Frühe Flugreisen nach Hinterindien

Die Entwicklung der Luftfahrt, angefangen mit der Sage von Dädalus und Ikarus, ist unterhaltsamer als die meisten Kriminalromane. Ich schmückte das Thema nicht mit Details aus und beschränkte mich auf die Verbindungen mit Hinterindien. Liebhaber finden in den Links weitere Informationen.

Nach dem 1. Weltkrieg schuf Grossbritannien neue Verkehrsverbindungen in seine entfernten Kolonien.
Aus den Firmen British Marine Air Navigation, Daimler Airway, Handley Page Transport und Instone Air Line entstand 1924 Imperial Airways. Die verwendeten Maschinen, teilweise Doppeldecker, waren schwerfällig und mit 100 mph langsam. Sie flogen in geringer Höhe, denn sie hatten keine Druckkabinen. Unter den Wolken waren Maschinen und Menschen Unwettern ausgeliefert. Die Motoren erzeugten nicht nur Vortrieb, sondern viel Lärm.
Die fliegenden Kisten aus Holz und textilen Materialien waren alles andere als tropentauglich. Innerhalb weniger Jahre ersetzten stromlinienförmige Maschinen aus Metall die filigranen Flieger. Aber noch lange hielten sich viermotorige Doppeldecker der Firma Short Brothers in der Luft und auf dem Wasser. Als 1929 die italienische Regierung die Häfen in Italien und ihren nordafrikanischen Kolonien für britische Flugzeuge schloss, benötigte Imperial Airways ein Flugboot, das ohne Zwischenlandung von Mirabella auf Kreta bis nach Alexandria fliegen konnte. Im Oktober 1930 begann Short mit dem Bau der S.17 Kent. 5E short
1934 erreichten die Kolosse unglaubliche Geschwindigkeiten von 140 bis 200 mph.
5 Mann Besatzung beförderten 17 Passagiere. Das Gewicht der Maschinen betrug 20 Tonnen, inklusive 2 Tonnen Fracht. Vier Pegasus Motoren mit je 920 PS, 690 kW, trieben die Flugboote vorwärts.
Singapur, ja sogar Australien wurden regulär angeflogen. Der Jungfernflug von London nach Singapore erfolgte am 9. Dezember 1933. Das Reislein nach Singapore kostete umgerechnet 18‘000 $. Imperial Airways überlebte dank Zuschüssen der Regierung.

Imperial Airways – Flugboote, Zeitplan von 1939
Jede Tages-Etappe hatte Zwischenlandungen. Ich führte sie nur für den 1. Tag auf.
Übernachtet wurde in Hotels. Mit einer Bahnreise begann die erste Etappe von London nach Southampton.
AAA AA3

Wasserten die Flugboote in Bangkok vor dem Oriental-Hotel? Das muss ein unvorstellbares Spektakel gewesen sein.

Die Flüge gingen weiter über insgesamt 12945 Meilen, bis nach Sidney.
Ende 1930 arbeiteten 3000 Besatzungsmitglieder für Imperial. In den dreissiger Jahren beförderten Imperial ungefähr 50‘000 Passgiere.

Der Beginn des Zweiten Weltkriegs beendete die weltweite Zivilluftfahrt (für die Reichen und die Schönen). Imperial Airways fusionierte mit British Airways im Jahr 1939. Daraus entstand die British Overseas Airway Corporation, BOAC .
Von nun an beherrschten für Jahre Sturzkampfbomber, Spitfire, Mitsubishi Zero, Messerschmitt und fliegende Festungen den Luftraum.

(Flugboot) http://en.wikipedia.org/wiki/Short_Empire
(Short Bothers) http://de.wikipedia.org/wiki/Short_Brothers_(Flugzeughersteller)
(Imperial) http://paleofuture.gizmodo.com/what-international-air-travel-was-like-in-the-1930s-1471258414#
(Imperial) http://en.wikipedia.org/wiki/Imperial_Airways
(t) http://www.seawings.co.uk/images/EmpireProfilebookgal/Flying%20Empires%20Book.pdf
(Bilder) http://www.britishairways.com/travel/photos-1930-1939/public/en_gb
(Flugpläne) http://www.timetableimages.com/ttimages/iaw.htm
Film:
1924 Imperial Airways at Croydon
)F) http://www.youtube.com/watch?v=-VE4ukEHuKo
Short Kent Flying Boat
(F) http://www.youtube.com/watch?v=PmuNQXst6nI

(j) http://de.wikipedia.org/wiki/Mitsubishi_A6M
(d) http://de.wikipedia.org/wiki/Messerschmitt_AG

Fortsetzung folgt

3 Gedanken zu „Frühe Flugreisen nach Hinterindien

  1. Hallo Low

    Wieder ein Essay mit Suchtfaktor! Schön, dass eine Fortsetzung kommt.
    Unter den Links gefiel mir besonders der 14- minütige Stummfilm „Imperial Airways at Croydon Aerodrome in 1924“.
    Er vermittelt einen guten Eindruck darüber, wie anders damals Passagierflüge vonstatten gingen.
    Im Film sieht man übrigens anscheinend ein Flugzeug des Typs „Handley Page W.8“ (oder eines Nachfolgemodells).

    Für uns heutzutage Selbstverständlichkeiten, damals aber nicht:
    Die Handley Page W.8 war interessanterweise weltweit das erste Flugzeug mit einer eingebauten Toilette an Bord.
    Auch bei der Bordverpflegung in Flugzeugen war der britische Industrielle Sir Frederick Handley Page ein Pionier, denn die ersten Flugzeug-Bordessen wurden in seiner Handley Page Transport Ltd auf der Route London-Paris schon seit 1919 serviert.

    Viele Grüße Achim

    http://de.wikipedia.org/wiki/Handley_Page_W.8
    http://en.wikipedia.org/wiki/Airline_meal

    • Danke Achim für die wertvollen Ergänzungen. Ich möchte die lesenden Damen nicht mit Technik vergraulen. Dennoch gibt es noch zwei Fortsetzungen (mit Film) über frühe Fliegerei und ich freue mich auf anregende Diskussionen. Ich werde die Handley Page in Deinem Biergarten bewundern.
      Low, Aerodrome Phonphat

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