Fest im Dorf, Dorffest

Nach über sechs Monaten Enthaltsamkeit, suchte ich an diesem Fest vergeblich Ermunterung und Inspiration. Da war nichts anderes als Transpiration vorrätig. Wenige Tage zuvor versprach ich dem planenden Geburtstag Organisator, sofern das Gelände nicht überflutet sei, würde ich teilnehmen.
Die Musikanlage plärrte seit Stunden, als wir in der Dunkelheit die Strasse betraten.
Dick trug eine Flasche Merlot in der Hand. Wir wurden freudig begrüsst. Auf einem Stein-Tisch brodelte eine Wasserbüffelsuppe. Grüner Curry, Gaeng, dampfte neben aufgeschnittenen Guave-Früchten, ฝรั่ง, Farang. Es roch nach angebranntem Reis und parfümiertem Schweiss. Hungrige Köter quetschten sich schwanzwedelnd ins Getümmel.
Die Gastgeber brachten uns voller Stolz eine Flasche eines zwölf Jahre alten, teuren Rothschild Gewächses und einen Korkenzieher. Dick war wenig erfolgreich im Kampf gegen die Tücken des Korkens. Sie gab mir die Flasche. Bei der feinsten Berührung bewegte sich der Korken nur in einer Richtung, nach unten. Deshalb erwartete ich oxydierte, ungeniessbare Brühe und genehmigte mir – nur wegen des exorbitanten Preises – einen Schluck. Sogleich suchte ich einen stillen Ort zum fröhlichen Spucken. Die Zunge brannte. Glücklicherweise verschonte ich die Kehle.
Von allen Seiten wurde mir Essen angeboten. Ich benötigte Zeit, um mich zu erholen.
Da mir ausser Zeit alles gegeben wurde, duschte ich den Mund mit unserem Merlot.
Danach prostete ich dem Gastgeber zu: „Happy Birthday!“ Er zog eisgekühlte Mischungen des Hauses ‘Still going strong‘ vor.

Ich versuchte etwas Reis, tröpfelte Wasserbüffel-suppe darauf. Sie stank nach überlagerten Tierknochen. Ich teilte mit Dick einen Hühnerschenkel aus der Wüste. Er war staubtrocken. Dann wurden leckere Seidenraupenpuppen angeboten. Gebannt betrachtete ich Chiang Mai Würste. Die sind üblicherweise grob gehackt, rassig gewürzt und enthalten Reiskörner. Diese Würste hier wiesen feine Strukturen auf. Keine Spuren von Reis oder Zitronengras. Sie rochen verführerisch. Leider würzte die Herstellerin hundert Gramm Fleisch mit der zehnfachen Menge Chili. Zum Löschen des Brandherdes war zu wenig Mehrlot vorhanden. Hilfreich wurde zusätzlich von oben gelöscht, es regnete.
Ich schrie: “Fontok, Regen!“
Dick sagte: “Unmöglich, ich sehe den Mond.“
Wasser floss aus meinen Socken, als ich wünschte: “Deck den Wein zu, bitte.“
Sie nahm einen Teller und legte ihn auf ihr Glas, während die Flasche ungeschützt blieb.
Alle strömten von der Strasse ins Haus. Ich benutzte die Gelegenheit und ergriff die Flucht. Fünf Minuten später war ich zu Hause und zog das triefende Zeug aus. Nach neun Uhr ging Dick beschirmt zum Festgelände zurück.
Ich bat sie: „Komm nicht zu spät. Mir ist übel.“
Freudige Partystimmung An Schlaf war nicht zu denken, als nach dem rettenden Regenguss die Karaokemaschinerie wieder angeworfen wurde. Kurz vor eins stand ich wieder auf und suchte wichtige Reise-Dokumente, wie Geburtsurkunde.
In den letzten Wochen lernte ich aus der Presse: Mit blauem Licht emittierenden Dioden, LED, bleibt Gemüse im Kühlschrank länger frisch. Fürs Nibbana benötigt Kundschaft nun Geburtsscheine. So schützt sich die Ewigkeit vor Retortenbabys und genveränderten Organismen.
Später kam Dick wortlos zurück. Noch später übergab sie sich wie üblich. Zur Frühstückszeit ersetzten Kopfschmerzen das Bauchgrimmen. Fürwahr, ausnahmslos ein gelungenes Fest, genau wie die anderen neunundneunzig pro Jahr.

4 Gedanken zu „Fest im Dorf, Dorffest

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