Der Schrei

Der Schrei ist der Titel von vier nahezu identischen Gemälden des norwegischen Malers Edvard Munch. Die expressionistischen Meisterwerke entstanden zwischen 1893 und 1910.
Am 12. Februar 1994 entwendeten Diebe die Temperaversion von 1893 aus der Nationalgalerie Norwegens. Drei Monate später stellte die Polizei das Bild sicher. Die Täter wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.
Am 22. August 2004 stahlen maskierte Räuber bei einem dreisten, bewaffneten Überfall im Munch-Museum die Temperaversion von 1910.
Am 31. August 2006 rettete die norwegische Polizei Munch-Bilder bei einer Razzia.
Die Pastellversion des Schreis von 1895 wurde am 2. Mai 2012 bei einer Auktion von Sotheby‘s in New York für 119‘922‘500 US-Dollar versteigert. So viel kann ein Schrei Wert sein.schrei

Einen billigen Schrei vernahm ich gestern. Ein Farang investierte in Thailand während sieben Jahren Millionen von Baht in Haus, Gattin und Sohn. Als er kürzlich gesundheitlich in eine Notlage geriet, halfen weder Ehefrau noch Söhnchen.
Er äusserte sich wirr in einem Forum. Mit etwas Einfühlungsvermögen konnte ich das Geschehen dennoch nachvollziehen.
Ganz anders die Leser des Forums. Verhöhnten sie einen Hilfesuchenden? Verständnislose Moderatoren verbannten den Aufschrei in einen nichtöffentlichen Bereich – das Abwürgen eines wertlosen Schreis.

Die Affen-Trilogie, sowie ‚Brüder‘ und ‚Nan‘, waren ebenfalls Schreie. Sie verhallten ohne grosses Echo und nahezu ungehört. Dafür erhielt die beinahe belanglose, banale Tapas Geschichte zwei ‚Gefällt mir‘. Kochrezepte finden in Blogs und Foren breite Anerkennung und oft ein grosses Leser-Echo. An einem Kochrezept verbrennen sich nur wenige die Finger!

Gewisse Ereignisse treffen uns. Wir gewöhnten uns allmählich daran und entwickelten als Selbstschutz eine entsprechend dicke Speckschicht. Wir kennen unseren beschränkten Handlungsspielraum.
Bei einem Unfall darf ich als Ausländer im Prinzip nicht einmal Nothilfe leisten. Ich könnte einheimische Spezialisten konkurrenzieren und deshalb verklagt werden.

Meine wirklich lauten Schreie beschränken sich aufs Wesentliche, wenn ein geistloser Hilfsgärtner im Garten eine seltene Zierpflanze mit gewöhnlichem Unkraut verwechselt.
Unsere heissesten Themen im Haus sind nicht etwa: “Gehen wir gleich ins Bett“, Bettgeschichten sind gelebter Alltag, sondern: “Benutzen wir Dill oder Petersilie für die Sauce?“

Im Nachbarhaus, in der Nagelburg, schreit dauernd ein kleines Mädchen. Wir gewöhnten uns daran und hören es meist nicht mehr. In der Schweiz hätte ich längst die Behörden informiert.

Der letzte Schrei: Akismet bewahrte den Blog bereits vor 10’023 Spam-Kommentaren, bei bloss 154 Beiträgen und 330 echten Kommentaren.

http://de.wikipedia.org/wiki/Edvard_Munch
http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Schrei

4 Gedanken zu „Der Schrei

  1. Lieber Low,
    Deine Geschichten aus Hinterindien schildern haeufig ein uns Westlern weitgehend unbegreifbares Verhalten Deiner Thainachbarschaft und Deiner Thaifamilenmitglieder.
    Dazu laesst sich haeufig kaum etwas sagen, die Reaktionen Deiner Leser schwanken zwischen unglaeubigem Staunen, einiger Fassungslosigkeit und gelegentlich auch etlichem Unverstaendnis ueber Aktion und Reaktion der jeweils Beteiligten.
    Nun gehoeren zu jeder Geschichte zwei Parteien, die eine, die etwas macht und die andere, die etwas mit sich machen laesst.
    Solange man als Zuschauer sozusagen in der Loge sitzend diese Irrungen und Wirrungen an sich Revue passieren laesst, wird man einmal erheitert oder auch fortgebildet, gelegentlich auch schon einmal zum Nachdenken angeregt, auf jeden Fall aber unterhalten.
    Droht eine Eigenbeteiligung an einer solchen Geschichte, bleibt wohl nur, die eigenen Interessen ohne groessere Ruecksicht auf Verluste auf Seiten der anderen Parteien zu verfolgen.
    Genau das machen die Thais naemlich meistens auch, und mein Recht auf Eigennutz und Eigenschutz ist nicht schlechter als ihres.
    Habe ich gesagt, dass das immer leeicht ist oder auch nur leicht faellt?
    Das habe ich nicht!
    Aber es fuehrt wohl kein vernuenftiger Weg an einem solchen Verhalten vorbei.
    Smile – you are in Thailand.

    Wolfram

    PS: herzliche Gruesse an Dick, die weiter mit Dir Vor- und Nachteile der Verwendung diverser Kuechenkraeuter eroertern soll :=)

    • Hallo Wolfram

      Danke für den Kommentar. Meine Ruf fand Gehör, mindestens bei Dir, und lohnte sich deshalb. Mit zwei Kommentaren pro Beitrag liegt der Blog nicht schlecht. Trotzdem werde ich nicht müde, meine Leser(innen) gelegentlich zu Antworten aufzufordern.
      Manche suchen sich einen passenden Kommentar zusammen, dann klingelt die Glocke am Haus-Eingang, die Bierflasche ist leer oder das Telefon dudelt – und der beste Beitrag geht nicht ins Internet, sondern ungeschrieben ins Nirwana.
      Mit Hinterindien ist es dasselbe. Hätte ich die Geschehnisse nicht notiert, wären die meisten Angelegenheiten bereits vergessen.
      Low

      • Hätte ich die Geschehnisse nicht notiert ……
        – und da landen wir bei Schrödingers Katze …..
        Der Beobachter – erschafft er die Szenerie oder bebachtet er nur – so viel ich weiss – ist diese Frage noch nicht abschliesend geklärt – beides scheint möglich. Damit müssen wir leben … je nachdem warauf wir den Fokus legen.
        Gruss

  2. Hallo Illuminati,

    beim Bereinigen der Links, musste ich meine Texte teilweise durchlesen. Zweimal schluckte ich leer. Einmal, weil die Aufsätze im Laufe der Zeit bedeutend härter und humorloser wurden, zweitens weil ich sah, wie viel ich vergass.
    Dennoch darf ich meinen Beobachtungen und Gedanken vertrauen. Eine Leserin schrieb:
    „Low, genau wie du schreibst: Ich hatte zwei Anläufe genommen, um meinen Kommentar zum ‚Schrei‘ zu schreiben (im Blog) und bin zweimal durchs Klingeln an der Türe unterbrochen worden. Das erste Mal konnte ich weiter schreiben daran, das zweite Mal dauerte die Unterbrechung länger und mein ‚Schrei‘ verhallte im Nirvana.“

    Wir erwarten den geschätzten Beitrag gerne im dritten Anlauf!
    Low
    Schrödingers Katze (Illuminati)
    http://de.wikipedia.org/wiki/Schr%C3%B6dingers_Katze

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