Sturmwarnungen für den Süden

Gestern kamen Warnungen aus Bangkok für fünf Tage. Wie üblich ignorieren wir sie, denn sie betreffen die Ostküste. (1) Wenn die Wetterfrösche in Satun hie und da die Fenster öffnen würden, könnten sie ihre Falschmeldungen korrigieren. Aber die sitzen dösend an ihren Bildschirmen und sehen sich alles andere als Wetterkurven an.
Vor wenigen Wochen herrschten Sturmböen. Die Fernsehantennen krachten von den Dächern. Für das Betreten der Gärten empfahlen sich Schutzhelme. Die staatlich honorierten Spezialisten schwiegen dazu. Antennen
Die besten Wetterprognosen liefert von mir aus gesehen: http://www.yr.no/sted/Thailand/Satun/Satun/time_for_time.html

Das Wetter hielt uns nicht davon ab, weiter nach einem Tisch oder Tischblatt zu suchen.
Fast an der Grenze zur Provinz Songkhla betrat Dick einen Möbelladen. Ich äugte vom Wagen aus ins Geschäft. Das Gesehene riss mich nicht aus dem Sitz. Der Eingang in das Geschäft schien für Rollstuhlbenutzer lebensgefährlich. Wie transportieren die Arbeiter ohne Rampe schwere Möbel in diesen Raum?
Auf der Rückfahrt erzählte Dick Märchen. Da sei ein Tisch aus Rosenholz, zwei Meter lang, ein Meter breit. Zusammen mit den Stühlen koste das Ganze bloss zwanzigtausend Baht, inklusive Hauslieferung. Rosenholz, zu dem Preis – unmöglich. Das Holz ist sehr hart, schwierig zum Bearbeiten. Nageln und Schrauben geht nicht.

Ein Fabrikant in Hat Yai sollte uns ein Angebot machen. Ich will kein Rosenholz. Wir könnten die Tischbeine mit unseren bescheidenen Möglichkeiten nicht befestigen.
Dann erhielt Dick einen Telefonanruf der Sekretärin aus Hat Yai. Die Dame verlangte 45‘000 Baht für Teak. Ausgeschlossen. Am Tag darauf telefonierte Dick mit dem Chef. Er wollte für ein unbehandeltes Tischblatt von 5 x 100 x 150 Zentimetern 9‘600 Baht. Das schien vernünftig. Wir machten eine Anzahlung von 3‘000 Baht. Dann klingelte das Telefon jede Stunde. Bis um 15 Uhr kletterte der Preis auf 26‘000 Baht. Dick reiste in den Laden und verlangte die Anzahlung zurück.

Am nächsten Tag fuhren wir nach Westen ins Geschäft an der Grenze der Provinz. Dick dachte, ich kaufe die Rosenholz Möbel unbesichtigt. Hätte ich einen Schnaps gehabt, hätte ich mir am Eingang des Geschäfts Mut angetrunken.
Der beschwerliche Aufstieg mit vier Helfern rettete 20‘000 Baht und ich ersparte mir täglichen Ärger beim Anblick des Plunders. Die Stühle waren hässliche Geschwüre im Stil des satunschen Frühbarocks, entwickelt von schielenden und besoffenen Wegelagerern und Landstreichern. Das Holz war teilweise mit Lack bekleckert, teilweise beschmiert, nicht mit Pinseln, sondern offensichtlich mit Buttermessern aufgetragen.

Das Tischblatt war so zusammengefügt, dass in einigen Wochen exzellente Wohnquartiere für Insekten aller Arten und Grössen entstehen würden. Es war nicht zwölf Zentimeter dick, sondern schien durch einen schlecht angebauten Rahmen derart massiv. Alles war mit einer dicken, rötlichen, teilweise bereits leicht verkratzten Lackschicht überzogen. Ein kurzer Blick von unten zeigte die genagelte und geschraubte Wahrheit: Monkeypod, Regenbaum! (2)
Diesem Sturm – waren es Dummheit, Lügen oder Betrug – entkam ich erfolgreich.

(1) http://www.wochenblitz.com/nachrichten/bangkok/72188
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Regenbaum

3 Gedanken zu „Sturmwarnungen für den Süden

  1. > Die Stühle waren hässliche Geschwüre im Stil des
    > satunschen Frühbarocks, entwickelt von schielenden
    > und besoffenen Wegelagerern und Landstreichern.

    Das mit den Frühbarock ist sicherlich ein Schreibfehler und du meintest „Frühmittellalter“? Dazu würden auch die Wegelagerer und Landstreicher passen.

    Wir sind uns doch einig, das Thailand noch immer im Mittelalter verharrt:
    – Ablasshandel in den Tempeln
    – Die Inquisition in Form des §44 und eines anderen Gesetzes
    – Der Pranger, an dem Verdächtige vorgeführt werden – immerhin in moderner Form in Zeitung oder Fernsehen

    Trotzdem einen entspannten Tag wünscht dir Ralf

    • Danke Ralf.
      Barock war von der ausladenden Formgebung her schon richtig. Mit Landstreicher bezog ich mich auf das traurige Wirken der Maler und Lackierer.
      Moderne Wegelagerer beherrschen den Holzhandel. Mittelalterliche Zustände! Das Tischblatt fehlt immer noch.
      Wie geht es Deinen Orchideen bei der Kälte?

      • Den Orchideen geht es hervorragend, so eine Abkühlung wirkt bei vielen als Auslöser zur Blütenbildung.
        Die Kälte ist nun vorbei, die Temperaturen schnellen wieder nach oben.

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