Einssatzbereite Männer in ihren rollenden und fliegenden Kisten

Ein überaus freundlicher Mann aus dem Dorf, ein Augenoptiker, besuchte mich im Krankenhaus in Chiang Mai. Die monatlichen Abrechnungen konnte ich nur noch mit Brille und riesiger Lupe lesen und unterschreiben. Für die Pflegerinnen mit integrierten Smartphones war die Lupe eine moderne technische Errungenschaft, weil sie keine Batterien benötigte. Nun wurde selbst das Vergrößerungsglas zu schwach.

Ich brauchte mindestens eine neue Brille. Das erste Mal kam der  Spezialist mit einer minimalen Ausrüstung. Bereits am nächsten Tag erschien er wieder mit mehr geschliffenem Glas.  Er konnte mir nicht helfen. Er empfahl, einen Augen-Arzt zu konsultieren.  Ich sah so schlecht, dass ich mir kein Bild von seinem Gesicht machen konnte.  Eine Woche danach wurde ich erfolgreich operiert.

Mittags am 12. Januar  lief ein Angestellter davon. Ausgerechnet der Mann, welcher für meine Transfers vom Bett in den Rollstuhl zuständig war. Er fand keinen Gefallen an einem lautstarken Monolog von Dick.
Ich saß hilflos im Rollstuhl und fragte mich, wie ich um 2 Uhr zurück ins Bett gelangen könnte.
Kurz darauf sagte Dick, der Eye-man, für mich der Optiker, sei bei einem Nachbarn und würde gerne helfen, mich ins Bett zu heben.
Nach der Begrüßung danke ich dem Gesichtslosen für seine Besuche im Spital. Mit Freude erzählte ich ihm, dass ich auf dem linken Auge wieder gut sehen würde. Zum Glück verstand er von meinem Gefasel gar nichts.  Enttäuschender Weise war er – wie eine Jungfrau in Thailand nur selten eine Jungfrau ist, nämlich nicht der Eye-man, der Augenmann. Er war der Ice-Man, der Eismann des Dorfes.
Der hilfsbereite Mann war kräftig. Aber seine Körperlänge ließ zu wünschen übrig. Für den nächsten Einsatz brachte er eine leere Kiste mit. Damit wollte er seine fehlende Körpergröße kompensieren.
Ein Helfer hob meine Füße. Der Eismann griff mit den Händen unter meine Arme. Ein kühner Schwung. Es krachte. Die Kiste kippte. Eismännlein lag mit mir im Bett. Seitdem bevorzugt er wieder Eiswürfel.
„Schuster bleib bei deinen Leisten,“ rief bereits der große griechische Maler Apelles, geboren 370 v Chr..

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