Eier und Frösche im tropischen Garten

Ei, ei, eiDas ist kein verstecktes Osterei, sondern das Gelege einer Fröschin im ungünstig konstruierten Teich. Anstatt das Wasser im Boden kühl zu halten, heizt die Nachmittagssonne den gefliesten Wassertrog auf. Die Verdunstungsrate ist dementsprechend. Nur bei Regenfällen entfällt die tägliche Auffüllung.
In Satun gibt es zahlreiche Froscharten. Sie vergruben sich vor der kurzen Hitzeperiode teilweise zwanzig Zentimeter tief in der Erde von Blumentöpfen. Wir störten die schutzsuchenden Tiere bei Gartenarbeiten. Nach den ersten Regengüssen sind sie überall anzutreffen.
Während drei Monaten versuchte ein Thai selten genug, unseren Teich zu reparieren. Einmal hatten wir fünf Zentimeter Wasser darin. Ein fetter Frosch kreuzte Mowglis Weg. Er fing ihn und gönnte ihm ein kühlendes Bad im rapide schwindenden Wasser.
Wenige Minuten später fing eine Katze den fetten, frisch gewaschenen Frosch im Trog. Das bisschen Wasser schreckte sie nicht ab. Sie setzte sich vor den Toyota und verspeiste das grosse Tier. Ich missgönnte der gierigen Mieze den fetten Frosch. In Lan Na Land werden die Amphibien professionell gejagt und verspeist. In Satun zeigen die Menschen kaum Lust für Froschspezialitäten wie Froschschenkelpizza.

Es gibt Frösche in der Grösse von Bratpfannen von 25 Zentimetern Durchmesser. Sie haben ausgeprägte Bassstimmen. Eine Froschart macht Geräusche, wie wenn sie zwei Kiesel zusammenschlagen würde. Diese Frösche klettern an Wänden und Decken wie Geckos. Farblich weisen die Tiere riesige Unterschiede auf. Sie sind nicht bloss grün gesprenkelt wie die europäischen Brüder.
Für eine Fotodokumentation reichte es noch nicht. Ich erkenne die Tiere erst, wenn sie sich bewegen. Wenn sie springen, ist der Fotograf zu spät dran.
In Bäumen und Sträuchern hüpfen kleinere Tiere. Daran erfreut sich bei uns im Garten eine grüne, rotschwänzige Baumschlange.
Weiter gibt es die ganz kleinen, bloss filzlausgrossen, äusserst giftigen Schleimfrösche. Sie sind so gefährlich, dass noch kein Wissenschaftler erfolgreich eine detaillierte Beschreibung verfasste. Trotz Schutzanzügen der Akademiker gelang es diesen gewitzten Tierlein immer wieder, durch Lücken von einigen Zehntel-Millimetern zu schlüpfen und die Forscher bei ihren Tätigkeiten zu erledigen. Beinahe täglich steht die thailändische Polizei vor Leichen und rätselt über Todesursachen.
Sind solch kleine Lebewesen wirklich gefährlich?
Nur wenige Menschen kennen die Gefahren, welche von Bakterien und Viren ausgehen. Dabei sind sie es, die jährlich Millionen von Toten auf dem Gewissen haben. Haben Bakterien oder Viren ein Gewissen? Schweissfüsse, Keuchhusten, Ebola und HIV – ohne Bakterien und Viren gäbe es diese Leiden nicht. Aber ohne Bakterien müssten wir auf Köstlichkeiten wie Bier, Brot, Käse und Wein verzichten.
Meine klare Folgerung aus Hinterindien ist, bei Unfällen unter Alkoholeinfluss sind letztendlich Bakterien die Verursacher!

Tücken der Bewegungsmelder

Beim Kauf der Heizplatte packte ich ebenfalls einen Bewegungsmelder in den Warenkorb.
Von Chiang Mai her wusste ich, klingeln am Haus-Eingang überfordert die meisten Einheimischen. Sie hupen, rufen, schreien, klopfen, klatschen, nur klingeln vermeiden sie. Vor Niederschlägen geschützte Klingelknöpfe wurden missbraucht, bepinkelt, zerstört und gestohlen. Was bringt ein Klingelknopf mit eingebautem Sender, ohne den dazugehörigen Empfänger? Hochgerechnet eine Batterie, die in kein anderes System passt.

Bewegungsmelder mit Infrarot-Detektoren erfassen jeden Besucher, dazu Hunde und Katzen, die eigentlich nur schnell einen kegelförmigen Gruss absetzen wollen und durch die unerwartete Begrüssung in ihrer Geschäftstätigkeit gestört werden. Die Folge sind global frustrierte Arschklemmer!

Zu Hause setzte ich mit klingelndem Tinnitus in den Ohren, die Lärmbelastung in den Hallen des Grossmarktes übertraf den Pegel sämtlicher Karaoke Bars, Batterien in das neue Gerät.
Es blieb still und stumm. War es ein Gehörschaden?
Dick erzählte erst nach meinem Kommentar:
„Die Kassiererin liess beim Scannen des Codes den Bewegungsmelder fallen“.
Sie meldete diese ausserordentliche Bewegung nicht sogleich. Ich hätte ein neues Gerät verlangt oder die Einheit mindestens prüfen lassen.
Thieve1
Dick wollte zur Beschaffung einiger Kleidungsstücke, am Tag darauf ohnehin in diesen Konsumtempel zurück. Zwecks Schonung meines Gehörs verzichtete ich gerne darauf, gab Dick aber den stummen Melder zum Austausch mit.
Keiner der Verkaufsspezialisten wusste, was das Ding war und wie es funktionieren sollte. Vier Mann beschäftigten sich mit dem unbekannten Spielzeug. Einer holte den Chef.
Dick zeigte dem Herrn das zweideutige Bild eines Einbrechers auf der Verpackung mit englischem Text. Er begriff nicht sofort, was es war, kriegte einen knallroten Kopf und dachte, Dick hätte schlechte Absichten.
Sie wartete eine Stunde geduldig, während die Herren Spezialisten haufenweise Geräte testeten. Keines funktionierte. Dick bot ihre mitgebrachten Batterien an.
„Als kompetentes Unternehmen haben wir eigene Batterien!“
Nach einer Weile fand ein Schlaumeier heraus, die Batterien der Prüfer waren erschöpft.
„Ohm haben sie noch, aber Volt keine mehr“, erklärte mir vor vierzig Jahren eine, mit einem Multimeter hantierende Verkäuferin. Sie kannte knapp die Hälfte des Ohm’schen Gesetzes.
Dann erschrak die ganze Bande, als mit frischen Batterien – aus einem Gerät plötzlich:
„Ding Dong, … Hallo, welcome“, erschallte.
Alle die geprüften Gerätchen arbeiteten, bis auf unseres.

Die neue Einheit meldet jetzt hauptsächlich nächtliche Bewegungen schwarzer Katzen und dient als Wetterstation. Tropische Wolkenbrüche werden freundlich begrüsst mit:
“Hallo, welcome!“

Der Kokosnusswasserstecher

Die nützlichste und preisgünstigste Erfindung meines Lebens ist der Kokosnusswasserstecher. Einst entwickelte ich erste elektronische Einheiten zur Datenerfassung und Steuerung analytischer Geräte.mass-spec Sie befreiten qualifizierte Wissenschaftler von stundenlanger, präziser, leider fast stupider Handarbeit. Meine Wunderkisten verminderten Bedienungsfehler und erhöhten gleichzeitig die Messgenauigkeit.mdac Es waren neue, faszinierende Anblicke heutiger Selbstverständlichkeiten. Sie bedeuteten die Ernte teurer Früchte jahrelanger, ruheloser, manchmal schlafloser Suche zur Verbesserung eigentlich simpler Abläufe. Die Resultate erzeugten eine innere Befriedigung. Aber das echte Vergnügen, das wahre Behagen von Seele und Sinnen, vermittelt beinahe täglich der äusserst bescheidene Kokosnusswasserstecher.

Kokosnusswasser sollte nicht mit der aromatischen Kokosnussmilch verwechselt werden. Kokosnusswasser ist die Flüssigkeit noch unreifer, grüner Kokosnüsse. Kokosnussmilch dagegen wird aus dem weißen Fleisch der reifen, braunen Kokosnuss gewonnen und sieht aus wie Milch. Diese Milch schützt in extrem scharfem Curry die Magenwände vor Auflösung. Kokosnussmilch wird im Handel flüssig oder als Pulver angeboten.

Kokosnusswasser ist mit 10 kcal auf 100 Milliliter kalorienarm. Kokosnusswasser enthält Mineralstoffe. Es hat einen sehr hohen Gehalt an Kalium. Im Zusammenspiel mit Natrium reguliert es den Wasserhaushalt des menschlichen Körpers. Kokosnusswasser ist isotonisch. Die Zusammensetzung des Wassers ähnelt der des menschlichen Blutes.
Der fast fade Geschmack ist nicht jedermanns Sache. Beigaben von Limonen-Saft, weiteren Fruchtsäften oder Rum ergeben faszinierende Cocktails. Nuss1
Wie kommt man bequem an die Flüssigkeit, sofern man sie nicht in Tetrapacks, Dosen oder Flaschen im Laden erwirbt? Wir haben Palmen in den Gärten. Die Nüsse enthalten je nach Grösse und Reife einen halben bis einen Liter Flüssigkeit. Sie werden im Verkauf zwischen zehn und fünfzig Baht angeboten. Durstig entwickelte ich den Kokosnusswasserstecher, denn das Bohren oder Stechen waren keine sauberen Lösungen.
Zur einfachen, hygienischen Gewinnung des Saftes schnitt ich ein Chromstahlrohr von ungefähr einem Zentimeter Durchmesser und 15 Zentimetern Länge schräge wie eine Injektionsnadel an und schärfte die Schnittstelle. Zwei, drei Hammerschläge auf das flache Ende genügen, um den Stahl in die Nuss zu treiben. Danach wird mit einem Essstäbchen die Nussschale, sie ist über zwei Zentimeter dick, aus dem Rohr gestossen und der köstliche Trank fliesst durch das Rohr via Glas in die Kehle.
Dick mischt Kokoswasser mit braunem und weissem Rum. Als preisgünstige einheimische Alternativen genügen Sang Som oder Mekhong. Der Schnaps hält ungebetene Ameisen vom Mittrinken ab.

Anstelle eines Hammers könnten kleine Kniehebelpressen verwendet werden. (2) Der Höhepunkt wäre ein integrierter Schalen-Ausstosser. Ich fand in Chiang Mai noch keine geeigneten Pressen.
Irgendein schlauer, gewinnorientierter Geschäftsmann wird praktische Lösungen finden, patentiert das Ganze und verdient damit Millionen.

Die Anregung zur Geschichte verdanke ich einem Kommentar von Ulrike vom Bambooblog. (1)
(1) http://bamboobloghh.wordpress.com/
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Kniehebelpresse

Verwerfliche Verwerfungen

Thailands Wetterfrösche vermitteln ebenfalls Erdbebeninformationen. Die Wetterprognosen waren und sind wenig informativ und detailliert. So gelten für die nächsten sieben Tage in Chiang Mai folgende Voraussagen:
Temperaturen von 24°C bis 37 °C mit täglicher Neigung zu Gewittern.
In der kalten Jahreszeit gibt es keine Gewitter. Da dekoriert stattdessen ein Nikolaus mit Mantel und Kapuze die täglichen Fensterchen, bei Angaben: kalt, 26 °C.
Diese ausserordentlichen Informationsfluten überzeugten mich, am Anfang des Jahrtausends eine luxuriöse Wetterstation mit mehreren Aussensensoren zu erwerben und zu importieren. Weitere antike Geräte ergänzen die Elektronik: Ein mechanisches Dosen- oder Aneroidbarometer, sowie ein Haarhygrometer. Wann knabbert ein bösartiges Insekt das Haar an? Im Prinzip müsste ich das gefährdete Instrument unter eine Käseglocke stellen.
Meine Warnungen: „Waschmaschine nicht benutzen, in zwei Stunden regnet es“, verhallten trotzdem oft ungehört in Windstürmen. Schamanen und Wahrsagern wird eher Vertrauen geschenkt, als technischen Geräten wie Barometer, Hygrometer und Thermometer.
Sofern ich bei dreissig Prozent Luftfeuchtigkeit giessen des Gartens und der Kehle empfahl, wurde bloss das persönliche Wohl berücksichtigt.
Die besten Wetterprognosen liefern mir die Norweger. (1)

Torricelli erfand das Quecksilber-Barometer

Torricelli erfand das Quecksilber-Barometer

Die Informationen des Amtes über Erdbeben dürfen angezweifelt werden. Muss ich demnächst einen eigenen Seismometer beschaffen?
Die thailändischen Angaben weichen von den Werten des USGS ab. (2)
Am 5. Mai 6,3 Thailand, USGS 6,0,
am 12. Mai 5,0 Thailand, USGS 4,2.
Der Direktor des Nationalen Disaster Warnungs Centers, NWDC, Suebsak Khaosuwan, erklärte am Samstag, den 10. Mai:
„Die Häufigkeit und die Stärke der Nachbeben haben seit dem 5. Mai wesentlich abgenommen. Die Menschen können nun in ihre Häuser zurückkehren.“ (3) Ich zählte täglich 16 Erdstösse.
Als es zwei Tage später im Distrikt Phan, in der Nähe des kopflosen Buddhas, in der Phayao Verwerfung (4), wieder kräftig schüttelte, dozierte Herr Direktor Suebsak Khaosuwan gegen Gesichtsverlust:
„Das ist kein Nachbeben, das ist ein neues Erdbeben!“ (5)

Eine Zusammenfassung der Erdstösse bis am 12. Mai, Angaben ohne Gewähr – NWDC, seit dem 5. Mai zeigt:
Es gab 6 grössere Nachbeben, 5,0 bis 5,9.
28 Erdstösse hatten Intensitäten zwischen 4,0 und 4,9.
Im Bereich 3,0 bis 3,9 wurden 116 Beben registriert.
Mit kleineren Amplituden als 3,0 wurden über 560 Erschütterungen registriert.

Das sind ideale Wohngebiete für Cocktailliebhaber. Sie mischen die Getränke, geschüttelt wird gratis und automatisch.

(1) http://www.yr.no/place/Thailand/Chiang_Mai/Hang_Dong/hour_by_hour.html
(2) http://www.tmd.go.th/en/earthquake_report.php
(3) http://www.bangkokpost.com/news/local/409084/earthquake-risk-declared-over
(4) http://de.wikipedia.org/wiki/Verwerfung_(Geologie)
(5) http://www.bangkokpost.com/news/local/409635/chiang-rai-suffers-fresh-earthquake
(Blog) http://wp.me/p2ljyL-1p5

Bangkok – Heilkunst 1906

Einen Bericht aus Bangkok um 1900 betreffend Krankheiten und Ausbildung medizinischer Betreuung fand ich im:

Archiv für Schiffs- und Tropen-Hygiene,
unter besonderer Berücksichtigung der
Pathologie und Therapie unter Mitwirkung
DES INSTITUTS FÜR SCHIFFS- UND TROPENKRANKHEITEN IN HAMBURG

Leipzig, 1907
Verlag von Johann Ambrosius Barth
Roßplatz 17

Jeanseime, £. Organisation medicale et pathologie du Siam. Presse med. 14. 7. 06.

Seit Mitte der 90 er Jahre besteht in Bangkok eine medizinische Schule, welche der mangelhaften Bildung und Unwissenheit der eingeborenen Ärzte ein Ende machen soll. Der einzige Professor an der Anstalt, welche von jungen Männern im Alter von 15 — 18 Jahren besucht wird, ist ein amerikanischer Arzt und Zahnarzt. Dieser unterrichtet in Anatomie und Physiologie. Der Lehrstuhl für Therapie ist von einem eingeborenen Heilkünstler besetzt-

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Die Unterrichtssprache ist siamesisch, nach und nach soll englisch eingeführt werden. Nach dreijährigem kostenlosem Studium werden die Schüler einem Gouverneur oder einem Eingeborenen-Krankenhause zugewiesen und erhalten erst frühestens mit 21 Jahren das Diplom, welches zur Ausübung der Praxis berechtigt.

Mit der Schule ist ein Krankenhaus von etwa 200 Betten verbunden. Die Kranken müssen sich verpflichten, eine bestimmte Zeit in dem Hause zu bleiben und dürfen zwischen der Behandlung nach siamesischer oder europäischer Art wählen. Nur die Chirurgie wird ausschließlich nach europäischen Methoden betrieben. Die Krankenzimmer liegen in einstöckigen, nicht immer sauberen, auf Pfählen ruhenden hölzernen Pavillons.

Es gibt ferner Krankenhäuser, in welchen nicht unterrichtet wird, andere, in denen mit Lymphe aus dem Institut Pasteur in Saigon geimpft wird.

Die einzige Irrenanstalt des Landes ist wie ein Kerker eingerichtet. Die Insassen erkranken viel an Beriberi. Alkoholismus ist selten, Syphilis scheint nicht zu Erkrankungen des Zentralnervensystems zu führen, Opiummißbrauch führt häufig zur Verblödung.

Die Kindersterblichkeit ist infolge von Durchfällen, Malaria und Blattern sehr hoch. In den tieferen und bebauten Landesteilen erkranken die Erwachsenen selten und nicht schwer an Malaria, Abholzungen führen zu schweren Fieberepidemien.

Die durch schlechtes Wasser hervorgerufenen Infektionskrankheiten fordern beständig viele Opfer, erstaunlich ist es nur, daß bei den kläglichen hygienischen Verhältnissen Bangkoks die Sterblichkeit nicht noch größer ist. Alljährlich im Dezember und Januar flackert die Cholera wieder auf.

Der Aussatz ist besonders in den fruchtbaren Niederungen an der Menam- Mündung verbreitet. Bei einer Musterung der Insassen der Gefängnisse und der Christen der katholischen Mission fand man eine Morbidität an Lepra von 3 : 1000.

Lungentuberkulose kommt massenhaft vor, aber in einer trocknen Form, ohne viel Husten und Auswurf, da der Bronchialkatarrh dabei fehlt.
Die Bazillen sind massenhaft vorhanden, führen allmählich zur Kavernenbildung
ohne Mischinfektion mit andern Bakterien. Tuberkulöse Darmkatarrhe sind dagegen häufig. Die Infektion wird durch das dichtgedrängte Zusammenleben der Eingeborenen begünstigt. Lupus ist selten, Skrofulose aber nicht.
Ferner sind allgemein verbreitet Beriberi, Augenentzündungen, parasitäre Hautkrankheiten, Filariasis und ihre Komplikationen, Blasensteine, Kropf, sowie die von Steiner und Jeanseime beschriebenen harten multiplen Geschwülste der Gelenkgegenden. M.

https://archive.org/stream/archivfurschiffs1119unse/archivfurschiffs1119unse_djvu.txt

Anmerkung:
Beriberi ist eine komplexe Vitaminmangelerkrankung. Sie ist auf einen Mangel an Thiamin (Vitamin B1) zurückzuführen. Noch 1905 wurde die Ursache von Beriberi nicht einer Mangelernährung, sondern als Infektionskrankheit, beziehungsweise als Lebensmittelvergiftung durch Schimmelpilze zugeschrieben.

Schonungslose Signale aus Singapur II

Singapur:
Im September 1904 bat Tan Jiak Kim, ein prominenter chinesischer Kaufmann, den ‘Governor of the Straits Settlements’, Sir John Anderson, eine Schule für medizinische Ausbildung in Singapur zu gründen. Er spendete als Vorsitzender der ‘Straits Chinese British Association‘ 87‘077 $, davon 12‘000.00 $ aus eigenen Vermögen.
Am 3. July 1905 wurde der Wunsch als Straits Settlements and Federated Malay States Government Medical School umgesetzt.
Am 18. November 1913, wurde der Name in ‚King Edward VII Medical School‘ geändert. 1921 erhielt die Institution den Namen ‚King Edward VII College of Medicine‘ um den akademischen Status zu betonen.
Im Jahre 1928 wurde das Raffles College gegründet, um Kunst- und Sozialwissenschaften für malaiische Studenten zu fördern.
Zwei Jahrzehnte später wurde die ‚Raffles Hochschule‘ mit dem ‚King Edward VII College of Medicine‘ vereint. Das Resultat war ab 8. Oktober 1949 die ‚Universität von Malaya‘ in Singapur.

Ab 1950 lehrte Cyril Northcote Parkinson an der ‚University of Malaya‘ Geschichte. Er verfasste eine wertvolle Reihe historischer Monographien zur Geschichte Malayas. Nebenbei beschäftigte sich Parkinson mit Bürokratie. Er veröffentlichte 1955 in “The Economist“ “Parkinson‘s Gesetz“. Bereits 1957 erreichte das Werk die 17. Auflage (Riverside Press).
Dank seinen Erfahrungen in der Marine, entdeckte er Gesetzmässigkeiten in der Verwaltung. Er wunderte sich, dass trotz reduzierter Anzahl der Schiffe deren Verwaltung weiter wuchs. Shipstat Aus solchen und zusätzlichen Zahlen des Kolonialministeriums schloss Parkinson:
Der Angestelltenstab in Verwaltungen entwickelt sich nach der Formel:
Parkinson k ist die Zahl der Angestellten, die Beförderung anstreben, indem sie neue Untergebene einstellen; m die Anzahl der Arbeitsstunden pro Person, die der Anfertigung von Memoranden im internen Büroverkehr dienen; L ist die Differenz zwischen dem Alter der Einstellung und dem Alter der Pensionierung und n die Zahl der Verwaltungseinheiten, die vom Personal des Büros tatsächlich erledigt werden. x ist die Zahl der neuen Angestellten, die von Jahr zu Jahr angeheuert werden müssen.

Verfolgen sie die leicht verständlichen, zum Teil witzigen Ausführungen und die Logik
Parkinsons im Original. (2)

Die ‚University of Malaya‘ expandierte während der Anwesenheit von Parkinson atemberaubend. Deshalb wurde vorgeschlagen, zwei Universitäten, eine in Singapur und eine in Kuala Lumpur zu betreiben. Parkinson sah den verwaltungstechnischen Mehraufwand und empfahl einen gemeinsamen Standort in Johor Bahru.
Doch 1959 entstanden zwei Universitäten. Aus der ehemaligen ‚University of Malaya‘ wurde am 1. Januar 1962 die ‚University of Singapore‘. (5) Aus dem Zusammenschlus der ‚University of Singapore‘ und der ‚Nanyang University‘ 1980 entstand die heutige NUS, ‚National University of Singapore‘.

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Cyril_Northcote_Parkinson
(1) http://en.wikipedia.org/wiki/C._Northcote_Parkinson
(2) http://www.economist.com/node/14116121
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Parkinsonsche_Gesetze
(4) http://star.arm.ac.uk/~meb/parkinsons_law.pdf
(5) http://en.wikipedia.org/wiki/University_of_Singapore

Schonungslose Signale aus Singapur

888ms sagte am 28. Januar 2014 (x)
Heute habe ich zufällig erfahren, daß der berühmte Prof. Parkinson in Malaysia (Hinterindien) gelehrt hat.
“C. Northcote Parkinson, ein Professor an der Raffles University of Malaya, veröffentlichte 1957 sein Buch über das Parkinsonsche Gesetz“. Parkinson Hast Du darüber Informationen?

Und weiter:
Parkinson schrieb offenbar in seinem Buch unter Kapitel VI „Das vorgeplante Mausoleum“, daß lebendige und produktive Institutionen in schäbigen Unterkünften untergebracht seien. Eine “Perfektion der Planung” werde nur von jenen Institutionen erreicht, die sich am Beginn des Ruins befinden. Dabei muß ich an die Prunkbauten denken, in denen hier viele wissenschaftliche Institutionen untergebracht sind, aber auch an persönliche Erlebnisse in viel einfacheren Umgebungen.*

Martin, danke für die Anregung.

Die gesamte Menschheit wird irgendwie verwaltet, sei es durch Regierungen oder Industrien. Die rahmabschöpfende Bürokratie weltweit ist riesig. Sie ist ein unglaublicher Wasserkopf, mit unkontrollierbarem Wachstum. Ohne internationale Verwaltungen wären sogar Fussball und olympische Spiele unmöglich.
Man spottet und lästert über die Beamten. Nur wenige Menschen bearbeiteten das Thema wissenschaftlich interessant. Das änderte sich ab dem 19. November 1955, als weltweit Wissbegierige aus Singapur folgende Aussagen lesen konnten: (1)

“Work expands so as to fill the time available for its completion.”
„Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.“
Verschwendung
“Expenditures rise to meet income.”
„Ausgaben steigen stets bis an die Grenzen des Einkommens.“
Trägheit
“Delay is the deadliest form of denial.”
„Verzögerung ist die tödlichste Form der Ablehnung.“

Der Verfasser solcher Erkenntnisse war Cyril Northcote Parkinson.
* 30. Juli 1909 in Barnard Castle im County Durham; † 9. März 1993 in Canterbury

Cyril war der jüngste Sohn von William Edward Parkinson (1871-1927) und seiner Frau Emily Rose Mary Curnow (geb. 1877). Der junge Parkinson besuchte die St. Peter-Schule in York. Danach studierte er Geschichte am Emmanuel College an der Universität Cambridge. Seinen BA-Abschluss machte er im Jahre 1932. Während des Studiums zeigte Parkinson Interesse an der Marinegeschichte. Er schrieb sein erstes Buch über Edward Pellew, Viscount Exmouth.
Ab 1934 studierte Parkinson am Kings College in London. Den Doktortitel holte er sich mit einer Arbeit über Handel und Krieg in den östlichen Meeren, 1793-1815. Sie wurde 1935 mit dem Julian Corbett Preis für Marinegeschichte ausgezeichnet.
Noch während des Studiums 1934, wurde Parkinson Mitglied des 22. London-Regiments (The Queens). 1935 wurde er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an das Emmanuel College, Cambridge, gewählt. Während der Zeit in Cambridge, kommandierte er eine Infanterie-Einheit des Cambridge University Officers Training Corps. Er wurde 1937 zum Hauptmann befördert.
1940 trat Parkinson ins Queens Royal Regiment ein. Er verliess die Armee als Major 1945. Danach, 1946 bis 1949, dozierte er Geschichte an der Universität von Liverpool.

(x) http://wp.me/P2ljyL-lJ
(*) http://www.prabelsblog.de/2014/01/ein-mausoleum-fuer-das-bauhaus/
(1) http://www.economist.com/node/14116121
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Cyril_Northcote_Parkinson

Fortsetzung folgt

Wilderer: In Parks fliesst Blut

Ursprünglich hatten alle Germanen ein Jagd-Recht. Man jagte, um Viehbestände und Anwesen vor Wildschäden zu verteidigen, oder um sich Nahrung zu beschaffen. Die Wälder waren nicht nur mit putzigen Eichhörnchen und ängstlich äsenden Rehen bestückt. Bären fischten in Flüssen und holten sich zum Nachtisch gratis Honig von Wildbienen oder Imkern. Honig war damals der einzige Süßstoff. Im Winter heulten hungrige Wölfe und drangen bis in die Siedlungen vor. Grunzende Keiler mit furchteinflössenden Hauern liessen fromme Wanderer unfreiwillig Gebetsbücher und Leibwäsche beschmutzen. (1)
Als der Adel die Jagd später als sportliche Herausforderung und vergnüglichen Zeitvertreib betrieb, wurden Bürgern und Untertanen die Jagdrechte entzogen. Forstbeamte und legitimierte Personen übernahmen Schutz, Pflege und Überwachung der Jagdreviere. Illegale Jäger wurden fortan als Wilderer bezeichnet, als Verbrecher angesehen und verfolgt, weil sie sich an fremdem Eigentum vergingen. Solche Ereignisse lieferten Stoff für dramatische Lieder, Groschenromane, Theaterstücke und sogar Opern.

369-2In tropischen Regenwäldern mit einer ungeheuren Vielfalt an Tieren, dürfte die Situation ähnlich gewesen sein. Der bedeutende Unterschied auf Sabah und Sarawak ist, dass bestehende Wälder grossflächig abgeholzt und durch Monokulturen wie Ölpalmen ersetzt werden. Die einstigen Ureinwohner haben weder Schulwissen noch begründete Ansprüche und werden Opfer der Planspiele internationaler Finanzgesellschaften. (2)

In Sabah gibt es Parks wie Sepilok, eine Schutzzone im Crocker Range, Gebiete entlang des Kinabatangan Flusses, das Maliau Becken und das Danum Tal, wo man krampfhaft versucht, bestehende Pflanzen- und Tierarten zu schützen. Der Holzschlag funktioniert zumindest am Maliau Gebiet ungehindert, während bedrohte Tierarten weiter dezimiert werden. Wer kennt schon die gelbohrigen Wurzel-Flatulenzler? Sie wurden in der Literatur bisher nicht erwähnt und leben von Ingwer-Wurzeln ähnlichen Knollengewächsen. Ich entdeckte diese, den roten Bambusbären verwandte Tierart explosionsartig, als ich durch ein Schlagloch bedingt, mit dem Schädel an die Decke unseres Protons knallte.

Zahlreiche Orang Utan Projekte sind eher fragwürdige Touristen-Fallen und haben mit echtem Artenschutz wenig gemeinsam. Vielleicht sehen das die Waldbewohner anders und warten jeden Tag geduldig auf die buntgekleideten, trampelnden Touristenhorden aus allen Ländern dieser Welt.

In https://hinterindien.com/2013/12/18/gaumenfreuden-in-sabah/ erwähnte ich:
Das Steak war zu gross für Lamm, böckelte nicht und war angenehm zart, Reservat pur.

Das Sabah Wildlife Department SWD, das Danau Girang Field Centre DGFC und die Eco Health Alliance EHA schufen ein Laboratorienzentrum, WHGFL, Wildlife Health Genetic and Forensic Laboratory in Kota Kinabalu.
Dort wird beschlagnahmtes Fleisch genau analysiert, um den Ursprung und die betreffenden Tierarten zu bestimmen.
Am 11. Dezember 2013 erzählte SWD Direktor, Datuk Dr. Laurentius Ambu eingeladenen Presseleuten:
„Heute erhielten wir Bilder von geschützten Tieren. Sie wurden geschlachtet in einem Markt im Distrikt Nabawan angeboten.“
Man knipste mehrere Zibetkatzen-Arten, darunter die seltene, gebänderte Palmen-Zibetkatze. Binturong – Bären-Katzen, malayische Zibetkatzen, Sambar – eine Hirschart und Blut-Pythons wurden verkauft. Die Herren der WRU, Wildlife Rescue Unit, beschlagnahmten 145 Kilogramm Hirschfleisch von Händlern ohne Verkaufsbewilligungen. Daraus schliesse ich, es muss Verkäufer mit Bewilligungen geben. Beziehen diese ihr Wild-Fleisch ebenso aus dem Maliau Gebiet? Mehrere gewitzte Händler entkamen.

Aus Thailand wissen wir, dass auch lebende Tiere gehandelt werden und illegal das Land verlassen. Das dürfte in Sabah ähnlich sein.

Der Direktor von DGFC, Dr. Benoit Goosens erklärte weiter:
„Eine weniger bekannte Gefahr ist der Genuss verschiedener Affenarten. Dem Ebola Virus in Afrika fielen tausende von Menschen zum Opfer. In Sabah ist es das Nipah Virus, das von fliegenden Füchsen, fruchtfressenden Riesenfledermäusen, auf Schweine übertragen wird. Der Genuss beider Tierarten forderte auf der malaysischen Halbinsel ebenfalls tausende von Toten.“

(1) http://www.physiologus.de/schwarzw.htm
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Bruno_Manser
Quellen:
The Borneo Post, 11. Dezember 2013, Seite 4
The Borneo Post, 12. Dezember 2013, Seite 1

Heisse Tropen-Fieber-Träume

Jahrelang empfahl ich allen Bewohnern und Gästen beim Betreten unserer Häuser in LanNa Land:
“Bitte die Moskitogitter unverzüglich schliessen. Mücken sind nicht nur unangenehme Blutsauger. Sie übertragen Krankheiten wie Chikungunya, (1) Dengue (2) und Malaria (3).“
MückeNik
Das Chikungunya-Virus wird durch den Stich verschiedener Stechmücken wie der Malariamücken Anopheles, Aedes, Culex und Mansonia übertragen. (4) Das Krankheitsbild ähnelt teilweise dem Dengue-Fieber oder dem Gelbfieber. Das Chikungunya-Virus ist mit dem O’nyong-nyong-Virus aus Ost- und Zentralafrika verwandt.

Bei Dengue existieren vier verschiedene Untergruppen des Virus. Die Krankheit zeigt häufig unspezifische Symptome oder solche, die einer schweren Grippe ähneln. Die Symptome umfassen Fieber bis 40 °C mit Schüttelfrost, Lichtempfindlichkeit der Augen und starke Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen. Ein heftiger Krankheitsverlauf tritt bei „Hämorrhagischem Denguefieber“ mit inneren Blutungen auf. Es gibt ein Dengue-Schock-Syndrom.
Gegen Dengue Erkrankungen gibt es zur Zeit weder Impfung, noch eine spezifische antivirale Behandlung.

Malaria, auch Sumpffieber oder Wechselfieber genannt, wird durch einzellige Parasiten der Gattung Plasmodium hervorgerufen.
Die Symptome der Malaria sind hohes, wiederkehrendes und periodisches Fieber, Schüttelfrost, Beschwerden des Magen-Darm-Trakts und Krämpfe.
Die Behandlung wird zusehends schwieriger, weil viele der Medikamente gegen die Erreger unwirksam sind (Resistenzbildung).

Ich erklärte oft:
„Ich litt bereits zwei Mal an Dengue. Es gibt verschiedene Arten. Der nächste Stich könnte tödlich sein“.
Mowgli und Dick hörten sich meine Warnungen, wenn wieder ein Gitter offen blieb, reaktionslos an. Die Mücken mögen mein Farangblut. Sie, die Einheimischen, werden seltener gestochen.
Weil sich keiner um den Schutz bemühte, wurde ich unfreundlich und beendete in den letzten Wochen meine Sprüche mit:
„Hoffentlich sticht Euch die nächste Anopheles- (Tiger-) Mücke!“

Ende Oktober hatte ich extreme Muskelschmerzen. Wegen der Augen mied ich das Licht. Die Körpertemperatur war normal. Das liess mich an meine Dengue-Erlebnisse denken.
Mehrere Mücken beglückten mich.
Wenn ich überall sprayte und salbte, stachen mich die Viecher in die Finger. Es kann vorkommen, dass mein Uhren-Armband etwas locker auf der Haut liegt. Ein frecher Blutsauger benutzte die Gelegenheit und stach unter das Armband.
Es gibt verschiedenste Mücken Sprays. Unter vielen fand ich Citronella, auf der Basis von Zitronengras. Mit der Zeit gab es Hautreaktionen. Dann wechselte ich auf ein anderes Präparat. Dick hat zwei Parfums, die komischerweise und unbeabsichtigt Schutzwirkung zeigen.

Im Dorf grassiert gegenwärtig eine Dengue-Epidemie.
Seit vier Tagen hatte Mowgli hohes Fieber mit Schüttelfrost. Der erste Bluttest war ergebnislos. Fehldiagnose im Spital. Zwei Tage später wussten wir, es ist Dengue-Fieber.
Der Oberarzt war wütend, als er die Schludrigkeit der ersten Blut-Analyse entdeckte.
Das Distrikt Spital ist gegenwärtig voller Dengue Patienten. Wirksame Medikamente gibt es keine, ausser Paracetamol gegen das Fieber.

Im laufenden Jahr, bis zum 6. November 2013, seien in Thailand 129 Menschen an den Folgen von Dengue-Fieber gestorben. Insgesamt erkrankten 139’681 Menschen. Alle die Opfer, welche keine Ärzte sahen und alle die Ärzte die Dengue nicht diagnostizieren konnten, verfälschen die genauen Angaben, die man getrost mit 1,987 multiplizieren kann.

Ich gönne Mowgli die neue, schmerzhafte Erfahrung, denn in seiner Behausung installierten wir die sinnvollen Gitter vergeblich.
In spätestens vier Wochen vergisst er seine Krankheit und meine Hinweise. Der ermüdende Gitterkrieg wird fortgesetzt.
Moskito Gitter sind für die Einheimischen unnötiger Luxus. In vielen Häusern stehen mehrere Fernsehgeräte. Die paar Baht für Gitter fehlen. Und wenn man Gitter hätte, müsste man lernen, sie zu benutzen.
Gegen Mücken schützen in Hinterindien Amulette. Die holt man sich nicht in der Apotheke, sondern im Tempel. Die Gelbröcke dürften weder Amulette herstellen, segnen, noch verkaufen. Der Handel floriert. Die heiligen Dinger schützen nicht nur vor Mücken, sondern wirken ebenso gegen HIV, Mundgeruch und Verkehrsunfälle!

Norbert Blüm schrieb in der Süddeutschen Zeitung vom 7. Oktober 2003:
„Die Pharmaindustrie gibt weltweit doppelt so viel Forschungsmittel im Kampf gegen Haarausfall und Erektionsschwächen aus wie gegen Malaria, Gelbfieber und Bilharziose. Das ist marktwirtschaftlich konsequent, denn die Kunden mit Erektionsschwächen und Haarausfall haben in der Regel mehr Kaufkraft als die Malaria- und Gelbfieberkranken.“

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Chikungunya-Virus
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Denguefieber
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Malaria
(4) http://de.wikipedia.org/wiki/Anopheles
(n) http://www.20min.ch/wissen/news/story/Tigermuecken-Eier-noerdlich-der-Alpen-nachgewiesen-10191306
(n) http://www.thailand-tip.com/nachrichten/news/thailand-droht-eine-der-groessten-dengue-fieber-epidemien/

Nachrichten über das eigentliche Borneo, 1826

Neue
Allgemeine Geographische
und Statistische
EPHEMERIDEN
Redigirt
von
dem Prof. Dr. G. Hassel
Weimar, im Verlage des Landes- Industrie Comptoirs
XXII. Bandes viertes Stück 1827

(Nouvelles Annales des Voyages. Fevrier 1826.)

Derjenige Theil von Borneo, welcher der ganzen Insel den Namen, den sie bei den Europäern führt, gegeben hat, ist von den Eingeborenen Brunai genannt, welches ohne Zweifel eine ursprüngliche und einheimische Benennung ist.
Wenn der Flächenraum eines Landes dessen Macht alleine ausmachte, so könnte das eigentliche Borneo für eines der ansehnlichsten Reiche in Asien gehalten werden; denn seine Küsten sind wenigstens 700 Meilen lang und es ersteckt sich 100 bis 150 Meilen in’s Innere; es ist im Westen durch das Gebiet Sambas begränzt; die Gränze von dieser Seite, gegen das Meer zu, ist Tanjong-data (3°N.Br. 110° 36‘ östl. L.). Im Osten gränzt es an das Königreich Suluh und die Mündung von Sandakan (5° 50‘ N- Br., 118° 15‘ O. L.) bildet die Gränze. Im Süden stösst Borneo an die von wilden Stämmen bewohnten Theile der Insel: die mächtigsten dieser Stämme sind die Kayan, die Dusum, die Murut und die Tatao.
Diese blutgierigen Menschen finden Vergnügen daran, Fremden den Kopf abzuschlagen, und sind stolz über die Menge der Schädel, die sie aufhäufen; je grösser die Anzahl solcher Siegeszeichen ist, welche sie ihren Nachkommen überlassen können, desto mehr werden sie geehrt.KK1
Zu Borneo gehören die Inseln Malawelli, Bangghi, Balanbagan, wo die Engländer ehemals zu zwei wiederholten Malen eine Niederlassung gründeten, und deren wahrer Name Berobangan, Balabak und Babullan ist. Sie haben mehrere schöne Häven, welche für den Handel mit China, den Philippinen und den Borneo benachbarten Inseln günstig gelegen sind. Da war es, wo der berühmte Geograph Alexander Dalrymple die wenig anwendbare Idee fasste, die Hauptstadt eines grossen polynesischen Reiches anzulegen; dieser Plan ist, obgleich oft erneuert, in Bezug auf jeden Theil jener Inselwelt schlecht berechnet, wenn man Java ausnimmt und vielleicht nach zwei oder drei Jahrhunderten Neuholland.

Borneo enthält mehrere schöne Flüsse, die für ein Land, dessen Bewohner eine höheren Grad von Civilisation erreicht hätten, als zu dem diese Insulaner gelangt sind, dem Gedeihen des Ackerbaus und des Handels sehr erspriesslich seyn würden. Die grössten sind der Rayung und die Batavia, welche nach Sibita, Hauptstadt der Kayan, die den mächtigsten und rohesten Stamm von Heiden auf der Insel bilden, hinführen; der Mahari, welcher, ebenso wie die beiden vorhergehenden, seine Mündung an der Nordküste hat; der Borneofluss, auf welchem in einer Entfernung von zwanzig Meilen vom Meere Schiffe von 800 Tonnen Last segeln können, und der Sandakan oder China-Batangun auf der Nordküste der Insel.

Neuere Erkenntnisse über Borneo:
Lage: 0° S, 114° O
Fläche: 751.936 km²
Küsten: 4971 km lang
Länge: 1366 km
Breite: 1026 km

Vorgelagerte Inseln: nördlich – Pulau Balambangan, Pulau Banggi, Pulau Malawali und Pulau Matunggong, östlich – Pulau Jambongan und Pulau Tigabu, südlich -Pulau Bohayan, Pulau Tabawan, Pulau Timbun Mata, Pulau Mata Pahi, Pulau Bohey Dulang, Pulau Omadal und Sebatik.

Ich arbeite an einem aktuelleren Bericht über Sabah, Borneo. Die Ermittlungen sind zeitraubender, als ich erwartete. Darum publizierte ich Professor Hassels Übersetzung aus dem Französischen von 1826.