Hausbesitzer schwindeln nicht

Sie sagen auch nicht die Wahrheit. Sie trennen sich gegen schnödes Entgelt von ihrem wertvollsten Besitz und wenn das streng genommen alter Plunder und billiger Schrott ist. Daran änderte die wiedergewonnene Freude der Bevölkerung im Land des gebeutelten Lächelns, der Militärregierung sei Lob und gebührender Dank, nichts. Die Diktatur der Hausbesitzer blieb ungebrochen. Die Gier nach Baht und noch mehr Baht jedenfalls ist unverändert. Das erste Gebot lautet:
„Horte Baht, wo immer Du sie kriegen kannst, ohne jemanden umzubringen!“

Dazu muss ich ergänzen, ich würde meinen Besitz, möbliert oder nicht, keinem Einheimischen vermieten. Das schafft nur Ärger. Entweder wird alles geklaut, oder der ehemalige Palast wird zur Baustelle umfunktioniert. Im einen Badezimmer wird ein niedliches rosafarbenes, fröhlich quiekendes Schweinchen gemästet. Aus Veranda und Vorplätzen entstehen ohne jegliche Rückfrage, weitere Zimmer für mindestens zwanzig Personen. Das entdeckte ich, anfänglich leicht verwundert, in den Dörfern an den Reisfeldern.

Bevor wir den Mietvertrag in Satun unterzeichneten fragte ich naiv: „Sofern etwas nicht funktioniert, wer kommt für die Behebung der Schäden auf?“
„Selbstverständlich ich,“ erklärte die Dame.
Sie verkaufte – vermietete – uns, mit einer heissen und einer kalten Hinterbacke, zwei defekte Kühlschränke. Wenn Farang Pampe aus tiefgefrorenem Salat nicht fressen mögen, ist das ihr Problem. Die Kühler lärmten, bezogen Strom, folglich funktionierten sie, auch wenn das Bier aus dem Zweitgerät warm war. Ersatz ausgeschlossen. Cotto
Beim ersten Transfer aufs WC murmelte ich:
„Die Schraube rechts ist nicht aus Kunststoff, sondern aus Kaugummi. Sie bricht bald.“
Sie brach.
In Hinterindien sind keine einzelnen Ersatzschrauben vorhanden. Es gibt nur Gesamtpackungen:
„Zwei Muttern, zwei Schrauben, Sitz und Deckel.“
Ich wusste, es müssten irgendwo Ersatzschrauben herum liegen. Es wäre eine Art technisches Wunder, wenn zwei Schrauben gleichzeitig ihr Dienstverhältnis aufgeben,
sofern nicht speziell zerstörerische Kräfte am Werk sind.
Dick telefonierte. Die Vermieterin – ihr Mann ist an einem Geschäft für Sanitäranlagen beteiligt – behauptete:
„Keine Ersatz-Schrauben. Wir hatten in diesem Haus noch nie Probleme mit WC Sitzen. Da brach noch nie kein Schräubchen. Sie sind die Ersten, die meinen teuren Kloschüsseln mit schweren Ärschen Gewalt antun.“
Das gibt es also ebenfalls: Kloschüsselmasochisten, Kunststoffsitzvergewaltiger und perverse Schraubenfetischisten.
Die Realität sah anders aus. Die drei WCs sind von Cotto. Zwei der heissen blauen Stühle haben Sitze von SB, einem Dritt-Anbieter. Das bedeutet, die zwei Garnituren wurden bereits mindestens einmal ersetzt. Aber wir sind zu blöd, um solche Kleinigkeiten zu bemerken.

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