Halbgebildete Halbschlaue und Halbblinde

Fragen sie sich, was sind Entwicklungsländer! Nachdenklich betrachtet sind es Orte, wo Kraft und Muskeln Vorrang vor bescheidenem Intellekt haben. Deshalb verbieten kräftige Muskeln die Äusserung absurder Gedanken. Starke Muskeln, deren Potential – vervielfacht durch Waffen, werden von Generälen kontrolliert. Im schönen Thailand gibt es davon viel zu wenige, nur etwa fünfhundert. Daher steckt das Land seit der Machtübernahme der Armee in Krisen. Aber die Uniformierten nisteten sich in fast sämtlichen Betrieben und Verwaltungen ein. Sie kontrollieren Airlines, Banken, Fernsehen, Schnapshersteller sowie Zeitungen. Sie versuchen krampfhaft, selbst das Internet zu zensurieren.

In Satun ist die Kontrolle, abgesehen vom gesetzlosen Strassenverkehr und Drogenhandel, rigoros. Als schwer behinderter Medikamenten–Bezüger leide ich unter dem überwachten, äusserst bescheidenen Angebot der Apotheken. Da sind dank übergeordneter Amtsstellen sogar Stuhlzäpfchen und Heftpflaster öfters nicht erhältlich.

In Chiang Mai ist der gesamte Holzhandel in den Händen uniformierter Abzocker. Sie schreiben den Unternehmern vor, was sie produzieren dürfen und in welchen Mengen. Dicks Sohn, der Kunsthandwerker, berühmt für seine ausserordentlichen Schnitzereien, war gezwungen, von edler Holzbearbeitung auf billiges Aluminium umzustellen, oder er wäre arbeitslos geworden.
Das interessiert die militanten Staatsretter nicht im Geringsten. Die schliessen Hotels, Restaurants und Vergnügungsbetriebe, ohne sich um entlassene Angestellte zu kümmern.

Der Sohn, nun erfolgreicher Aluminiumveredler, wollte sein neuntes Werk aus Leichtmetall seiner Mutter schenken. Er sandte eine Aufnahme davon und teilte mit, das gerahmte Bild sei bereits unterwegs nach Hat Yai. Er war ahnungslos betreffend der Spedition. Die Firma lieferte gleichzeitig eine grössere Sendung in den Süden. Nach Dicks Erzählungen nahm ich an, die sandten einen eigenen Lastkraftwagen. Wozu gibt es spezialisierte Firmen, welche Transporte schnell und preisgünstig erledigen? Dick erhielt einen Anruf, das Fahrzeug hätte eine Panne. Die Ankunft des Pakets würde sich um zwei Tage verzögern. snake-alu
Wir waren unterwegs zu Makro, als Dick einen Anruf erhielt, ihre Sendung sei im Büro der Firma in Satun angekommen. Der Firmen-Name blieb ungenannt. Der Ort wurde mit – in der Nähe der Lichtsignalanlage nach Makro – auf dem Weg nach Hat Yai, angegeben.
Da war nichts. Wir hatten weder Hausnummer noch einen Namen.
„Ruf an“, sagte ich.
Sie telefonierte. Der Firmenname blieb nach wie vor streng geheim. Nächste Ampel. Erneuter Suchvorgang. Hundert Meter nach der Lichtsignalanlage fand Dick den Laden, dank der speziellen Angabe „orangefarbener Lastwagen“ am Strassenrand.
Da prangte ein orangefarbenes Schild am Haus. Sämtliche Angestellte trugen orangefarbene T-Shirts mit dem Aufdruck: Kerry Express. Keiner der Idioten, die das Telefon bedienten, wusste, bei welcher Firma sie angestellt waren! Die T-Shirts waren bloss Kleidungsstücke, Verzierungen ihres fehlenden Intellekts.

Das Grösste: Beim Auspacken entdeckte Dick, der Rahmen war stark beschädigt. Juristenfutter für Monate? TIT.

6 Gedanken zu „Halbgebildete Halbschlaue und Halbblinde

  1. Ärgerlich mit dem beschädigten Rahmen, aber wie überall auf der Welt, haftet am Ende der Kunde für Transportschäden. Die Geschäftsbedingungen bei Kerry werden schon die passenden Klauseln enthalten.
    Egal, ob man SIM, Kerry oder EMS benutzt, die Pakete werden geworfen, gestürzt, geschmissen und sonstwie malträtiert. Da hilft nur stabil verpacken mit einer entsprechenden Schutzschicht aus Schaumstoff, Styropor ö.ä. drum herum.

    • Die Verwaltung der Spedition entschied bereits, für den defekten Rahmen werden 2’000 THB vergütet. Deine Ausführungen sind richtig. Die Verpackung, unverfälschter Thai-style, war eher fürs eine Auge gemacht, als für den Inhalt.

      • Ich bin positiv überrascht!
        Wir hatten hier in Chiang Mai auch noch nie Probleme mit Kerry, die rufen sogar vorher an und sagen Bescheid, wann sie ungefähr zu kommen gedenken.

        • Als fast neutraler Berichterstatter war ich ebenfalls begeistert von dem unbürokratischen Verhalten der Firma. Das einzig Negative war, dass wir in Satun den Namen der Firma nicht wussten.
          Ich fragte Dick verschiedentlich, ob sie am Telefon gut zugehört hätte.
          Mich versteht sie üblicherweise auch nicht mehr, nach dem langen Aufenthalt im Norden.
          Sie sagte, die Leute sprachen sehr schnell im südlichen Dialekt. Sie konnte kaum verstehen. Wenn den Angestellten in Satun noch beigebracht wird, am Telefon langsam und deutlich zu sprechen, dann ist die Firma in ganz Thailand erstklassig und empfehlenswert.

  2. Was sind Entwicklungsländer? Eigentlich eine gute und legitime Frage. Nur, in Bezug auf unsere Wahlheimat ziemlich irrelevant. Entwicklung, im Sinn von Evolution, findet hier nicht statt. Was wir hier erleben, ist einfach nur die „Egolution“ eines (bereits stinkreichen) Soldaten, der sich, seine Familie und seine Steigbügelhalter ins trockene bringt.

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