Ein folgenschwerer Spaziergang am Teich

Eigentlich wählte ich als Titel: „Schwein gehabt“. Da ich mit spezieller Rücksicht auf religiöse Gefühle nur halal-freundliche Worte benutzen möchte, verzichtete ich zumindest im Titel auf die Erwähnung des zum Verzehr verbotenen Borstenviehs.
Eine von Dicks Helferinnen bei der Betreuung ihrer Mutter, besuchte die kranke Frau regelmässig. Sogar als sie nicht mehr für Dick arbeitete. Zudem liebte sie kurze Spaziergänge im schattig kühlen Garten – mit Bäumen, Blumen, Früchten und Teichen.
Beim Lustwandeln am Teich hatte sie eine echte Bewusstseinsstörung, einen Schwindelanfall. Sie beging den Fehler und wollte sich an einer zerbrechlichen Thai-Konstruktion, einer den Japanern nachempfundenen Beleuchtung, festhalten. Beide fielen, streng nach Newtons Gesetzmässigkeiten, zu Boden. Die gefallene Frau überlebte schadlos. Dreissig Prozent des zementierten Werks zerbarsten. Der Deckel als wichtiger Regenschutz verlor seinen Untersatz. Die Frau holte aus ihrem Haus eine Keramikhaube. Gekonnt setzte sie die Stücke verkehrt zusammen. Anstatt das Wasser abzuweisen, wurde es gesammelt. Sie telefonierte mehrmals nach Satun. Den Unfall und den Schaden erwähnte sie nie.
Vom Schlafzimmerfenster aus sah ich mir den ungepflegten Garten mit den zahlreichen beschädigten Teilen an. Da klaute doch ein Langfinger mit Schraubendreher den Stecker einer Leitung zu einer Teichpumpe. Die Pumpe entfernten wir vorsorglich. Wir wussten, niemand würde alle paar Wochen den Schlamm entfernen. Der ungekühlte Motor würde verbrennen.
Mowgli trimmte sein Arbeitsprogramm für sechs Monate auf reine Scheinleistung. Er berührte gar nichts, ausser er benötigte frischen Fisch für Pfanne und Magen. Welse haben den Vorteil, dass man sie nicht schuppen muss. Die schwimmen unanständigerweise vollständig nackt im Wasser und dies in einer streng uniformierten Militärdiktatur.

Dick versuchte den Beleuchtungskörper zu reparieren. Sie ersetzte die zerstörte Lampenfassung. Ich hatte die Idee, das Laternendach auf Sodawasserflaschen zu stellen.
Anfänglich dachte ich an eine Eigen-Konstruktion aus Acrylglas. Aber – wer verkauft zwei mal zwei Zentimeter Profile im Entwicklungsland? Gegenwärtig kann ich nicht einmal als Passagier ins Auto steigen. Es blieb mir einzig der Genuss von Sodawasser.

Alle unsere Beleuchtungskörper sind mit Feinsicherungen von 500 milli-Ampere, mA, geschützt. Für Energiesparlampen wären dadurch Leistungen von gesamthaft über hundert Watt möglich.
Schon beim Zusammenstecken der Einheiten von Beleuchtungssteuerung und Anschlusssicherungen, bemerkte ich, offenbar zerstörte sich eine Sicherung. In der Dunkelheit leuchtete das Lämpchen am Teich danach jedenfalls nicht.
Dick steckte das Kabel kurzer Hand direkt in einen Hausanschluss. Die Lampe hatte genügend Wasser zu sich genommen. Die Explosion war ähnlich einer Bombe. Die Stromaufnahme der Sparlampe, ungefähr acht Watt, wuchs nachgerechnet kurzzeitig auf 5‘000 Watt.
Der Stecker war heiss und verkohlt. Die Isolation der Kabel schmolz teilweise. Hier geschah weiter nichts. Im Holzhaus des Nachbars, in der Nagelburg, mit den aufgenagelten Leitungen, wäre ein Gross-Brand, ohne jegliche Beschleuniger, durchaus möglich gewesen.

Blumen, Gurken, Einbrecher und Spezial-Ermittler

Auf der letzten Etappe der Reise von Satun nach Chiang Mai erhielt Dick den Anruf einer Nachbarin aus der Gegend des Gästehauses. Die Frau berichtete, Einbrecher hätten in der Nacht die Wand über den Küchenfenstern zerstört und seien auf diesem Weg in das Haus eingedrungen. Ich lachte kurz und erklärte Dick:
„Die müssten ja total blöd oder besoffen sein, um über den Fenstern ins Haus einzusteigen, wenn sie mit einem einzigen Hammer-Schlag das gesamte Glas entfernen können!“
Nachforschungen ergaben, im Haus fehlte nichts. Die Decke war unversehrt. Die Fassade war eindeutig beschädigt.

Es gab eine ums Haus rankende Pflanze. Nach einem Jahr erfreute sie uns mit wunderschönen Blüten. Einige Jahre später gediehen aus den Blumen gurkenartige Früchte. Kein Mensch wusste, was es war. Während unserer Abwesenheit rankte sich das Pflänzchen über die Küchenfenster empor und fixierte sich an der Verkleidung darüber. Starke Sturmwinde rissen des Nachts die Pflanze samt Gemüse und Fassade hinunter. Eine Holzkonstruktion, sie hielt die Teile einst zusammen, war teils verfault, teils von Insekten gefressen. Dick war mit der Krankenpflege einer anspruchsvollen Patientin mehr als beschäftigt. Die zusätzliche Bauüberwachung war ein angenehmer Zeitvertrieb.

Die ungestümen Arbeiter, mit mehr Kraft als Hirn, mussten überwacht werden. Die hätten gleichzeitig mit dem schadhaften Holz zusätzlich problemlos das halbe Dach entfernt. Ein Stück Wasserleitung mit Ventil, dazu eine Gartenbeleuchtung wurden geopfert. Während vier Tagen wurde sorgfältig Holz entfernt. Danach schweissten die Spezialisten Stahlprofile an, ohne dass die Hütte Feuer fing!

Zufälle gibt es kaum. Am Tage, als unsere unzufriedene Kranke freiwillig verreiste, feierten die Arbeiter abends an den Steintischen im Garten des Gästehauses mit Lao Khao. Der Grund war nicht der Abgang der Alten, aber am folgenden Tag würde die Reparatur abgeschlossen. Nach unserem obligaten Kokoswasser-Cocktail sagte Dick:
„Ich gehe zum Gästehaus, schmeisse die Säufer hinaus und schliesse ab.“ Danach begann für mich eine endlose Wartezeit.

Dick war kaum bei den fröhlich Feiernden, als vier uniformierte Militärpolizisten eintraten. Sie grüssten und meldeten: „Drogenkontrolle!“
Dick wurde einmal mehr des Handels bezichtigt. Die Einsatztruppe kontrollierte Ausweise. Jeder pinkelte. Die Analysen waren negativ. Gründlich Spurensuchen im ganzen Haus verliefen ergebnislos. Die Beamten waren freundlich und schenkten den Feiernden zusätzliches Bier.
Dick fragte: „Wer machte die Anzeige?“
Der Leiter der Spezialisten aus Bangkok sagte grimmig ein Wort: „Familie.“

Das war’s dann wohl… Misstritte

Während Jahren organisierten wir Betreuung und Pflege für Dicks Mutter. Ich finanzierte das Ganze, um den Seelen-Frieden in Satun geniessen zu können.
Alleine die letzten drei Wochen war die Frau dreimal in Krankenhäusern. Mowgli, Dicks Freundin und Dick selbst setzten sich rund um die Uhr, ebenfalls im Spital, für die Alte ein. Die anderen vier Kinder hatten weder Interesse oder Geld, noch Zeit für ihre Mutter.
Am Dienstagnachmittag wurde die Patientin entlassen. Der Arzt erklärte, die Umstellung von Spritzen auf Pillen könne Erbrechen auslösen. In der Nacht war Dick beschäftigt, Mütterlein von Rotz, Kotz und Scheisse zu säubern. Gegen Mitternacht kam sie erschöpft zurück.
Zwölf Stunden später war alles anders. Mutter schrie lauthals, sie wolle sofort nach Hause. Sie habe genug vom minderwertigen Gesindel in ihrer unmittelbaren Umgebung. Man betrüge und bestehle sie. Anstatt in eine Erstklasse-Klinik wie Chiang Mai RAM, bringe man sie in ein drittklassiges Provinzspital. Dick fehle jeglicher Respekt, vor allem Finanzen für ihre schwerst kranke Mutter. Jeder bekam sein Fett weg, die Betreuerin, sogar Enkel Mowgli, der wirklich sein Bestes, vor allem lange -schlaflose Nächte, für die launige Alte gab.
Dick war tief getroffen. Sie verlor die Kontrolle über ihre Blase. Sie wollte sich umbringen. Ich war erschüttert, obwohl mir die heimtückischen Attacken der bösartigen Hexe bekannt waren. Diese jahrelange Gehirnwäsche war perfide. Dick litt anfänglich gemäss Schwester und Schwager unter Migräne-Anfällen. Migräne war es nicht. Ich brachte meine neue Partnerin während mehr als einem Jahr regelmässig in psychiatrische Behandlung. Sie hatte grosses Glück, denn die Chef-Ärztin behandelte persönlich.

Ihre Mutter vergass, dass die chirurgischen Eingriffe im RAM Spital durchgeführt wurden. Von diesem Krankenhaus wurde sie dann an das Nakornping Hospital überwiesen. Die Ärzte waren dieselben. Nakornping entschied später, die Patientin nach Hang Dong zu überweisen.

Wenn ein Kranker aus sämtlichen Löchern übel duftenden Ausscheidungen von sich gibt, ist es weitaus klüger, die nächstgelegene Hilfsstelle anzupeilen, als Stunden im Fahrzeug im Verkehr zu stecken, nur um eine renommierte Klinik aufzusuchen.

Eine Tochter lebt in der Nähe von Phitsanulok. Sie vergiftete Mutter zweimal – mit von Laien hergestellten Natur-Heilmitteln. Das zweite Mal brachte sie die Sterbende eigenhändig in das Krankenhaus in Hang Dong. Als es schlussendlich ans Bezahlen ging, fehlten der ehrbaren Tochter viertausend Baht. Sie borgte sich die Summe von unserer zufällig anwesenden Erzfeindin. Danach setzte sie sich schnellstmöglich nach Phitsanulok ab. Wir erfuhren diese Geschichte grinsend in Satun. Zähneknirschend überwiesen wir die Summe in den Norden.

Diese liebenswürdige Tochter bereitete nun Mutters schnelle Abreise vor. Vor etwa einem Jahr sollte Dicks uraltes Fahrzeug in Phitsanulok verkauft werden. Die Käufer wollten das Fahrzeug eigentlich, nur bezahlen wollten sie nicht. Deshalb wurden die Ausweise nie übertragen.
Ein wohlgeratenes Söhnchen dieser Tochter benutzte seither ohne jegliche Erlaubnis den Wagen. Er sollte mit dem fast dreissig jährigen Klapperkasten Grossmutter abholen. Der Sohn hat keine Fahrbewilligung. Es gibt keine Versicherung für das Fahrzeug. Seit Jahren wurden keine Steuern bezahlt. Wartungsarbeit ist für den Knaben ein Fremdwort. Arbeit sowieso.

Der Fahrer setzte sich mit Familie, hochschwangere Frau, in kürze dürfte sie zwanzig sein, mit drei jähriger Tochter, in Bewegung. Wie er die zahlreichen Kontrollstellen umging, dürfte sein Geheimnis bleiben. Es wäre für Dick sehr teuer geworden. Als erstes nahm sie dem Fahrer nach der Ankunft den Fahrzeug-Schlüssel ab und versteckte den noch fahrbaren Untersatz im Dorf. Zwei Tage später reiste die Familie per Bahn zurück. Ein weiser Spruch aus der Schweiz heisst: Der Kluge reist im Zuge!

Die unfreundliche Alte lebt nun für einige Tage bei einer andern Tochter in Chiang Mai. Aus Trotz liess sie ihre Medikamente bei uns liegen. Benötigt sie die teure Chemie wirklich nicht?
Sie verhöhnte unsere Fürsorge und kaufte vor dem Schönheits-Salon demonstrativ Klebreis und andere Delikatessen von einer Lieferantin auf einem Motorrad. In zwei Tagen soll sie in ihre Heimat gefahren werden. Hoffentlich schafft sie es! Von mir gibt es jedenfalls keine Hilfe, Unterkunft, Satang oder gar Baht mehr.

Überraschungen und Herausforderungen

Unsere Lebensweise in Thailand fordert uns dauernd neu heraus. Es gibt kein Zurücklehnen und Ausruhen. Dick wird andauernd von Mutter und Kindern gerupft, wie ein geschlachtetes Huhn. Die Geschwister beteiligen sich nicht an der Pflege. Geldgierig warten sie auf ihr baldiges Erbe, das jedoch vor langer Zeit öffentlich verprasst wurde. Dicks eigene Bedürfnisse und Wünsche haben keine Priorität. Sofern die Alte plötzlich Lust auf Fisch hatte, fing Dick Fische. Eine halbe Stunde später verlangte die Tochter telefonisch, Dick sollte Goon von der Schule abholen. In Satun sind wir weit weg. Forderungen, beispielsweise für getrocknete Garnelen, erfolgen nur fernmündlich.
Die Regierung der Generäle erlässt regelmässig neue Verordnungen und Verfügungen, welche drei Tage später ersatzlos verschwinden. Das Weinangebot wird im Süden bewusst verknappt. Antibiotika, Dulcolax, Heftpflaster, sowie die meisten Produkte aus Apotheken sind kriegswichtige Erzeugnisse, welche nicht in die Hände von Bombenbauern fallen sollen. Das erschwert den Einkauf von wichtigen Hilfsmitteln bedeutend. In hartnäckigen Fällen bestellte ich die benötigte Ware in Chiang Mai.

Vor beinahe einem Jahr retteten wir Dicks Mutter vor dem bevorstehenden Tod. Später organisierte Dick Pflegerinnen. Sie brachte diesen Frauen die Zubereitung von Magenschondiät bei, ohne den Ausdruck auch nur zu erwähnen. Vor einigen Monaten ging es der Alten so gut, dass sie in ihre angestammte Heimat verreisen wollte, um dort zu leben und später dort zu sterben. Die Pflegerin, eine entfernte Verwandte aus der Region, hatte keine Einwände gegen die Reise. Dick freute sich bereits auf baldige unbeschwerte Tage in Nordthailand.
Vor Jahren verletzte sie sich an der Schulter. Aus der kleinen Verletzung entstand eine unschöne Geschwulst. Ärzte begutachteten den Schaden und meinten: Abwarten. Anscheinend leidet sie nun zeitweise unter Schmerzen. Sie möchte die Schwellung in Chiang Mai entfernen lassen. Eine alte Freundin sollte sie danach betreuen und gleichzeitig den Schönheitssalon wieder aktivieren. In der langfristigen Planung war ich nicht inbegriffen.

Ein unerwarteter Paukenschlag erfolgte letzte Woche, als Mutters Pflegerin im Nachbarhaus in der Provinz Phitsanulok, eine besser bezahlte Anstellung fand. Sie kündigte ihre Stelle auf Ende Monat. Eigentlich hätte sie gerne zwei alte Weiber mit zwei Gehältern betreut. Sie kochte bereits bei den Nachbarn und brachte das Essen über die Gasse. Ein Problem ist das Trink-Wasser. Die Nachbarn pumpen mit Fäkalien und Schmutz aus der eigenen Möbelproduktion verunreinigtes Wasser. Sie benutzen keine Filter. Väter und Mütter benötigten diesen neumodischen, teuren Plunder ebenfalls nicht. Aber ihre Vorfahren hatten weder WC, TV noch Smartphones. Doch so weit zurück denken heutige 4G+ Thais nicht.

Seit dem Dicks Mutter Speisen aus der Küche der Nachbarn verzehrt, zeigen sich wieder Blutgerinnsel in den Armen und angeblich neu in einer Schulter. Heute reist sie, sofern keine inneren Organe betroffen werden, zurück in den Norden. Demnächst unbeschwerte Tage in Chiang Mai dürfen wir vergessen. Dicks zukünftige Betreuung sorgt glücklicherweise demnächst für die Mutter. Dick wird, wie in der Vergangenheit, kaum zehn Stunden pro Tag, eher bei Nacht, bei mir anwesend sein.

Mir fehlen Lust und Vergnügen, die lange Reise in das Dorf mit Alkoholikern, Denunzianten, Dieben, Drogenabhängigen, Lügnern, Mördern, Nutten, Spitzeln und Verrätern zurück zu kehren. Anfänglich war das Dorf-Leben sehr angenehm. Einige liebe Einwohner verstarben. Andere Familien zogen weg. Die Neuankömmlinge machten die Situation zusehends unheimlicher. Alt eingesessene, aalglatte, praktisch unantastbare Funktionäre eigneten sich Besitz an. So vergrösserte ein Richter sein Grundstück, indem er kurzerhand eine Wendeschleife beschlagnahmte und überbaute. Unsere selten anwesenden Nachbarn im Süden demonstrieren, wie eine echte Dorfgemeinschaft funktioniert. Das gab es vor zwanzig Jahren auch im Norden.

Paarungsversuche, – wenn das schnelle Geld lockt

Längere Zeit berichtete ich nichts über Goon. Das Knäblein ist jetzt sechs Jahre alt und sorgt allerorts für Aufsehen. Er wurde tonangebender Lego Experte und gewann in Chiang Mai viele Wettbewerbe. Er besiegte selbstverständlich zahlreiche ältere Teilnehmer.

Der Kleine musste zum Zahnarzt. Der Arzt hatte einen jungen Hund in der Praxis. Goon vergnügte sich während des Wartens wiederholt mit dem Welpen. Der Doktor freute sich, wie die beiden zusammen spielten. Nach der dritten, endgültigen Sitzung schenkte der Zahnarzt Goon den teuren Rassehund, weil der noch drei weitere Geschwister zu Hause hatte.
Goon schaute gut zum neuen Gefährten und brachte das kaum drei Monate alte Tier bei uns im Garten unter.

Im Dorf gibt es eine neue, besonders geldgierige, rein bahtistisch orientierte Familie: Mutter, Vater, elfjährige Tochter und ein Köter, eventuell mit Stammbaum. Er bepisst jedenfalls sämtliche Stämme, Bäume und Zäune.
Eines heissen Abends erschienen Mutter und Tochter bei Goons Mutter und verlangten Geld. Scheine, verziert mit Bildern des verehrten Monarchen, Baht.
„Wofür?“ fragte Goons Mutter.
„Goons minderwertiges Tier paarte sich mit unserem kostbaren Rassenhund“, behaupteten die Weiber laut keifend. „Das kostet!“
Goons Hündchen ist noch nicht aufgeklärt, lernte aber einige Tricks. Bei nicht angemeldeten Eindringlingen zerreisst es ohne langes Bellen Kleidungsstücke. Nur fliegen kann der treue Wächter nicht. Deshalb konnte das Tier das Grundstück nie verlassen. Ausgang gibt es nur in Begleitung seines Meisters. Darum wurde die freche Forderung abgewiesen. Die unbefriedigten Weiber wollten nun ihre finanziellen Ansprüche der angeblich stinkreichen Grossmutter in Satun übermitteln.

Wenige Tage später standen die zwei Weiber an der Tür zum Schönheitssalon. Mowgli, das Hirn war wie üblich ausgeschaltet, liess die zwei Frauen eintreten, ohne sich nach dem Grund des geschätzten Besuches zu erkundigen. Die beiden Damen kamen schnell zur Sache.
„Wir wollen Geld. Goons Hund fiel meine Tochter an und verletzte sie“, klagte die bescheuerte Alte.
Unterdessen fand die unverletzte, mit einem Prügel bewaffnete Tochter, das Hündchen. Sie schlug wuchtig mit dem Stock auf das kleine Tier ein. Der Hund jaulte und winselte vor Schmerz. Goon sah, wie sein Hündchen unbarmherzig misshandelt wurde.
„Unmöglich“, sagte Goon. „Mein Hund kann ohne mich den Garten nicht verlassen. Das muss ein anderer Köter gewesen sein.“
Ungerührt griff das Mädchen wieder zu ihrem Prügel und wollte erneut zuschlagen. Goon trainiert seit längerer Zeit Tae-Kwon-Do. (1) Mit einem gezielten Fussstoss nach einer rasanten Drehung, fällte der Kleine die fünf Jahre ältere, hirnlose Bohnenstange. Mowgli wurde aus seinen Tagträumen gerissen und bemerkte nur: „Goon ist noch schneller als Bruce Lee und Jackie Chan zusammen“. (2)
Die Welpenprüglerin verletzte sich beim Sturz am Kinn. Jetzt schrie sie erst recht erfolglos nach Geld. Das Duo besuchte dramatisch blutend den Dorfvorsteher. Sie wollten den bösartigen Buben verklagen. Er verursachte eine lebensgefährliche Wunde, denn im Hals sitzen ja die Schläuche für Blut, Luft, Nahrungsmittel und Stimme.
Der Mann kannte den kleinen Goon und glaubte die Geschichte nicht. Im Spital wurde die Verletzung unter dem Kinn mit vier Stichen genäht. Wir warten auf die nächsten Forderungen. 
(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Taekwondo
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Bruce_Lee

Die Anfänge eines relativ bewegten Lebens

Meine Finger spielen wieder einmal verrückt. Tippen ist, wie in den vergangenen Wochen, schlecht möglich. Deshalb kopierte ich altes Material. Es ist das erste Kapitel meiner gesammelten Erinnerungen: „Während fünfundzwanzig Jahren ohne Plattfuss Rollstuhl fahren“. Wer hätte damals gedacht, dass ich meinen Lebensabend in Thailand verbringen würde?

Am 18. November des Jahres 1957 gab es im Spital zum Mittagessen Kuchen. Obwohl ich Kuchen mag, erhielt ich keinen. Ich lag im Gang in einem Bett, wartete auf einen Arzt und überlegte nüchtern im doppelten Sinne des Wortes, ich sei offenbar ein schwieriger Fall und müsse mit einem längeren Spitalaufenthalt rechnen. In einer Woche, stellte ich mir voller Vertrauen in die ärztliche Kunst vor, sei mein Leiden kaum zu kurieren, aber spätestens bis Weihnachten sei ich wieder zu Hause.
In der vergangenen Nacht hatte ich für kurze Zeit unheimliche, heftige Atembeschwerden. Während ich um Luft kämpfte, dachte ich sogar ans Sterben. Doch danach schlief ich benommen wieder ein. Am Morgen fühlte sich die Hose beim Anziehen an meinen Beinen merkwürdig warm an. Das Frühstück schmeckte mir nicht. Als ich das Fahrrad aus dem Keller trug, schien es tonnenschwer. Ich setzte mich schwunglos auf den Sattel, trat die Pedale für einige Minuten, kam jedoch kaum voran. Dabei fühlte ich, wie ich von Sekunde zu Sekunde müder und kraftloser wurde. „Mir ist übel,“ sagte ich zu mir, „fahren wir nach Hause zurück.“ Dann vermochte ich nicht mehr zu fahren, darum schob ich das Rad. Nach wenigen Schritten fiel mir das Gehen so schwer, dass ich mich doch wieder fürs Fahren entschied.

Etwas später hielt ich mich am Gartenzaun fest und liess das Fahrrad zwischen den Beinen wegrutschen. Kriechend gelangte ich ins Haus. Kriechend schaffte ich die Treppen in den ersten Stock, dann klingelte ich.
Ob die Mutter staunte oder erschrak, als sie mich am Boden liegen sah, weiss ich nicht mehr. Sie holte eine Nachbarin zu Hilfe. Die beiden Frauen brachten mich ins Bett. Mehrmals versuchte ich aufzustehen. Meine Beine gehorchten mir nicht und klappten jedesmal kraftlos zusammen.

Die besorgte Mutter telefonierte einem Arzt. Ohne grosse Untersuchung und ohne viele Worte verabreichte er mir einige Pillen. Sie wirkten nicht. Ich wusste ganz genau, dass ich ins Spital musste. Kurz vor Mittag holte mich der Krankenwagen ab. Die Sanitäter desinfizierten das Badezimmer.
Die Lähmung traf mich nicht als Schock. Vorerst fühlte ich mich nicht einmal krank. Über den Sachverhalt konnte ich keine Erklärung geben.
Der Arzt stellte viele Fragen. Er tappte ebenfalls im Dunkeln über die Ursache meines Zustandes. Vielleicht würden Röntgenbilder und Blutuntersuchungen den Fall klären helfen.
Auf der Absonderungsabteilung des Spitals würde ich vorderhand wenigstens niemanden anstecken. Mein Bettnachbar hatte Kinderlähmung. Bei mir war dies nicht auszuschliessen.

An diesem schicksalsträchtigen Tag erinnerte ich mich nicht an einen Abend, der ungefähr fünfeinhalb Wochen zurück lag. Damals spielten wir in der Turnhalle Korbball. Der Kampf war hitzig, wild und ich hatte Spass und fühlte mich in Form. Ich sprang sehr hoch, um einen gefährlichen Ball abzufangen. Irgendwie vermutete ich einen Gegner hinter mir. Um den Spieler nicht zu verletzen, streckte ich beide Beine nach vorne. Es krachte fürchterlich, als ich mit dem Gesäss auf den Boden prallte. Für einige Zeit verlor ich das Bewusstsein. Meine Kameraden grinsten, als ich blinzelnd die Augen öffnete und bald danach weiter spielte.
Am nächsten Morgen konnte ich mich zum Frühstück nicht setzen. Das Steissbein war offenbar verstaucht und mein Hinterteil schmerzte jämmerlich. Unwillkürlich wurde ich an das Korbballspiel erinnert.
Meine Körperbeherrschung war unvollkommen, kleine Verletzungen ein Dauerzustand. Deshalb mass ich dem schmerzenden Hintern keine grosse Bedeutung zu. Zudem war dieser Körperteil während der Jugendzeit mit Regenschirmen und ähnlichen Gebrauchsgegenständen entsprechend vorbehandelt worden.
(Vergleiche: Sprüche Salomos, 19.Kapitel, 18.Vers.)

Einige Tage später ging ich wieder turnen. In der Nacht erwachte ich keuchend, schweissgebadet. Während wenigen Minuten, sie erschienen mir stundenlang, konnte ich kaum atmen. Danach war der Spuk wie weggeblasen.
Eine Woche darauf trainierte ich erneut. Diesmal hing ich an den Ringen, als mir die Puste ausging. Ich musste mich fallen lassen und lag dann japsend und heulend am Boden. Der ratlose Leiter versuchte mich zu trösten, worauf ich mir Mühe gab, das Schauspiel zu beenden und raschmöglichst wieder aufzustehen.
Nach einer weiteren Woche erlebte ich im Bett erneut, wie eine stählerne Bettdecke den Brustkasten zusammenquetschte und das Atmen behinderte.

Mittlerweile heilte das Steissbein so weit, dass ich mich ohne Schmerzen setzen konnte. War das nicht ein Grund, Sonntags ins Kino zu gehen?
Giulietta Masina spielte in: „Die Nächte der Cabiria“. Als der Film zu Ende war und das Publikum mehr oder weniger gerührt dem Ausgang zustrebte, konnte ich mich nicht mehr erheben. Ich sass da, wie wenn ich Wurzeln geschlagen hätte und der Masina während den weiteren Vorstellungen in die ausdrucksvollen Augen blicken wollte.
Zwei ältere, nicht mehr ganz so schnelle Damen halfen mir freundlicherweise auf die Beine.
Zu Hause spielte ich mit meinem Bruder Fussball, nicht ahnend, dass dies meine Abschiedsvorstellung im Fussball war.

Liebe ist ein seltsames Spiel

Möglicherweise verreisen wir in zwei Tagen in den Süden. Unsere vermeintliche Pflegerin verabschiedete sich, wie in Thailand üblich, ohne Vorankündigung. Die Frau kam rechtzeitig von Indonesien zurück. Sie arbeitete dort. Ihre Ruhe verbrachte sie während der Regenzeit in einem Zelt. Eine muffig miefende Bambushütte wäre ein Luxus gewesen. Die ersten Tage investierte danach die Frau ihren Verdienst in Chiang Mai in einem Krankenhaus mit Intensiv-Pflege. Sie hustet immer noch. Ihre rührige Schwester lud eine pflegebedürftige ältere Verwandte und deren gebrechlichen Farang-Gatten, Australier, nach Chiang Mai ein. Das ist die neue Herausforderung für das christlich orientierte Wesen.

Die letzten sechs Monate waren die härteste Zeit, die ich im Dorf erleben durfte. Ich war nicht unvorbereitet und wusste bereits in Satun, was mir bevorstehen könnte. Dicks Mutter hat fünf Kinder. Aber nur Dick ist in der Lage, korrekte Pflege zu leisten.
Mutter erkrankte, weil die eine Tochter unfähig oder zu faul war, Beutelsuppen wie MAMA oder WAI WAI zu kochen. Sie kaufte billige Gammelsuppen auf der Strasse. Ihr Mann, ein Amerikaner, verstarb trotz studierter Ärzte im Krankenhaus daran. Himmel und Hölle benötigen dringend Nachschub. Mutter überlebte knapp, wenn man dieses erbärmliche Leben mit Medikamenten zwischen Erbrechen und anderen unkontrollierten Ausscheidungen noch Leben nennen will. Die familiären Leichenfledderer erkundigen sich, wie gehabt, höchstens nach der zu erwartenden Erbschaft. Da gibt es leider nur eine Menge nichts. Mutters neueres Haus, von mir entworfen und finanziert, steht auf Dicks Land.
Dick bezahlte während Monaten ihrem Bruder die Miete für ein Haus in der Nachbarschaft. Sie dachte, diese Familie würde sich um Mutter kümmern. Die alte Frau schwebte dauernd in Lebensgefahr, weil keine Leistungen erbracht wurden, ausser dass der schwachsinnige Kerl, sie wöchentlich, jeweilen kurz vor dem zu erwartenden Abkratzen, ins Krankenhaus brachte.

Dick versuchte, für mich eine geeignete zusätzliche Partnerin zu finden. Die Eine sagte sofort zu. Die einzige Bedingung: Heirat. Für mich wäre die wichtigste Voraussetzung für eine Ehe ewige Liebe. Die Frau, dank Botox und täglichem intensiven Training relativ hübsch, hat einen Intelligenzquotienten, der von jedem Smartphone übertroffen wird. Ich mag sie nicht, denn Smartphone und Telefon sind vorhanden. Sie wäre nicht in der Lage, im Ernst-Fall Hilfe anzufordern oder zu erbringen. Sie gehört in die Kategorie gelebter Seifen-Opern.
Ein anderes Weiblein wollte mich ganzheitlich übernehmen. Sie strahlte viel Wärme und enorme spürbare Herzensgüte aus. Ihr Motto: „Ich bin gut zu Vögeln“, meinte nicht, dass sie Amsel, Drossel, Fink und Star und die ganze Vogelschar fütterte. Sie hatte jederzeit unbändige Lust auf intimen Körperkontakt. Ich als Pseudo-Vegetarier, bin nicht abgeneigt. Jedoch sind meinerseits noch andere unbedeutende Bedürfnisse, beispielsweise Speisen und Getränke, nicht nur Viagra, vorhanden.

Sofern das Schicksal gnädig ist – und im Horoskop die Sterne an der richtigen Stelle stehen – wird Dick nach einigen Tagen Erholung beide Damen problemlos ersetzen.