Wurzeln

Ein Jüngling trat als Novize in einen Tempel ein. Es war kein Prunkbau am Touristenstrom. Die bescheidenen Gebäude lagen im Wald versteckt an einem Hügel. Der nächsten Weiler war ungefähr eine Stunde Fussmarsch entfernt. Eine lange Strecke, um barfuss jeden Morgen in der Frühe etwas Reis mit Gemüse zu ergattern. Die ärmliche Bevölkerung teilte das Wenige gerne mit den Mönchen.

Das Leben in den Tempeln von Chiang Mai ist wesentlich angenehmer. Die Böden sind gepflastert, mit Steinplatten belegt oder geteert. Wunden und Blasen an den Füssen der barfuss gehenden Mönche sind selten. Es gibt spendefreudige Hotels, welche ihren Gästen ermöglichen, in der Morgenfrühe die Schalen der Mönche mit Häppchen zu füllen und durch dieses TamBun – tonnenweise Verdienste fürs Jenseits zu erwerben.

Jahre später entliess der gestrenge Abt den jungen Mann in die Welt. Der Vorsteher befürchtete einen Müssiggang seines Musterschülers. Er erklärte, es brauche starke, gesunde Männer, um den Boden zu bebauen. Nur dann falle auch Nahrung für oft alte, angeschlagene Klosterleute ab.

Der junge Mann fand seinen Weg. Er arbeitete in verschiedenen Branchen. Er verdiente mehr als genug. Bald begleitete ihn eine hübsche Frau auf dem durch das Klosterleben geprägten, einfachen Lebenspfad. Er ermöglichte ihr die Ausbildung zur Lehrerin. Die Grosseltern drängten das Paar zur aufwendigen buddhistischen Heiratszeremonie mit Hunderten von Gästen, viel Gold und hohem Brautpreis, Sinsod. Die Lehrerin verschwand gleich nach der Hochzeit in die Grossstadt. Das bescheidene Landleben, ohne jegliche gehobene Vergnügungen, war nichts für sie.
Leicht betrübt arbeitete er danach in der Landwirtschaft auf familieneigenem Grund. Er hatte einige Tiere, pflanzte Reis und Gemüse an. In den Teichen tummelten sich Fische. All das verkaufte sich gut auf den Märkten. Einer jungen Frau gefiel es, die bescheidene Hütte in der Abgeschiedenheit der Wildnis mit ihm zu teilen.
Er bemerkte, dass die Felder früher einmal Wald waren. Mächtige Wurzeln einst über hundertjähriger Bäume verunmöglichten die rationelle maschinelle Bodenbearbeitung. Er kaufte einen handbetriebenen Kettenzug, und begann die ungeheuren Wurzeln auszugraben und zu entfernen. Er verletzte sich bei der schweren Arbeit und musste sich mindestens zeitweise nach einer anderen Tätigkeit umsehen.

Rein zufällig fand er eine Anstellung als Gehilfe in einer grossen Holzschnitzerei. Erst verrichtete er bloss einfachste Hilfsarbeiten. Dann versuchte er zaghaft die Holzbearbeitung mit Werkzeugen. Er stellte sich geschickt an und begann seine Karriere als Fusspfleger für Holzelefanten. Der Künstler des Ateliers entdeckte das aussergewöhnliche Talent des neuen Angestellten. Der Eigentümer des Betriebes, ein raffgieriger, millionenscheffelnder Chinese, duldete keine lange Ausbildung seiner Arbeiter. Es waren hauptsächlich Burmesen, welche zu Niedrigstlöhnen schufteten. Die Polizei besuchte den Betrieb regelmässig.
Der Künstler bot dem Neuling an, ihn nach der regulären Arbeitszeit sorgfältig in die Kunst des Schnitzens einzuführen. Sie begannen mit dem Schleifen der Stähle. Dazu wurde ein fester, relativ weicher Steinblock verwendet. Es gab Dutzende verschiedener Werkzeugformen.
Sie übten, zeichneten Entwürfe, verwarfen und änderten die Skizzen, bis sie davon überzeugt waren. Meister und Schüler suchten sich je einen Wurzelstock aus. Unter einem schattenspendenden Mangobaum begannen sie mit der Arbeit.Buddha Dei

Das Erstlingswerk kann sich sehen lassen.
Der bearbeitete Teak-Wurzelstock ist etwa 70 cm breit und 100 cm hoch.
Der Künstler erklärte, die furchterregenden Gestalten neben dem Gesicht zeigten die Versuchungen, welchen Gläubige ständig ausgesetzt sind. Dieser Mann hat und benötigt kein Geisterhaus.

http://de.wikipedia.org/wiki/Buddhismus_in_Thailand
Wie einfach es sich ‚Mönche‘ heute machen dürfen, zeigt:
http://www.clickthai.de/Kultur/Religion/Novize/novize.html

http://www.blablameter.de/index.php
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Ihr Text zeigt nur geringe Hinweise auf ‚Bullshit‘-Deutsch.

2 Gedanken zu „Wurzeln

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