Vordergründige Hinterlist

Zwei üble Ereignisse trafen mich hart.
PACIFIC HEALTHCARE THAILAND kassierte 25‘000 Baht, ohne die überlebenswichtige Ware zu liefern. Telefonverbindungen existierten nicht mehr. Mails wurden nicht beantwortet. Die Firma ist Generalvertreter von COLOPLAST in Thailand!
Ein Brandanschlag auf die zentrale Schalteinheit des Internet-Anbieters im Dorf verhinderte während Tagen meine verzweifelte Suche nach Ersatzlieferanten!

Nächste Woche ist Songkran, Thai-Neujahr. Da werden ausser Wasser werfen keine Geschäfte abgewickelt.
Nach erfolgreicher Intervention aus HONGKONG, danke Lynette, erhielt ich die Lieferung vor Songkran doch noch.

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Die Geschichte des Mädchens berührte mehrere Leser(innen). Ein guter Freund meinte:
das einleitende Zitat mag passender sein, wenn wieder von Mord und Totschlag die Rede ist.
Nein, die Grundübel dieser Gesellschaft sind Egoismus und Gleichgültigkeit gegenüber dem Rest der Welt. Diese Lebensauffassungen sind weit verbreitet. Wir erleben sie täglich, in den Familien, auf Strassen, beim Betreten von Personenaufzügen, beim Drängeln an Kassen, bei gemeinen Diebstählen und idiotischen Verbrechen.

Dass im gleichen Haushalt zwei Frauen nicht kochen können, dürfte eher eine Ausnahme sein. Manche Mädchen können nach zehn Schuljahren kaum schreiben oder lesen. Die Möglichkeit, während der Schulzeit geschwängert zu werden, dürfte weit höher liegen als ein kühner Griff zum Griffel zwecks Kommunikation. Aber ein Süppchen oder Eier zu garen, dürfte den meisten Weiblein vertraut sein, wenn die Sauberkeit der Töpfe keine Rolle spielt. Wie man Reiskocher benutzt, weiss fast jedes Kind. Reis in einer üblichen Pfanne zu kochen, gilt als unmöglich.

Mowgli brodelt seit einigen Jahren selbst. Er hat sichere Gefühle für Masse und Gewichte und benutzt aus Faulheit keinerlei Messgeräte, weder für Mengen noch für Zeit. Das führt dann zu Speisen im Stil von Loriots Frühstücks Ei. (1) Fisch ist nach dreiviertel Stunden hart wie Backstein, dafür bleibt sein Schweinemagen pikant saignant. (2)

Mein Englisch-Unterricht war seit Jahren eine reine Alibi Funktion für das Mädchen, damit sie ihre Mutter inklusive Horden hormon- und trieb-gesteuerte Hausfreunde in Phitsanulok in den Ferien nicht besuchen muss. Die Schulferien dauern von Mitte März bis Anfangs Juni.
Mütterchen trickste ihre Tochter aus und simulierte einige Tage augenverdrehend röchelnd im Spital! Leibesfrüchtchen musste die Nibbana-Kandidatin besuchen. Mehrere Geschwister, keines vom gleichen Vater, hätten die leidende Mutter durch ihre Anwesenheit aufmuntern und erquicken können. Aber die lange Reise bewirkte den Unterschied. Noch am Tage des Besuchs vollbrachte Jesus persönlich ein neues Osterwunder und die Todgeweihte hüpfte, zumindest Red Bull verleiht Flügel, fröhlich nach Hause.

Ferien: Geldgierige Lehrkräfte veranstalten Sommerkurse gegen Entgelt. Die Kinder lassen sich jeden Tag in den Schulen volllabern, ohne das Geringste zu lernen. Weil sie tagelang für teures Geld herumsitzen, sind sie danach zum effektiven Lernen zu müde. Nutzbringenden Gratis-Unterricht wimmelt man erfahrungsgemäss trickreich ab.
Lehrreich wäre, wenn die Jugendlichen sich für einige Wochen mit sich selbst beschäftigen und anstelle von programmierter Elektronik ein Buch in die Hände nehmen würden. Es gibt sie, Welt-Literatur, für junge Menschen in Thai. Für Mowgli kaufte ich von Antoine de Saint-Exupéry ‚Der kleine Prinz‘. Als Comic hätte er es an guten Tagen verstehen können. (3)

Vergleichend stelle ich fest: Während meiner Jugend waren Ferien wertvolles Freizeitvergnügen. Wir sassen nicht denkbefreit tagelang vor Fernsehern und Smartphones. Wir verschlangen Bücher und pflegten Steckenpferde. Ich staute versteckt an einem Rinnsal einen Teich von annähernd zweihundert Litern Inhalt. Darin lebten Fische, Frösche, Käfer, Krebse, Kröten und Molche. Es gab Eidechsen und Feuersalamander. An heissen Tagen kühlten Wanderer Bier im glasklaren Wasser. Ich kannte Flora und Fauna vom Aaretal bis in die Voralpen. Meine Schätze waren in Herbarien gesammelt. Nur nach Osterhasen suchten selbst Experten vergeblich.
Hier werden sämtliche Lebewesen kaltblütig und gedankenlos abgeschlachtet. Vierbeiner, ausgenommen Hunde und Elefanten, sind ausnahmslos Ratten.

Ich erwähnte die Schwierigkeiten, englische Texte zu verstehen. Weil die Kinder kaum lesen, verstehen sie Thai-Texte ebenfalls nicht. Das ändert sich bis an das Ende der obligatorischen Zeitverschwendung nicht. Die Dörfer benutzen deshalb als Informationssysteme Lautsprecher.
Chaplins Stummfilme haben in Thailand eine Tonspur. Da wird erklärt, was lustig ist und wann man lacht. Amerikanische Seifen-Opern, das Schulsystem für die schweigende Mehrheit ist ähnlich ungenügend wie in Thailand, haben eingeblendete Lach-Sequenzen.

Als Trost mailte einer aus der Ferne: Im Dorf können doch nicht nur schlechte und dumme Menschen wohnen! Darauf werde ich mit Freude antworten und zeigen, wie eigene Kinder und die restliche Familie ganz nebensächlich dem Götzen Egoismus geopfert werden.

(1) http://www.youtube.com/watch?v=bHR_aU1TKZ8
(2) http://www.lebensmittellexikon.de/s0002700.php
(3) http://kleineprinz.com/

2 Gedanken zu „Vordergründige Hinterlist

  1. Ich habe versucht in BKK einen eBook Reader zu erwerben . Wie konnte ich nur …. Welcher Thai liest schon Bücher ?! Überall nur dumme Gesichter.

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