Es lebe die Volksgesundheit, besonders in Bangkok

Früher machten die unterbeschäftigten Uniformierten in Bangkok mit auf Hochglanz polierten Stiefeln Jagd auf Schwerverbrecher, die Zigarettenkippen wegschmissen. Dieses Vergehen kostete zweitausend Baht Strafe und mindestens eine Stunde gemütliche Unterhaltung in einer Polizeiwache. Heute ist schwer möglich, Asche oder Kippe zu entsorgen, weil bereits das Rauchen, das Entzünden einer Minimalmenge von Tabak, verboten ist. Die Menge der Schadstoffe eines einzigen Glimmstengels ist beträchtlich:

Verbindungen und Mengen:

Kohlenmonoxid
14–23 mg
Stickstoffoxid
100–600 µg
Blausäure
400–500 µg
Butadien
24–40 µg
Benzol
12–50 µg
Styrol
10 µg
Formaldehyd
20–100 µg
Acetaldehyd
400–1400 µg
Aceton
100–650 µg
Acrolein
60–140 µg
Aliphatische Amine
3–10 µg

In der Partikelphase sind u. a. folgende Verbindungen nachweisbar:
Nikotin
1000–3000 µg
Nornikotin
50–150 µg
Nichtflüchtige Kohlenwasserstoffe
300–400 µg
Naphthalin
2–4 µg
Naphthalinderivate
3–6 µg
Phenanthrene
0,2–0,4 µg
Fluorene
0,6–1,0 µg
Pyrene
0,3–0,5 µg
Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe
0,1–0,25 µg
Phenol
80–160 µg
Benzofurane
200–300 µg

Dies in einer Stadt mit Millionen schlecht gewarteter Fahrzeuge, effektiven Giftschleudern. Einer Stadt mit stinkenden Garküchen, Schloten von Fabriken und Kraftwerken, Unmengen von Abfällen, mit Kolonien gefrässiger, urinierender, kotender Menschen und Ratten. Die einzigen Orte, wo noch geraucht wird, sind die Tempel. Die Gelbberockten gehen mit gutem Beispiel voran. Ob sie an einem Lungenkrebs, hervorgerufen durch Weihrauchstäbchen, Kerzenruss, Emissionen bei Kremationen oder Zigarettenrauch sterben, spielt in der Statistik keine Rolle. Zielort ist in jedem Fall das Nibbana.

Mittlerweile ist die Luft in Bangkok besser als in Chiang Mai, wo der Grenzwert der Feinstoffbelastung von hundert Mikrogramm nur noch selten unterschritten wird. Wesentlich anders ist es in Satun. Die Stadt mit etwa zweiundzwanzigtausend Einwohnern bietet meist Brisen frischer Luft von der Andamanensee.
Bereits vor einem Jahr beobachtete ich vom Hotel aus zwischen den Palmen aufsteigende Rauchsäulen. Diese Luftverschmutzer werden von den Ordnungshütern nicht verfolgt, obwohl sie, verglichen mit inhalierten Glimmstengeln, gewaltige Giftmengen erzeugen. Sie feuern jederzeit. Die hirnverbrannten Pyromanen folgen ihrer Lust Tag und Nacht, morgens um vier oder um neun. Dann stinkt es erbärmlich in den Dörfern: Nach Phenol – bis zum Brechreiz, nach Chlorverbindungen beim Abschwelen der blauen PVC Rohre, nach Autoreifen und nach Formaldehyd – das beschützt die zähen Alten vor vorzeitigem Ableben. Gibt es Herz-Erfrischenderes für Leber und Nieren als Düfte frisch verbannter PET-Flaschen und Plastiksäcke? Zwecks Förderung der Volksgesundheit ist das öffentliche Spülen der betroffenen Organe mit kühlem Bier zwischen 14 00 und 17 00 Uhr ebenfalls verboten.
Alle diese Schwelbrände mit versuchten Giftmorden dürfen ohne jegliche Straf-Verfolgung durchgeführt werden. Zigaretten sind schädlich. Schädlicher als tausend Feuerchen mit dem zusätzlich importierten Rauch aus dem fernen Sumatra!

5 Gedanken zu „Es lebe die Volksgesundheit, besonders in Bangkok

  1. „Willst du dich von etwas trennen dann musst du es verbrennen.“

    Diese Rammstein’sche Weisheit ist wahrscheinlich in den thailändischen Genen verankert. Eventuell kann man von einem Volk, dessen Durchschnitts-IQ den asiatischen Tiefpunkt darstellt, auch nicht mehr erwarten.

    Wenn die Aussage von Forrest Gump „Dumm ist der, der Dummes tut.“ stimmt, dann ist das hier sowieso das Land mit dem prozentual höchsten Anteil von Vollpfosten in der Bevölkerung. Und diese halten sich nicht nur in den sog. „unteren Bevölkerungsschichten“ auf.

    • Was ich mit mehr als vierhundert Worten beschrieb, nagelst du kurz fest. Mir ging es um den Stumpfsinn der Verhältnismäßigkeit. Tonnenweise verbrannter Müll ist weniger schädlich, als eine Zigarette. Die Höhe der Bussen entspricht kaum landesüblichen Gepflogenheiten.

  2. Wo wir gerade beim Thema Rauch sind:
    Pünktlich zum Beginn des neuen Jahres zeigen sich die Geldgier und Dummheit der Bevölkerung aufs neue: die Berge rund um Chiang Mai brennen wieder. Das Abbrennen des Unterholzes und eines Teils der Bäume dient nur dazu, das auf der Asche ein paar besonders teure Pilze wachsen.

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