Die Briten in Hinterindien – Penang

Es ist immer wieder interessant, in alten Dokumenten zu stöbern, um damalige Betrachtungsweisen, Denkweisen und die Entwicklung der betreffenden Länder und Orte zu verfolgen.
Kürzlich fand ich, die Schreibweise wurde übernommen,

Neue
Allgemeine Geographische
und Statistische
EPHEMERIDEN

Redigirt
von
dem Prof. Dr. G. Hassel

Weimar,
im Verlage des Landes-Industrie Comptoirs

XXII. Bandes drittes Stück 1827
ABHANDLUNGEN
1.
Die Briten in Hinterindien

Penang1971Penang 1971, Kong Hock Keong Tempel

Die Mitteilungen entnahm der Herausgeber der ‚Calcutta gazette‘. Erst wurde birmanisches Gebiet beschrieben. Ab Seite 69 wurde es für mich spannend.

4) Die Prinz Walesinsel oder Pulo Pinang, ein Eiland, das 5° 25‘ N. Br. und 117° 53‘ L. vor dem Eingange in die Strasse von Malaca belegen ist und von der Ostindischen Gesellschaft im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts von einem Britischen Capitän Light (1), dem sie sein Schwiegervater, der Sultan von Queda, (Kedah), überlassen hatte, erworben wurde: sie war den Briten damals viel werth, da sie den Eingang zur Strasse Malaca befehligt und der Sitz eines wichtigen Handels mit den Hinterindischen Völkern zu werden versprach. Sie zog auch bald den Handel von Malaca an sich, und bleibt, ob gleich durch Sincapur und die neulichen Erwerbungen auf dem Festlande der Hinterindischen Halbinsel der Handel nunmehr mehr getheilt ist, fortwährend eine wichtige Besitzung: sie kostet indess der Gesellschaft viel, da 1817 ihre Einkünfte nur zu 548‘610, die Ausgaben aber auf 1‘095‘620 Gulden angeschlagen wurden, weil sie der Sitz einer eigenen, Bengalen untergeordneten Statthalterregierung ist und durch eine starke Besatzung gedeckt werden muss.
Prinz Wales ist etwa 7 ½ geograph. oder 160 Engl. Q.Meilen gross, 4 ½ Meile lang, 4 breit, hoch gelegen, und der fast zusammenhängende Wald, woraus sie vormals bestand, so weit gelichtet, dass gegenwärtig so vieler Reis, Yams und Kartoffeln gezogen werden können, als die Volksmenge bedarf. Dazu bringt sie Zucker, Pfeffer, Betelnüsse, Kaffee, Ingwer hervor, unterhält die Indischen Hausthiere, und das Meer hat Ueberfluss an Schildkröten, Fischen und Austern. Pfeffer ist indess bis jetzt das wichtigste Product: schon 1804 ärndtete man 20‘000 Cntr. Allein nicht die natürlichen Erzeugnisse gaben der Insel einen Werth, sondern vorzüglich, weil sie bisher der einzige und noch jetzt ein sehr bedeutender Stapelplatz für den Malacahandel ist und weil in dem Canale, der zwischen ihr und dem Festlande liegt, sich ein sehr sicherer Haven für die grössten Kauffarthei- und Kriegsschiffe öffnet. Die Schinafahrer segeln indess jetzt nach Sincapur. Der Malacahandel selbst beruhet vorzüglich auf Goldstaub, Zinn, Betelnüssen und Vogelnestern, welche die Briten mit Ostindischen und Europäischen Fabricaten, vorzüglich aber mit Opium saldieren.
Die Volksmenge, gegen 20‘000 Individuen, 1814 schon 14322 Köpfe, ist ein Gemisch aller möglichen Völkerschaften Vorder- und Hinterindiens, die der Handel hier zusammengetrieben hat: die Schinesen machen darunter einen beträchtlichen Theil aus. Die Hauptstadt Georgstown liegt auf der N.O. Küste; sie hat das Fort Cornwallis, eine regelmässige Befestigung, viele gute Gebäude und überhaupt ganz das Ansehn einer Europäischen Stadt: ihre Volksmenge mag auf 12‘000 Personen hinansteigen, die ganz vom Handel und Verkehr sich nähren. Den Haven bildet ein langer steinenerner Molo. Lebensmittel sind bis auf Fleisch wohlfeil, und die Schiffe finden sonst alle übrige Erfrischungen, auch ist Bauholz in der Nähe zu haben.

Weiter schrieb Professor Hassel ab Seite 71 über
5) Malaca
Sind sie interessiert?

(q) http://de.wikipedia.org/wiki/George_Town_(Penang)
(q) http://de.wikipedia.org/wiki/East_India_Company
(1) http://en.wikipedia.org/wiki/Francis_Light

 

3 Gedanken zu „Die Briten in Hinterindien – Penang

  1. Jou, ich liebe es auch, die Denkweise einer Zeit aus alten Büchern herauszufinden. Zum Beispiel wurde unbekümmerter als heute über das Thema Handel gesprochen. Die haben echt Vogelnester exportiert? Aber auch sonst. Der geneigte Leser spinnt sich zusammen, was wohl die übrigen Erfrischungen im Haven waren. Gespannte Grüße.

  2. Hallo Achim und Leo,
    es gibt mindestens drei Geniesser und eine respektable Leserschaft von Hassels Berichten.
    Deshalb werde ich seine Beschreibungen über Malaca und Sincapur demnächst zitieren.
    Zu den übrigen Erfrischungen im Haven gehörte Ice Cream bestimmt nicht. In Sincapur waren unter 14’000 Personen die 3’000 Frauen Mangelware. Zum Glück gab es genügend Bauholz.

    Vogelnestersuppen sind in der Schinesischen Küche absolute Spitzenprodukte, gefolgt von Haifischflossen und Abalone.
    Es gibt sie (noch) nicht in Beuteln von Knorr oder Maggi. Preislich liegen sie in Restaurants mit bis etwa 500 Euro nicht besonders günstig. Thailand exportiert immer noch Schwalbennester.

    Sollte ich je im Nibbana eintreffen, wäre es bestimmt interessant, mit dem Akademiker Hassel über Hinterindien zu diskutieren. Ich gab seine Koordinaten für Pulau Penang im PC ein. Google Map verfrachtete mich in die Nähe von Sandakan, nach Kinabatangan, Borneo, Malaysia.
    Capitän im Reisfeld, Low, Pulau PhonPhat

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