Über Low

Versehentlich erblickte ich das Licht der Welt in Bern. Als Kind futterte ich zähe Enten, welche mein Vater eigenhändig vom Teich am Weltpostdenkmal mietete. Trotz Prügeln und anderen Schicksalsschlägen baute ich Häuser, pflanzte Bäume und zeugte mindestens zwei Kinder. Seit über 10 Jahren lebe ich in einem Dorf in Nordthailand und beobachte mit einheimischen Assistentinnen aufmerksam, wie der Reis wächst. Darüber berichtete ich in den "Geschichten aus Hinterindien", http://www.forumthailandtip.com/index.php?topic=1225.0 und neu in hinterindien.wordpress.com. Low, Geschichten aus Hinterindien. Zenos Verlag, Segnitz bei Würzburg, 2011, 416 Seiten, 29.80 Euro, ISBN 978-3-931018-22-1

Bauernfängerei oder schlicht Betrug

Eine Angestellte des Spitals rief am 21. November an und erklärte, ich werde am 22. November um 10 Uhr für die Untersuchung meiner Wunden erwartet. Weil mir im Ambulanz-Fahrzeug am 21. Oktober Hämatome und offene Blutungen zugefügt wurden, verzichtete ich großzügigerweise auf weitere Transporte.
Ich sandte dann Dick, um allfällige Medikamente abzuholen. Als Dick die Rechnung bezahlen wollte, erzählte der Kassierer, sie müsste nur unterschreiben, die Rechnung sei an die Versicherung gesandt worden.
Sie kam mit einer Tube Wundgel zurück. Ich schaute mir die Rechnung an. Auf Position zwei war „general medical equipment“ für 500 Baht aufgeführt.
Da ich aber in der Tragtasche nur die Tube mit dem Gel fand, fragte ich Dick, ob sie nichts weiteres wie Tupfer, Pinzetten oder ähnliches erhalten hätte.
Ich erklärte, da seien für 500 Baht Waren aufgeführt. Am nächsten Morgen telefonierte sie mit dem Kassierer. Nach langem hin und her Geplänkel, rief mich der Herr zurück. Er erklärte mir, auf Rechnungen würden durch den Computer automatisch „general medical equipment“ 1.1.7 – 500 Baht aufgeführt.
Ich entdeckte eine weitere Computer Spielerei.
Position 3 „other medical service charges“ 1.1.14 – für 200 Baht. Ich erhielt keine Leistung durch Arzt oder Pflegerin. Die Chirurgin stellte ein Rezept für das Gel aus. Dies wurde korrekt ausgewiesen.
Meine Berechnungen ergaben: Für Position 2 bezahlten wir 26.16 Prozent.
Beide Lieferungen für warme Luft betrugen 36.63 Prozent des Rechnungsbetrages.

Die Erkenntnisse der alten Griechen, Hippokrates, Pythagoras und Thales – oder des Reeders Onassis, fanden kaum den Weg nach Thailand. An einem Dienstag vor 2400 Jahren dachte der Arzt Hippokrates von Kos über seine Berufs-Ethik nach. Er schrieb unter anderem:

| {{lang|grc|Διαιτήμασί τε χρήσομαι ἐπ‘ ὠφελείῃ καμνόντων κατὰ δύναμιν καὶ κρίσιν ἐμὴν, ἐπὶ δηλήσει δὲ καὶ ἀδικίῃ εἴρξειν.}}
| Meine Verordnungen werde ich treffen zu Nutz und Frommen der Kranken, nach bestem Vermögen und Urteil; ich werde sie bewahren vor Schaden und willkürlichem Unrecht.

Der Nachwuchs an Bar-Girls, -Krallen und -Schnallen ist gesichert

Aus dem Spital geflüchtet, bin ich nahe beim täglichen Geschehen. Ich kann bescheiden recherchieren. Ich sah das kleine Mädchen der Zwillinge mit dem Hund im Garten. Es ist nun zutraulich und besucht mich hie und da. Ihre Mutter werkelt bei Robinson, Chiang Mai. Sie hat weder Zeit, noch Liebe für ihre Kinder, Früchte unbändiger Lust.
Die Großmutter väterlicherseits arbeitet als Taxifahrerin für Fremde und hat ebenfalls keine Zeit für das Mädchen. Sie beschäftigte sich nie mit ihren Söhnen.
Die Kleine ist nicht im Hort, weil die meisten Kinder gegenwärtig wegen der Kälte krank sind. Deshalb wurde sie bei der Urgroßmutter deponiert. Dieses verrückte Weib prügelt sie mit Stöcken, wenn keine vorhanden sind, mit Fliegenklatschen. Die Kleine flüchtet dann weinend in den Garten.
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Ihr Bruder wurde von der Großmutter mütterlicherseits mit ihrem neuem Partner ? erneut aus dem Kinderhort entführt. Diese Großmutter will das Mädchen nicht, weil ihre Tochter bereits drei Mädchen geboren hat, die sie mit Essen und Kleidern versorgen muss.

Der hirnlose Junge, Hoden anstelle von Hirn, fand nichts Gescheiteres zu tun, als eine wüste 16, vielleicht 17-Jährige mit drei kleinen Kindern erneut zu schwängern und erfolgreich Zwillinge zu erzeugen, zu denen gegenwärtig niemand sorgen will. Der Vollidiot war auch nicht in der Lage, 1000 Baht im Monat für den Kinderhort aufzubringen. Der Tunichtgut verließ seine gut bezahlte Stelle, ohne seinen Arbeitgeber, einen Nachbarn, zu informieren, er sei zu faul zum Arbeiten.
Als er eines Tages bekifft oder besoffen, ohne die ehelichen Pflichten erfüllen zu können, nach Hause kam, lag sein angetrauter Fettfleck schwer atmend auf dem Rücken am Boden, die Schenkel breit gespreizt. Ein potenter brünstiger Einheimischer bohrte emsig auf ihr nach Fett oder Öl. In etwa 10 bis 12 cm Tiefe fand er offenbar den gesuchten Triebstoff und ejakulierte unter Abgabe von lauten Fürzen. ( Ein Psychoanalytiker würde erklären: der junge Mann wollte möglicherweise ausdrücken: Friede, Freude, Eierkuchen! ) Betonung auf EIER, Anmerkung des Verfassers.

Wir können und dürfen das Kleinkind nicht aufnehmen. Der Nichtsnutz hat nämlich noch drei Brüder, ohne jegliche Erziehung oder Schulbildung, welche wahrscheinlich im ganzen Land, trotz Gummi Produktions- Überschüssen, bei jungen Frauen ungeschützt Samen ablegen. Die Früchte daraus, würden nach Vorbild, bei uns abgegeben. Ich habe nicht vor, demnächst eine Mädchen-Blaskapelle zu gründen. Kapelle hat nichts mit einem Tempel, Wat, zu tun.

Bild Dick: Das Kind versucht sich vor der Ur-Ur-Unruhe zu verstecken.

Unbefriedigendes Treiben und Wirken im LOS – land of smiles

Gemäss einem Artikel im Blick, der Bild-Zeitung der Schweiz, gehören die Pflegeberufe zu den undankbarsten Tätigkeiten im Spektrum des Erwerbslebens.
Ganz so böse scheint die Situation nicht zu sein. Im Jahresbericht 2018 einer schweizerischen Pflegeeinrichtung werden verdiente Mitarbeiter erwähnt. Da wurden drei Menschen mit je 30 Dienstjahren geehrt. Vier weitere brachten es auf 25 Jahre. 5 Mitarbeiter arbeiteten bereits 20 Jahre an derselben Stelle. 15 Dienstjahre hatten sieben Angestellte hinter sich. Auf stolze 10 Jahre durften 9 Mitarbeiter zurückblicken. Zusätzliche neun wertvolle Arbeiter wechselten ihre Stelle seit fünf Jahren nicht. Daraus könnte man an dieser Stelle auf sehr angenehme Betriebsverhältnisse schließen, sofern die Leute nicht unter Drogen ihre Pflichten erfüllt haben.
Weniger erfreuliche Zustände traf ich während fast zehn Monaten in einer Klinik in Chiang Mai an. Ich kannte keine Mitarbeiter mit 5 Dienstjahren, weil das Krankenhaus erst vor knapp fünf Jahren eröffnet wurde.
Es gab zwei Typen von Pflegerinnen. Die practical Nurses, teilweise schlecht ausgebildete Pflegehelferinnen, meist unmotiviert und ohne jeglichen Schulsack, dafür geöltes Mundwerk. Diese hirnlosen Weiber kamen ins Zimmer, stülpten sterile Latexhandschuhe über und tratschten dann für eine Viertelstunde mit Kolleginnen. Sie schmissen die nicht benötigten Handschuhe in den Müll und verließen danach das Zimmer.
Besser gestellt, zumindest in der Bezahlung, waren die ausgebildeten, registered Nurses, welche teilweise Pillen, sowie Augen-Tropfen verwechselten und Injektionen vergaßen. Ein kleiner Unterschied war, sie alle trugen Make-up und weiße Uniformen. Die Ausgebildeten aber trugen zusätzlich ein Häubchen als Schmuck im gefärbten Haar.

Beim Spital Eintritt verlangte Dick eine spezielle Matratze für dekubitusgefährdete Paraplegiker. Ich kriegte ein Bett mit einer koreanischen Luftmatratze. Die Hilfs-Pflegerinnen setzten den Regler der Luftpumpe auf Volllast. Die Matratze wurde härter als Granit. Meine operierten Wunden heilten nicht. Nach einigen Wochen fragte ich Dick nach der Einstellung der Luftpumpe. Die Anzeige war am Anschlag: 400. Volllast. Wir reduzierten den Druck auf 300. Die Matratze wurde weicher. Die Wunden heilten.
Aber wir rechneten nicht mit den Pflegerinnen. Sie stellten den Regler regelmäßig zurück auf 400. Weil die Matratze überbläht war, gab es ein Leck. Sofern ich links lag, rechte Körperseite auf der Matratze, stopfte ich mit meinem Körper das Leck. Drehte ich auf die linke Seite, entwich die Luft. Der Körper geriet danach auf der schiefen Unterlage langsam ins Rutschen. Die Wanderung stoppte, wenn ich mit der Nase das Bett-Geländer berührte. Freundlich formulierte Beschwerden bewirkten nichts. Es dauerte Tage, bis Dick das Leck fand.

Volle Leistung gaben die Pflegerinnen auch im Kühlschrank. Für das Frühstück lagerten wir Aufschnitt, Schinken und ähnliches  Gemüse. Das speziell nicht ausgebildete Personal setze die Kälte-Regelung im Kühlschrank auf volle Leistung. Das Resultat war: tief gekühlter Aufschnitt – knackig im Biss, ohne Aroma. Diese Übung wurde mindestens monatlich wiederholt.
Dazwischen stahlen die Damen teures Verbandsmaterial.
Durchschnittlich einmal jeden Monat vergassen die Pflegerinnen, mir die Alarmklingel zu geben. Dann benutzte ich das Handy, rief das Krankenhaus an und bat die Dame in der Zentrale freundlich, doch eine Nurse zu Low in Zimmer A521 zu senden.

Aller guten Dinge sind drei, wie ein altes Sprichwort sagt. Pro Tag waren nur zweimal zwei Verbände zu wechseln. Warum nicht drei, fragten sich hinterlistige Hilfs-Pflegerinnen. Sie zogen meinen empfindlichen, gelähmten Körper über die Bettlaken – oder war es Schmirgeltuch, bis die Haut auf Schulterhöhe riss. Diese Behandlungen kosteten Nerven und Schmerz und pro Woche über hunderttausend Baht.

Von den Ärzten vermisste ich eine kleine neurologische Sensibilitätsprüfung am Oberkörper. Ich machte das mit Dick. Das ging ganz leidlich, bis Dick das Eis zur Kälte-Prüfung auffraß.

Am 18. Oktober wurde mein Rückflug ins Land glaubwürdiger Medizin, in die Alpen – oder  wenigstens in die Nähe der Alpen, durch einen dummen, unbedachten Ruck eines Spital-Angestellten verunmöglicht.Der nächste Beitrag könnte heissen: Erlebnisse im Lan Na Krematorium, – oder: Filterlos ins Nirvana.

Der Irrtum eines Seefahrers verunsichert Schüler in Thailand

In in meiner Bibliothek in Herrenschwanden standen das Bordbuch des Entdeckers Kolumbus, Bücher über alle großen Seefahrer, neben einigen Bänden von Salvador de Madariaga. Mit meinen unkontrollierbaren Fingern könnte ich in keinen Büchern blättern. Wenn Sie also einige Ungereimtheiten entdecken, sind sie auf Mängel in meinem Gedächtnis zurück zuführen. 

Anno 1492 liess ein Genuese, Cristofero Colombo, in spanischen Diensten , also Cristobal Colon, in Palos de la Frontera – genau in La Rabida, die Anker seine Karavellen heben und segelte gegen Westen, nach Indien. In la Rapita, einige Tages-Märsche entfernt von Palos, in der Provinz Tarragona, entdeckte ich einen versteinerten Fußabdruck des Cristofero, genau so – wie es viele Fußabdrücke Buddhas in Thailand gibt.


Die Aussicht von den Karavellen war wochenlang dieselbe. Berge, nichts als Wellenberge. Der Kommandant lehnte sich oft an den Hauptmast, rauchte genüsslich kubanische Zigarren und bereitete sich auf diese Weise auf Diebstähle, Gaunereien, Eroberungen und Kämpfe vor.

Als die Flotte am 12.10. 1492 die westindische Insel Guanahani anlief, sahen sie nackte Eingeborene. Weil sich die Seeleute in Indien wähnten, nannten sie die Menschen Indianer. Diese Leute waren Taino, eine Gruppe der indigenen Arawak. Colon kümmerte sich nicht um Kleinigkeiten. Er nahm das Eiland in den Besitz der spanischen Krone und nannte es fortan San Salvador. Schätzungen zeigten, dass bei der Landung der Spanier etwa 300’000 bis eine Million Taino lebten. 1518 waren es nur noch 4000, – – – angewandter Umweltschutz? Blei- und Stahl-Vergiftungen durch Flinten, Hieb- und Stichwaffen, sowie eingeschleppte europäische Krankheiten wie Grippe und Masern, rafften die Einheimischen dahin.


Der achtjährige Goon baute einen Roboter. Im Gesicht waren Sensoren, in den Armen und Beinen Schrittmotoren montiert. Ein Bluetooth-Empfänger befand sich am Rücken neben der Batterie. Nun sollte man das Monster programmieren. Auf thailändisch ist das schwierig. Deshalb lernt der Knabe Englisch. In seinem Englisch-Buch existiert für jeden Buchstaben eine Abbildung. Beim I illustrierte kein Inder, Fakir, Hindu, Gandhi, Guru, Raja oder Sikh das Buch.  Es war ein Indianer, eine Rothaut – nicht etwa mit edlem Adlerfedern-Schmuck, sondern billig gefärbten Hühnerfedern. Kanada und USA benutzen zum Schutz der Minderheit der Indianer,  für die Inder den Begriff Asian Indian oder East Indian. Rothäute, American Indian gibt es nur noch wenige. Asian Indian dagegen bevölkern mit über 1,3 Milliarden die Erde.Obwohl ursprünglich die Religion der Thais aus Indien stammt, kennen sie den Begriff Indian kaum. Buddha war ein Indianer!
Würde man heute noch mit Karavellen von der Westküste Amerikas aus Indien bereisen, wäre Hinterindien Vorderindien.

Der Wunder-Wunden Spray aus Deutschland

Meine Pflege Managerin holte im Spital einen Spray zur Wundpflege ab. Zwecks Verschreibung des Medikaments, traf sie die Chirurgin und zeigte ihr die neuesten Bilder meiner Wunden mit den Verletzungen, die mir im Spital und beim Transport zugefügt wurden. Die empörte Ärztin bedauerte die neuen Verletzungen. Sie zeigte die Bilder Kollegen und Personal. Offenbar grassiert die Angst, dass ich gegen die Klinik klagen würde.
Aber als verletzter Ausländer, der nicht im Gerichtssaal anwesend sein könnte, besteht keine Möglichkeit, ein Verfahren zu gewinnen. Denn welcher Arzt würde gegen eine mächtige Spitalgruppe klagen?
Erpressung wäre möglich, ist aber nicht meine Sache. Zudem dauert die Heilung dank eines neuen Medikamentes nicht mehr so lange. Monate werden zu Wochen reduziert.
Das Produkt wird für folgende Anwendungen empfohlen: Chronische sowie verzögert heilende Wunden, beispielsweise venöse Beingeschwüre, arterielle Beingeschwüre, diabetische Fußulzera, sekundär heilende Operationswunden und Dekubitus. Das Produkt ist ein Hämoglobin Spray und bewirkt durch bessere Sauerstoffversorgung eine beschleunigte Heilung. Das Medikament heißt Granulox.
Eine Spraydose zu 12ml kostet im Krankenhaus 12’600 THB und liegt damit in der Nähe des Goldpreises.
Das Gretchen aus Schweden würde sich äußern: „Solche Geschwüre sollte man aus Gründen des Klimaschutzes schnellstmöglichst im Krematorium entsorgen.“

Selbst schlechte Träume haben Preise

Die schlimmsten Ereignisse trafen schneller als erwartet ein. Am 18. Oktober riss mich ein Angestellter des Spitals derart brutal über die Matratze, dass er mich erneut am, durch Windeln und Verbände geschützten, Hintern verletzte. Ein ungeheurer Schmerz durchflutete mich. Meine spastischen Beine zuckten vielleicht zehn Mal in die Höhe. Am Tag danach sah die Chirurgin beim Pflasterwechsel die Bescherung. Sie nahm an, ich sei zu lange im Rollstuhl gesessen.
Wütend sagte ich, dass ich das Spital schnellstmöglich verlassen möchte. Drittklassige Pflege mit Schäden sind zu Hause preisgünstiger möglich. Noch vor einer Woche hätte ich das Dorf im Mitsubishi sitzend erreichen können. Nach dem Vorfall benötigte ich eine Ambulanz.
Der Abreise Termin war am Montag um 16 Uhr.Dazu wurde ich auf eine schlecht gepolsterte, fahrbare Bahre geschnallt. Dick schützte meine Füße zusätzlich mit Tüchern. Im Inneren des Fahrzeuges befanden sich medizinische Geräte wie Defibrilator, Blutdruck-Messgeräte und dergleichen. Der Fahrer startete das mangelhaft gefederte Fahrzeug. Ich wurde über den Schlaglöchern geschüttelt wie kein Cocktail von James Bond. Dazu raste der Gelegenheits-Pilot wie an einem klimaneutralen Grand Prix. Er verfehlte natürlich das angeschriebene Dorf Phon Phat und wendete erst am Sportplatz.
Zum Entladen des Fahrzeugs legte Dick Hand an. Sie entdeckte, dass die schützenden Tücher um die Füße fehlten. Dafür wies die grosse Zehe links einen neuen Klack auf. Die schlimmste Feststellung erfolgte beim Verbandwechsel. Der Schaden am Hintern wurde durch die unfähige Besatzung des Lieferwagens zusätzlich vergrößert. Ich hätte diese Sendung nicht angenommen, sondern als Muster ohne Wert, franko zurückgesandt.
Aber welch ein Luxus erwartete mich! Die Geräuschkulisse war
messbar um zwanzig Dezibel geringer als im Krankenhaus. Das Bett war grösser und weicher. Die flüsterleise Klimaanlage, ohne grau-schwarzen Pilzbefall, blies nicht in Orkanstärke. Behutsam wie selten, wurde ich aus dem Rollstuhl ins Bett gehoben.

Die Hebe-Mannschaft wechselte in 3 Tagen dreimal. Einmal versuchte Dick die Herren auszutricksen. Mit der Hilfe eine zarten Dame, sollte ich in den Rollstuhl gesetzt werden. Als Dick mein Gewicht praktisch alleine in den Armen trug, sank sie schreiend aufs Bett zurück. Ich vermutete, der Schmerz sei durch den Ischiasnerv ausgelöst worden und befahl, die sinnlose Übung abzubrechen.
Am Nachmittag durfte Dick zur Immigration, um die 90 Tage Erlaubnis für mich zu erlangen. Dort konnte sie nicht mehr aufstehen. Sie ließ sich zum Chiang Mai RAM Hospital fahren. Die Herren Ärzte sahen auf den Röntgenbildern, dass ein Lendenwirbel angerissen war. Ich war verzweifelt, weil Dick einem Dasein im Rollstuhl ausgeliefert sein könnte. Sie hatte einen guten Arzt. Er gab ihr Medikamente und eine Spritze, die sie wieder gehen liess.
Ein erleichterter Atheist dankte sämtlichen Göttern, Jesus Christus, Re, Buddha, Allah, Vishnu, Manitou, Zeus und wie sie alle heißen mögen.

Unerwartete Besucher bereiten doppelte Freuden

Eines Morgens um 8 Uhr dreißig, sagte Dick: „Ich gehe mal kurz nach unten. Jemand besucht mich.“
Weil meine Morgenstunden ziemlich ausgebucht sind mit Arztbesuch, Frühstück und Physiotherapie, wollte ich genaueres wissen.
„Wohin gehst du denn ?“
„Zur Busstation, es dauert nur 30 Minuten.“
Einige Kilometer entfernt vom Krankenhaus liegt eine Busstation mit Verbindungen nach Chiang Rai, Pizza new look, so versteht mich mein Smartphone, Phitsanulok, Nakhon Sawan und Bangkok. Städtische Buslinien verkehren hier nicht. Fünf Viertelstunden später, das sind dreissig Lanna-Minuten, kam Dick zurück. Sie erzählte:
„Freunde sandten mir per Line eine Mitteilung. Sie fuhren letzte Nacht von Nakhon Sawan nach Chiang Mai. Sie wollten mich als Reiseführerin in Chiang Ma und mit mir Frühstücken. Sie dachten, ich könne sie verpflegen und ihnen Unterkunft bieten. Ich habe diese Leute 10 Jahre lang nicht mehr gesehen.“
Auf diese günstige Art, last minute booking ohne Kreditkarten, reist man in Thailand, möglichst ohne Voranmeldung.

Aber auch im Krankenzimmer haben wir öfters unerwünschten Besuch. Noch vor wenigen Wochen lagerten Heftpflaster und Verbände in einem Körbchen in Griffweite des Bettes. Dick bemerkte, dass Heftpflaster verschwanden. Seitdem bewahren wir die teuren Medikamente, etwa 25 € das Stück, in meiner Reisetasche auf.
Sofern Dick einkaufte und ich in die Physiotherapie rollte, liessen wir das Zimmer von einer Pflegerin abschließen. Vor einigen Tagen bemerkte Dick, dass eine ganze Packung mit vier Pflastern verschwand. Selbst nach buddhistischer Logik, wirft der Zugriff auf eine Packung einen höheren Brutto- oder Netto-Ertrag ab, als ein Einzelstück. Wenn wir sparen wollen, muss also immer jemand im Zimmer sein.

Einen Höhepunkt thailändischer Schlaumeierei erlebte ich, als eine Bekannte von Dick anrief und erklärte, sie würde uns im Spital besuchen. Sie schleppte einen Kerl mit Hemd im China Look mit sich. Er erzählte uns, er habe als Architekt gearbeitet. Im Ruhestand baue er nun biologisches Obst an. Sein Bruder liege mit Wasser in der Lunge im Spital. Er würde mich gerne wiedersehen und verschwand.
Zwei Wochen später erschien er alleine und sagte:
„Gegenüber meinem Haus ist ein Krematorium. Das Dach leckt. Die Sanitär-installationen sind in einem desolaten Zustand.“
Der Besucher zeigte mir farbige Illustrationen. Es waren nicht technische Grund- oder Seiten-Risse, sondern Bilder, wie man sie in Büchern für Kinder findet. Seine Ideen waren nicht besonders behindertenfreundlich. WC und Lavabo waren auf Sockeln montiert, 15 cm erhöht über dem Boden vorgesehen, für einen Rollstuhlfahrer unerreichbar.
Er wollte von mir 50’000 Baht, um die WCs instand zu stellen. ∆
Leck mich doch am Alzheimer!

Seltener, aber oft genug erlebe ich live TV soap operas. Es klopfte an der Türe, aber nicht wie Vogel Specht oder ein übermütiger Holzwurm, nein , das tönt nach Schauspielerinnen. Dann erscheinen sie, meist zu zweit und flöten:
„Savas di kaaaa.“
Sie sagen im Chor: „Du siehst besser aus als letztes mal“.
Als freundlicher Mensch biete ich den Damen Platz an. Synchron setzen sie sich. Dann nesteln sie in ihren Handtaschen. Beide ziehen gleichzeitig ein Smartphone aus ihrem Ballast-Beutel. Danach fingern sie eine halbe Stunde auf ihren Bildschirmen herum, versorgen ihre Handys und verabschieden sich mit besten Wünschen für gute Besserung.

Weitere Besuche sind Lebensmittel-Inspektoren und Inspektorinnen. An Küchenschränken sind sie kaum interessiert. Sie sind versessen auf Kühlschränke. Dort locken Aufschnitt, Parmaschinken und Schokolade. Das Verspeisen meiner Vorräte gibt ihnen genügend Kraft, um mir gute Besserung zu wünschen und möglichst schnell zu verschwinden.