Ersatzteile

Ersatzteile, für was auch immer im Haushalt, sucht man in Satun vergeblich. Es fing mit einer schief hängenden Glasablage im Badezimmer an. Es fehlte nur ein Schräubchen. Wir verschwendeten Tage mit der Suche. Von einer Verkaufsstelle wurden wir an die nächste verwiesen, mit dem Hinweis:
„Die haben die Schraube bestimmt im Lager.“ Möglicherweise war das Schräubchen vorrätig. Die Angestellten waren bloss zu faul zum Durchstöbern. Wozu sollten sie Augen, Finger und Hirn für einen einzigen Baht anstrengen?
In Chiang Mai gibt es Herren mit Drehbänken. Die können zwar keine Zeichnungen lesen, aber kopieren geht meistens. Das Problem: Chiang Mai ist nur 1700 Kilometer entfernt. Wir kauften dann eine neue Ablage aus Kunststoff in Satun. Die Belastung durch ein Schnapsglas mit zwei Zahnbürsten und einer mittleren Tube Paste lässt sie bereits durchhängen. Hätte ich zusätzlich ein künstliches Gebiss, würde das Tablar splittern und krachen.

Wir haben eine Zimmerantenne, Made in Europe, mit eingebautem Verstärker. Der Verstärker benötigt zwölf Volt Gleichstrom. Wir benutzten in Satun Netzgeräte aus China, Garantie zwei Wochen. Nach einem Jahr gaben die billigen Geräte den Geist auf. Es waren keine Geister eingebaut, sondern ein saftender Elektrolytkondensator, wie mein Verstand bewaffnet mit Multimeter eruierte. In Chiang Mai gibt es Elektronenkonditoren, ich meinte das Schimpfwort Elektrolytkondensator, bei Amorn. In Satun werden solche Bauteile aus strategischen Gründen im Handel nicht angeboten. Was tut der unkluge Elektronikexperte? Er kauft ein neues Speise-Gerät, operiert den gesunden Elektronenkonditor hinaus und lötet ihn in die defekte Platine. Ich wählte den Thai Weg – weg, schmiss die defekte Einheit in Nachbars Garten und verkabelte das neue Gerät erfolgreich mit der alten Antenne.

Unser neuer Umkehr-Osmose Wasserfilter war nicht perfekt. Eine Verbindungsmutter war beschädigt. Die Verbindung tropfte leicht. Der Schaden liess sich mit einigen Zentimetern Teflonband beheben. Der Lieferant war kulant. Er schrieb, senden sie das Gerät portofrei zurück. Sie erhalten ein Neues. Sollten wir wegen einer Kunststoff-Mutter von drei Gramm vierzehn Kilogramm Material verpacken und nach Bangkok senden? Diese Muttern erhalte ich in Chiang Mai ohne grossen Aufwand.

Den neuesten Ersatzteil suche ich bestimmt vergeblich. Wir haben ein Digitalthermometer aus der Schweiz. Es misst Innen- und Aussentemperaturen. Bei der Aussenanzeige fehlen bei der zweiten Ziffer zwei horizontale Balken, der Mittlere und der Oberste. Kennen sie einen Lieferanten für horizontale LED Anzeigebalken? Wenn ja, wie montiere ich sie?
Die fehlenden LED Balken blockierten meine Augen nicht. Wir besuchten an trockenen Abenden das GoHo Restaurant. Ergänzende Dekorationen in der Nähe waren für Neu-Jahrs-Feste angebracht. Der benachbarte Tempel ist für das kommende Frühlingsfest vorbereitet
Im GoHo speisen wir zu unschlagbaren Preisen. Für zwei Platten, fein geschnittene Ente, weder Schnabel noch Flossen, an würziger Sauce, zusätzlich knackige Nudeln mit Fleisch und Gemüse, begleitet von einer Flasche Bier, verlangte die Chefin zweihundert zwanzig Baht. Letztes Mal verspiesen wir einen Dreigänger: Suppe mit Hackfleischbällchen, Gemüse und Tofu. Dick musste danach unbedingt Tintenfisch essen – der Drucker funktionierte nicht mehr. Gegen den penetranten Geruch bestellte ich süss-saures Schwein. Zusammen mit dem Bier lag die Rechnung unter dreihundert Baht. Ersatz war auf meinem Konto wohlfeil am Lager.

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