Matthäus und die törichten Jungfrauen

Es döste sich gut in den frühen Morgenstunden in den kühlen Tempelhallen, während aus dunklem Hintergrund ein vergoldeter Buddha ein mildes Lächeln andeutete. Wer nicht döste, hantierte auf dem Boden sitzend mit Smartphones, während Mönche chanteten und der Abt danach vergeblich versuchte, an die abwesend Anwesenden einige weise Worte, einige Körnchen Wahrheit und Ethik mit auf den mit harten Steinen gepflasterten, von Lügen, Drogen, Alkohol und Unmoral verseuchten Weg zu geben.
Das interessiert das Publikum wenig bis gar nicht. Sie kamen bloss, um ihre Opfer, Geld, Weihrauch, Speisen und Geschenke zu bringen. Ihre neuen Kleider, Schmuck und Fahrzeuge klatschsüchtigen Bekannten zu präsentieren.

Nicht alle Einwohner versammeln sich im Tempel. Es gibt mindestens eine Thai-Familie im Dorf, die Jesus Christus verehrt. Die Mutter zeichnete sich durch ungeheure Tatkraft aus. Sie arbeitet von früh bis spät. Keine Tätigkeit ist ihr zu gering oder zu schwer. Wenn sie Zeit hatte, sass sie an ihrer Nähmaschine und kreierte Kleidchen für ihre beiden Töchter. An Feiern und Festen der Nachbarn zeigte sie sich kurz und brachte wie üblich einige Häppchen mit. Sie vergeudete selten Zeit mit sinnlosem herumalbern oder vor den Flimmerkisten.
Wenn ich Freitag abends zu später Stunde vom Feiern mit den Schönen – keine Hühner aus polierter Chromstahlstangenhaltung, sondern naturnahe Wesen aus Bodenhaltung – ins neue Haus zurückkehrte, sang eine kleine Gruppe im christlichen Haus zu Gitarreklängen Hymnen und Lieder. Der gestrenge Reformator Johannes Calvin hätte seine Freude an dieser ausserordentlichen Frau gehabt.
Neben zahlreichen Arbeiten in Haus und Dorf ist sie ein beflissenes Mitglied ihrer Kirchgemeinde. Die reformierten Kirchen in LanNa Land laden selten zum Dösen und Träumen ein. Die geschulten Pastoren predigen, wie es in den USA üblich ist. Ihre sanften Stimmen explodieren plötzlich zu dröhnendem Donner. Ihre Worte sind Waffen gegen Satan und Lethargie. Die Gläubigen geraten durch aufstehen und absitzen ins Schwitzen. Eifriger Gesang versorgt Herz und Hirn mit Sauerstoff – Religion als angewandte Leibesübung.
Die Gemeinde ist zusätzlich engagiert in christliches Liedgut und Laienspiele. Sie kontaktiert mit ihren Programmen regelmässig Gruppen in Indonesien, Malaysia und Singapur.

Die beiden hübschen Töchter besuchen eine teure Schule in der Stadt. Als sie grösser und reifer wurden, klagten die Mädchen, der Schulweg sei zu lang und zu beschwerlich. Anstelle der täglichen Ausgaben für den Schulbus möchten sie in der Nähe der Schule eine kleine, bescheidene Unterkunft mieten. Was die jungen Damen nicht sagten … war, die christlichen Lieder behagten ihnen nicht. Sie zogen Karaoke in schummrig düsteren Kaschemmen vor.

Als die Mutter neulich von einer Auslandstournee nach Hause kam, war die eine Tochter nicht in der Schule, sondern im Spital. Sie schenkte einem gesunden Baby das Leben.
Der Vater war ein stimmgewaltiger Karaokesänger. Nur welcher es genau war, wussten die törichten Jungfrauen nicht. Sie vergassen, wie in Matthäus 25,1-13 genau beschrieben, das Öl für ihre Lampen. (1)

Ode an schummrige Karaoke Schuppen, entlang den Lan Na Landstrassen:

Wo besoffene Kerle schräge Lieder lallen,
lassen LanNa Frauen Hemmungen und Hüllen fallen!
Nach dem kurzen Liebesschwur
Fehlt der DUREX – Natur pur. (2)

(Ähnlich wie bei der Thai-Immigration gilt dann die 9 Monate Frist.)

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Gleichnis_von_den_klugen_und_t%C3%B6richten_Jungfrauen
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Durex

2 Gedanken zu „Matthäus und die törichten Jungfrauen

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