Die Wintersonne bringt kaum Licht ins Dunkel

Da ist wieder einmal eine Geschichte, welche Lachmuskeln erregen könnte. Über die eigene Dummheit zu stolpern und darüber zu schreiben, muss schwer geübt werden.

Mein erster Beitrag im Oktober betraf Dicks Tochter. (1) Es sah aus, als ob sie endlich einen vertrauenswürdigen Partner getroffen hätte. Gegenwärtig ist sie ehrbare Lebensgefährtin mit Kopftuch und tiefschwarzem Ganzkörperkondom, denn ihr neuester Partner verehrt Allah. Es gibt keine Hunde, Schweinereien und Unreinheiten in seinem Haus! Meine Begeisterung über das neue Mitglied der Koran Kaste hielt sich in Grenzen. Die Hochzeitsfeier fand ohne unsere Anwesenheit statt.

Dick hatte zuvor ein ernsthaftes Gespräch mit dem ausserordentlich netten Herrn. Er schien durchaus ehrbare Absichten zu haben. Er investierte beachtliche Summen in seine Zukunft. Er besorgte ein Geschäftslokal für seine neue Frau. Er kaufte für sie ein neues Motorrad und einen neuen Wagen, nachdem sie ihr Fahrzeug während Jahren ohne jegliche Wartung zu Schrott gefahren hatte.

Mitte Januar erreichten Dick bittere Tatsachen. Der angeblich nette Kerl, neuester Beischläfer und Gatte der Tochter, entpuppte sich als professioneller Hochstapler. Der blühende Familienbetrieb im Tourismusgeschäft in Nordthailand existiert nicht. Der Eindruck erweckende Blechscherz, der am Salon in PhonPhat präsentierte Wagen, war gemietet. Das Moped wird monatlich mit tausend Baht abgestottert.

Das ganze Lügengebilde geriet schnell ins Rutschen. Die Frau besetzte das Haus eines Bruders im Dorf, zusammen mit Ehemann, Sohn Goon und ihrem Vater (2) in PhonPhat. Sie verscheuchte gnadenlos ihren krebskranken Bruder. Sie verkaufte Goons Lego Sammlung, wie der kleine Enkel traurig mitteilte. Danach wurde die Bande kriminell. Als pikantes Detail erwähne ich, dass der Vater der Tochter mit einer anderen Frau, ebenfalls Mowgli zeugte, der bereits 2012 in unser Haus einbrach. (3)

Eine Fenster-Scheibe unseres Hauses wurde mühsam ausgebaut. Darauf folgte die Entfernung des Schutzgitters aus rostfreiem Stahl. Die Gauner brachten sogar Zement und Farbe für die Wiederherstellung. Töchterchen wollte die Grundstücks-Dokumente. Ohne sämtliche Wertsachen zu klauen, verabschiedete sich die Bande vom Tatort.

Danach erhielt Dick Anrufe, ihre Tochter verkaufe Goldringe und Diamanten. Nach unserem Wissen waren es kaum Schätze aus Dicks Sammlung. Die Verbrecher mussten zusätzlich weitere Bürger beraubt haben. Nachher begann das feine Töchterchen, in Phitsanulok, mit selbstgebastelten Vollmachten, Dicks Grundbesitz zu verkaufen. Als ehemalige Bankangestellte kannte sie diesen Geschäftsbereich.
Die um Hilfe gerufene Polizei sagte: „Familiengeschichten gehen uns grundsätzlich nichts an.“
Die Beamten der Grundstücksämter in Phitsanulok und HangDong fanden: „Sobald wir etwas umgeschrieben haben, sind Änderungen unmöglich.“ Ein teures Haus in der Stadt Phitsanulok wechselte den Besitzer für lumpige 800‘000.00 Baht!

Dick sah ihren gesamten Besitz in PhonPhat in Gefahr. Sie wollte für Rettungsmassnahmen schnellstens zurück in den Norden. Es gab nur ein Problem, Air Asia akzeptierte ihre Kreditkarten im Internet nicht. Am nächsten Morgen telefonierte sie mit Angestellten der Firma. Die Gesellschaft gestattete die Benutzung einer fremden, meiner Karte. Das Passwort wurde nicht abgefragt. Jeder könnte diese Karte stehlen und auf meine Rechnung Flüge buchen.

Die Polizei um Hilfe zu ersuchen, war sinnlos. In Familientragödien mischen sich die Beamten nicht ein. Dagegen hätten sie sich gerne an unserem Besitz an Möbeln aus verbotenem, teuren Holz, Hua Li und Teak, und kulturell bedeutenden Werken, Gemälden und alten Bronzen, bereichert.
Das Grundstücksamt in Hang Dong erwies sich ebenfalls als reines Finanzinstitut. Dieselben Damen und Herren, welche vor wenigen Tagen 200‘000.00 Baht vom kriminellen Töchterchen kassierten, offerierten Dick zum selben Preis neue Papiere für vier Häuser.
Der kleine Unterschied ist, die Dokumente für die Gauner konnten in wenigen Stunden hergestellt werden. Dick darf einen Monat lang warten. Vielleicht wird währen dieser Zeit das eine oder andere Haus verkauft! So funktioniert der thailändische Unrechtsstaat. Gibt es mehr Sicherheiten unter den netten Generälen Prayut und dem Uhrenfan Prawit?

Die beweihräucherten und bewunderten Buddhas im Hause entwickelten unbekannte Energien. Mimi, unser Schosshündchen, zerfetzte die Schuhe der Einbrecherin und biss sie in den Arsch. Der Hund überlebte den Biss!
Nach ihrer Siegesfeier in Phitsanulok konnte sie die nächtlichen Freuden-Tänze nicht mehr abbrechen und beenden. Sie musste im psychiatrischen Krankenhaus in Chiang Mai ruhig gestellt werden. In Phitsanulok gibt es solche Einrichtungen nicht.

(1) https://hinterindien.com/2017/10/03/gerede-vermutungen-wo-liegt-die-wahrheit/
(2) https://hinterindien.com/2012/04/16/ipenis/
(3) https://hinterindien.com/2012/07/14/via-mala/

Der lange Weg nach Satun

Unser Leben gleicht der Reise
eines Wandrers in der Nacht.
Jeder hat in seinem Gleise,
etwas das ihm Kummer macht.

Aber unerwartet schwindet
vor uns Nacht und Dunkelheit,
und der Schwerbedrückte findet
Linderung in seinem Leid.

Darum lasst uns weitergehen,
weichet nicht verzagt zurück!
Dort in jenen fernen Höhen
wartet unser noch ein Glück.

Mutig, mutig, liebe Brüder,
gebt die bangen Sorgen auf:
morgen geht die Sonne wieder
freundlich an dem Himmel auf. (1)

Die Abreise verzögerte sich wegen Wasser. Erst wurde das Dorf überflutet. Dicks Hilfskraft war total überfordert. Das feuchte Ereignis blockierte den Rest ihres Denkvermögens für Wochen und verurteilte sie, ausser der pausenlosen Nutzung ihres Smartphones, zu absoluter Untätigkeit. Dick reinigte drei Häuser mehr oder weniger im Alleingang. Dafür möchte die Nichthelferin nun mehr Baht in Form von Lohn und Gehalt. Als zusätzliche Zeitverschwendung gab es Schaden-Sitzungen im Dorf und in der Gemeinde.
Eine Woche später litt der Süden unter schweren Niederschlägen. Die Provinzen Prachuap Kiri Khan, Nakhon Si Thammarat und Trang waren teilweise unter Wasser. Der Glückspilz-Verzehrer hatte dann einen trefflichen Riechkolben für den Reisetermin. Die schwierigste Strecke führte von Nakhon Pathom nach Phetchaburi mit kilometerlangen Staus und Umleitungen.
Für die 186 Kilometer von Prachuap Kiri Khan nach Chumphon benötigte Dick nur zwei Stunden und zehn Minuten. Als neuen Etappenort wählten wir anstelle von Surat Thani oder Nakhon Si Thammarat Thung Song. Von dort waren wir in weniger als drei Stunden in Klong Khut. Wir standen vor dem Garten-Tor und bestaunten sprachlos unseren Dschungel. Dick benötigte Messer und Sägen, bis sich das Tor öffnen liess. Spuren einer angeblichen Überschwemmung entdeckten wir keine.
Positiv fiel während der Reise auf, dass die Damenwelt wieder bunt gekleidet ist. Die jungen Frauen tragen gegenwärtig knappste Beinkleider. Ein erfreulicher Anblick für zahnlose, sappernde Liebhaber von Speck und Schinken.
Gibt es eine neue Verordnung, um zusätzliche Touristen anzulocken? In Nakhon Sawan als auch in Nakhon Pathom floss kein Warmwasser – in vier und fünf Sterne Unterkünften. Die chinesischen Gäste kennen offenbar heisses Wasser nicht. Die Frauen stecken dann ihre kalten Finger in sämtliche warmen Speisen am Frühstücksbuffet, anstatt die Krallen in ihrer Speckseitenfurche zu wärmen.
Negativ beurteile ich die Leistung des Hotels in Thung Song. Das im Internet angekündigte Speiselokal für schmackhafte Mahlzeiten und augenöffnendes Frühstück existierte nicht mehr. Dafür gab es in der nächsten Umgebung kundenfreundliche Verpflegungsbetriebe.

Der Zeitpunkt der Abreise war ein Glückstag. Am Abend erschienen fünf Personen mit Dicks Mutter im Schönheitssalon und verlangten Essen und Unterkünfte. Dicks Angestellte wies die Leute weg. Seit die (schwer kranke) Alte uns im Mai dieses Jahres unter Absingen von Drohungen und Verwünschungen verlassen wollte und wegzog, war sie dauernd unterwegs. Einmal versuche sie vergeblich, ihren Platz im Haus in PhonPhat zurück zu erobern. Einige Zeit danach wurde sie von einem Dorfobmann der Provinz Phitsanulok persönlich bei uns abgeliefert, weil sie unmöglich allein in ihrem Haus leben könne. Nach einigen Tagen übernahm Dicks Schwester die Fürsorge und entlastete uns. Diese Pflegerin brachte ihre Mutter auf ihr eindringliches gedankenloses Drängen zurück in die Provinz Phitsanulok. Wenige Wochen später stand sie mit Verwandtschaft als streitbare Begleiter wieder vor der Tür! (2)
Vor einem Jahr im Mai erhielten wir Anrufe aus dem Krankenhaus Hang-Dong, die Frau sei am Sterben und würde nur wenige Tage überleben. Seit dem treibt sie ihr Unwesen als Nicht-Tote, wie in den einschlägigen Horror-Filmen.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Beresinalied
(2) https://hinterindien.com/2017/06/04/das-wars-dann-wohl-misstritte/

Anmerkung: Die A4 bei Phetchaburi war heute, 23. Nov., wieder geflutet! Die Schnellstrasse in den Süden wurde unterbrochen.

Hühnerhaut und Schäfer-Hund

Als ich in Thailand Häuser baute und renovierte, liess ich auch einen Grill, wie ich ihn in Bern hatte, fertigen. Ich legte Wert auf seitliche Befeuerung. Die Kohlen glühten in Körben, damit kein Fett in die Glut tropft und ungesundes Benzoapyren entsteht. Elektro-Motoren für den Drehspiess brachte ich aus der Schweiz mit.
Schweinelenden und Halsstücke gelangen hervorragend. Hühner blieben trotz heftiger Bemühungen bloss Gummiadler. Es war kein Vergleich mit Tieren vom Bauern in der Schweiz. Preislich waren die Poulets in Thailand günstig. Aber der Hochgenuss beim Verzehr fehlte mir. Einheimische reklamierten nie.

Wir fanden später eine Geflügelfarm auf dem Lande. Die Tiere haben Auslauf und fressen nicht bloss Trockenfutter aus Fischmehl. Geschlachtet wird nach sechs Monaten oder später. Die Hühner sind wesentlich teurer, als Angebote in Grossmärkten. Die Eier kosten drei Mal mehr, als industrielle Produkte mit Fischgeschmack und Antibiotika.

Weil die Familie die Schäfer-Hündin vorwiegend mit Hühnern und Hühnerknochen fütterte, stellte ich Ermittlungen über die Billig-Fleischproduktion an.
Die beinahe fleischlosen Dschungelkreuzungen aus dem Dorf, die sich dauernd mit Motorfahrzeugen duellierten und unter die Räder gerieten, schmeckten besser als die günstigen Angebote von Carrefour und Tesco. Manchmal waren die Kadaver so flach, man hätte sie als Briefmarken verwenden können.

Hühnerproduktionsanlagen erzeugen 25‘000 bis 30‘000 Tiere pro Halle. Vom Ei bis zum schlachtreifen Huhn dauert es, je nach Produzent, 30 bis maximal 45 Tage. Die Vögel wachsen so schnell, dass sich kein tragfähiges Knochenskelett entwickeln kann. Das Federkleid ist entsprechend mangelhaft. 25‘000 Hühner vegetieren auf 2‘700 Quadratmetern! Diese Kreaturen leben nicht unbedingt glücklich.
Der Netto Profit für den Erzeuger beträgt angeblich ein Baht pro Tier. Die Europäer können sich glücklich schätzen ohne Fernflüge, preisgünstiges Thai Fleisch nicht nur im Bett, sondern ebenso aus der Pfanne zu geniessen, denn 41 Prozent der Produktion wird exportiert.

Ein Sohn von Dick fütterte MiMi mit gegrilltem Geflügel. Anfänglich gab es bei uns für das Hündchen Huhn mit Nudeln, weil das Fleisch gratis ins Haus gebracht wurde. Ich ertrug dessen Gestank nicht. Seit die Hündin Schweinefleisch mit Knochen verspeist, beisst sie nicht mehr in das Grillgut. Anfänglich hatte sie Mühe, von den weichen Hühnerknochen auf die gröberen Knochen zu wechseln. Nun verzichtet sie meist freiwillig auf das Trockenfutter. Trotzdem hat sie Fleisch am Knochen. Mit acht Monaten wiegt sie 30 Kilogramm – sofern die Waage der Tierärztin zuverlässig ist.

https://de.wikipedia.org/wiki/Benzo(a)pyren
https://www.theguardian.com/global-development/2016/aug/01/thai-chicken-farm-workers-slept-on-the-floor-next-to-28000-birds

Eine treue Wächterin als nächtliche Kundin

In der Schule lasen wir von K. Tucholsky: „Der Hund ist ein von Flöhen bewohnter Organismus, der bellt (Leibniz)“. (1)
Mittlerweile weiss ich weit mehr von Hunden. In Hinterindien gibt es Scheisshunde und Sauhunde. Die Scheisshunde erledigen ihr grosses Geschäft ausnahmslos mitten auf der Strasse. Sauhunde dagegen verschmutzen absichtlich Klinken und Briefkästen.
Diese minderwertige Sorte gab es ebenfalls in Bern. Mit Freunden betrieben wir ein Ladenlokal an der einstigen Metzgergasse. Penisgesteuerte Kreaturen mit schnapsverseuchten Hirnwindungen pinkelten durch den Schlitz des Briefkastens in den Raum – unechtes, ekliges Geschäftsgebaren. Die Stadtregierung wertete durch Namensänderung in Rathausgasse die Mietpreise auf. Die Fäkalien selbst, beziehungsweise deren Gestank, veränderten sich nicht.

Daneben gibt es echte Zuchthunde – wie Chihuahua. (2)
Goon ist stolzer Besitzer solch eines edlen Tieres. Seine Mutter zog vom Dorf weg, in die Stadt. Kläfferchen fehlte die Natur, der Auslauf. Gedankenlose Unmenschen banden den Hund, wie ein Fahrrad, gelegentlich an zwei unbewohnten Häusern im Dorf fest. Das Tierlein weinte echte Tränen, als Dick es allein und verlassen im Versteck fand. Nachbarn versuchten bereits vor Monaten, den jungen Hund mit Giftspritzen ins Nibbana zu befördern. Wahrscheinlich biss das intelligente Tier, während der Injektion, den Missetäter in den Arm oder (besser) in den Arsch. Der junge Hund, eine Dame, überlebte mit ärztlicher Hilfe die Mordversuche.
Ein angehender Imam, gegenwärtiger Liebhaber von Dicks Tochter, erzog Goon erfolgreich – kein Schweinefleisch zu essen. Er versuchte vergeblich, trotz Halal Ernährung, dem unislamischen Kläffer würdige Rufe wie: „Allahu akbar“ beizubringen. Der original mexikanische Chihuahua antwortete nur: „Popocatepetl, Bell, Bell, bell“. (3)

Die stille Hündin bewacht uns fleissig. Sie vermittelt ein Gefühl von Sicherheit. Tagsüber begrüsst sie ruhig und zurückhaltend die Kundinnen am Salon. Während der Nacht liegt sie in der Nähe unserer Haustür und verteidigt ihr Territorium gegen sämtliche Eindringlinge.
Sie lag auf der Veranda und äugte eine unwillkommene Mieze. Ein kühner Sprung über Mäuerchen, die Besuchern als willkommene Sitzgelegenheiten dienen. Stühle und Stuhlgang besitzen bekanntlich alle. Kühle Backsteine in angenehmer Höhe sind eher selten.
Die Chihuahua-Dame landete nicht im Miezenbereich, sondern nahm ein erfrischendes Bad im Teich, den sie nicht sehen konnte. Mowgli rettete das Schosshündchen. Es gab eine nächtliche Sitzung im Salon mit Haarwäsche und Trocknen. Die aufmerksame Lady, sie kannte den Betrieb im Laden bestens,(üblicherweise Zutritt verboten) holte sich selbst ein Handtuch und legte sich darauf!

(1) http://www.textlog.de/tucholsky-traktat-scherz.html
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Chihuahua_(Hunderasse)
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Popocat%C3%A9petl

Die Abbildung vom Mai 2017 zeigt Goon mit Mi an der Treppe neben der Veranda.
Hündchen und Knabe legten seit dem einige Kilogramm zu.

Zurück an den Absender

Vorsichtig schrieb ich am 4. Juni: Das war’s dann wohl… Misstritte.
Unter lauten Missfallensäusserungen verliess uns damals glücklicherweise Dicks Mutter. Sie machte wenig Werbung für uns und unseren Beistand in schweren Stunden. Nein, sie und ihre Helfer forderten mehr. Sie verlangten bessere, vor allem teurere Krankenhäuser. Sie bezichtigten uns des Diebstahls laotischer Schätze und Wertgegenstände, die dann sogleich für zwanzig Baht verschleudert wurden. Es handelte sich um handgefertigte Bronzeschalen und Gefässe, die durch ihre Unvollkommenheiten ihren besonderen Charme entfalteten. Wir retteten die stark oxydierten Gegenstände während des Hausbaus aus dem Müll und polierten das Bunt-Metall sorgfältig.

Das Schicksal, speziell dessen Verwalter, muss mich abgrundtief hassen. Das eingeschränkte Dasein im Rollstuhl ist nicht problematisch genug. Seit fünf Jahren leide ich zusätzlich an Schmerzen und Bewegungsstörungen in den Armen. Essen, Trinken, Transfers aufs WC und ins Automobil sind öfters fast unmöglich. Reisen mit Hotelaufenthalten wurden schwierig bis unmöglich.

Gestern erhielten wir gratis, Lieferung franko Domizil, eine zusätzliche Bescherung. Geschenke sind willkommen. Auf dieses hätten wir gerne verzichtet. Weihnachten ist erst in drei Monaten. Ein Dorfvorsteher aus Zentralthailand brachte mit einer Begleittruppe von sechs Leuten Dicks Mutter zurück. Sie lebte seit kurzer Zeit ohne jegliche Betreuung. Die Erbschleicher verzogen sich, als sie bemerkten, dass gar nichts mehr zu holen war. Die Alte verlor aus reiner Habgier ihren gesamten Besitz. Das Wohnhaus konnte sie nicht verschleudern, denn das Land gehört Dick. Anscheinend terrorisierte die geistig labile Person aus Langeweile ihre Nachbarn.

Glücklicherweise bleibt uns die Rückzugsmöglichkeit in den Süden erhalten. Ich bin nicht verheiratet. Sonst wäre diese zweifelhafte Bescherung sogar Verwandtschaft.

https://hinterindien.com/2017/06/04/das-wars-dann-wohl-misstritte/

Ein folgenschwerer Spaziergang am Teich

Eigentlich wählte ich als Titel: „Schwein gehabt“. Da ich mit spezieller Rücksicht auf religiöse Gefühle nur halal-freundliche Worte benutzen möchte, verzichtete ich zumindest im Titel auf die Erwähnung des zum Verzehr verbotenen Borstenviehs.
Eine von Dicks Helferinnen bei der Betreuung ihrer Mutter, besuchte die kranke Frau regelmässig. Sogar als sie nicht mehr für Dick arbeitete. Zudem liebte sie kurze Spaziergänge im schattig kühlen Garten – mit Bäumen, Blumen, Früchten und Teichen.
Beim Lustwandeln am Teich hatte sie eine echte Bewusstseinsstörung, einen Schwindelanfall. Sie beging den Fehler und wollte sich an einer zerbrechlichen Thai-Konstruktion, einer den Japanern nachempfundenen Beleuchtung, festhalten. Beide fielen, streng nach Newtons Gesetzmässigkeiten, zu Boden. Die gefallene Frau überlebte schadlos. Dreissig Prozent des zementierten Werks zerbarsten. Der Deckel als wichtiger Regenschutz verlor seinen Untersatz. Die Frau holte aus ihrem Haus eine Keramikhaube. Gekonnt setzte sie die Stücke verkehrt zusammen. Anstatt das Wasser abzuweisen, wurde es gesammelt. Sie telefonierte mehrmals nach Satun. Den Unfall und den Schaden erwähnte sie nie.
Vom Schlafzimmerfenster aus sah ich mir den ungepflegten Garten mit den zahlreichen beschädigten Teilen an. Da klaute doch ein Langfinger mit Schraubendreher den Stecker einer Leitung zu einer Teichpumpe. Die Pumpe entfernten wir vorsorglich. Wir wussten, niemand würde alle paar Wochen den Schlamm entfernen. Der ungekühlte Motor würde verbrennen.
Mowgli trimmte sein Arbeitsprogramm für sechs Monate auf reine Scheinleistung. Er berührte gar nichts, ausser er benötigte frischen Fisch für Pfanne und Magen. Welse haben den Vorteil, dass man sie nicht schuppen muss. Die schwimmen unanständigerweise vollständig nackt im Wasser und dies in einer streng uniformierten Militärdiktatur.

Dick versuchte den Beleuchtungskörper zu reparieren. Sie ersetzte die zerstörte Lampenfassung. Ich hatte die Idee, das Laternendach auf Sodawasserflaschen zu stellen.
Anfänglich dachte ich an eine Eigen-Konstruktion aus Acrylglas. Aber – wer verkauft zwei mal zwei Zentimeter Profile im Entwicklungsland? Gegenwärtig kann ich nicht einmal als Passagier ins Auto steigen. Es blieb mir einzig der Genuss von Sodawasser.

Alle unsere Beleuchtungskörper sind mit Feinsicherungen von 500 milli-Ampere, mA, geschützt. Für Energiesparlampen wären dadurch Leistungen von gesamthaft über hundert Watt möglich.
Schon beim Zusammenstecken der Einheiten von Beleuchtungssteuerung und Anschlusssicherungen, bemerkte ich, offenbar zerstörte sich eine Sicherung. In der Dunkelheit leuchtete das Lämpchen am Teich danach jedenfalls nicht.
Dick steckte das Kabel kurzer Hand direkt in einen Hausanschluss. Die Lampe hatte genügend Wasser zu sich genommen. Die Explosion war ähnlich einer Bombe. Die Stromaufnahme der Sparlampe, ungefähr acht Watt, wuchs nachgerechnet kurzzeitig auf 5‘000 Watt.
Der Stecker war heiss und verkohlt. Die Isolation der Kabel schmolz teilweise. Hier geschah weiter nichts. Im Holzhaus des Nachbars, in der Nagelburg, mit den aufgenagelten Leitungen, wäre ein Gross-Brand, ohne jegliche Beschleuniger, durchaus möglich gewesen.

Blumen, Gurken, Einbrecher und Spezial-Ermittler

Auf der letzten Etappe der Reise von Satun nach Chiang Mai erhielt Dick den Anruf einer Nachbarin aus der Gegend des Gästehauses. Die Frau berichtete, Einbrecher hätten in der Nacht die Wand über den Küchenfenstern zerstört und seien auf diesem Weg in das Haus eingedrungen. Ich lachte kurz und erklärte Dick:
„Die müssten ja total blöd oder besoffen sein, um über den Fenstern ins Haus einzusteigen, wenn sie mit einem einzigen Hammer-Schlag das gesamte Glas entfernen können!“
Nachforschungen ergaben, im Haus fehlte nichts. Die Decke war unversehrt. Die Fassade war eindeutig beschädigt.

Es gab eine ums Haus rankende Pflanze. Nach einem Jahr erfreute sie uns mit wunderschönen Blüten. Einige Jahre später gediehen aus den Blumen gurkenartige Früchte. Kein Mensch wusste, was es war. Während unserer Abwesenheit rankte sich das Pflänzchen über die Küchenfenster empor und fixierte sich an der Verkleidung darüber. Starke Sturmwinde rissen des Nachts die Pflanze samt Gemüse und Fassade hinunter. Eine Holzkonstruktion, sie hielt die Teile einst zusammen, war teils verfault, teils von Insekten gefressen. Dick war mit der Krankenpflege einer anspruchsvollen Patientin mehr als beschäftigt. Die zusätzliche Bauüberwachung war ein angenehmer Zeitvertrieb.

Die ungestümen Arbeiter, mit mehr Kraft als Hirn, mussten überwacht werden. Die hätten gleichzeitig mit dem schadhaften Holz zusätzlich problemlos das halbe Dach entfernt. Ein Stück Wasserleitung mit Ventil, dazu eine Gartenbeleuchtung wurden geopfert. Während vier Tagen wurde sorgfältig Holz entfernt. Danach schweissten die Spezialisten Stahlprofile an, ohne dass die Hütte Feuer fing!

Zufälle gibt es kaum. Am Tage, als unsere unzufriedene Kranke freiwillig verreiste, feierten die Arbeiter abends an den Steintischen im Garten des Gästehauses mit Lao Khao. Der Grund war nicht der Abgang der Alten, aber am folgenden Tag würde die Reparatur abgeschlossen. Nach unserem obligaten Kokoswasser-Cocktail sagte Dick:
„Ich gehe zum Gästehaus, schmeisse die Säufer hinaus und schliesse ab.“ Danach begann für mich eine endlose Wartezeit.

Dick war kaum bei den fröhlich Feiernden, als vier uniformierte Militärpolizisten eintraten. Sie grüssten und meldeten: „Drogenkontrolle!“
Dick wurde einmal mehr des Handels bezichtigt. Die Einsatztruppe kontrollierte Ausweise. Jeder pinkelte. Die Analysen waren negativ. Gründlich Spurensuchen im ganzen Haus verliefen ergebnislos. Die Beamten waren freundlich und schenkten den Feiernden zusätzliches Bier.
Dick fragte: „Wer machte die Anzeige?“
Der Leiter der Spezialisten aus Bangkok sagte grimmig ein Wort: „Familie.“