Von Thailands inaktiven Posten und reagierenden Schalterbeamtinnen

Wir schliefen. Der Regen plätscherte. Die Fische im Teich frassen emsig Termiten. Diese nutzten die willkommene Feuchtigkeit zum Jungfernflug. Ohne pausenlosen Regen hätte ich das Plätschern aus dem Badezimmer vernommen.
Um zwei Uhr früh erhob ich mich aus dem Bett, schaute eine Weile den Fischen im beleuchteten Teich zu, hörte genau hin und vernahm das Brummen der Quetschpumpe des Umkehrosmose-Wasserfilters. (1) Da stimmt etwas nicht, sagte mein neuronaler Bordcomputer und bewegte mich ins Badezimmer.
Wirklich, die Filter-Behälter der Trinkwasseraufbereitung waren aussen nass. Ohne Brille konnte ich wenig erkennen. Mit einem Hilfeschrei weckte ich Dick. Sie sah sofort, das Wasser kam nicht von oben, sondern spritze aus der Vorratsflasche, welche unter Druck stand. Nach Anleitung waren es 80 psi oder 5.5 kg pro Quadratzentimeter.
Dann erkannten wir die Ursache der Bescherung. Das Absperrventil war geborsten. Die Teile lagen verstreut im ganzen Badezimmer auf 15 Quadratmetern. Das gefilterte Wasser floss rund ums WC in den Abfluss. Weitere Schäden entstanden keine.

Sechsunddreissig Stunden später montierte ich zufrieden das Ersatzventil auf den Tank. Das Beschaffen von Ersatzteilen ist in Thailand regelmässig ein Problem. Im dritten Laden, bei AMORN, in der Nähe des Chiang Mai RAM Spitals, wurden wir fündig.
Dick steckte das Stromkabel ein. Das Gerät schnurrte friedlich, bunte LED Lämpchen leuchteten. Dick war hungrig. Sie wollte beim Sohn Som Tam essen.
Als ich dachte, der Tank müsste voll sein und die Pumpe weiter werkelte, wurde ich misstrauisch, öffnete draussen das Geräteschränklein und unterbrach die Stromzufuhr.

Nach einer Stunde telefonierte ich Dick. Sie kam zurück von ihrer Mahlzeit. Ich bat sie, leere Wasserflaschen zu füllen. Der fünf Liter Tank lieferte fast sieben Liter.
Wir starteten das Gerät erneut. Die Verbindung vom Ventil zum Vorratsbehälter leckte leicht. Wir stellten das Gerät ab und sicherten erneut das Trinkwasser.
Im Werkzeugschrank fand ich ein neues Manometer. Anstelle des Vorratstanks montierte ich mit viel Dichtungsband das Druckmessgerät.
Dick war vollziehende Strom-Schalterbeamtin. Bei 80 psi schrie ich:
„Strom weg!“
Dick reagierte fast augenblicklich. Das Manometer stand bereits auf 120 psi! Clarte1
Die Diagnose war relativ einfach: Der Hochdrucksensor arbeitet nicht.
Die nächste Frage war: Ist es nur der Sensor oder gab der Mikroprozessor den Geist auf?
Das Gerät erkannte zusätzlich nicht, ob die Wasserversorgung offen oder gesperrt war.
Ich nahm an, dass in der vergangenen Regennacht eine Spannungsspitze, gratis geliefert von EGAT, den Prozessor fristlos in den inaktiven Dienst versetzte.
Inaktive Posten sind Ruhestandsfunktionen für korrupte oder unfähige Beamte in Thailand. Bei voller Entlohnung geniessen diese abgestellten Angestellten ihr Dasein bei schweisstreibendem Nichtstun!

Der Prozessor setzte offenbar die Pumpe in Betrieb. Das Ventil wirkte glücklicherweise als Sicherungselement gegen den Überdruck. Die herum fliegenden Teile hätten Personen im Badezimmer verletzen können.

Eine tiefsinnige Frage beschäftigte uns:
„Sollen wir einen Sanitärinstallateur mit Kenntnis von Mikroprozessoren für die Reparatur oder besser einen Programmierer mit Fähigkeitsausweis zur Installation bleifreier Badewannen anstellen?“
Diese Fachleute würden eine Woche lang reparieren, Nieder- und Hochdrucksensoren austauschen, sämtliche Filter ersetzen, einige Fliesen beschädigen und zusätzlich mit einem fallenden Schraubstock den WC Sitz aus Keramik demolieren. Haftpflichtversicherungen kennen hiesige Handwerker nicht!

In Helvetien würde ein ausgebildeter Handwerker in zwei Stunden plus Arbeitsweg mindestens so viel kosten, wie ein neues Gerät in Thailand.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Umkehrosmose

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