. Er tat als ob, aber da stand der Laptop. Der war nicht nur warm, der war heiss. Sie behändigte das Gerät samt Zubehör. Damit er betrügen konnte, stellte er den Bildschirmschoner auf eine Minute, sprang bei sich nähernder, drohender Gefahr schnell ins Bett und automatisch – zack – war das Bild weg.

Fortsetzung folgt

Kein Fischerlatein

Hinter und vor dem Haus gibt es je einen Teich. Anfänglich setzte ich Zahnkarpfen und Fadenfische ein. Liebliche Seerosen erfreuten das Auge. Papyrus wucherte. De Fische gediehen und vermehrten sich. Die wachsenden Gurami frassen die Seerosen ratzekahl. Zum Gemüse verschmähten sie Guppy nicht. Dick fütterte die stets hungrigen Speise Gurami, Osphronemus gorami, mit Kokosraspel und Gemüseabfällen. Bei guter Laune fiel hin und wieder ein Häppchen für mich ab. Später verspiesen wir diese Fische selbst. Das Fangen war nicht ganz einfach. Die einst kleinen Fischlein entwickelten sich zu gewaltigen Brocken und wogen an die sieben Kilogramm.

Bei Überflutungen des Gartens hatten die Fische zwar freien Ausgang. Sie weideten unter Palmen und Sträuchern. Wenn der Wasserpegel sank. kehrten sie freiwillig in die Becken zurück. Von den grossen Gurami verloren wir keine.
Nur als sie erst halbwüchsig waren, also in der Pubertät, verirrte sich mal einer zum Beauty Salon. Vermutlich wollte er ein Schuppenmittel.

Die Mosaik- und Marmor-Fadenfische fanden wir wieder, als die Trübung verschwand. Die Fadenfische zeigen ein interessantes Brutverhalten. Die Männchen bauen Schaumnester und übernehmen die Pflege. Ungefähr einen Tag nach dem Laichen, schlüpfen sehr kleine Larven. Sie tragen einen  Dottersack mit einem Ölanteil. Dessen Auftrieb hält sie weiter im Schaumnest. Aus dem Nest gespülte Larven werden vom Männchen mit dem Maul eingefangen und zurück in das Nest gespuckt, sofern Väterchen nicht unter Schluckauf leidet.

Möglicherweise nahmen einige lebendgebärenden Zahnkarpfen (Poeciliinae),vor allem Guppy, Reissaus. Aber bei deren Gebärfreudigkeit spielte das keine Rolle. Vielmehr zeigte sich eine wundersame Vermehrung der Arten. Aale fühlten sich in den Wurzeln des Papyrus wohl. Wir fanden zwei Gattungen, die wir ohne Netz und Angeln fingen.
Die Schlangenkopffische gehen in der Regenzeit auf Wanderschaft.
Ein Suprabranchialorgan im Kiemenraum, das aus einem gefalteten und gut durchbluteten Epithel besteht, ermöglicht ihnen Luft zu atmen. Die sammelten wir wiederholt im Gras ein.

Wandernder Schlangenkopffisch. Zwischenstation auf dem Weg in die Bratpfanne.

Kampfbereit und aggressiv sind die Tausenddollarfische, Pla Klaey, Chitalata Ornata, bei Revierkämpfen. Diese aussergewöhnlichen Raubfische sind zugewandert. Ich hatte keine Ahnung von ihnen. Dick fand innerhalb weniger Tage zwei. Sie sprangen im Garten in den Tod. Die Länge betrug ungefähr fünfundfünfzig Zentimeter .

http://de.wikipedia.org/wiki/Fadenfische
http://de.wikipedia.org/wiki/Lebendgeb%C3%A4rende_Zahnkarpfen
http://www.aquatips.de/bild.htm
http://joomla.igl-home.de/phpBB3/viewtopic.php?f=19&t=4137
http://de.wikipedia.org/wiki/Schlangenkopffische

Traumreisen, Reiseträume

                                                                                 11. August 2012      

Vor wenigen Wochen verloren wir unter besonders tragischen Umständen einen lieben Kollegen. Ich wusste gar nichts davon. In den vergangenen Tagen dachte ich oft an ihn und eine gemeinsame Reise um 1987.
Wir flogen von Zürich nach Bangkok, verbrachten dort einige Tage. Wir buchten einen Flug nach Singapur mit BIMAN. Fast alle Passagiere, die meisten aus Bangladesch, beteten bei der eindrücklich sanften Landung. Die Rückreise nach Bangkok erfolgte auf holprigen Strassen, in altehrwürdigen Fahrzeugen mit defekten Kupplungen und ausgeleierten Stossdämpfern. Autobahnen in Malaysia gab es noch nicht.

Wir sahen und erlebten in kurzer Zeit eine Menge. Ein Erlebnis mit Gangstern in Narathiwat schlug ihm erst Tage später richtig auf den Magen. Wir sollten in einem Hinterhof in unserem vermeintlichen Taxi beraubt werden. Mein Armeemesser an der Gurgel des Fahrers wirkte Wunder. Wir setzten uns nach Pattani ab. Nördlich von Songkhla erlebten wir einige glückliche Tage am Strand . Als sein Magen streikte, stoppten wir in Nakhon Si Thammarat.

Wochen später, in der Realität Bangkoks, meinte er etwas traurig:
“Nun möchte ich gerne das echte Thailand kennen lernen.“ 

Dieses Land existiert nur in der kontrollierbaren, manipulierten Umgebung von fünf Sterne Hotels, im Deutschen Fernsehen, in Reise Prospekten und in seinen tiefsten Träumen,.
Ruhe sanft.

Ich hoffe für viele, das Paradies sei keine Illusion.

Luftkurort Chiang Mai

Die Provinz leidet regelmässig in der Trockenzeit unter extremer, hausgemachter Luftverschmutzung. (1) Feinstaubwerte um hundert Mikrogramm sind die Regel. Deshalb wurde der Grenzwert für die Schädlichkeit auf Hundertzwanzig gesetzt. (2) Bei über 200 Mikrogramm verteilten Regierungsangestellte hilflos zehntausende von Papiermasken. Nach zwanzig Minuten sind diese nur noch nutzlose Dekoration.  Polizisten erkennen die feuernden Brandstifter und Wilddiebe den Strassen entlang nicht. Dafür wird lauthals erklärt, die dicke Luft stamme aus den anrüchig schmutzigen Nachbarländern Burma und Laos.

In der EU gilt seit dem 1. Januar 2005 der einzuhaltende Tagesmittelwert für PM10 50 µg/m³ bei 35 zugelassenen Überschreitungen im Kalenderjahr.
http://www.umweltbundesamt.at/aktuell/presse/lastnews/newsarchiv_2009/news090710_1/
http://de.wikipedia.org/wiki/Feinstaub
Die Richtwerte der WHO liegen deutlich unter den rechtswirksamen Grenzwerten der EU.

Einige Stunden Wartezeit an der Immigration in Chiang Mai inspirierten zum Nachdenken. Die wenigen Parkplätze dort sind dauernd besetzt. Wir stellten wohlweislich unseren Truppentransporter an der Chiang Mai Airport Plaza ab und erreichten das Ziel in kurzer Zeit, ohne unterwegs in einer Kneipe hängen zu bleiben.

Dreissig Kopien unterschreiben lösten Krämpfe aus. Dann begann die Reifezeit der gewünschten Stempel und ich wartete auf diese Früchte. Währenddessen beobachtete ich intensiv den Verkehr im Hof des Immigrationstempels, wo Gläubige suchend ihre Runden drehten. Die Fahrzeuge boten wenig Reize, ausser zwei, drei, ungefähr tausend Wochen jungen Importmodellen mit gaumenkitzelnden, erregenden Antriebshaxen und einladend ausladenden Frontspoilern.

Das Thema Luftverschmutzung und Verkehr wurde unvermeidlich. Ich überlegte krampfhaft, warum es nicht stärker stank. Zur Lösung dieses Problems hatte ich einen so einfachen, wie genialen Einfall.
Moderne Triebwerke, Motor sagte man in der Steinzeit der Automobile, moderne Triebwerke sind mit potenten Luftfiltern ausgerüstet. Diese Dinger saugen Dreckluft an und aus dem Auspuff strömt abgereicherte Stadtluft.

Ein Beispiel illustrierte dies eindrücklich. Ein nikotinabhängiger Zeitgenosse sass rauchend auf einem Mäuerchen vor einem seit Stunden luftreinigendem Fahrzeug. Er schlotzte gierig an seinen Glimmstengeln und blies den unvermeidlichen Rauch Richtung Motorhaube. Den staunenden Lesern versichere ich, am Auspuff stellte ich keinen Tabakgeruch fest.

Meine letzte Frage war: “Himmel, wie entsorgt man die verschmutzten Luftfilter?“
Und wieder sandte Buddha eine Eingebung:
„Man kremiert sie.“

http://www.nationmultimedia.com/2009/02/19/national/national_30096069.php

Monatsrückblick

Seit unserer Rückkehr nach Chiang Mai vergingen fünf Wochen. Die tropische Wärme heilte meine gesammelten Frostschäden. Die restlichen Eindrücke vom Gastland, vor allem das Verhalten einiger Bewohner, waren eher demoralisierend. An diese Zustände werde ich mich erst nach meinem Ableben gewöhnen. 

Bier als Getränk und Durstlöscher schmeckte mir selten. Um jedoch genügend Flüssigkeitsaustausch zu gewährleisten, trank ich ausser Milch fast alles. Die meisten Thai Biere mundeten kaum und hinterliessen einen unangenehmen Magensäure Pegel. Vor unserer Reise becherte ich hie und da ein in Pathumthani gebrautes San Miguel. Nach verschiedenen grossartigen europäischen Bieren trank ich nur noch eine Dose davon. Tunten-, nein Tüten-, oder Beutelsuppen der Dynastie Knorr sind bekömmlicher. Meine Sprachkenntnisse leiden bereits wieder. 

Noch schlimmer steht es mit dem Weinangebot. Da werden Flaschen mit gesucht nachempfundenen Namen angeboten. Irgendwo im Hinterkopf läutet ein Alarm-Glöcklein: Betrug. Wir fanden neben fragwürdigem Wein, solche Hersteller müsste man wegen Panscherei* verklagen können, einen natürlichen, ehrlichen, süffigen Frascati. Drei Flaschen konnten wir bei drei Einkäufen über gesamthaft fünfzig Kilometer verteilt, ergattern. Wir klagten unser Leid der hilfreichen Geschäftsleitung. Drei Personen nahmen geduldig meine Bestellung auf. Sie versprachen: “Wir rufen sie an“.  Wir hörten nie mehr etwas vom Frascati.  Anrufe versprechen nicht nur Firmen, sondern häufig schlitzäugige, mandelohrige Schönheiten, wenn sie nicht auf ein Rendezvous erpicht sind.
Denn sie wollen nur das Eine,
möglichst kurz und viele Scheine.

Die Schutzgitter wurden repariert und am vergangenen Freitag montiert. Der Chromstahlspezialist versteht sein Handwerk.

Bierdose und Mauerbruchstücke. Lochdurchmesser 5 mm. Bohrmaschine Bosch

Beim Bohren im Mauerwerk war er weniger feinfühlig. Den Herrn werde ich mir für einen allfälligen Abbruch vormerken. Die nächsten Tage arbeite ich als Zahnarzt. Ich fülle Löcher im Haus … mit Zement. Die Gitter sind zusätzlich unter Spannung. Als Strombegrenzung dient eine in Serie geschaltete Glühlampe. Kitzelt es zu wenig, tausche ich einfach die Lampe in der Fassung aus.

Unser Unpflegling, abgekürzt Flegel, sagte todernst neulich kurz vor Mitternacht: “Ich kann keine Schularbeiten machen, ich kann nicht schlafen, aber spielen könnte ich!“

Ich fragte mich: „Wie kommt es, dass bereits ein kleiner Junge, ein Schulanfänger zum PC abhängigen Spieler wird?“ Entweder schrieb ich zu schnell, oder ich recherchierte zu langsam. Wenn Mama in ihrem eigenen Escort Service gegen schnödes Geld, echte und ewige Liebe verkauft, dann muss der Kleine mit Computern spielen. Papa kann sich nämlich nicht um Sohnemann kümmern. Er fährt Taxi in Bangkok.

* Große Aufmerksamkeit erregte 1985 der Glykol-Skandal, als österreichischen Weinen Frostschutzmittel zugesetzt wurden. In Italien wurden 2008 70 Millionen Litern Billigwein nicht unbedingt gesunde Substanzen wie Düngemittel und Salzsäure beigefügt. 

http://de.wikipedia.org/wiki/Panschen
http://www.sueddeutsche.de/leben/jahre-glykolskandal-suesses-gift-1.989808

http://www.sueddeutsche.de/leben/wein-skandal-in-italien-skandale-haben-auch-etwas-reinigendes-1.194914

Brutales Ende der Reis Enten

6. August 2012

Den Aufsatz “Partydrogen“ wollte ich nachträglich mit einer Fotografie der zurückgekehrten Enten schmücken. Die braunen Tiere leben im braunen Wasser, auf braunen Dämmen, im noch braunen Reisfeld. Um endlich ein bescheidenes Lob für eine aussergewöhnliche Aufnahme einzuheimsen, benötigte ich gutes Licht mit etwas Kontrast in den Brauntönen. Deshalb wartete ich geduldig auf eine günstige Gelegenheit.

Bevor ich mich zum Reisfeld aufmachte, nahm ich die Kamera, formatierte den Speicher und hobelte die Linse mit einem selten benutzten, schön gefalteten, trockenen Taschentuch. Ein altes Erinnerungsstück, reine Leinenqualität mit gestickter Initiale. Ein Geschenk meiner, vor etwa fünfunddreissig Jahren verstorbenen, Grossmutter. Diese Taschentücher würde ich gerne weiter vererben. Die überleben noch manche Kamera. Aber, wer will im Zeitalter von Kleenex, noch anständiges, griffiges Tuch?

Am Reisfeld fehlten dann die Enten. Ich stellte unangenehme Fragen wie: „Wer hat sie aufgefressen?“ In der guten alten Zeit schnitt einer die Grasnarbe am Wegrand mit einer Machete oder einer Sense. Heute dagegen benutzen bequeme einheimische Spezialisten Herbizide, die sogenannte Chemiekeule. Ob Rückstände in den Reis gelangen, interessiert keine Sau. Ob die Enten überleben, desgleichen. Einige starben schnell. Andere zuckten länger.
Sollte einer im Dorf nach dem Genuss von Gaeng Ped, das ist Entencurry, die Schraube ins Nibbana drehen, erhöht sich der Intelligenzquotient im ganzen Lande.

In Enten wurden Antikörper des Hühnergrippe Virus nachgewiesen. Sie erkrankten selbst nicht. Trotzdem wurden sie gnadenlos verfolgt. Eventuell tragen sie die Substanz seit tausend Jahren in sich.

Kleptomanewitsch klaut Kehrichtkübel

3. August 2012

Lange Zeit schrieb ich wenig über unseren undurchschaubaren Nachbarn. Er liefert fast täglich Verpestung und Schlagzeilen. Ich ignorierte ihn.
Als ich den üblen Kerl kennenlernte, war ich in der Schweiz. Ein Bekannter bat Kleptomanewitsch als selbstangepriesenen Gartenspezialist, meine damals acht Quadratmeter Gras zu schneiden. Der ahnungslose, gutgläubige Farang bezahlte ohne jegliche Überlegung vierhundert Baht. Er bemerkte nicht, dass gleichzeitig die Rosenstöcke entfernt wurden.

Damals waren 200 Baht ein Tagesverdienst. Hätte der Lump das Gras von Hand geschnitten und dazu ein Chang geleert, wäre die Aktion in 15 Minuten erledigt gewesen. Das Ausgraben der Blumen dauerte vermutlich länger. Das nächste Mal klaute Kleptomanewitsch sieben Quadratmeter Fliesen. Mein Problem, derselbe Farbton war nicht mehr erhältlich.

Der Mann stiehlt alles. Von Setzlingen, über Pflanzen, Bäumen, zu Fahr- und Motorrädern bis zum Tuk-tuk. Von einer Baustelle liess er 20 grosskalibrige Betonröhren mitlaufen. Wozu? Die Dinger dekorierten während Jahren sein Anwesen. Besucht er jemanden, fehlen danach Kleinigkeiten. Öl, Ketchup und Fischsaucen verschmäht er nicht. Sogar aus dem Büro seiner Frau im Flughafen, entfernte er für ihn unbrauchbare Utensilien. Demnächst wird er sich einen riesigen Traktor organisieren. Zwei Sätze bereifte Räder sind bereits eingelagert.

Vor zwei Jahren bekam er Probleme mit den Behörden wegen der Tierhaltung. Er hatte hunderte von Hühnern, kranke Enten und Gänse. Seine Schweine brachen aus, spazierten im Dorf und knabberten an allem. Dutzende Hühner nisteten in unseren Bäumen. Ein Spezialanzug mit Kopf- und Nackenschutz war zum Betreten des Gartens erforderlich, denn von den Ästen fielen nicht nur Eier.

Kochte er für die Tiere, roch es erbärmlich. Als Futter fanden ebenfalls Abfälle vom Flughafen Verwendung. Noch grauenhafter als das Futter stanken die Fäkalien. Wir baten den Dorfvorstand um eine Besichtigung des Landwirtschaftsbetriebes.

Minibusladungen Verwaltungsangestellte, Ärzte, Veterinäre, Funktionäre und Polizeioffiziere besuchten und fotografierten das Gelände. Dutzende von Aktenordnern wurden gefüllt. Man erklärte ihm, die Siedlung sei kein Ort für Massentierhaltung. Er hielt sich nie daran.
Er baute ohne Bewilligungen Ställe für Enten und Schweine. Zeitweise war der Gestank unerträglich. Nachdem wir die Untauglichkeit der Massnahmen und die Untätigkeit der Behörden feststellten, reagierten wir  nicht mehr. Wir überliessen die Reklamationen anderen Nachbarn. Irgendwo ganz oben, hat der Kerl einen Beschützer.
Vor einer Woche kam wieder einmal eine Flotte von Minibussen aus Hangdong und Chiang Mai. Es hagelte erneut Bussen und Auflagen. Jedes Mal wurden fünftausend Baht kassiert. Woher stammt all das Geld? Es stinkt weiter.

Seit wenigen Jahren betreibt die Gemeinde Kehrichtabfuhr für einige Baht im Monat. Vorher war das Abfallunwesen privat organisiert. Wir bezahlten horrende Gebühren, mit dem Resultat, dass zwar häufig kassiert, aber kaum entsorgt wurde. Herr K bezahlte nie. Er verbrennt, wie bereits seine Vorfahren feuerten – mit dem kleinen Unterschied, damals gab es keine Kunststoffabfälle. .

Wir bezahlten bescheidene vierzig Baht und erhielten Kehrichtsäcke. Es war unbefriedigend. Die Leute betrogen und benutzen preisgünstigere Säcke von Grossverteilern. Das Einsammeln der Säcke, sie wurden öfters von Tieren beschädigt, erwies sich als mühsam. Die Gemeinde verkaufte darauf schön nummerierte Kunststoffkübel als Behälter für die Säcke. Die Kübel wurden leider gestohlen. Wenn die Kehrichtmänner frühmorgens anrückten, waren nur noch Säcke, keine Kübel vorhanden.

Gestern, am hochheiligen buddhistischen Feiertag Asalaha Bucha, wurde Kleptomanewitsch verhaftet. Seine Diebestouren führten bis ins benachbarte Hangdong. Schlecht für ihn war, dass mehrere Kameras seine rastlose Tätigkeit aufzeichneten. Der Fall war eindeutig, als die Gesetzeshüter auf seinem Gelände über hundert Kübel fanden. Für hunderttausend Baht, woher stammt das Geld am Feiertag, denn Automaten spucken wegen der grossen Nachfrage bloss zweitausend Baht, liessen ihn die Beamten wieder laufen.

 

 

Verheißungsvoller Nachwuchs?

Im Umkreis von 70 Metern leben unabhängig voneinander fünf Kinder. Sie alle machen ihren Erziehern das Leben schwer. Ein kleines Problem ist der hirnlose Umgang mit Technik. Besonders Fahrzeuge, Computer und Smartphones werden missverstanden und beliebig missbraucht.

Laut Aussage der Lehrkräfte sind etwa zehn Prozent der Schüler spielsüchtig. Sie vegetieren in ihrer eigenen Welt. Sie kennen weder Realität, Ordnung noch Gesetz. Sie betrügen und stehlen. Das ist  in vielen Filmen und Spielen üblich. Hätten sie Schiesseisen, würden sie gedanken- und skrupellos angewandt. Die Gewaltbereitschaft ist extrem hoch. Die Schule beschäftigt nun speziell für solche Kinder einen Psychologen. Ist es Prävention oder eher Schadensbegrenzung?

Der kleinste Gauner ist erst acht Jahre alt. Er erzählte seinen Lehrern mehrmals, er müsse dringend auf die Toilette. Er kam nie zurück, sondern rannte weg und setzte sich in den nächsten Spielshop. Die absolut unfähigen Pädagogen konnten sich gegen das Bürschchen nicht durchsetzen. Jetzt muss Mutter in der Schule neben dem Bengel sitzen und auf ihn achtgeben. 

Der benachbarte Polizeioffizier ist Vater einer hübschen Tochter. Sie hatte alles. Viel mehr, als man mit fünfzehn Jahren unbedingt braucht. Neben dem gesammelten elektronischen Schnickschnack hatte sie einen Freund. Sie verfügte über einen eigenen Wagen. Wir sahen sie längere Zeit nicht mehr. Sie lebt nicht mehr zu Hause. Sie klaute den Eltern fünfzigtausend Baht und gab nie Auskunft darüber, was mit dem Geld geschah. Sie ist offenbar genauso verstockt und starrsinnig, wie unser Nachwuchs Einbrecher. 

Ein hingebungsvolles Kapitel ist das Geschwisterpaar in der Nähe. Die halbwüchsige Frau wurde mehrmals aus Schulen geschmissen, weil sie schamlos mit ihren Reizen die Jungs aufgeilte. Während Mutter arbeitet, schleppt ihr Bruder zwecks Leibesertüchtigung Frauen an.

Stöhnen und Schreie der Lust erfüllen dann die von Jasminduft geschwängerte, von Schmetterlingen bevölkerte Luft.

Am letzten Sonntag staunte ich nicht schlecht, als keine fünf Meter vom Gartentor entfernt, auf dem Strässchen der Einakter: „Liebe auf dem Motorrad“ einstudiert wurde. Während sich zwei unverfroren der Liebeskunst widmeten, filmte ein dritter Jugendlicher mit Tablet oder Smartphone die eindrückliche Szene ausdrucksstarker Amateure..

Ausgerechnet danach wurde mein Zugang zu youporn wieder geblockt. Zu gerne hätte ich über den tiefempfundenen Heimatfilm, so an die zwölf Zentimeter dürften es gewesen sein, eine Geschichte geschrieben. 

Ähnliche Berichte:
http://www.bangkokpost.com/breakingnews/301268/schoolc-sex-clip-shows-weakened-society
http://www.youporn.com/
Zum Schmunzeln:
http://www.wochenblitz.com/nachrichten/bangkok/29586-ict-ministerium-verschwendet-steuergelder.html?utm_source=Wochenblitz+Clean+All&utm_campaign=76e730c1a7-Aktuelle+Nachrichten+aus+Thailand&utm_medium=email#contenttx