Herz- und thailändische Geistes-Krankheiten

Bevor wir an und über den Mekong reisten, erlebten wir weitere wundersame Ereignisse im Dorf. Dicks Tochter gab ihre Bank-Karriere auf Drängen ihrer Mutter auf. Sie sah die überarbeitete, offenbar schwer kranke Frau mit einem Pillenvorrat von über einem Pfund. Dick kämpfte vor allem für den kleinen Sohn. Er litt an Mangel von Zuneigung und Liebe.

Wenige Tage nach der Auflösung des Arbeitsverhältnisses kollabierte die junge Frau, glücklicherweise am Telefon. Man hörte den Aufschlag, als das Smartphone auf den Boden krachte. Deshalb war schnelle Hilfe gewährleistet. Ohne sofortige Hilfeleistung des Nachbarn, wäre ich unfreiwillig Sponsor von Besäufnis und Kremation geworden.

Kurz nach der Aufgabe der Banktätigkeit, besuchte die reiselustige junge Frau, welche mich vergeblich um ein Darlehen von 150‘000 Baht ersuchte, Dicks Tochter. (1) Sie wollte bei ihr eine Kreditkarte beantragen.
Sie konnte nicht verstehen, dass die Frau ihre anscheinend lukrative Bankentätigkeit aufgegeben hatte und sie deshalb als Kundin für das Ausstellen eines Kartenantrages zu spät kam. Zornig und sichtbar verdrossen verliess die verhinderte Abenteuerin das Haus. Sie fühlte, diese bösartige Familie wollte ihr offensichtlich das ersehnte Australienreislein mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln vermiesen.

Die Herzpatientin kehrte an einem späten Nachmittag nach Hause zurück. Niemand wusste vom Krankenhausaufenthalt der Frau, denn wir wollten nicht, dass sich Goon Sorgen um seine Mutter machte. Der Kleine hasste aus eigener Erfahrung Spitäler und besonders Spritzen.
Kurze Zeit darauf stand die Polizei von HangDong vor der Tür und verlangte einen Drogentest von der knapp zuvor entlassenen Patientin. Jemand aus dem Dorfe habe die Beamten angerufen, von unerklärlichen Abwesenheiten und von Drogenkonsum gefaselt. Wer telefoniert hatte, durften die Ordnungshüter nicht verraten. Wäre die erste Fahndung erfolgreich gewesen, hätte frau bestimmt wieder die Spezialeinheit aus Chiang Mai aufgeboten.

Wie Thais ticken, zeigt eine weitere Episode.
Der britische Akademiker Wyn Ellis, der in einer Landwirtschaftsabteilung für die Vereinten Nationen arbeitet, wurde vor mehreren Tagen auf dem Flughafen Suvarnabhumi festgenommen. Der Grund ist: Er sei eine Bedrohung für die nationale Sicherheit.
Es geht um einen Fall aus dem Jahre 2008. Ellis entdeckte in einer thailändischen Doktorarbeit über organische Landwirtschaftsprodukte Aussagen, die ihm bekannt vorkamen. Er merkte rasch, die Dissertation war eine Kopie einer Studie, die Ellis selbst zwei Jahre zuvor angefertigt hatte. Er beschäftigte sich mit dem Sachverhalt und bemerkte, fast die gesamte Arbeit wurde abgekupfert. Nur 14 der 161 Seiten waren plagiatfrei.
Ellis beschwerte sich offiziell über den Urheber, weil dieser geistiges Eigentum stahl. Er forderte die Chulalongkorn Universität auf, diese Dissertation nicht anzuerkennen.

Der NIA-Direktor als Verfasser der Dissertation, überzog Ellis mit Klagen und Strafanzeigen. Ellis erhielt Morddrohungen. Steine wurden durch seine Autofenster geworfen. Sein Haus stand unter Beobachtung.
Die amerikanische Journalistin Erika Fry, berichtete über den Fall in der „Bangkok Post“. Sie musste deshalb im Juli 2010 aus Thailand fliehen.(4)
Der Fall ist ein Parade-Beispiel dafür, welche Probleme Thailand damit hat, geistiges Eigentum zu schützen. Es ist lebensgefährlich, in Thailand gegen gut vernetzte Beamte vorzugehen.
Diese Doktorarbeit wurde ausgerechnet vom Direktor des thailändischen Instituts für Innovation (NIA) eingereicht. Diese Organisation setzte sich zum Ziel, geistiges Eigentum zu fördern und zu schützen.

Nachtrag vom 8. Sep. 2015, 13 00: Nach fünf Tagen Haft wurde Ellis erlaubt, nach Thailand einzureisen.

(1) https://hinterindien.com/2015/08/24/heisse-eiszeit-in-phonphat/
(2) http://www.wochenblitz.com/nachrichten/bangkok/67481
(3) http://www.bbc.com/news/uk-34169104?SThisFB
(4) http://www.cjr.org/behind_the_news/fry_in_thailand.php?page=all

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