Sultane und Schlitzohren II

Die Geschichte zeigt, nicht nur der Sultan von Sulu, vor allem der Sultan von Brunei war der North Borneo Chartered Company wohlgesinnt. Die Kolonialnachbarn auf Borneo, die Holländer, protestierten gegen die neue Konkurrenz auf diplomatischer Ebene vergeblich. Die Spanier auf den Philippinen und die Regierung von Sarawak, die britischen weissen Rajahs der Brooke Familie, erhoben erfolglos Einsprüche. Der Sultan von Brunei trat 1884 weitere Gebiete ab, bis zum Grenzfluss Puputan nahe Bandar Seri Begawan und den Distrikt Padas. 1885 erwarb die North Borneo Chartered Company das Kawang-Tal und die Mantanani Inseln.Sultan of Sulu

Der Süden der Philippinen liess sich durch verschiedene Regierungen kaum oder nur schlecht regieren. Das Gebiet wurde von den Spaniern nie ganz unterworfen. 1904 gründeten die Amerikaner die Moro Province und kontrollierten sie militärisch. In Mindanao schwelte ab 1970 jahrzehntelang ein Bürgerkrieg. Er forderte 120‘000 Opfer.
Am 7. Dezember 2012 stellte der philippinische Präsident Benigno Aquino III den Entwurf eines Friedensvertrags ‘Framework Agreement on the Bangsamoro‘ mit der Moro Islamic Liberation Front, MILF, vor.
Das von der MILF beanspruchte Gebiet ist Bangsamoro und umfasst mit Mindanao, dem Sulu-Archipel, Palawan, Basilan und Nachbarinseln rund einen Drittel der gesamten Philippinen. Die Muslime stellen unter der Gesamtbevölkerung von 93 Millionen einen Anteil von fünf Prozent.
Die militanten Muslime möchten zusätzlich die ehemaligen Sultanate von Cebu, Jolo einschließlich der Besitzungen des Sultanats Brunei, (einem der reichsten Männer der Welt), samt den Gebieten von Sarawak und Sabah in einem neu zu schaffenden islamischen Staat zusammenzufassen.

Der ärmste Sultan der Welt, wie er sagt, lebt in einer muslimischen Gemeinde im Stadtteil Maharlik der Hauptstadt Manila. Er ist nierenkrank. Sein Herz ist schwach. Jährlich bezahlt die Malaysische Botschaft 5.000 Ringgit, laut anderen Quellen 5’300 MYR, zur Aufrechterhaltung des Vertrags von 1878.
Im Erbfolgestreit um das Sultanat von Sulu, beanspruchten verschiedene Abkömmlinge der Familie den Titel, rechtmäßige Thronfolger zu sein. Die Sultane der Philippinen verloren ihre Pfründe und Rechte spätestens 1936 unter dem Einfluss der Amerikaner. Der letzte souveräne Sultan von Sulu, Jamal ul-Kiram I, starb 1899. Darauf wurde Sulu ein Teil der Philippinen

Jamalul Kiram III wurde am 16. Julï 1938 geboren. Er unterlag in den Senatswahlen in den Philippinen 2007. Die Kiram Familie entschied im November 2012, nach Lage der Dinge sei Jamalul Kiram III zusammen mit Ismael Kiram II Sultan. Zur Stärkung der familiären Einheit ernannte Kiram III, Rajah Mudah Agbimuddin Kiram zum Kronprinzen.

Trotz der Armut, der Krankheiten und des Alters wurde der Sultan durch den Friedensvertrag des Präsidenten zum Handeln gezwungen. Die Erben des Sultans von Sulu sahen sich um ihre Rolle in der Zukunft von Sulu übergangen und geprellt.
Sultan Jamalul Kiram III forderte, ein Kontingent aus zivilen und militärischen Kräften solle unter Führung seines Bruders Raja Muda Agbimuddin Kiram seinem Anspruch auf Nordborneo Geltung verschaffen.

Unter Raja Muda Agbimuddin Kiram erreichte am 11. Februar 2013 eine Gruppe von 235 uniformierten und bewaffneten Filipinos, die Ortschaft Tanduo, etwa 135 Kilometer nordöstlich von Lahad Datu.
Die Gruppe nannte sich ‘Royal Security Forces of the Sultanate of Sulu and North Borneo‘. Ihr oberster Chef war Jamalul Kiram III, Sultan von Sulu.
Die malaysischen Behörden unterschätzten die Situation und entsandten eine Einheit Polizisten in das Gebiet.

Die Regierung Malaysias forderte die Besatzer mehrmals erfolglos auf, Sabah unverzüglich zu verlassen. Am 1. März knallten Schüsse zwischen den „Royal Security Forces of the Sultanate of Sulu and North Borneo“ und der malaysischen Polizei. Zehn bewaffnete Angehörige des Sultans wurden getötet und vier weitere verletzt. Die malaysischen Polizeikräfte verloren zwei Mann.
Erst am 2. März begannen die Malaysier mit der Verstärkung der Polizei- und Armee-Einheiten. Zusätzlich verlegte man Angehörige des Royal Malay Regiment nach Sabah.
Am 3. März 2013, geriet eine Polizeieinheit in einen Hinterhalt im Kampung Sri Jaya Siminul. Die Eindringlinge vom Sulu Archipel töteten den Leiter der Polizeistation von Bukit Aman und vier Polizisten.
Am 5. März 2013 endlich, griffen Kampfflugzeuge der Royal Malaysian Air Force Kirams Stellungen in Tanduo an. Kräfte der Armee und der Polizei trafen auf gegnerisches Gewehrfeuer.
Anlässlich der Säuberung des Geländes stellten die Malaysier fest, dass der Rebellenführer Raja Muda Agbimuddin Kiram mit einigen seiner Kämpfer aus dem Belagerungsring um Kampung Tanduo entkommen konnte.
Wer Geld und Waffen lieferte, wie die Angreifer entkamen und warum es der Marine nicht gelang, Nachschub- und Fluchtwege zu sperren, werden wir kaum erfahren. Das sind Geschichten aus Hinterindien.

(1) http://en.wikipedia.org/wiki/Jamalul_Kiram_III
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Sultanat_von_Sulu
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Lahad_Datu_Standoff
(4) http://pcij.org/blog/2013/02/19/history-catches-up-with-sabah
Rebellion der Moro National Liberation Front MNLF, 3. Okt. 2013:
(5) http://www.handelsblatt.com/politik/international/nach-wochenlangen-kaempfen-geiselnahme-in-den-philippinen-beendet/8861444.html

4 Gedanken zu „Sultane und Schlitzohren II

    • Danke Franzi.
      Die Regierung der Philippinen war sicher dankbar, als einige militante Muslime im Auslandeinsatz waren. Die benutzen ihre Bleispritzen im Süden fleissiger, als Priester Weihwasserwedel.
      Über die Ansprüche der Kiram-Familie auf Nordborneo kann man nur lächeln. Die Verträge zeigen klar, die meisten Gebiete wurden von den Herrschern in Brunei abgetreten. Die Moro Rebellen möchten im Gebiet einen islamischen Gottesstaat errichten. Diese Bedrohung ist weit ernster.
      Deshalb war der Einsatz der malaysischen Kräfte durchaus verständlich und angemessen.

      Die arbeitenden Filipinos auf Sabah, mit denen wir uns unterhielten, möchten jedenfalls keinen Regierungswechsel.
      Mein aha Erlebnis war, als ich sah, dass der Weltpolizist bereits 1904 seine Finger im Süden der Philippinen hatte.
      Hätte der Schotte William Clarke Cowie seinerzeit den Sultan von Sulu nicht mit Waffen und Munition beliefert, sässen dessen Nachkommen jetzt als fromme Benediktiner oder Franziskaner in einem ehemals spanischen Kloster.
      Die Amerikaner schmissen die Spanier raus. Später holten sie sich gierig und überlegungslos das politische Pulverfass Moro Provinz und pflanzten in Mindanao Ananas.

    • Joachim, danke für das Upgrade.
      Seit 1899 gibt es keinen Sultan von Zulu mehr. Es geht um mehr.
      Das von der MILF beanspruchte Gebiet ist Bangsamoro und umfasst mit Mindanao, dem Sulu-Archipel, Palawan, Basilan und Nachbarinseln rund einen Drittel der gesamten Philippinen.
      Die militanten Muslime möchten zusätzlich die ehemaligen Sultanate von Cebu, Jolo, einschließlich der Besitzungen des Sultanats Brunei, samt den Gebieten von Sarawak und Sabah in einem neu zu schaffenden islamischen Staat zusammenzufassen.
      Sollten diese Pläne erfolgreich umgesetzt werden, möchte der Sultan von Johor Bahru sicherlich das Kleinod Singapur wieder in seinen Staat eingliedern.

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