Sonnenuntergang

Kota Kinabalu. Nach fünf Uhr verreisten wir in den zwölften Stock, um die letzten neunzig Minuten Sonnenschein des Tages zu erleben. Mata Hari, das Auge des Tages, versank dann im Meer. Zur Sicherheit  hielten wir uns an einigen Gläsern mit kühlem Chardonnay fest.

Die Augen waren nicht starr auf Meer und Horizont gerichtet. Die Nachbarn trugen ihrerseits zur Abendschau bei. Da war ein drahtiger, unterernährter Engländer mit üppiger Freundin. Er verdrückte eindrücklich in zwanzig Minuten dreissig Sandwiches.
Gäste sassen zu viert in schweren Ledersesseln um einen Tisch. Einer langweilte sich.
Die Anderen beschäftigten sich mit Smartphones und Tabletts. Was machten die Bedauernswerten vor Jahren, als es diese technischen Amüsiergeräte noch nicht gab?
Konnten sie ein dermassen intelligentes Apparätchen bedienen, nachdem sie nicht in der Lage waren, ein Weinglas artgerecht in den Pfoten zu halten. Eine Hand voller Technik, in der zweiten das Glas. Dazwischen ein gedankenloses Reizhirn.
Für solche Smartphonenutzer entwickelte Samsung ein Gerät, das Filme stoppt,
sobald die Augen nicht mehr auf den Bildschirm gerichtet sind. Ist das technische Perversion oder Fortschritt?
Zehn Minuten nach sechs Uhr begann der finale, fünfzehn Minuten dauernde Absturz der Sonne ins Meer. Er faszinierte täglich mit verschiedenen Stimmungen und Farben. Dann klickten Smartphones, Tabletts und Kameras durch die beschichteten, mit Finger- und Handabdrücken, Vogelscheisse und Regenspuren verschmutzten Fenster. Keiner bemerkte es. Die Sonne überstrahlte alles.

Eines Vorabends kam sie rechtzeitig. Eine gertenschlanke, kurvige, langbeinige, langhaarige Blondine im sonnenscheinfarbigen, gehäkelten Kleidchen. Maschenzauber mit viel Durchblick.
Die Sonne verblasste, als sie ein Objekt in der Hand auf die Fensterfront richtete, die Hüfte gekonnt eingerastet, dabei den Vorbau wölbte, dass jede Normalsterbliche auf die Schnauze gefallen wäre. Das Wesen, eingeflogen von den Plejaden, klickte und lichtete ab, dass es das kälteste Herz erwärmte.
Als die Sonne endlich ihr abendliches Bad im südchinesischen Meer nahm, wandte sich die ausserirdische Fee den, von Meisterköchen vorbereiteten, delikaten Häppchen zu.
Sie frass dermassen, dass ich Aufenthalte im Schweinestall vorziehe.Mata Hari
Häppchen-Bank
häppchen1

2 Gedanken zu „Sonnenuntergang

  1. Der Steckbrief der Blondine gefaellt mir! Erinnerte mich an dies: Ein Mann zum Barkeeper: „Groß, kalt und randvoll mit Wodka.“ Erstaunt schaut ihn sein Tresennachbar an und fragt: „Wie, Sie kennen meine Frau?“

    • Wir sahen gestern beim Abendessen offenbar den Bruder der Blondine. Er war nicht blond, aber schaufelte im gleichen Stil. Linke Hand Handy an Ohr. Reis folgte beim Sprechen den Gesetzen von Newton. Am Abend darauf vergewaltigte er den Toaster im Restaurant mit Butterbroten. Vor einigen Tagen brannte eine missbrauchte Maschine.

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