Der Landvermesser

Betrügerische Beamte bereicherten seit Jahren meine Erfahrungen im Gastland. Mehrere Bekannte verloren durch einfältige Gutgläubigkeit gepaart mit chronischer Bierseeligkeit – Besitz und Leben. Bereits 2009 musste Dick fluchtartig verreisen, um Teile ihres Besitzes zu retten. Sie erhielt eine gesalzene Rechnung für eine Neuvermessung. Sie sah gleich, dass die Grössenangabe des Grundstücks nicht stimmte. Nach zähen Nachforschungen unter Beihilfe eines befreundeten Staatsanwalts, ergab sich folgende Situation:

Ein Landvermesser, verheiratetet, Kinder, mehrere Mia Noi in verschiedenen Ortschaften, logierte zwecks Vermessung einige Nächte im Dorf und fand dort sofort eine feurige Geliebte, die offensichtlich arm wie eine Kirchenmaus war. Das ist in der betreffenden Region der übliche Standard. Der Unterschied besteht darin, dass es weit und breit keine Kirchen gibt.
Dieser Staatsdiener und Landvermesser hatte offenbar Zugang zu offiziellen Siegeln und Dokumenten. Er verschrieb Teile von Dicks Land sofort an acht verschiedene Familienmitglieder seiner neuesten Eroberung. Von den wollüstig erregenden und stimulierenden Fähigkeiten solch einer ausserordentlich begabten Virtuosin vaginaler Sonderleistungen können wir nur träumen. Oder war der Mann bloss ein einfältig unerfahrener, hinterindischer Liebeskasper, der bis dato an vorzeitiger Ejakulation litt?

Für mich war alles Unverständlich. Ein Grundstücksamt ist doch ursprünglich eine vereidigte Amtsstelle und kein Selbstbedienungsladen. Offenbar nicht in Korruptistan. Auf alle Fälle gab es ein paar Trittbrettfahrer, die sich für genügend Tea Money jeder Partei erkenntlich zeigen wollten. Einige nach Besitz strebende Mitglieder buckliger Verwandtschaft warteten ebenfalls auf ein grosses Stück des Kuchens und hielten sogar vor Morddrohungen mit bezahlten Killern nicht zurück. Ein freundlicher, schlecht bezahlter Profi rief mich an und erklärte, dass er für 10 000 Baht keine Kugel riskieren würde. Er dachte sich, vielleicht würde ich ein Mehrfaches für die Eliminierung der Auftraggeber bezahlen. Zu Beginn des Jahres hätte es meine Gesundheit noch erlaubt, das Gastland problemlos zu verlassen.
Dick entschied sich, ihren Besitz von 150 ha, einem armen, aber fleissigen, verheirateten Onkel mit drei Kindern zu schenken. Vielleicht überleben wir es. Weitere Recherchen gab es aus gesundheitlichen Gründen, wie akute Bleivergiftung, Schädelbruch und Verkehrsunfälle, damals nicht.
In den nächsten Tagen empfahl es sich für uns, sogar im Grossraum Chiang Mai besondere Vorsicht walten zu lassen. Lieber an einer Schweinegrippe sterben, als an angewandter Missgunst oder an einem angedrohten Gewaltverbrechen. Ich bereitete mich darauf vor, wenig willkommene Besucher mit Cocktails willkommen zu heissen. Die mussten ja nicht aus dem Hause Raffles in Singapur stammen. Feurige Flaschenabfüllungen von Tankstellen hätten ebenfalls Überraschungsmomente auslösen können.

Dieser Beitrag wurde meinem Artikel
http://forum.thailandtip.info/index.php?topic=1225.msg64351#msg64351
vom 2. Juli 2009 entnommen, um F. Kafka gekürzt und neu bearbeitet.

2 Gedanken zu „Der Landvermesser

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