Zwei Schlafzimmer wegen Brasilien

Vor einem Jahr erfreuten wir uns an einem grösseren Heuschreckenüberfall. Besuch aus dem ganzen Königreich sang und trank wacker an Dicks dörflichen Karaoke-Gelagen. Einige Gäste schafften trotz reduziertem Blutpegel im Alkoholkreislauf den Weg zum Tempel. Der eigentliche Grund der Festlichkeiten war: ein Sohn trat für einige Augenblicke in Buddhas Dienste ein. (1) Es wurde wenigstens so aufgefasst.
In meiner Hütte, ich entwarf sie – die Eigentümerin ist Dick, gibt es zwei Schlafzimmer. Eine Matratze musste für Gäste geopfert werden. Lieber die Matratze weg, als unbekannter Schrecken im Haus, flüsterte ich mir mutig selbst zu.
Es wurde schwierig, geeigneten Ersatz zu besorgen. Dick kaufte nach Monaten ein teures Ding. Unbrauchbar, zu hart, zu dick, – fanden wir nach der ersten Nacht gemeinsamen Testens heraus. Es wäre günstiger gewesen, die Gäste im Luxus-Resort einzuquartieren. Aber nein, die Herrschaften mussten im Dorf feiern und schlafen. Deshalb blieb das angenehm grosse, luftige, reichlich mit Bildern von Klimt, Chalermchai Kositpipat und anderen Künstlern dekorierte Schlafzimmer, während eines Jahres für uns ohne Bettinhalt unbenutzbar. Drei Monate verbrachten wir auf Borneo. Nach der Rückkehr im Januar war der Riesen-Raum mit unserem bescheidenen elektrischen Radiator nicht beheizbar. Während der Hitze-Monate April und Mai benötigten wir eine kühlbare Kammer.

Im kleineren Schlafzimmer mit Klimaanlage steht Dicks Computer mit Bildschirm. Er kann ebenfalls als Fernseher genutzt werden. Als ich vernahm, dank General Prayuth Chan-ocha würden die Fussballspiele aus Brasilien in Thailand gratis ausgestrahlt, verkabelte ich gedankenlos – FIFA-Sepp persönlich vernebelte mein Hirn – diesen Bildschirm mit einer Antenne.
Mit der Einführung des digitalen Fernsehens in der Schweiz wurde das leistungsfähige Produkt mit eingebautem Verstärker unbrauchbar. Ich schmiss es seinerzeit in den Koffer. Es lagerte hier in einem Schrank. Bloss die verharzten Teleskopstangen benötigten Öl. Dank dem Fussball konsumiert das Ding endlich wieder elektrischen Strom.

Bisher stand ein Fernseh- und Karaoke-Gerät im Beauty-Salon. Wenn Dick am späteren Abend erklärte, ich gehe noch ein bisschen bügeln, bedeutete das meistens Fernsehen.
Ich testete die importierte Antenne im Schlafzimmer. Ohne schrauben, installieren und speichern, empfingen die Geräte von sich aus sogleich sechs Sender. Fortan bügelte Dick abends kaum. Sie legte sich aufs Bett, schaltete die Klimaanlage ein und liess sich von thailändischen Opern einseifen. Ich verrate kein Geheimnis: Einem Fischer, der nichts fängt, einer strickenden Frau oder einer hurtig schleimenden Schnecke im Garten zusehen, ist wesentlich interessanter, als die meisten der hinterindischen Fernsehproduktionen.

So gegen Mitternacht legte ich mich ebenfalls aufs Ohr und versuchte, trotz elektronisch übermitteltem Gekreische zu schlafen. Manchmal gelang es. Früher oder etwas später, eher später, schaltete Dick meine Installation freiwillig aus. Bisher sah ich noch kein einziges Fussballspiel.
Vor einigen Tagen kaufte ich notfallmässig eine annähernd passende Matratze. Mit den beschädigten Handgelenken, liess sich die Härte nicht prüfen.
Das angenehm grosse, luftige Schlafzimmer wurde dank Brasilien wieder fluchtartig mit schlaftrunkenem Leben erfüllt. Versteckt hinter einem Nachttisch, gibt es einen Antennenanschluss. Bitte nicht weiter sagen.

Im Wohnzimmer hängen diese fast vergessenen Gegenstände

Im Wohnzimmer hängen diese, durch Erdbeben geschüttelt, fast vergessenen Gegenstände

(1) http://wp.me/p2ljyL-10Y

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