Thai-Massage

Die traditionelle Thai-Massage ist eigentlich ein System von Massage-Techniken. Thai-Massagen bestehen aus passiven, dem Yoga entnommenen Streckpositionen und Dehnbewegungen, Gelenkmobilisationen und Druckpunktmassagen.
Nach ayurvedischer Lehre durchziehen zehn ausgewählte Energielinien, den Körper als energetisches Netz. Sie werden über sanfte Dehnung und mit rhythmischem Druck von Handballen, Daumen, Knien, Ellenbogen und Füßen bearbeitet.
Thai-Massagen finden meist auf Bodenmatten statt. Sie zeichnen sich durch dynamische kraftvolle Aspekte aus.
Klassische Massage-Routinen für Patienten ohne besondere Beschwerden bestehen aus mindestens 77 einzelnen Behandlungstechniken und benötigen wenigstens 1½ Stunden. Individualisierte Behandlungen können bis zu vier Stunden dauern.

Mit Massagen besteht dasselbe Problem wie bei der Thai Küche. Es gibt ein riesiges Angebot. Leider hat es zu wenige fähige Könner und Spezialisten. In Bangkok sind die grössten Massage-Salons in Wirklichkeit Bordelle!
Im Norden sind nur etwa zehn Prozent der Anbieter fähig, klassische Thai-Massagen durchzuführen. Die meisten Damen bieten angenehme Gefälligkeitsmassagen an, zur Freude und Ergötzung zahlreicher Touristen.
Einer der Gründe der Schund-Massagen liegt in der Ausbildung. Im Distrikt werden drei wöchige Massage Kurse mit Abschluss-Diplom, Plastikkärtchen mit Namen, Geburtsdatum und Bild, angeboten. Lehrmaterial wird nicht abgegeben. Notizen machen die Auszubildenden üblicherweise keine. Man lernte leider in der Schule nie richtig lesen und schreiben.

Die ayurvedischen Wurzeln bleiben unerwähnt. Wie viele der siebenundsiebzig Behandlungstechniken vergessen wurden, ist mir unbekannt.
Gute Therapeutinnen lernen auch in Thailand mehrere Jahre bei grossen Meistern. Wenn wir die Anforderungen in der Schweiz zur Erlangung eines Diploms im Gesundheitswesen vergleichen, kann ein dreiwöchiger Kurs nur Schwachsinnigen ein mildes Lächeln entlocken. Aber in den kurzen Ferien will man nicht nur Lächeln, sondern vor allem Abenteuer erleben und Baht-Scheine verteilen.

In schwierigen Zeiten hatte ich immer wieder das Glück, gut ausgebildete Personen zu finden. Oft brauchte es mehrere Anläufe. Es kam vor, dass Kneterinnen nach wenigen Minuten entlöhnt und entlassen wurden.

Die grössten Probleme in letzter Zeit waren meine Arme und die Gelenke.
Nach intensiver Suche fand ich die benötigte Hilfe. Ich war sogar fähig, alleine in die Schweiz zu reisen.
Als ich danach wieder nach Chiang Mai kam, kontaktieren wir die erfolgreiche Heilerin sogleich. Doch die Dame wollte mehr aus mir heraus holen, als kräftigere Arme und weniger schmerzende Gelenke.
Sie war erfolgreich in der Behandlung von Hemiplegien, halbseitig gelähmten Patienten nach Schlaganfällen. Mindestens zwei von ihnen lernten durch ihre erfolgreichen Bemühungen wieder gehen. Genau das war ihr Ziel mit mir.
Sie begann mit ihren Experimenten. Wenn sie meinen Füssen oder Unterschenkeln Schmerzen zufügte, lösten diese Impulse spastische Krämpfe in den Beinen aus. Sie sah ihren Erfolg. Ich bemerkte den Unsinn. Sie kannte den Unterschied zwischen Hemiplegie und Paraplegie nicht.
Als die Haut meiner Unterschenkel und Füsse von ihren Fingernägeln verletzt und durchlöchert war, verboten wir weitere Tests. Sie musste sich mit dem Rest meines alternden Körpers begnügen.

Wenn in Satun während sechs Monaten die Gelenk-Schmerzen unerträglich wurden, erinnerte ich mich an die starke Frau in Chiang Mai. Es gab zwar Masseusen in Satun. Doch keine konnte helfen. Alle – diplomierte Dutzendware, waren trainiert für alltags Gäste und schnelles Geld aus Malaysia. Das Lockern der Beinmuskulatur beherrschte Dick besser und billiger.

Zurück in Chiang Mai, telefonierte Dick dem hilfreichen, überirdischen Wesen. Sie kam, sah und experimentierte. Von vier Stunden Behandlung verplemperte sie drei Stunden auf Füsse und Unterschenkel. Ich schrie vor Schmerzen und bat sie, aufzuhören. Sie lächelte nur und machte unverdrossen weiter. Mein linker Fuss war von Fingernägeln durchbohrt. Unsere sechs Monate alten Empfehlungen waren vergessen. Ich wollte nichts mehr von ihr wissen.
Sie telefonierte täglich. Nach zwei Wochen kam sie wieder. Dick sagte ihr, sie müsste die Behandlung von Füssen und Unterschenkeln beenden. Ich erzählte dasselbe.
Sie hörte uns nicht zu. Sie verletzte die Haut des rechten Unterschenkels beidseitig. Die Verletzungen könnten lebensgefährlich sein! Denn sie behandelt Patientinnen mit Gelbsucht, Ikterus, eventuell Hepatitis und nicht ausgeschlossen, Kunden mit HIV. Mit ihren spitzigen, schmutzigen Fingernägeln, Lan Na Krallen, könnte sie mich problemlos anstecken. Es gäbe durchaus angenehmere Wege, sich Infektionen zu holen.
Besorgte Leser empfahlen für diese Art Massage: „Im Minimum einen Gummi darum, also Gummistiefel.“

Ein Nachbar in Bremgarten bei Bern, Direktor einer Brauerei, wurde von seiner Katze am Arm gekratzt. Er starb daran.

http://www.netdoktor.de/symptome/gelbsucht/

4 Gedanken zu „Thai-Massage

  1. Oh ja, Massage ist billig und gut für alles. Hilft gegen Krebs, läßt Brüche zusammenwachsen, bei Geistes-Krankheiten holt man allerdings einen Priester. Der kennt sich da besser aus. Meine Frau war am Tag nach einer besonders intensiven Massage voller blauer Flecken.

  2. Einen guten – sprich kompatiblen – Masseur/Masseuse zu finden in der Tat schwierig, allerdings in Thailand wie in Deutschland. Und die guten thailändischen Kräfte wandern häufig in zivilisierte Länder ab, in denen man ihre Fähigkeiten auch finanziell zu schätzen weiß.

    Ich hatte vor wenigen Monaten Glück und habe eine Messeuse gefunden (ausgerechnet im Nachbardorf), die mich endlich von dem Problem eines eingeklemmten Ischiasnerves befreit hat. Auch der Rücken ist in einem Zustand wie schon seit 20 Jahren nicht mehr. Da macht die Gartenarbeit wieder richtig Spaß – abgesehen von dem momentanen feucht-warmen Klima.

    • Gratuliere zum grossen Treffer!
      Ob meine gefeuerte Spezialistin gewusst hätte, wo der Ischias sitzt, wage ich zu bezweifeln. Vermutlich hätte sie mit kühnen Griffen lange im Sack nachgeforscht.

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