Bratspeck und Spiegeleier

Oft weiss ich nicht, ob ich lachen oder heulen soll. Manchmal würgt Unbekanntes im Hals. Wir leben zur Zeit in Südthailand. Da fliegen öfters Häuser in die Luft oder fackeln ab. Es ist nicht immer brutaler Terrorismus. Notwehr gepaart mit Dummheit genügen.

Wir stellten eine Hilfskraft zur Entfernung des Zements im Bad an. Die Arbeit war heikel. Unser Spezialist hätte nur Schäden angerichtet und durfte Dick bloss zuschauen.
Dann betonierte unser Helfer eine Rampe für mich. Er gestaltete schnell und freudvoll eine unbrauchbare Buckelpiste. Anstatt den Stahl fachmännisch zu verflechten, konsumierte er gekonnt das Mittagessen. Als sein Magen gefüllt war, stand bereits der Zementlieferant vor dem Hause. Die eingekaufte Drahtrolle blieb jungfräulich unberührt.CPAC Fünf Rampen, die in meiner Regie erstellt wurden, waren befahrbar. Diese nicht – oder nur in angetrunkenem Zustand. Buckelpiste
Als unser Fachmann sah, wie Dick sorgfältig und mühevoll den stinkenden Zement von den Fliesen entfernte, verriet er uns das Geheim-Rezept des Südens. Sofern der Gestank nach Exkrementen in den Häusern nicht mehr auszuhalten ist, giessen die Einheimischen Brennsprit, Petrol oder Benzin ins WC. Bei Fehlzündungen sind kleinere Feuerwerke und Explosionen nicht auszuschließen. Eine gesundheitspolitische Frage ist, wie hoch die Schädlichkeit des Chlorgases des eventuell verbrannten PVC ist. Aber das sehen die Scheisskerle bei prüfenden Blicken in die Klo-Schüsseln nicht. Sie wissen nicht einmal, was PVC ist. (1)
Während ich den Artikel schrieb, wurde der Gatte unserer Vermieterin zur Abklärung eines kleineren Hausbrandes aufgeboten. Nach der Befragung zeigte sich: Die Bewohner versuchten bloss, ihre Toilette landesüblich zu desinfizieren!

Bratspeck ist im muslimischen Gebiet selten und eher unwahrscheinlich. Ob die Menschen in den Spiegeln ihrer Badezimmer Eier betrachten, wissen wir nicht.

Die sinnvolle Ergänzung teurer Entwicklungshilfeprojekte wären einige Sanitärinstallateure, die in Hinterindien zeigen, wie man die vorhandenen Keramiken fachgemäss installiert. Der Schritt vom Plumpsklo zu American Standard ist geistig noch nicht ausgereift.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Polyvinylchlorid
Ergänzung zum Thema:
https://minahasato.wordpress.com/2015/11/22/world-electronic-toilet-day/#comment-3244

12 Gedanken zu „Bratspeck und Spiegeleier

  1. Lieber Low,

    nun sei mal nicht so pingelig ;-)
    Pfusch am Bau gibt es auch hier zu DACH-Lande genügend.
    Dass man aber in TH-Süd zwecks Desinfizierung der Zentral-
    Keramik üblicherweise Methan mit Benzin anreichert – das hat
    schon was.
    Wieso muss ich eben an die alte HB-Reklame denken..

    • Danke für den Chemie Unterricht. Die Idee war bestechend, bis ich bei Wiki las: Das farb- und geruchlose, brennbare Gas kommt in der Natur vor und ist ein Hauptbestandteil von Erdgas. Der Gestank kann also nicht Methan sein. Goong-Gas?

  2. Das entwickelt sich aber schon auf hohem Niveau – wenn auch stellenweise unüberwindlich. Hier sieht man in den Klos oft, wie ohne Wasserwaage gearbeitet wurde, und die Vorstellungen darüber, was ein Gefälle ist, doch eher unklar sind.

  3. Die Idee mit der Entwicklungshilfe ist zwar nett aber nicht durchdacht.
    Müssten sich doch die thail. „Profis“ von Ausländern zeigen lassen, wie man’s richtig macht. Eine ungeheuerliche Vorstellung und mit der allgegenwärtigen Thainess nun gar nicht zu vereinbaren.

    Was den Einsatz von heimischen Fach- und Hilfskräften betrifft: Solange das Verhältnis von Nutzen zu Schaden der durchgeführten Arbeiten größer als 1 ist, sollte man sich glücklich schätzen. Wenn ich gründlich nachdenke …. diese Regel gilt wohl weltweit. :-)

  4. Etwas hat heute auch mit Feuer, Wasser und Reinigung zu tun.
    Loy Krathong – ein wunderschönes, auch besinnliches Fest, an
    das ich gerne zurück denke. Auch so ist Thailand.

    Low, ich hoffe, dass Du mir diese kleine Abweichung vom anrüchig-
    explosiven Thema verzeihst.

    • Nun kmr, wunderschön und besinnlich – das mag mal so gewesen sein.
      Dieses Jahr war es hier eher eine 2-tätige durchgehende Sylvesterfeier mit weitaus mehr Böller-Raketen als Laternen in der Luft. Immer getreu dem Motto „Ist es zu laut bist du zu alt.“
      Wenigstens im Dorftempel hat man sich an eine alte Tradition erinnert und ein buddhistisches Labyrinth errichtet.

  5. In Satun feierten vor einem Jahr weniger als hundert Personen. Bauliche Massnahmen am Fluss behindern das Aussetzen von Krathongs endgültig, förderten dafür Überschwemmungen. Die Adler verschwanden aus der Stadt. Bild-Bericht folgt demnächst!
    Auf Kuah, Langkawi, Malaysia, wurde nicht gefeiert. Von uns schon. Dick erstand tulpenförmige Schaumweingläser aus Frankreich. Die spülten wir mit Chandon!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s