Kleine Glauwnereien

Anfänglich betrachtete ich viele Einheimische als Clowns, Lebenskünstler und Gunstgewerblerinnen. Im Land des Lächelns lachte ich ebenfalls während Jahren mit mandeläugigen, zusätzlich schlitzohrigen Scherzkeksen. Mit der Zeit sah ich in diesen Auftritten keine schelmischen Clownereien mehr, sondern ausschliesslich primitive Gaunereien. Alle diese ernsthaften, beinahe wissenschaftlich arbeitenden Münzsammler dürfen als Numismatiker bezeichnet werden. Über ihren Einfaltsreichtum darf man trotzdem schmunzeln.

In der Nähe von Chiang Khong steht die vierte Freundschaftsbrücke über den Mekong nach Laos. Da muss eine äusserst innige, beinahe intime Freundschaft mit dem Nachbarland herrschen. In der Schweiz gibt es keine Freundschaftsbrücken ins benachbarte Ausland. Offenbar hassen sich die Europäer abgrundtief, was dennoch äusserst einfache Grenzübertritte ermöglicht. Kontrollen, Ausweise, Papiere, Visa und Stempel kennen wir gegenwärtig kaum noch.

Seit es die Brücke bei Chiang Khong gibt, ist der Bootsverkehr ins Nachbarland für Fremde nicht mehr erlaubt. Man muss statt dessen den meilenweiten Umweg über die Freundschaftsbrücke ins eigentlich knapp fünf Minuten entfernte HuayXai benutzen.
Tuk Tuk oder Taxis mit Passagieren dürfen den Freundschaftsweg, vor allem die Brücke, nicht befahren. Die Menschen verlassen in Thailand die Zubringer-Fahrzeuge, stehen an den polizeilichen Kontrollstellen und lächeln in die Computer-Kameras. Nach der Überprüfung durch uniformierte, qualifizierte Grenzbeamte marschieren die Ausreisenden mit ihrem Gepäck zur Busstation. Dort erstehen sie einen Fahrschein für fünfundzwanzig Baht zwecks Reise über die Freundschaftsbrücke Nummer vier.Graphic1
Auf dem Schein ist der Preis mit zwanzig Baht vermerkt. Kassiert werden aber fünfundzwanzig Baht.
Der Grund ist ein Stempel auf dem Ticket mit der für mich unklaren Mitteilung:
”Working Overtime for Passengers (Immigration Thailand) 5 Baht.”
Wer erhält denn die fünf Baht, die Immigration oder die Busbetreiber?
Nach der Ankunft auf der laotischen Seite, werden für ausländische Passagiere saftige Visagebühren in US $ fällig. Für einige Länder gibt es Ausnahmen. Nach dem umständlichen Ausfüllen der Formulare und der erteilten Einreiseerlaubnis, dürfen lebensgefährliche laotische Fahrzeuge gemietet werden.
Anstelle einer Flussfahrt von einigen Minuten für zwanzig Baht, benötigten die Reisenden je nach Wartezeit für den Bus einige Stunden. Die Reise-Kosten zum nächsten angebotenen Bier dürften mindestens das Zwanzigfache, etwa 400 Baht, für gelebte und erlebte ASEAN Freundschaft, betragen.

In der guten alten Zeit reiste meine Tochter ohne Visum und Stempel im Boot über den Mekong und besorgte einige Büchsen billiges, besseres Bier.

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