Leiden an Festtagen

Wie mein Leben zeigt, schreiben unendliche Geschichten selbständig Fortsetzungen,
wie auch diese Neujahrsgeschichte, vom 17. April 2010.

„Die hirnlose Hübsche mit getönter Wuschelfrisur füllte ihren liebreizenden Körper gut gemischt mit Wein, Bier und Whisky.  Nachher fuhr sie ihr Auto zu Schrott.
Sie besuchte mich, wie es sich an Song Kran gehört, tropfnass und feuchtete mich gebührend an. Sie sucht einen neuen Mann. Wahrscheinlich wird der Wagen repariert.“

Anfangs Dezember plante sie, uns demnächst – im Januar, nach Malaysia zu begleiten. Alleine verreisen wollte sie nicht. Glücklicherweise änderte sie ihre Pläne. Sie besuchte Dick und bot ihren Schrottwagen für 300‘000 Baht an. Gleichzeitig ersuchte sie um eine Bürgschaft, das heisst eine Bankgarantie über eine Million, weil sie das Fahrzeug wechseln wollte.
Wir, zumindest ich, waren weder an Alteisen, noch an zu leistenden Bürgschaften interessiert. Den Mann sucht sie übrigens immer noch.
Heiligabend. Am frühen Nachmittag lud dämliche Dame Dick zum Essen ein. Der Grund der Einladung war aber nicht die Mahlzeit, sondern ihr neuer Wagen, dank der Bank.Moo daeng

Als Dick zurückkehrte, füllte sie den Glutkorb des Grills mit Holzkohle. Bald leuchteten die Kohlen heiss orangefarbig. Sie setzte ein langsam drehendes Körbchen mit mariniertem Moo Daeng, rotem Schwein, auf.
Dazu warteten in der Küche frische Spargeln. Ich bemühte mich redlich um eine leckere Pilzsauce, abgeschmeckt mit rarem Wein aus Torgiano. Dazu war Kartoffelstock vorgesehen, damit wir die Zähne umso tiefer ins Fleisch schlagen konnten.
Zuvor labten wir uns an Sherry und Tapas mit Jamón Serrano, der besonders schmeckte, weil er nicht so dünn geschnitten war, dass man durch die Tranchen Zeitung lesen konnte. (2)
Schon beim Schinken, zeigte Dick wenig Appetit. Er war nicht nur reduziert durch die wenigen Speisen, die sie am Mittag genoss. Einige verborgene Bakterien, Salmonellen, was auch immer – genügten. Sie litt während den Weihnachtstagen an einer üblen Magenverstimmung.

Mich erwischte es erst am 30. Dezember. Sie bereitete dreissig frische Won Ton zu und kochte sie in einem Kräutersud. (3) Weil mir bereits am Nachmittag übel war, verzichtete ich freiwillig auf den abendlichen Küchendienst.
Mit viel Mühe verzehrte ich drei der delikaten Teigtäschchen. Danach war mir übler als je in den vergangenen zwanzig Jahren.
Während ich später im Badezimmer angeschlagen vorwiegend Wassermusik spielte, dazu ab und zu röhrend trompetete, genoss sie das Süppchen begleitet von hervorragendem Sauvignon blanc mit frischen Cassis-Aromen. Dagegen hatte ich Mühe, alkoholfreies Sodawasser zu schlucken.
An Silvester gab es für mich Cola anstelle von Schaumwein. Dick stürzte sich unbekümmert in den Ausgang, begleitet von der letzten Flasche Brause, anstatt sich standhaft, wie seinerzeit Florence Nightingale, um leidende Kranke zu kümmern. (4)

(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Serrano-Schinken
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Wan_Tan
(4) http://de.wikipedia.org/wiki/Florence_Nightingale

Bathroom blues
http://www.youtube.com/watch?v=wsETX3RjTEs
Wassermusik
http://www.youtube.com/watch?v=obanYKEU2sc

2 Gedanken zu „Leiden an Festtagen

  1. Ganz ohne Diplomatie gefragt: Denkst Du, dass sich Dick, seitdem Du Deinen Besitz in der Schweiz verkauft hast, geaendert hat?

    Da eine Beantwortung sehr persoenlich waere, kein Problem fuer mich, wenn diese tatsaechlich eigentlich unangemessene Frage nicht veroeffentlicht bzw. geloescht wird!

    Gruss
    fr

    • Eine gute Frage Franzi, danke.
      Zum Ersten: Wir sind nicht verheiratet, weder standesamtlich – noch buddhistisch.
      Dick und ich haben uns seit dem Verkauf des Hauses in der Schweiz verändert: Wir sind beide älter geworden. Dazu leidet sie zunehmend, wie fast alle Frauen im Dorf, an Vergesslichkeit.

      Zum Glück besuchte sie Nachbarn. Für mich wurde es einfacher, auf das Anstossen zu verzichten und damit Alkohol zu meiden. Was mit ihrem Schaumwein geschah, ist Stoff für eine weitere Geschichte!
      Der Gag des Monats Januar findet nicht statt: Ich reise nicht als halber Moslem mit zwei Frauen nach Malaysia. Wenn schon, dann später mit vieren.

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