Low als Glücksbringer

Nicht nur Glück, sondern vor allem Devisen, bringen zahllose Gäste aus dem riesigen Reich der Mitte in die Länder Hinterindiens. Wahrscheinlich durch Auswirkungen der Kulturrevolution sind diese Menschen noch nicht total auf zeitgemässe Formen der Darmentleerung getrimmt, obwohl im alten China die Hygienemassnahmen weitaus fortschrittlicher waren, als damals in Palästen und Siedlungen im europäischen Raum. Privatsphäre beim Verrichten natürlicher Ausscheidungen gab es im aufstrebenden China trotz rotem Büchlein kaum. Kackenderweise unterhielt man sich während den Sitzungen ungeniert mit den Partei-Genossen über die Ratschläge des grossen Vorsitzenden. In den kahlen Räumlichkeiten fehlte jeglicher Komfort. Im alten Rom dienten Vorsitzende als Vorwärmer kalter Sitzgelegenheiten.

Im modernen China verdient man plötzlich Geld. Es erlaubt, kurzzeitig aus dem Mief trister Wohnblöcke auszubrechen. Vielfach war es üblich, dass es pro Stockwerk bloss eine bescheidene Einrichtung zur Verrichtung der Notdurft gab. Daher fehlte die Kenntnis, wie man geflieste Toilettenanlagen mit komischen, keramischen Sitzgelegenheiten, viel Chrom, Papierrollen, Waschbecken aus Porzellan, an den Wänden glänzende Spiegel und glitzerndes Glas, benutzen sollte. Auf einem Klo stehend, konnte man fernere Ziele anvisieren, als aus Bodenhaltung. Die Ecken der Toiletten wurden von rechtwinkligen Architekten nicht als Deponien für Toblerone oder andere bräunliche Gegenstände gestaltet. Diese Ecken boten dennoch ungeahnte Privatsphären, denn in die geschlossenen Kabinen getraute man sich nicht. Missbräuche von Hinterindiens Toiletten wurden zum Politikum.

Im weissen Tempel von Chiang Rai sperrte man den Eintritt und die Benutzung der Sanitäranlagen kurzzeitig für Besucher aus China. (1) Nun sollen spezielle Entsorgungs-Einrichtungen für die willkommenen Devisenlieferanten erstellt werden. Die Flughäfen Bangkoks und von Chiang Mai meldeten pikante Vorkommnisse. Barbusige Damen wuschen ihre Unterwäsche in den Waschräumen und trockneten die delikaten Bekleidungsstücke auf Sitzen der Aufenthaltshallen. Die Herren benahmen sich meist pflegefreundlicher. Sie wuschen bloss verschwitzte Füsse im Klo oder als gekonnte kunstturnerische Akrobatikeinlagen im Lavabo. Neben den fiskalischen, ähh – den fäkalischen Problemen entstanden neue, technische Engpässe. Die chinesischen Freunde erwerben im Ausland in ihrer Heimat produzierte Smartphones. Es gibt nur ein Produkt für sie: Birne. Mit dem vereinigten Birnenkomp(l)ott blockieren sie als imposante Menge sämtliche Internetzugänge. Drei Tage lang versuchte ich erfolglos, eine Verbindung zu erhaschen. Eine freundliche Dame an der Rezeption sagte anlässlich meiner Frage nach Zugangs-Schlüssel und Passwort unaufgefordert zu mir: „Bringen sie ihren Laptop. Ich habe einen schnellen Kabelanschluss!“

In unserer favorisierten Bar auf Langkawi erhielten wir den Code des privaten Anschlusses. Wieso? Der Abteilungsleiter für Essen und Getränke (neudeutsch: F&B Manager) träumte von mir. Er kaufte ein Los mit unserer ehemaligen Zimmernummer und kassierte zweihundertfünfzig Ringgit. Welche meiner intimen Daten in Chiang Mai verwendet wurden, weiss ich nicht. Aber unser Holzkunstwerker, der geniale Wurzelschnitzer mit polizeilich verordneter Bedenkzeit im Kerker, gewann nach einem Traum über mich, hoffentlich wurde er von Albträumen verschont, dreissigtausend Baht. Man darf sich ruhig fragen, ob Glück gleichbedeutend mit Geld ist. Im Land der buddhistisch angehauchten, zur Zeit freilandgeräucherten Bahtisten bestimmt. (a)

(1) https://hinterindien.com/2013/02/15/chiang-rai-schwarz-und-weiss-bunte-ansichten/ (a) http://www.wochenblitz.com/nachrichten/61918

(a) http://www.wochenblitz.com/nachrichten/61921

6 Gedanken zu „Low als Glücksbringer

    • Danke Martina.
      Es müssen nicht Touristen aus China sein. Es ist vielmehr ein Gesetz der grossen Zahl. Alleine oder als Paar geniesst man still und bescheiden seinen Cocktail oder die Garnelensuppe – ohne aufzufallen – im Kreise anderer Gäste.
      Unangenehm war für uns in den letzten Monaten ein Fussballklub mit seinen Fans. Es war kein Weltklasseverein, der das tägliche Leben beeinträchtigte, sondern ein Gastklub aus 350 Kilometer Entfernung, der in Satun gewinnen wollte.
      Diese Menschen kamen mit VIP Bussen vom Mars. Sie brachten im Gepäck Kleider, Zahnbürsten, Lidschatten, Make-up und Lao Khao mit. Benehmen und Anstand vergassen sie. Glücklicherweise verlor das Team und die Anhänger blieben einiger-massen in Bodennähe.

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