Gedankenlos eine Kranke umbringen

Dicks Mutter lag schwer krank im Krankenhaus in Chiang Mai. Notoperationen waren erforderlich. Niemand kümmerte sich darum, welche Eingriffe ausgeführt wurden, solange Spenden aus Satun eintrafen. Aus finanziellen Gründen musste sie danach das Privatspital verlassen. Für eine Woche war sie in einem öffentlichen Spital der Stadt. Der betreuende Arzt war derselbe, nur wesentlich preisgünstiger. Dann wurde die Pflege in Hang Dong weitergeführt. Sie konnte kaum Nahrung zu sich nehmen. Flüssigkeit konnte sie mit viel Vorsicht geniessen. Hang Dong konnte keine weitere Hilfe bieten und entliess die Patientin. Zu Hause ging es einige Tage relativ gut. Die alte Frau dämmerte dahin, fühlte sich gesund und quengelte, sie möchte zurück in ihr eigenes Haus, vierhundert Kilometer südlich. Das war ohne Betreuung unmöglich.
Sie fühlte sich öfters schwindlig. Eines Tages fiel sie. Dabei schlug sie mit dem Kopf einen Wasserhahn von einer Wand. Das ist der Vorteil des Materials in Thailand. Es hat überall Bruchstellen. Manchmal krachen ganze Häuser oder Brücken zusammen. (http://www.wochenblitz.com/nachrichten/pattaya/74429)

Die Alte erlitt eine böse Hirnerschütterung. Das Gesicht war grün und blau verfärbt. Sie konnte nicht einmal Wasser trinken und kotzte dauernd. Sohn und Tochter brachten sie ins Provinz-Krankenhaus in Hang Dong. Sie erhielt Schmerzmittel und Infusionen. Trinken war nicht möglich. Trotzdem holte ihr Sohn die Kranke am Tag darauf um zwanzig Uhr nach Hause. Hegte er die Absicht, Trockenfleisch zu erzeugen? Dick telefonierte mit ihrer Tochter. Zwei Stunden später hing die Frau wieder am lebenserhaltenden Schlauch.

Seinerzeit instruierte mich ein launischer Student am Institut für Pathologie in Bern über intravenöse Infusionen: Linker Arm Kochsalzlösung, rechter Arm Glukose, Darmausgang Kakao – für Privatpatienten Ovomaltine! (1)

Ein Arzt des Spitals erklärte der annähernd vernünftigen Tochter, leider sei das Ende in Sichtweite. Ausser Schmerzmitteln gäbe es keine wirksamen Kuren.
Wir beschlossen darauf, am Freitag zu reisen, Ankunft in Chiang Mai am Montag. Am Montag sollte Mutter aus der Pflege entlassen werden. Wir schafften es rechtzeitig. Am späteren Nachmittag durfte Dick ihre Mutter begrüssen.

Später bestellten wir im Kad Farang eine Fleischplatte mit Schinken, Salami, Chorizo, Pasteten, Salat. Dazu gab es den besten Syrah des Jahres. Ich konnte weder das Essen, noch den Wein geniessen. Ich litt an einer starken Darmerkrankung, wie sie etwa alle fünfundzwanzig Jahre auftritt.
Am nächsten Morgen kochte ich ein heilendes Hafer-Süppchen. Dabei dachte ich, das könnte doch Dicks Mutter ebenfalls versuchen. Sie schluckte drei Löffel der milchig-trüben Flüssigkeit beschwerdefrei. Am Nachmittag ass sie den Inhalt einer halben Reisschale Haferschleim. Sie fühlte sich gut und gekräftigt.

Zwecks Stärkung meiner Darmflora benötigte ich Hefe. Die war im Haus in Satun vorrätig. Ich sandte Dick in eine Drogerie zwecks Bioflor. Ein Beutelchen davon, mit zweihundertfünfzig Milligramm Hefe kostet vierzig Baht. Für ungefähr hundert Baht gibt es fünfhundert Gramm Hefe, aber nicht in der Apotheke. Das reicht für tausend Tagesportionen!

Am Tag darauf erhielt Mutter eine volle Schale Suppe. Sie verschlang den Inhalt und sah besser aus. Nun übertrieben die Kinder. Sie fütterten Wassermelone und Reis! Die Alte rotzte und kotzte wieder. Ich war wütend.
Wir mussten erneut vorsichtig eine Suppenkur beginnen. Am Samstag gab es im Süppchen wenig feingeschnittenen Koriander. Mein Darmleiden schien geheilt. Am Freitag assen wir Couscus, كسكسي, ohne Gemüse, mit mildem Hackfleisch und tranken Syrah. (2)

Die alte Frau hatte Glück. Ohne meinen extremen Dünnpfiff, dünner als frische Bergluft, der Gestank schlimmer als jedes Güllenloch – jede Jauchegrube – hätte ich kaum Hafersuppe zubereitet. Die Macht des Schicksals? (3)

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Infusion
(1) http://www.ovomaltine.ch/
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Couscous
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/La_forza_del_destino
(3) https://www.youtube.com/watch?v=thxOV5_YCh4
Verdis Po-Saunen Klänge sind harmonischer als meine.

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