Frau Meyer und die Bomben

Es ist komisch, wie an sich banale Ereignisse im Hirn gespeichert werden. Nach über sechzig Jahren werden solche Erinnerungen plötzlich freigegeben.

Frau Meyer besuchte mit drei Kleinkindern meine Mutter. Die schreienden, quengelnden Kinder waren zum unfreundlichen Gastspiel mit Stinkbomben ausgerüstet. Sie hatten einen unanständigen Vorrat an Munition. Sie kackten während des ganzen Nachmittags ihre Kleider voll. Die Frauen hatten kaum Zeit für ihre Kaffee-Konferenz und den Austausch wichtiger Informationen. Smartphones gab es in der frühen Nachkriegszeit noch nicht. Übliche, altehrwürdige Telefone waren Mangelware.

Die beiden Mütter wechselten dauernd Kleider und polierten Hintern. Für mich war es eher peinlich langweilig. Ausser penetrantem Gestank in der ganzen Wohnung war nichts mit dem versprochenen Spielen mit lustigen Gästen.
So blieb mir nichts übrig, als Gesprächsfetzen der Frauen aufzuschnappen. Sie erwähnten Bomben, Wasserbomben. Meine bescheidenen Kenntnisse sagten mir, dass damit Unterseeboote bekämpft wurden. Aber nein, sie erzählten von Wasserstoffbomben. Schreckliche Szenarien wurden beschrieben. Wie in tausendstel Sekunden Millionen von Menschen und Tieren, selbst Regenwürmer, vernichtet würden. Der Gestank von Leichen wäre ausgeschlossen, weil die Lebewesen in unglaublicher Hitze sogleich in Asche verwandelt würden.
Der Vater der Wasserstoffbombe hiess Teller. Trotzdem stanken Meyers Nachkommen ungestört weiter mit ihren konventionellen A-Bomben.
Meine Mutter war als Coiffeuse mit dem Thema Wasserstoff vertraut. Sie wusste, dass mit Wasserstoffsuperoxyd Haare gebleicht werden konnten. Sie erzählte Frau Meyer, dass man mit Wasserstoff aus fast beliebigen Frauen Sex-Bomben schaffen könnte. Diese Gefahren hätten mich interessiert. Davon erfuhr ich nichts.

Erst viel später erkannte ich in Hinterindien die Gefahren gebleichter oder ungebleichter Sex-Bomben als Bakterienschleudern und finanzenvernichtende Ungeheuer. Hilflos durfte und darf ich zusehen, wie sich zahlreiche kopflose Farang im erotisch-exotischen Pimmelland fast täglich ins Verderben stürzen.

Gegenwärtig erleben wir einen brutalen Angriff einer beinahe zur Familie gehörenden, vor wenigen Tagen festgenommenen Drogenhändlerin. Meine Wunschgeschichte muss wegen aktueller Ereignisse verschoben werden. Meine Gedankenwelt reduzierte sich auf Fäkalien und Frau Meyer.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s