Hinterindiens Nachtwandler und Tagträumer

Man möchte eigentlich informiert sein über Ereignisse und Geschehen im Gastland. Ein einstiger Soldat und General, ohne jegliche Re-in-karnation – jetziger Ministerpräsident, Prayut Chan-o.cha, wollte ein wöchentliches Fernsehprogramm, um Fremden seine Regierungsrichtlinien verständlich zu machen. Dazu wurde „The Insider“ entwickelt. Danke dafür, dass als erstes Ausländer durch eine neue, pseudo-intellektuellere Sendung von Seifenopern und bescheidenster (bescheuerter) Unterhaltung entlastet wurden.

Ich hatte das Vergnügen, „The Insider, Ep. 3“ zu betrachten. Herr Maj. Gen. Werachon Sukondhapatipak interviewte Doktor Porametee Vimolsiri. Entweder trug der Doktor eine Maske oder liess sein Gesicht mit Botox auf ein schmerzhaft seriöses Dauerlächeln fixieren. Das Thema war der Übergang von fünf-Jahresplänen auf ein zwanzig Jahre Diktat. Ich hätte die Aussagen von fünfzehn Minuten auf drei Minuten verkürzen können. Möglicherweise hätte leider meine Geschwindigkeit der extremen Wichtigkeit der Botschaft nicht entsprochen.
Die Mindest-Einkommen sollen von 6‘000 $US auf 13‘000 $US erhöht werden. Das Problem ist jedoch nicht die Erhöhung der Bezüge, sondern vielmehr die Erhaltung der Kaufkraft. Wenn in den USA die Notenpresse weiter läuft wie bis anhin, verdienen Thais in wenigen Monaten 13‘000 $, ohne dass sie sich schuldenfrei mehr leisten können.

Ich arbeitete einst in mittleren Westen der USA. Ein Dollar wurde damals zu ungefähr 4.50 Fr. berechnet. Die amerikanische Währung verlor über 80 Prozent an Wert, oder der Franken wurde entsprechend stärker. Ein Dollar galt seinerzeit zwanzig Baht!

Langfristige Prognosen bergen Risiken. Vor zwanzig Jahren, 1996 brachte NOKIA den Communicator 9000 auf den Markt. Das erste Smartphone der Welt! Die Geschwindigkeit war mit 9.6 kBit/sek äusserst bescheiden. Ständige schnelle Datenverbindungen, wie UMTS oder LTE, gab es nicht. Verbindungen waren unbezahlbar teuer, weil die Zeit – nicht das Datenvolumen berechnet wurde. Wer hätte damals gedacht, dass es NOKIA in zwanzig Jahren nicht mehr gibt.

Wir kehrten im Mai von Satun in den Norden zurück. Die Preise der Lebensmittel waren hoch. Jedoch waren die Qualitäten von Fleisch und Gemüsen am unteren Ende unserer Empfindungen. Die Provinz Satun mit bloss etwa 100‘000 Einwohnern bietet dagegen vergleichsweise meist hochwertige Frischprodukte an.

Übel spielten um Chiang Mai die Apotheken mit: „Diese Antibiotika haben wir erst morgen wieder. Ihre Bakterien müssen sich gedulden!“
Mittlere Heftpflastergrössen gab es nicht mehr. Antiseptica wie Betadine verteuerte sich extrem. Ich benötige täglich ungefähr einen Milliliter. Früher bezahlten wir für ein Fläschchen von dreissig Millilitern vierzig Baht. Halbliterflaschen gab es um zweihundert Baht.
Dreissig Milliliter Gebinde gibt es gegenwärtig nicht mehr. Sie wurden durch fünfzehn Milliliter Fläschchen ersetzt. Der Preis: Stolze dreissig Baht mit dem Ziel: wachsende Abfallhalden, nachdem Exporte und Importe extrem zurückgingen!
Macro bietet importierte Povidon-Iod Lösung aus den USA an. Fünfzehn Milliliter kosten beim Bezug von zwölf Einheiten nur zwölfeinhalb Baht. Offizieller Verkaufspreis: Fünfundzwanzig Baht. Einheimische benutzen mit Vorteil Lao Khao, äusserlich wie innerlich!

3 Gedanken zu „Hinterindiens Nachtwandler und Tagträumer

  1. Was die Preise betrifft, muss du dich irren, betrug doch nach offizieller Statistik die Inflationsrate 2015 -0,9% und liegt in diesem Jahr bei 0,22%. :-))

    Es würde mich mal interessieren, wie der sog. Warenkorb zur Ermittlung der Inflationsrate in Thailand aussieht. Wahrscheinlich so realistische Posten wie „Haltung eines Büffels“ etc.
    Oder man packt staatlich regulierte oder subventionierte Positionen rein.
    Kann natürlich auch sein, dass die offizielle Inflationsrate mit Hilfe des §44 bestimmt wurde.

    • Irr ist richtig. Ich bestritt nie, dass ich im Norden Thailands in einer Irren-Siedlung lebe.
      Die Handlungen der Führungskräfte sind unbestritten. Sie scheuen sich nicht, ausserordentliche Spezialisten wie Kaffeesatzleser, Pendler und Wahrsager (in Chiang Mai) zu konsultieren.
      Der Erwerb von Unterseebooten war für uns Laien auf den ersten Blick unverständlich. Wenn man aber nachdenklich betrachtet, wie Bangkok langsam – aber sicher absäuft, sind diese Boote für eine zukünftige Verkehrsregelung unerlässlich.

  2. Und noch eine irrsinnig gute Idee: Um den Terrorismus – den es in Thailand offiziell nicht gibt – zu bekämpfen, soll an der Grenze zu Malaysia eine über 600 km lange Mauer gebaut werden. Wer Thailand kennt, wird wissen, dass es am Ende – wenn überhaupt – nur ein 80 cm hoher Stacheldrahtzaun sein wird, der sich rostend durch den Dschungel zieht.

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