Betrug

Anfänglich genoss ich Abenteuerreisen teilweise in abgelegenen, vom Tourismus unerschlossenen Dörfern. Die grassierende Armut erkannte ich durch meine rosa Brille kaum. Ich fand es  lustig, dass die Schweine gleich beim Verrichten der Notdurft meine Exkremente frassen. Überwältigende Eindrücke blockierten das Gehirn.
Warum sechzehn jährige, anmutige Mädchen mit zwei und mehr Kindern – ohne bezahlende Väter, die Dörfer verliessen, ahnte ich nicht. Nicht einmal, wenn sie offensichtlich, liebenswürdig aggressiv, nebst Müttern, Tanten und weiteren weiblichen Verwandten, um einen jämmerlichen Farang buhlten. Ich nahm an, die Kleinen seien Geschwister. Da gab es Tanten und Onkel, die kaum älter waren. Nachdenken war nicht nur für mich ein Fremdwort. Liebestriebe überlisten Hirn und Verstand dauernd oder noch so lange, bis Fernsehprogramme interessanter werden. 

In kleine Weiler verirrten sich nur selten Fremde. Etwa Leute des amerikanischen Peace Corps. Dessen Schöpfer war Präsident Kennedy. Der Grund war der sogenannte kalte Krieg. Die US Regierung wollte damit den gefährlich wachsenden chinesischen und sowjetischen Einfluss bekämpfen. Diese jungen Amerikaner jagten Ungeziefer – wie Kommunisten – und mit dem in westlichen Industrieländern verbotenen, hochwirksamen Dichlordiphenyltrichlorethan, DDT, Moskitos. (1) Aus der Luft lieferten mächtige, achtstrahlige B52 von U Tapao  wahrend dessen Teppiche, Bombenteppiche. (2) Die Friedensarbeiter waren  wissbegierig, was ich, weit weg von üblichen Feriendestinationen, treibe.
„Ich bringe bildungswilligen Bauern Kultur, – Bücher.“
„Bücher kauft doch hier keiner!“
„Ich verschenke sie.“
„Was verschenkst du denn?“
„Die roten Bibeln – Worte des Vorsitzenden Mao Tse Dong!“ (3)
Der Applaus hielt sich in Grenzen. Selbst christliche Missionare hätten wenig Grund zur Fröhlichkeit gefunden

Fortsetzung folgt

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Dichlordiphenyltrichlorethan

(2) http://www.fdevault.net/HW_silde/Aircraft/UTapao.htm

(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Worte_des_Vorsitzenden_Mao_Tsetung

Ein Gedanke zu „Betrug

  1. Hallo Low,
    ich vestehe Dich !
    Betrug ist das tägliche Leben!
    Egal, ob man als hochintellegenter das Abenteuer sucht, dabei aber aktuelle rote Bibel in der Tasche trägt, oder die Welt verbessern wollte. Die neuen Eindrücke und natürlich auch hohe Testeronhaushalt trugen auch zur rosaroten Brille bei, die aber mit dem zunehmenden Alter und den beginnenden Gebrechlichkeiten vergilbte.
    Fortsetzung folgt…..
    Gruß Klaus

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