Marktfrische Früchte aus Singapur 2

Angenehmer schmecken die Anonen-Arten, die aber in Singapore noch nicht die verdiente Verbreitung gefunden haben. (Cherimoya, Custard Apple, Th: Noi Naa, D: Zimtapfel – Low)cherimoya
Der Lei-tschi der Chinesen (Nephelium lichi), der in Siam so gut fortkommt, scheint in Singapore nicht zu gedeihen; der Rambutan, eine ihm verwandte Nephelium-Art (N. lappaceum?), ist häufig und kommt ihm im Geschmack sehr nahe. Die fleischige Hülle haftet aber durch unzählige Fäserchen so fest am Kern, dass ihr Genuss unbequem ist.
Apfelsinen sind in zahlreichen Varietäten vorhanden, in allen Grössen, vom kleinen Kumqwat, nicht grösser als eine Walderdbeere, bis zur Pumpelmuse (Citrus decumana), die fast kopfgross wird. Letztere hat zwar einen grossen Verbreitungsbezirk, erlangt aber nur an gewissen eng begrenzten Lokalitäten ihr volles Aroma. Am besten geräth sie in Batavia und in Amoy. Sie ist lange nicht so saftreich, aber würziger, als alle andren Oranien. Der Name Pumpelmuse klingt sehr holländisch, kommt aber wahrscheinlich vom Tamil-Wort Bambalmas. Die Engländer nennen sie gewöhnlich Shaddock nach einem Schiffskapitän, der sie von Batavia nach Westindien übersiedelte. Dr. de Vry sagt in einem vor der British Assoc. in Birmingham gehaltenen Vortrage, dass die Pumpelmusen in Bandong (Java) in 2300′ Meereshöhe ungeniessbare Früchte, nicht grösser, als gewöhnliche Apfelsinen, tragen, dass er aber von einem einzigen Baum in seinem Garten 200 ℔ Blüthen (!) gepflückt habe und dass er von 1000 ℔ Blüthen 1 ℔ Neroli bester Qualität erhielt.
Als Unkraut wuchert die Guajava (Psidium pomiferum und P. pyriferum), deren den Holzbirnen und Aepfeln ähnlich aussehende Früchte die Stelle unserer Quitten vertreten, ohne ihrem Aroma gleichzukommen; sie werden fast nur eingemacht gegessen. (Farang – Low)
Eine der merkwürdigsten Früchte von allen ist der Durian (Durio zibethinus); nach Crawfurd ist er auf dasselbe kleine Gebiet beschränkt, wie der Mangustan und wächst auf hohen Bäumen, häufiger im Walde, als kultivirt, hat ziemlich die Grösse und Gestalt der Ananas, aber die pyramidalen Warzen, die seine holzige Schale bedecken, sind hart und spitz. Bei der reifen Frucht springt die Schale an vier Stellen der Länge nach bis zum Stiel auf und enthüllt eine weiche, weisslich gelbe, creme-artige Substanz, welche die Zwischenräume zwischen den nussgrossen Samenkernen ausfüllt. Sie schmeckt besser als der beste Creme, und riecht schlechter als Knoblauch. Dieser ungemein penetrante Geruch ist anfänglich Jedem zuwider, der Wohlgeschmack aber so gross, dass der ursprüngliche Widerwille sich bald in eine wahrhaft leidenschaftliche Zuneigung verwandelt. Man zahlt oft einen Dollar für das Stück, während Ananas nur einen Cent kosten, so gross ist die Nachfrage ihrer Verehrer. — Hoch bezahlt sind auch steinharte, fade Birnen und Aepfel, die der Norden von China liefert; sie sind fast ungeniessbar für neue Ankömmlinge, aber länger Ansässige, denen sie das Obst der geliebten Heimath versinnlichen, dichten ihnen in frommer Erinnerung einen Wohlgeschmack an, den sie durchaus nicht besitzen.
Die Sehnsucht nach der Heimath ist ein stehender Zug bei allen Europäern, die in diesen fernen Landen leben. Eine hübsche Sitte, die sich darauf gründet, ist der Toast: „Auf die fernen Freunde”, der zum Schluss des Mahls im besten Wein mit feierlicher Stille getrunken wird.

(t) http://www.gutenberg.org/files/44405/44405-h/44405-h.htm

7 Gedanken zu „Marktfrische Früchte aus Singapur 2

  1. Das ist wirklich eine köstliche Ausgrabung (nicht zuletzt die Bemerkung über die Birnen und Äpfel aus China)! Wenn man die Beschreibungen mancher Früchte mit den heutigen Eigenschaften der Früchte vergleicht, kann man gut sehen, was die Pflanzenzüchtung im Verlauf der Jahre für Fortschritte gemacht hat.

      • Der Genuss beim Lesen historischer Zitate rührt oft vom Vergleich mit den heutigen Verhältnissen her. Amüsant fand ich etwa „Kumqwat, nicht grösser als eine Walderdbeere“. Bei den Äpfeln aus China fand ich mich nur bestätigt. Ich habe als großer Apfelesser auf mehreren Reisen nach China auch die dortigen Äpfel versucht: sie sind meist hart und wenig wohlschmeckend, so wie 1857 beschrieben.

        • In Chiang Mai ist das Angebot an preisgünstigen Äpfeln und Birnen aus China gross. Auf ein Kilogramm entfallen etwa drei Nashi-Früchte. http://www.exotenfrucht.de/nashi.html
          Die Birnen sind nicht so wohlschmeckend wie goldgelbe Williams-Birnen aus dem Wallis. Die gibt es auch in der Schweiz bei Grossverteilern kaum. Sie wurden
          an Marktständen angeboten.
          Ich ziehe das Angebot aus China den Früchten aus USA vor. Selten verirrt sich Obst aus Europa in die Regale in Thailand.

          • Während du anscheinend in Thailand wohnst, bin ich in Südostasien und Ostasien immer nur auf Urlaubsreisen. Dort lasse ich dann alles Obst liegen, was es in D genauso oder gar besser gibt und esse stattdessen das, was es bei uns nicht oder nur in schlechterer Qualität gibt, etwa Mango, Papaya, Chomphu, Ananas, Litschi, Tamarinden, Rambutan, Longan, Kaki, Pappelpflaumen, Mangostane, Lamut (Sapodille), usw.

            Eine Episode aus Malaysia vor ein paar Wochen: In den Cameron Highlands gibt es auch einige Erdbeerfarmen, die den Touristen (wohl wegen ihrer Seltenheit für die Tropen) gerne gezeigt werden. Die (teuren!) Erdbeeren schmeckten so wie in Deutschland zu Weihnachten, nämlich eigentlich gar nicht.

  2. Danke Peter,
    Erdbeeren gedeihen auf den Hügeln um Chiang Mai ebenfalls. Entweder schmecken sie nicht, oder sie sind holzig. Gegen die Härte hilft kurz aufkochen. Das machte ich vor zwei Wochen,
    Mit fruchtigen Grüssen, Low

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