Fussballförderung aus Hinterindien

Heutige Moguln Asiens kriegen offenbar öfters Fusstritte in ihre butterweichen Birnen. Ich schrieb diesen Satz. Dann überlegte ich, dass ich erst das Wort Mogul erklären müsste. Fusstritte und Birnen dürften zum allgemein verständlichen Wortschatz gehören. (1)

Das Mogulreich existierte von 1526 bis 1858 auf dem indische Subkontinent. Das Kernland lag in der nordindischen Indus-Ganges Ebene um die Städte Delhi, Agra und Lahore. Auf dem Höhepunkt der Macht umfasste das Gebiet im 17. Jahrhundert fast den ganzen Subkontinent und dazu Teile des heutigen Afghanistans.

Die Herrscher wurden als Mogul und Großmogul betitelt. In der persischen Hofsprache, lautete der Titel Pādšāh. Er war dem königlichen Titel Schah übergeordnet und mit dem eines Kaisers vergleichbar.
Der erste Großmogul Babur, 1526–1530, ein aus Zentralasien stammender Fürst der Timuriden, eroberte aus den heutigen Staaten Usbekistan und Afghanistan das Sultanat von Delhi. Als bedeutendster Mogulherrscher gilt Akbar, 1556–1605. Er festigte sein Reich militärisch, politisch und wirtschaftlich.

Shah Jahan war der glanzvollste Mogulherrscher. Die Hofhaltung erreichte den Höhepunkt ihrer Prachtentfaltung. Die Architektur im indisch-islamischen Mischstil gelangte zu erhabener Vollendung. Das Taj Mahal in Agra ist das Grabmal für Shah Jahans Frau, Arjumand Bano Begum, Mumtaz Mahal. Als Hauptfrau starb sie bei der Geburt ihres 14. Kindes, Der Mogul betrachtete das Mausoleum später vom Gefängnis aus. Sein Sohn Aurangzeb vermittelte ihm diesen wenig komfortablen Wohnsitz.

Unter Aurangzeb, 1658–1707, erfuhr das Mogulreich seine größte Ausdehnung. Gleichzeitig kündigte sich durch den theokratischen Führungsstil bedingt, der Zerfall an. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde das Reich eine zweitrangige Macht in Indien.
1858 setzen die Briten den letzten Großmogul ab. Das Territorium hiess fortan Britisch-Indien. Erhalten geblieben sind beeindruckende Zeugnisse der von persischen und indischen Künstlern geprägten Architektur, Malerei und Dichtung.

Zurück zu den neuen Moguln Hinterindiens und ihrem Steckenpferd: Fussball.
Anthony Francis ‘Tony‘ Fernandes, ist millionenschwerer Chef der Fluggesellschaft Air Asia, mit dem Hauptsitz Kuala Lumpur, Malaysia. Seit August 2011 ist Fernandes Hauptanteilseigner des englischen Fußballvereins Queens Park Rangers. Ab 2007 hatte Air Asia eine Kooperation mit Manchester United. Als Passagier war ich damals empört, mit meinem teuren ‘billigst‘ Flugschein einen Fussballklub in England zu subventionieren.

Als Thaksin Shinawatra Regierungschef Thailands war, äusserte er die Absicht, sein Land müsse Manchester United übernehmen. Die Regierung kaufte trotz des enormen Druckes seiner Anhänger den populären Fussballklub nicht.
Nach seiner überraschenden Verabschiedung aus dem Amt, investierte Thaksin 2007 81,6 Millionen Pfund in den Traditionsfußballclub Manchester City. Nach kurzer Zeit fand er einen fussballfreudigen Investor aus Arabien, ich hätte zu gerne ein anderes Attribut verwendet, der Thaksins Spekulation wohlwollend vergoldete.

Doch da ist sie, die Schlagzeile:
Myanmar whisky maker signs deal with Chelsea FC.
(Sunday Times Singapore, Oct. 14. 2012, Seite 24)

Burma ist ein rückständiges Entwicklungsland. Dennoch unterzeichnete der Eigentümer von Grand Royal Whisky aus Myanmar, Burma, einen zwei Jahresvertrag mit dem europäischen Fussballklub, weil im Heimatland keine spektakulären Probleme auf Lösungen und Finanzen warten.
Sofern sie das notleitende Chelsea Team ebenfalls unterstützen möchten, trinken sie thailändisches Singha. Zur Zeit existieren entsprechende Vereinbarungen mit dem Bier Baron.

Echte Projekte für humanitäre Hilfe und technische Zusammenarbeit dagegen, dürfen von griechischem und amerikanischem Schnaps geblendete Europäer, wie beispielsweise die neutrale Schweiz und deren entsprechenden Ämter und Organisationen, jederzeit gönnerhaft übernehmen.
Nun verstehe ich die Forderungen nach weiteren Prozenten für staatliche Entwicklungshilfe. Das ist doch indirekte Finanzierung fifaöser, heisst es richtiger fifaesker, Mannschaftssportarten und ihren darbenden Stars.

(1) http://www.stern.de/panorama/schlaeger-nach-toedlicher-attacke-am-alex-untergetaucht-1910665.html
Taj Mahal, Agra
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Taj_Mahal,_Agra,_India.jpg&filetimestamp=20100821201112

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Tadsch-mahal-af.jpg&filetimestamp=20111013031142

4 Gedanken zu „Fussballförderung aus Hinterindien

  1. Mit diesem Engagement beim FC Chelsea spielt der Reiche Knabe dann halt in der Oberliga mit so bedürftigen Mäzenen wie Herrn Abramovic. Irgendein Hobby muß der Mensch ja haben.
    Früher bauten sich die Mächtigen von Burma noch ihre Privatpagoden in der Ebene von Pagan, um einer Eintrittskarte ins Nirvana näher zu sein, heute wird wahrscheinlich eine VIP-Karte im Chelsea-Stadion an der Stamford-Bridge bevorzugt.

    Grüße
    Samuispezi

    • Danke kmr und Samuispezi für die sachdienlichen Hinweise. Ich vermutete natürlich nicht, dass Kicker so nahe am Nibbana angesiedelt sind.
      Denkt ihr nicht auch, dass wir Menschen, abgesehen von elektronischen Spielzeugen, zusehends anspruchsloser werden?
      Bier, Schnaps und Fussball lassen die eigenen Bälle verkümmern.

  2. Wir kauften Sprudelwasser von Chang (Soda Water). Was entdeckte mein geistig behindertes Auge? Chang ist offizieller Sponsor von Realmadrid. Ich brauche dringend eine Soda Maschine!

    Da fliessen aus Europa Millionen Spendengelder in Waisen- und Kinderheime in Thailand. Da wird gesammelt für Elefanten mit Arthritis, geschlagene Frauen ohne Arthritis und Alkoholkranke ohne Lao Khao. Gleichzeitig fliessen Millionen aus Thailand in die europäische Fussballförderung!
    Meine Entwicklungshilfe ist damit endgültig abgeschlossen. Produkte des Hauses Chang bleiben vom Konsum ausgeschlossen. 21.12.2012, Low

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