Spielsachen

Wiederholt hatte ich die angenehme Aufgabe, Spielsachen für Kinder im Vorschulalter zu finden. Das ist nicht ganz einfach in Hinterindien, wenn man sich mit Puppen oder anderem Kunststoff-Schrott aus China nicht zufrieden gibt. Mit Plastik-Kriegsspielzeug, beginnend mit Samurai-Schwertern, Faustfeuerwaffen, Gewehren, über Panzer bis zu Atomraketen, könnte man ganze Kindergarten-Armeen ausrüsten. Uniformen stellt die Militär-Regierung, wir sahen es vor einem Jahr, gratis und franko zur Verfügung. Die Beschaffung wird schwieriger, sofern man Gegenstände sucht, welche kreatives Denken, des Zusammenspiels von Händen und Hirn, fördern. Bei batteriebetriebenen Fahrzeugen mit Fernsteuerungen scheint das Thema erschöpft. Kästen mit einfachen Holzbausteinen haben Seltenheitswert. Hochtechnisierte Bausätze, mit Motoren und komplizierten Steuerungen in bunten Plastikteilen findet man leichter. Diese Sachen sind besser für technikbegabte Väter, als für Kleinkinder geeignet.
Rar sind grosse Zusammensetzspiele, im Fachjargon Puzzle genannt. Die Thai-Kinder des Dorfes sind damit überfordert. Sie versuchen, die Teile vielmehr mit Muskel-Kraft als mit Hirn, zusammen zu fügen. Ein dreijähriges Mädchen aus der Schweiz schafft spielend, was für sechsjährige Thai-Kinder unmöglich ist. Sie übten nie, Menschen, Speisen, Gegenstände oder Landschaften genau zu betrachten und auf diesen Grundlagen Entscheidungen zu treffen.
Mowgli stolpert noch heute wiederholt über Pflanzen und Eimer, ohne dass er sie sieht, denkt – und aus dem Weg räumt. Während Jahren ging er täglich mehrmals achtlos an einem Transformator in Kleiderschrankgrösse vorüber und bemerkte ihn nicht.
Fehlt ein Gen oder benötigen diese Leute Sehprothesen? Keines von beiden. Sie sind für einfachste Wahrnehmungen, zum Gebrauch ihrer Sinnesorgane, wie fühlen, hören, sehen, riechen, denken, zu faul. Die einzigen bewussten Empfindungen erfolgen von Bildschirmen, Lautsprechern und Smartphones. Nahrungsmittel können von den Ureinwohnern nur bei gleichzeitiger Ablenkung durch Mattscheiben und Karaoke eingeworfen werden.

Als ich noch durch Windeln geschützt auf dem Boden herumrutschte, war ich Landwirt. Ich hatte eine Herde handgeschnitzter Holz-Kühe. Manche Tiere waren einfache kleine Holzstücke mit rotbraunen Flecken, die Fell signalisierten.
Als ich grösser wurde, holte ich mit Grossvater eine Ladung Sand von der Aare. Der gütige Schneidermeister spendierte ein defektes Bügeleisen als Dampfwalze für den Strassenbau. Autobahnen gab es in der Schweiz noch nicht. Mein Bruder und ich erstellten sie mit dem Bügeleisen für unsere Blechautos. Oft waren unsere Fahrzeuge schön gefärbte, gut geformte Steine oder Schneckenhäuser.
Wenn es regnete, bauten wir in der Wohnung Türme und Dörfer mit Klötzchen aus dem Holzbaukasten und geeigneten Scheiten vom Feuerholz.

Fortsetzung folgt….

4 Gedanken zu „Spielsachen

  1. Das ist eigentlich schade, in einem Buddha Land, war doch Buddha derjenige der Achtsamkeit lehrte. Da sieht man wieder was unserer Wohlstands-Gier so alles kaputt macht
    Liebe Grüsse zentao

  2. Blackmicha, ich schrieb nicht über Thais, nur über deren Kinder und Spielsachen. Bei den Erwachsenen wird es schlimmer. Da addieren sich Habgier, Alkoholismus und Sexualität zur fehlenden Ethik.
    Zentao. Der Buddhismus wird nicht gelebt. Das ist meist bloss Dekoration und Lebenskulisse, um die Lügen gekonnt zu übertünchen.

    Die Arbeitsmoral liegt etwa auf der Stufe von Laurel und Hardy: Dirty Work,

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