Trojanische Pferde im Fischtrog II

Fischtrog WegweiserErste Fischlein fingen wir in den durch rücksichtslose Bauarbeiten übel zugerichteten Rinnsalen am Ta Li Klai. Dann holte die Vermieterin von einem Nachbarn einen Wasser-Schöpfer voller lebendgebärenden Guppys. (2) Es ist ein wundervoller Anblick, wenn ein knapp vier Zentimeter kurzes Fischweibchen mehrere Jungtiere ins Wasser setzt. Diese Fische hatten durch jahrelange Inzucht Grösse und Farben verloren. Abhilfe und frisches Blut sollten meines Erachtens einige Guppy aus einer Fisch-Handlung bringen.

Den optimalen Fisch-Besatz stellte ich mir mit zusätzlichen Gurami vor. (3) Die dekorativen Gurami sind einheimische Fadenfische. Sie sind durch ihr Labyrinth-Atmungsorgan an warmes, sauerstoffarmes Wasser gewöhnt. Es gibt sie in allen Spielarten und Grössen, bis zum riesigen Speisefisch. Berühmt sind die küssenden Gurami. Am aggressivsten sind die farbenprächtigen kleinen Kampffische. Ich wünschte blau marmorierte Fische zwecks Farbe, blassrote und silbrige Fadenfische, jugendlich schwarz gestreift, zum späteren Verspeisen.
Wir suchten während Tagen ein Geschäft mit Zierfischen. In Satun gibt es keine Aquarienhandlung. Man nimmt ein Netz und holt sich den Bedarf im nächsten Gewässer. Das einzige verfügbare Netz im Haus war das Stromnetz.

Der wohlwollende Gemahl der Vermieterin überreichte Dick auf dem Markt einige Plastiksäcke mit Fischen aus Hat Yai. Als sie mir die Geschenke präsentierte, murmelte ich: „Zu viele Tiere! Das Wasser wird grün. Wir haben keine Filter.“
Der erste Beutel enthielt einen farbenfreudigen, vielversprechenden Schwarm von Guppy. Im zweiten Behälter schwammen durch den Transport erblasste blau marmorierte Fadenfische. Ein Quartett junger Speisegurami war im nächsten Sack.
„Zu viele Fische für die paar Kubikmeter“, dachte ich. Ich sah den letzten Behälter und erbleichte. Da war ein Pärchen „Tausend Dollar“ Fische, Chitala Ornata. Gute Nacht! (4,5)
Chitala Ornata, Pla Klaey, sind scheue, schuppenlose Fische. Sie leben in den Gewässern Thailands und einiger Nachbarländer. Der Name „Tausend Dollar“ stammt möglicherweise von den eingeprägten Nullen auf dem schlanken Körper. Die Tiere verstecken sich während des Tages. In der Dämmerung und in der Nacht werden sie aktiv, das heisst, sie jagen und fressen alles, was ins Maul passt. Die Tierlein wachsen schnell bis zu einer Länge von einem Meter. Das Gewicht liegt dann bei sechs Kilogramm. Mit der Grösse dieser Fische nimmt deren Appetit zu.
Zum Schutz der Guppy und Fadenfische fütterten wir zusätzlich Kaulquappen aus dem Garten. Frösche legen täglich Eier in Pfützen von zwei Zementröhren. Dennoch schwänzten eines Morgens bereits etwa die Hälfte der Guppy den Frühstücksapell. Einen Tag später konnte man die Überlebenden an einer Hand abzählen. In wenigen Tagen würden Guppys zum Vertilgen der Mückenlarven fehlen. Wenn die Fadenfische nicht schnell genug wachsen, werden sie selbst zu Fischfutter. Diese „Tausend Dollar“ Fische sollten Vegetarier imitieren und sich von Wasser-Hyazinthen ernähren. Dann wären gleichzeitig mehrere Probleme gelöst.
Bitte schenken sie uns keine Fische oder nur in Form tiefgefrorener, panierter Dorsch-Filets, dazu ein bekömmliches Fläschchen Lebertran – AOC, selbstverständlich.

(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Guppy
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Fadenfische
(4) http://de.wikipedia.org/wiki/Tausenddollarfisch
(5) https://hinterindien.com/2012/08/20/kein-fischerlatein/

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