Allgemeine Verunsicherungen

Alltagskram in Lan Na Land 

Gute acht Jahre ist es her. Mein schlichtes Traumhaus an den Reisfeldern Nordthailands war gebaut. Waren es bloss Neider, die sich äusserten:
“Schönes Häuschen, Khun Low, aber schlechte Investition. Kein Expat kauft so ein Objekt in einem Slum, genannt Muban – und Thais könnten es nicht bezahlen. Die haben nicht genug Geld!“
Ich wollte weder spekulieren, noch verkaufen, sondern bequem und gemütlich darin wohnen. Deshalb stellte ich einige handgefertigte Kommoden, Schränke, Tische und Stühle aus edlem Rosenholz und weniger edlem Teak hinein.
Im Arbeitsraum, wo nicht nur an Bildschirmen gearbeitet, sondern gelötet, gebohrt, gesägt und gehämmert wird, genügten nach Formalin stinkende billigst Schreibtische aus laminierten Spanplatten.(1)
Die Wände dekorierten Werke ausgezeichneter Künstler. Einige antike Bronzeskulpturen bereicherten als gesundheitsfördernde Staubfänger die Inneneinrichtung. Der Dreck, welcher sich dort ansammelt, ist logischerweise nicht in der empfindlicheren Lunge.

Eine Excel Tabelle zeigte mir, der gesammelte Krempel war mehr Wert, als das ganze Gebäude. Ich hätte ebenso gut in eine Luxuskarosse investieren können.
Halbseidene Freunde empfahlen mir, unverzüglich eine Versicherung abzuschliessen. Eine Amerikanische müsse es sein. Alle diese Bekannten hatten zufällig Frauen oder Freundinnen, die mindestens als Zweiterwerb im lukrativen Versicherungsgeschäft tätig waren. Sie alle waren glücklich und hilfsbereit meine Sorgen anzuhören und schwere Lasten zu teilen. Diese Lasten bestanden ausnahmslos aus Baht Scheinen.

Als ich Dick kennenlernte, flatterte wieder eine saftige Rechnung des Versicherers ins Haus. Sie konnte die Krähenfussschrift interpretieren und mein Verständnis dafür wecken, dass ich wacker zahlen durfte, der Versicherer aber praktisch sämtliche Risiken ausschloss. Für die ausgefeilten Kunstwerke eines Sompop Buttarad hätte man mir grosszügigerweise den Preis für Leinwand und Farbe ersetzt, aber nie den Kaufpreis.
Ich schluckte leer und erinnerte mich an die Kulanz der Mobiliar im Schadenfall.(2)
Weil es ähnliche Verträge im LOS nicht gab, verzichtete ich fortan auf die Verschleuderung thailändischer Währung zur Stützung inflationärer Dollars.
Kurz darauf gerieten AIG und die AIA Töchter in Zahlungsschwierigkeiten.  Am 16. September 2008 musste Uncle Sam dringend mit fünfundachtzig (85) Milliarden Dollar aushelfen – nicht mir, sondern AIG. (3)

Die genauen Hintergründe des Kollapses wurden natürlich unter den Tisch gewischt. Die Schlagzeile:
Am Existenzminimum darbender, erfolgloser Blogger aus Lan Na Land, knackt amerikanischen Milliarden Konzern!“ wurde erst heute geschrieben, weder von Bild noch Blick, sondern von Low und in WordPress veröffentlicht.
Ein Grund für meine vornehme Zurückhaltung war, als distinguierter Verwaltungsrat wollte ich nicht mit gewissenlosen Gaunern am gleichen Tisch sitzen.

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Formaldehyd
http://de.wikipedia.org/wiki/Spanplatte
(2) http://www.mobi.ch/mobiliar/live/index_de.html
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/American_International_Group

Fortsetzung folgt

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