Wat Phra Sri Rattana Mahathat Woramahawihan

Dieser Tempel wird in Phitsanulok ganz einfach Wat Yai genannt. Er befindet sich am Ufer des Nan Flusses nahe der Naresuan Brücke.Der aus der Regenbogenpresse bestens bekannte König Maha Thammaradscha der Erste von Sukhothai gründete 1357 das zugehörige Kloster.
Wat Yai ist in ganz Thailand bekannt für den Phra Buddha Chinnarat.

Eine Inschrift besagt, der Guss wurde vor über 700 Jahren durch König Mahathamaracha Lithai, Sukhothai Dynastie, (auf Drängen seiner Freundinnen) angeregt. Kopien des Phra Buddha Chinnarat stehen in Tempeln wie Wat Benchamabophit in Bangkok und Wat Saranat Thammaram in Rayong.

Hinter dem berühmten Tempel steht einsam und verlassen neben einigen Säulen der ältere Buddha Phra Attarot, aus dem Jahre 1257.

Erneut verbrachten wir einige Zeit in der Stadt. Während Dick sich ihren Geschäften widmete, besuchte ich Wat Phra Sri Rattana Mahathat täglich und beobachtete das bunte Treiben gläubiger Scharen. Vor längerer Zeit beschrieb ich das unglaubliche, aber eigentlich sinnvolle Recycling von Devotionalien im Tempel.(1) Anfänglich bereitete mir dafür das Verständnis erhebliche Mühe. Kommerz war für mich damals mit Buddhismus noch nicht vereinbar.Als am späten Nachmittag im Wat Yai die schweren Geldschränke weggetragen und die Stätte halbwegs aufgeräumt wurde, brachten Angestellte die beim grossen Buddha geopferten Statuen in die Verkaufsregale zurück. Die prunkvolleren Blumengedecke machten den Kreislauf bereits während des ganzen Tages mit.

Der Kommerz ist unübersehbar. Die Fläche der Marktstände ist wahrscheinlich grösser als die Fläche der Heiligtümer.
Das hat durchaus Berechtigung. Wenn die Gläubigen Europas Sonntags nicht in Scharen nicht in die Kirchen strömen, sind die meisten Verkaufsgeschäfte geschlossen. In den Gotteshäusern läuft ein zeitlich befristetes Programm ähnlich wie in den Massenmedien. Ein Ritual mit Orgelspiel, Texten, Gesang, Gebeten, Taufen und Ankündigungen, inklusive Kollekte. Man sitzt in der krchlichen Kälte auf harten Bänken, dämmert vor sich hin, geniesst gelegentliche Lichtreflexe in den Kirchenfenstern, sucht das Lied im Gesangbuch vergeblich – diese Seite fehlt – und opfert schlussendlich zusätzlich zur Kirchensteuer.
Wenig verständliche Ansprachen, Glaubens- und Lehrveranstaltungen gibt es im Wat ebenfalls, jedoch nicht jederzeit. Der Friede verlangt Opfer. Die Herren in ihren geweihten Safranroben segnen Kampfpanzer und Helikopter mit Raketenwerfern, nebst neuen Kleinstunterkünften und zeitgemässen Verkehrsmittel von Untertanen. Sie leisten Verstorbenen Beistand auf dem Weg ins Nibbana oder zumindest zur Reinkarnation. Sie sind während diesen wichtigen Geschäften vom Tempel abwesend.Während dessen beschäftigen sich benachteiligte Besucher und Gläubige selbst. Sie verfügen meist über wenig Mittel, aber viel Zeit. Sie erlösen sich nach langen Anreisen mit dem vorhandenen Angebot vor einem voraussehbaren Hungertod. Danacht brennen sie Kerzen und Weihrauch an und spenden immer wieder einige Baht.Sie kaufen für Kranke und Sterbende Heilpflanzen und Medizin. Sie konsultieren Wahrsager, um zu erfahren, wann ungefähr mit der Erbschaft zu rechnen sei. Für ein paar Baht gibt es einen heissen Tip für die Glücksnummern der Lotterie. Sie suchen nach Schnäppchen und nach Opfergaben. Andenken an den Tempelbesuch sind wichtig.  Man muss Nachbarn und Freunde beeindrucken. Berühmte Tempel sind wesentliche Wirtschaftsfaktoren.

Empfehlenswert und eindrücklich ist dieses Panorama http://tumrai.com/Chinnarat_Buddha_Pitsanulok_Panorama

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Devotionalie

5 Gedanken zu „Wat Phra Sri Rattana Mahathat Woramahawihan

  1. „In den Gotteshäusern läuft ein zeitlich befristetes Programm ähnlich wie in den Massenmedien.“
    Sorry lieber Low, aber bei allem Verständnis für das Anprangern kommerzieller Auswüchse und allzu weltlichen Verquickungen mit religiösen Handlungen, finde ich ein Sezieren der von außen
    wahrgenommenen Eindrücke bisweilen etwas überheblich.

    Du hast die Gabe, hervorragend zu formulieren, aber manchmal scheinst Du diese Fähigkeit zu nutzen, um einen gewissen Zynismus zu kultivieren. Wem ist damit gedient, wenn Du täglich
    in diesen Tempel gegangen bist, nur um eine bunte Action zu beobachten. Die Bilder sind schön; danke dafür.

    Sei mir nicht böse für meine offenen Worte, denn ich bin überzeugt, daß es auch in besagtem Tempel spirituelle Menschen gibt, die nicht nur zu Buddha beten, um die richtigen Lottozahlen
    und andere weltliche Vergünstigungen zu erlangen. Nur kann mal Glauben nicht fotographieren.

    Alles Gute wünscht Dir,
    kmr

  2. Lieber kmr

    Danke für den kritischen Kommentar und das Lob für die Bilder. Sie sind leider von der Auflösung her nicht besonders gut. Dick benutzte unsere einzige anständige Kamera, nachdem ich die Olympus 510 verschenkte. Sie wurde mir zu klotzig und mit dem Teleobjektiv zu schwer. Mit der SONY CX 210, einer kleinen Filmkamera, knipste ich alle Aufnahmen, ausser Phra Attarot (2005).

    Der Aufsatz fand vergleichsweise wenig Begeisterung. Störten zu viele Bilder den Text?
    Stiess bereits das Wort Wat auf Ablehnung? Wäre der Titel: Kein Biergarten, erfolgversprechender gewesen?
    Mit dem Zynismus liegst du richtig. Sieben Wochen Europa zeigten mir leider, dass Kirchen als Orte stiller Besinnung so hektisch sind, wie das Check-in in Flughäfen.

    Mein Satz des Anstosses war pointiert, aber nicht falsch. In der bernischen Landeskirche sind Pfarrer Beamte und Angestellte der Staatsverwaltung. Die Pfarrer müssen ihren Schäfchen kaum nachrennen. Das Gehalt ist nach Tarif. Die Bräuche andern Orts kenne ich schlecht. Bei Grossmutter jedoch musste der Sonntagsbraten trotz Kirchenbesuch Punkt zwölf Uhr auf dem Tisch stehen.

    Ganz anders verhielt es sich nach meinen Erfahrungen mit christlichen Gemeinden in Malaysia und Singapur. Die Mitglieder deckten sämtliche Kosten für Gebäude und Angestellte. Die Pfarrer umsorgten ihre Gemeinde und flössten richtig gehend Pfingstgeist ein. Der Faktor Zeit war wie in Asien üblich, Nebensache.

    Mowgli lebte auf eigenen Wunsch einige Wochen im Tempel. Das hinderte ihn danach nicht, einzubrechen, zu lügen und zu stehlen. Die Lehre Buddhas hinterliess in ihm nichts als Leere. Der Unglaube, dass Buddha käuflich sei, ist im ganzen Dorf, möglicherweise im ganzen Land tief verwurzelt und verbreitet.
    Solange Lottozahlenverkäufer und Wahrsager im Tempel mehr Interessenten haben, als mildtätige, weise Prediger in Safran, liege ich mit meinen Aussagen schwerlich falsch. Den Gläubigen jeglicher Religion, teile ich mein Bedauern für bösartig empfundene Verunglimpfungen mit.
    Ich versprühte kein Gift, sondern beschrieb bloss peinlich beobachtete Vorgänge. Es tut mir leid, wenn ich zur falschen Zeit am falschen Ort war. Sollte ich demnächst statt Kirchen und Tempel Freudenhäuser besuchen?

    Mit freundlichen Grüssen
    Low

    • Lieber Low, zu Deiner letzten Frage sage ich mal UP TO YOU..

      Besuche in einem Hospiz z.B.könnten aber erhellender wirken, als das
      Mampfen von Kerzen. ;-)

      Danke jedenfalls für Deine ausführliche Antwort und das
      Korrigieren von meinen Schreibfehlern. An Erleuchtung mangelt
      es auch bei mir. Ich hab´s mal mit ´ner Prise Radium versucht; hat
      jedoch nicht wirklich Weisheit gebracht, aber meine Ausstrahlung
      irgendwie intensiviert..

      Mit freundlich-nachdenklichen Grüßen,
      kmr

  3. „Der Aufsatz fand vergleichsweise wenig Begeisterung.“

    Dieser Artikel fand nicht weniger Interresse als andere, auch mit Bildern untermauert. Wer so scharf beobachtet und mit Fotos belegt, was fast alle, die bewußt und kritisch beobachten, sehen können, darf dies nicht in Freudenhäuser tun!!!
    Glauben kann man nicht fotografieren, aber das Drumherum ohne gleich überheblich zu sein.
    Gruß Klaus

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