Rückblick mit trüben Aussichten

Ein ereignisreiches Jahr endet demnächst. Im Januar bezahlte ich ein Haus, eine der lausigsten Bruchbuden Südthailands. Wir sind immer noch am Reparieren. Die Häuser hier sind alle defekt. Das ist der zeitgemässe, profitgenerierende Baustil. Die meisten Bewohner bemerken es nicht. Die Klos stinken wegen Montagefehlern schlimmer als öffentliche Toiletten. Die gefliesten Böden sind voller Farbkleckse. Die Wände haben Löcher wie reifer Emmentaler Käse, damit Insekten vor schweren Regenfällen Schutz finden. Insekten müssen in Thailand geschützt werden, denn im Isan landen sie öfters gebraten in Töpfen und Tellern. Ab Mai gelangen solche niedlichen Tiere neben Mehlwürmern aus Biomehl, ebenfalls in der Schweiz in den Handel.
Einige Nachbarn haben Handwerker als Dauergäste. Für sie gilt, bei Regen darf nicht gearbeitet werden. So bekleckste denn ein Spezialhandwerker eine weisse Decke von sechzehn Quadratmetern, unter Dach notabene, in rekordverdächtigen drei Tagen mit tiefschwarzer Farbe. Damit die Farbe des Nachts besser ins Auge fällt, wurden vier elektrische Leuchtkörper installiert.

Im Mai reisten wir mit bloss drei Übernachtungen zur sterbenden Mutter nach Chiang Mai zurück. Die Frau lebt immer noch. Während drei Monaten plagten mich nach der Ankunft Darmgrippen und damit ein wunder Hintern, (kein Wunder-Hintern), während die Todkranke zwanzig Kilogramm zulegte.
Für die Rückreise nahmen wir uns im vollgepackten Wagen mehr Zeit. Wir verbrachten sechs Nächte in Hotelzimmern. Dennoch war nicht eitel Freude angesagt. In den sechs luxuriösen Unterkünften erlaubten nur zwei die Wonnen einer Darmentleerung für Rollstuhlfahrer.

Eine der traurigsten Herbergen war das fünf-Sterne Haus mit dem klangvollen Namen Mida Dhavarati. Die Empfangshalle mit der Rezeption wirkten beeindruckend. Das Zimmer allerdings, wies allerhöchstens drei Sterne Komfort auf. Die Rezeption verbannte uns in ein sogenanntes Behinderten-Zimmer. Das WC war trotz falsch montierten Chromstahlstangen für mich unerreichbar. Der Spiegel des Badezimmers war zu hoch montiert. Der Behinderte war offenbar der Architekt.
Direkten Zugang zum lebenserhaltenden Kipp-Schalter, der Bar, gab es für mich nicht. Die übersüssten Cocktails, auf gefälschten Alkohol verzichtete der Barkeeper freiwillig, waren schlicht ungeniessbar.

Das Karussell um die nicht mehr vorhandene Erbschaft dreht sich in Chiang Mai munter weiter. Die allfälligen Erben können nicht rechnen und bemerkten nicht, dass Bargeld und Grundbesitz längst verloren sind. Aber die Kinder der Alten versuchen dauernd, Mütterchen umzubringen. Sie wollen und müssen endlich erben.
Während Dicks kurzen Abwesenheiten brachten sie Speisen, welche die Kranke gierig verschlang. Danach gab es Blutungen in Darm und Nieren. In einigen Fällen folgten Spitalaufenthalte.
Vor wenigen Wochen besuchte eine Lady aus dem Süden Mütterchen und brachte Heilmittel. Die Alte schluckte gedankenlos. Danach folgten unkontrollierten Darmentleerungen mit Blut, Krankenhaus.
Die Ärzte entfernten das Giftgemisch aus dem Magen. Die Patientin erholte sich und sollte entlassen werden. Die Rechnung von achttausend Baht, konnte Töchterchen nicht begleichen. Sie kam ja nur, um zu kassieren. Sie bezahlte zweitausend Baht und nahm den nächsten Bus Richtung Phitsanulok. Die Gendarmen hätten sie in Chiang Mai einlochen können. Familienangelegenheiten interessieren jedoch die Ordnungshüter kaum.
Wiederum investierte ich zehn preisgünstige Flaschen Wein in eine alte Frau. Mir bleibt nur eines übrig, teureren Wein zu konsumieren. Das ist schwierig in Satun. Längere Reisen in ein luxuriöses Leben, erlauben meine Arme und die Hotelausstattungen nicht mehr. festtagssuessigkeiten-von-dick

4 Gedanken zu „Rückblick mit trüben Aussichten

    • Danke.
      Ich bedaure, wenn meine Berichte wenig einladend wirken.
      Trotzdem wünsche ich frohe Festtage.
      Low, zur Zeit in Satun, Südthailand,
      wo in einigen benachbarten Provinzen echte Bombenstimmung herrscht.

    • Danke Tom,
      das Gefühl der Solidarität ist unbezahlbar und hilft.
      Vor allem von einem Menschen, der nicht nur im Regen steht – wie ich, sondern mindestens knietief in der Traufe.
      Die besten Wünsche zurück zu den Ziegen nach Sulawesi.
      Low

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