LOS – Legendäre obrigkeitliche Schlitzohrigkeit

Wir Farang kennen es. Nach dem besonders sorgfältigen Rasieren und Kämmen rennt man zum Garderobe-Schrank und reisst den Konfirmations- oder Hochzeits-Anzug heraus. Nach der eingehenden Kontrolle, ob die Krawatte richtig sitzt, nimmt man seine Dokumenten-Tasche, möglichst von Gucci, schnürt die auf Hochglanz polierten Leder-Schuhe, Armani, und geht mit freundlichem Lächeln, üben, üben, üben, zur Immigration.
Vorher legt der Kluge in der Morgendämmerung beim Geisterhäuschen, San Phra Phum, ศาลพระภูมิ, einen Sicherheitshalt ein. Ein Schluck Lao Khao, duftende Blüten, sowie einige angebrannte Weihrauchstäbe, könnten die Geister milde stimmen. Man ist ja nicht abergläubisch, aber sofern es nichts nützt, schadet es sicher nicht.

Sind die wenigen Parkplätze rings um die Gebäude der Immigration besetzt, findet man sicher ein Plätzchen am Internationalen Flughafen von Chiang Mai. Nach einem gesundheitsfördernden Fussmarsch steht man dann in der Reihe und wartet gespannt auf die Erteilung einer Glücksnummer. Sofern die aufgerufen wird, darf man einen Beamten mit seinem Anliegen betrauen.

So war es einmal. So ist es nicht mehr. Die Immigration in der Nähe des Flughafens gibt es nicht mehr. Die Beamten residieren in der Promenada, einem drittklassigen Einkaufszentrum. Dort gibt es schattige, vor Regen schützende Parkplätze. Die sind (waren) bisher gratis.
Ein ungebügeltes, löchriges T-Shirt, Shorts, Flip-Flops und genügend Geldscheine genügen jetzt völlig für die wichtigen Amtshandlungen und Stempel. Man darf auf Wunsch morgens um fünf Uhr immer noch anstehen, um dann nach halb acht Uhr eine Nummer zu erhalten, muss aber nicht.
Die neue Immigration beeindruckt durch eine grosszügige, klimatisierte Schalterhalle für die Beamten. Die Besucher können beliebig vom warmen thailändischen Klima vor der Halle profitieren, bis ihre Nummer viel später aufgerufen wird.
Für die neunzig Tage Aufenthalts-Frist, gibt es täglich hundert Nummern. Für das Rentnervisum werden angeblich nur zwanzig Nummern verteilt.
In der alten Immigration arbeiteten etwa dreissig Angestellte. In der neuen Promenada sieht man rund ein Dutzend Beamte. Offenbar konnte deren Effizienz bedeutend gesteigert werden.
Meine Erfahrung: Re-Entry Erlaubnis, kurz vor Dienstschluss, in fünf Minuten!

Als wir die Promenada und das Amt besuchten, erzählte ein unglücklicher Deutscher allen Anwesenden:
„Ich stand bereits um fünf Uhr in der Früh hier. Jetzt ist vier Uhr und ich warte, warte, warte immer noch auf meinen Reisepass!“
Der uneinsichtige Mann wurde wiederholt aus den Schalterraum, wo er lauthals aufbegehrte, an die warme Luft gesandt. Er begriff nicht, dass er vom Schicksal ausgesucht wurde, den Beamten Eis-Tee oder Eis-Kaffee anzubieten.

Neben dem geräumigen Dienst-Raum der Immigration steht ein klitze kleines Büro. Die netten Leute dort bieten folgende Dienstleistungen an:
90 Tage-Kontrolle, Kosten: 500 Baht (Erledigung in fünfzehn Minuten, Stand September 2015)
Rentnervisum: 3000 Baht plus Gebühren. (vor 10 Uhr die Unterlagen abgeben. Am frühen Nachmittag Fototermin bei der Immigration, der Rest ist erledigt.)

Glücklicherweise gibt es seit der Militärregierung keine Korruption mehr!

http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=14206.msg1189098#msg1189098

Uferstrecken am Mekong

Nach einem unglaublichen Monat im Dorf trieb uns der täglich professionell angewandte Schwachsinn der Nachbarn, die Verwandtschaft inbegriffen, zu einem vorgezogenen Visarun. Meine Meldefrist für neunzig Tage Aufenthalt läuft demnächst ab. Anstatt während Stunden der Hitze und den Abgasen der ohnehin überlaufenen Amtsstelle in Chiang Mai ausgesetzt zu sein, reisten wir über Loei nach Nong Khai. Wie ein Magnet zog uns in der Stadt der Mekong an.
Entlang des Flusses gibt es einige Lokale, die eigentlich zum Verweilen einladen sollten. Das Ufer ist durch eine Betonstrasse mit Brüstung gegen Hochwasser vermauert. Das Material strahlt die Hitze nicht nur ab, es speichert sie. Ohne schattenspendende Bäume wird es bei schönem Wetter eher ungemütlich. Zum Spazieren empfehle ich hitzeschützende Schuhe und Beinkleider.
Die strenge Gesetzgebung betreffend den reduzierten Ausschank überteuerter alkoholischer Getränke ist für den Umsatz der Kneipen wenig förderlich. Am Montag, einem buddhistischen Feiertag, gab es zum Fisch am Fluss bloss Wasser, für Einheimische bunt gefärbt und stark gezuckert. Im Hotel dagegen wurden zu den unvermeidlichen, zeitweise schwer verdaulichen Karaokeklängen, unbekümmert Feuerwasser und Bier heran geschleppt.
Nach zwei Nächten reisten wir nach Vientiane. (1) Wir besitzen noch keine Fahrzeugschilder für fünfundzwanzig Millionen (2) und mussten deshalb den neuen Wagen beim Hotel in Nong Khai stehen lassen. Der freundliche und hilfsbereite Taxifahrer konnte nicht rechnen. Er erzählte uns, Laos sei teuer. Hundert Baht wären tausend Kip. In Wirklichkeit gibt es vierundzwanzig Mal mehr. Die Bank der demokratischen Volksrepublik Laos vermittelte mir als helvetischem Kapitalisten  Glücksgefühle: Für zweihundert Franken durfte ich über 1.6 Millionen Kip in den Händen halten.vientiane
Das Hotel am Fluss behagte uns. Anders als im verordneten trockenen Kneipen-Klima von Nong Khai, standen in nächster Umgebung verlockende Magenstimulierungsinstitute. Auf hunderten von Metern war die Uferpromenade mit einladenden Stühlen und Tischen möbliert.
Spirit houseIm Spirit House sassen im Schatten alter Bäume auf Holzbänken lauter fröhliche Menschen. Ich interessierte mich von Anbeginn an für Geister und Geisterhäuser. (3) Im Geisterhaus werden geistige Getränke in Flaschen und Gläsern angeboten. An den Ufern des Mekong reizte mich natürlich der Mekong High Tea. Diese spezielle Mischung enthält Wachholder, Pfirsich Tee und Gurken-Scheiben.
Schwaden von Düften aus Garküchen und von zahlreichen Feuerstellen stimmten, besser als teurer Weihrauch, Geister, Götter und Menschen – Laoten und zugereiste Chaoten – freundlich. Wein ist in den Gaststätten jederzeit einfach und preisgünstig erhältlich. Trotz niedrigem Pegel des Flusses, zwei Drittel des Bettes sind trocken, herrscht Hochstimmung.

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Vientiane
(2) https://hinterindien.com/2015/05/23/das-kasten-wesen-thailands/
(3) https://hinterindien.com/2012/04/10/mae-nak-phra-khanong/
(3) https://hinterindien.com/2012/04/09/geister-gespenster-gemahlinnen-gelehrte-bananen-und-andere-pflanzen/

Mondkuchen und hungrige Geister

Mondkuchen sind Spezialitäten der chinesischen Küche. Die Füllungen sind salzig oder süß. Traditionell werden die Kuchen zum Mondfest im Herbst gegessen. Im Hotel in Melaka dauert der Herbst vom 19. August bis am 19. September. Typische Mondkuchen sind rund, bräunlich und mit Stukkaturen verziert. Sie weisen Durchmesser von ungefähr zehn Zentimetern auf und sind etwa fünf Zentimeter hoch. Die kleinen Dinger sind als gut getarnte Kalorienbomben äusserst sättigend.
Ich sah verschiedenste Arten. Der letzte Trend war Schwarzwald, einer Füllung mit einer in einem schwarzen Loch nach Stephen Hawking (1) verdichteten Schwarzwälder Torte nachempfunden.
Zwischen Melaka und Singapur gibt es über dreissig Sorten. Als Testesser bin ich ungeeignet. Nach einem halben Kuchen, benötigen die Verdauungsorgane mindestens einen Tag Pause.

Vor wenigen Jahren wurden im siebenten Mond Monat keine Mondkuchen verkauft, denn das ist die Zeit der hungrigen Geister. Der Trend in den Geschäften lag eher bei brennbaren Gütern wie Papiergeld, aus Papier bestehenden Schuhen, Kleidern, Häusern, Betten, Autos, Dienstboten und Leibwächtern. Neuerdings gibt es papierene Smartphones. Führend ist auch für die Hölle das iPad.
Der ganze Kram wird vor den Häusern der Verstorbenen verbrannt, wie ich aus Melaka berichtete. Komischerweise konnte sich die papierene Kreditkarte nicht durchsetzen.
Da blieb man beim üblichen Papiergeld. Es gibt beim Verbrennen rein optisch mehr her, als ein lausiges Kreditkärtchen.
Die alten Bräuche gelten ebenfalls bei den chinesischen Taoisten in Johor Bahru.
Da entdeckte ich Joss Sticks, Weihrauchstäbchen, die das Herz eines jeden hungrigen Geistes schneller schlagen lassen!Joss sticks

Heutzutage findet man in den Geschäften gleichzeitig Mondkuchen und Artikel für die hungrigen Geister. Irgendjemand freut sich immer, sofern reichlich Kassen lieblich klingeln.

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Stephen_Hawking
http://german.china.org.cn/china/2013-08/30/content_29875560.htm

Geisterspuren in Melaka

Am Samstag, den 17. August, lockten uns am späteren Abend Trommel- und Paukenschläge auf den Balkon. Mitten durch das dichte Verkehrsgetümmel schlängelte sich ein Umzug, eine Prozession mit beleuchteten Wagen, Laternen, Kerzen, elektrischem Licht und Feuerwerk.
Dazwischen quetschten sich Gruppen von Männern, welche rhythmisch, beinahe fanatisch, Schlaginstrumente in allen Grössen und Formen bearbeiteten. Aus einem kleinen Tempel in der Nachbarschaft drangen tiefe, vibrierende Gongschläge in den tropisch feuchten Nachthimmel.Tempel Bald frass der übliche Verkehrslärm die kleine exotische Nachtmusik auf. Von irgendwo und überall knallte plötzlich Feuerwerk.
Am 21. August suchten wir an der Jalan Bunga Raya eine alte chinesische Apotheke, um Muskatnussöl und ähnliche Heilmittel zu kaufen. Apotheke Später überquerten wir den Fluss, verzehrten im Chinesen-Viertel Nudeln, begleitet von einigen Schlücken Guinness Stout. LaternenDanach kehrten wir am Spätnachmittag gemächlich zum Hotel zurück.
Erstaunlicherweise brannten viele Kerzen auf den Strassen vor den Häusern. Strenge Winde drohten die Lichter erbarmungslos auszublasen. Männer brachten bündelweise Geldscheine, sogenanntes Geistergeld (Hellmoney) und verbrannten es. Kleine Altäre mit reichlich Opfergaben, Reis, Nudeln, Früchten, Weihrauch, Kerzen und Schnaps standen zwischen parkierten Fahrzeugen. Daneben brauste unbeeindruckt, rücksichtslos der Verkehr.Dschunke1 Am Ende des sechsten Mond Monats öffnen sich für 28 Tage die Pforten der Hölle. Sämtliche ausgehungerten Geister durchwandern in den folgenden vier Wochen ziellos die Welt Ostasiens. Sie halten sich gerne auf Friedhöfen und anderen düsteren, einsamen Orten auf.
Der 15. Tag des siebenten Monats, er fiel 2013 auf den 21. August, ist der wichtigste Tag im Monat der hungrigen Geister. Da werden die meisten Opfer dargeboten. In der chinesischen Tradition ist das Fest Zhong Yuan tief verwurzelt. In Singapur nennt man es Yue Lan Jie. In Malaysia und Thailand ist es das Por Tor Festival (Poh Tho Khong). Stuhl Dieser Geist war wegen lebenslangem amerikanischem Fastfood wohl zu schwer.

Mehr über Geister, speziell hungrige Geister, erfahren sie unter:
Phi Pret und Poh Tho Khong in http://wp.me/p2ljyL-1s
(g) http://www.thaipage.ch/autor/stevens/feste/07_geister.php
(g) https://sites.google.com/site/thailandprivat/home/dies-und-das/hungrige-geister-stiften-unruhe
(g) http://de.wikipedia.org/wiki/Hungergeist
(g) http://www.20min.ch/panorama/news/story/Inflation-in-der-Geisterwelt-macht-Hongkong-Sorgen-31648037
Welch ein Privileg, zu reisen, in Gaststätten beste Verpflegung zu geniessen,
und nicht als hungriger Geist, Kinder und alte Leute erschrecken zu müssen.
– Low
Fotos:
Die Bilder erfasste eine Nikon P510. Die Datenflut reduzierte ich mit COREL von 6 MB auf etwa 150 kB. Der kleine Tempel steht am Jalan Parameswara. Zwei Bilder sind aus der Apotheke. Die Laternen sah ich ebenfalls an der Bunga Raya. Die Dschunke steht am Eingang zur Jalan Hang Jebat. Den zusammengekrachten Stuhl fand ich am Fluss vor einer entsprechenden Wellblech-Villa.

Ansichtssache

HandkDie Anteilnahme der Leserschaft betreffend Wurzelleiden hielt sich in Grenzen.
Möglicherweise nehme ich kleine Verfehlungen der Mitmenschen viel zu ernst. Was war denn schon geschehen, provoziert durch einige harmlose Lügen, gemischt mit Spielsucht, Diebstahl und Hurerei? Eigentlich gar nichts.

Heisse Luft gibt es dank des Wetters in Chiang Mai mehr als genug.
Als direkt Betroffener betrachte ich den Vorfall kritischer. Einmal wollte eine hoch verschuldete Spielerin meinen Wohnsitz liquidieren. Die Grundstücke in letzter Sekunde auf eine Vertrauensperson zu übertragen wurde teuer.
Ich hatte eine Freundin aus besserer Gesellschaft. Glücklicherweise bemerkte ich früh genug: Sie ist eine spielsüchtige Alkoholikerin. Der Schaden hielt sich in Grenzen. Die Beziehung war gestört.

Die junge Frau im Dorf äusserte sich gestern, sie möchte ihren Wurzelmann zurück haben. Es sei ja eigentlich nichts geschehen. Kamera und Schmuck seien wieder im Hause und der Beischläfer sei bloss ein harmloser Ladyboy gewesen.
Mir ist der Ungeist dieser Götterdämmerung intellektuell zu anspruchsvoll. Für andere gibt es Tempel und Geisterhäuser!

http://de.wikipedia.org/wiki/San_Phra_Phum

 

Zweitausend und dreizehn

Die Suche nach Ausreden war ergiebig: Ausreden – für verspätete Blogbeiträge. Bisher hatte ich kaum Probleme mit der Dreizehn.
Ich kenne männliche Wesen, die an einem Dreizehnten ihre zukünftige Frau trafen. Folglich wurde dann am Dreizehnten geheiratet. Das verflixte siebente Jahr meisterten beide problemlos. Ich selbst scheiterte daran.

Unser Jahr 2013 begann ruhig, steigerte sich mit gelungenen Reisen. Anfangs Februar setzte eine Pechsträhne ein. Vielleicht deshalb, weil ich mich gegen Dorfzauber stellte. (1) Um dreizehn Uhr brach ich den Fuss. Der schwoll schnell an, Format Wassermelone. Er verfärbte sich rot, dann blau und grün. Die Röntgenbilder zeigten: Gleich doppelt gebrochen.
Zusätzlich zu den Brüchen, riss ich mir den Oberschenkelmuskel entzwei. Der kleinere Teil hängt am Hüftgelenk, der grössere Rest an der Knieseite. Damit muss ich leben.
Ich kann, denn ich bin Blogger, kein Fussballer.

Leider verletzte ich ferner das rechte Schultergelenk. Das spürte ich, als der Fuss richtig schön summte und brummte, noch nicht  Wenn ich den Arm nicht brauche, bin ich schmerzfrei. Weine entkorken, unmöglich. Auto lenken geht kaum. Tippen an der Tastatur ist je nach Tischhöhe mal Alkoholpegel möglich. Die genaue Formel bestimmte ich noch nicht. Manchmal flattern bei Schmerz die Finger. Gegenmittel: An einem Glas, gefüllt mit kalten, spirituellen Säften, festkrallen.
Diesen Widerwärtigkeiten, nicht den Säften, entfliehen wir demnächst. Wir erforschen Inseln und ihre Bewohner(innen) im südchinesischen Meer. Die Gründe sind:
Der Einflusshorizont der Hexenmeister ist unter glücklichen Umständen geographisch begrenzt. Wenn nicht, vernahm ich in Wahnsinn aus dem Wok:
Im Islam ist Okkultismus verboten. Aber es gibt in Malaysia muslimische Bomohs. Sie vertreiben Geister, Phi und Jinn, mit Koransuren. (1)
Während ich mir meine Ausreden im Kopf zurechtlegte, verfasste Pheneas Prettiwillie unabhängig davon, einen weiteren Artikel über die Zahl 13 in Thailand. (3)
Leider sind Internetzugänge von den Inseln geschwindigkeitsmässig sehr begrenzt.
Aber sie, geschätzte Leser(innen), werden vermutlich von uns hören und sehen.Monk1

Dick, Kamera und Low, Wort,
mit den besten Wünschen zu Songkran!

(1)
https://hinterindien.com/2013/04/12/spiel-mit-harten-ballen/
(2)
http://wahnsinnausdemwok.wordpress.com/2011/05/29/1175-e-stundenlohn-wer-arbeitet-ist-blo%CE%B2-zu-blod-zum-zaubern/
(3)
http://wahnsinnausdemwok.wordpress.com/2013/04/15/thailand-jeder-tag-freitag-der-13/

Fachkundiges aus dem TIP Forum:
http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=14339.msg1080546;topicseen#msg1080546

Goon meistert Geister

San Phra PhumGoons Mutter zog um. Vor der neuen Unterkunft im Dorf stehen zwei Geisterhäuser. Die einstige Besitzerin wurde vom Glück gepeinigt. Sie gewann zweimal innerhalb zweier Jahre vier Millionen in der Lotterie. Mit dem ersten Geldsegen bezahlte sie vernünftigerweise sämtliche Schulden und kaufte Land zwecks Gemüseanbau. Das Gemüse verkaufte sich gut. Bangkok war Grossabnehmer.
Zum ersten Geisterhaus gesellte sich aus Dankbarkeit ein zweites San Phra Phum. Dann flossen wieder Millionen. Die Überglückliche erkrankte unheilbar an Habgier. Sie benötigte dringend mehr Zaster. Wozu? Sie verlor in kürzester Zeit alles, inklusive Familie.

Goon betrachtete sich zumindest als Mitinhaber der San Phra Phum. Er rannte zur Mutter und erzählte glücklich:
„Ich habe zwei neue Freunde. Ein Mädchen und ein Knabe.“
Die Nachbarn wunderten sich, als das Büblein mit unsichtbaren Wesen, Geistern, spielte. Dazu murmelte er dauernd Zahlen. Im Tanzgarten lernte das Kind zählen, nicht nur in Thai, sondern auch auf Englisch – leicht unverständlich – aus neunzehn wurde nol ten.

Die Mutter versuchte aus der scheinbaren Beziehung Goons Profit zu schlagen und fragte ihren Sohn scheinheilig:
„Kennen deine neuen Freunde die Lottozahlen?“
„Ja, aber die wollen dafür Si Daeng, Blut.“ (Waren es schmerzhafte Erinnerungen des Kindes an Krankenhäuser, oder garstige Erlebnisse zu Hause?) (1)

Die leicht beschränkte Frau erschrak ob der Aussage und machte sich ernsthafte Sorgen. Die Nachbarn hatten ausser des Fernsehens keine Unterhaltung. Sie tuschelten dauernd über Phi, Geister, die das Kind verwirrten. Der aufmerksame Kleine hörte einiges und gaukelte den verrückten alten Weibern alles Gewünschte vor. Er erzählte den neugierigen Tratsch Tanten auf Anfrage gerne, wo genau er Geister geortet hatte. Mit viel kindlicher Phantasie begeisterte er die unmittelbare Umgebung.
Seine Aussagen fuhren den Weibern in die betagten Knochen, in die Milz und andere Körperteile, aber kaum in die geistlosen Gehirne. Sie suchten fluchtartig gemeinsam gleich mehrere Tempel auf, verbrannten ganze Packungen voller Weihrauch und liessen sich von geduldigen Äbten mit Weihwasser berieseln.

Als Grossmutter – Dick – beim gemeinsamen Radfahren Goon fragte, wo all die Geister seien, sagte er grinsend:
„Mai Mee, – es gibt keine!“
Lottozahlen vermittelte er nie, auch nicht gegen Süssigkeiten und Kaugummi.

Nachtrag:
Goon ist ja bekannter Bankunmae Tanz- und Fernsehstar und benötigt keine Almosen.
Für die Schule waren Dicks Filmchen beste Reklame. Sämtliche Plätze sind verkauft!

(1) https://hinterindien.com/2012/04/06/die-leiden-des-jungen-guun/
Das Büblein auf dem Eise
http://meister.igl.uni-freiburg.de/gedichte/gue_f01.html

Kleinschlange, Monstergeist

9. Januar 2013

Die Flüge nach Singapur sind gebucht. Die meisten Hotelzimmer ebenfalls. Wie üblich, mögen die Hausgeister unsere Abwesenheiten nicht. Vor acht Monaten streikte, nebst anderen Kleinigkeiten, die Autobatterie zwei Tage vor der Abreise.
Letzte Nacht arbeitete ich bis gegen drei Uhr. Bevor ich mich ins Bett legte, prüfte ich Haus und Garten. Die Lichter brannten. Das Wasser plätscherte in den hinteren Teich. Ein kühler Winterwind säuselte im Bambus. Alles schien in Ordnung. Das Manometer im Badezimmer zeigte normalen Wasserdruck. Dies war eine meiner klügsten Investitionen. Bei Problemen mit der Wasserversorgung in der Regenzeit, genügen Blicke auf dieses Manometer und das Voltmeter in der Küche, bevor jemand mit Werkzeugen gedankenlos im strömenden Nass herumstapft.Waterpump2005

Kurz vor acht Uhr morgens erfolgte die totale Ernüchterung. Kein Druck auf der Leitung. Eventuell schaltete die thermische Sicherung den Motor für kurze Zeit aus. Kein Wasser für WC und Bad. Sogar die Zähne blieben trocken.
Dabei musste Dick dringend nach Mae Rim reisen, um staatliche Kranken- und Unfallversicherungen zu bezahlen. Pro Kilobaht dauert diese Amtshandlung ungefähr eine Stunde, für sieben Kilobaht entsprechend länger.

Nach drei Uhr schauten wir uns gemeinsam die Wasserpumpe an. Der Motor war warm, arbeitete jedoch nicht. Ein Energiefresser mit reiner Scheinleistung, – eine alltägliche Erscheinung in Hinterindien. Ich prüfte die Spannung mit einem Messgerät. Dann entfernte ich den Netzstecker. Wir sahen uns das technische Wunderwerk sehr genau an.
Eine lebensmüde Schlange verübte im Motor Selbstmord.  Warum im Motor? Die hätte in Pattaya mit dekadent-deprimierten Farangs gemeinsam Balkonspringen üben können. Dick entfernte mit feinen Fingern und noch feineren Werkzeugen das Trockenfleisch mühsam stückweise. Wir sahen, die Wicklungen wechselten durch Feuer und Hitze beim Rösten des Tieres die Farbe.
Selbst nach der sorgfältigen Reinigung lief der Motor nicht mehr an. Mit einer Ersatzpumpe überlistete ich die bösartigen Verursacher danach in wenigen Minuten.

Dann suchte ich mit meiner selbstentwickelten, elektronischen Wünschelrute den eigentlichen Übeltäter. Ich spürte die versteckten, wohlerhaltenen Gebeine einer vorsintflutlichen, menschenverachtenden Echse auf. An schlechten Tagen deponieren sie ihre Kacke in Wein-, Whiskey- oder Wassergläsern. Sie gehören zur Familie der Schuppenkriechtiere(Squamata) und bevölkern die Erde seit etwa 50 Millionen Jahren.GeckoIn einer entsprechenden Opferzeremonie kremierten wir die Teile mit tausend Litern Spiritus und tausend Kilogramm Weihrauch. Vom PC her chanteten dazu tausend Mönche über Lautsprecher mit tausend Watt Leistung.  Über den Daumen gepeilt, findet dann in genau tausend Tagen die Wiedergeburt statt.

Weil in gewissen Ländern gewisse Tiere nicht verspeist werden dürfen, bereiteten wir uns vor. Wir kauften Bauchspeck, nicht von Ratten. Es hatte ein zartes Stückl für Filet Mignon im Kühler. Ich kaufte grobkörnigen Salumi Napoli mit appetitanregenden schwarzen Pfefferkörnern und feingeschnittenen, geräucherten Speck, Prosciutto, von Fiorucci. Während drei Tagen feierten wir schweinisch, bevor wir uns an Hummer, Peking Enten und Halal Essen gewöhnen müssen.

Nun packen wir noch die Koffer. Hoffentlich nicht tausend Kilogramm Damen-garderobe..

Allgemeine Verunsicherungen 3

Reizwort Magnetresonanztomographie, MRI (1)

Unser Pflegesohn brach in einem Schullager bewusstlos zusammen. Wir wurden anfänglich belogen. Jeder versuchte, die wirklichen Ereignisse zu verschleiern.   Wir fanden eine gute Neurologin. Sie wusste, es ging um die Zukunft eines Kindes und sie wollte über die Ursache Gewissheit haben.
Am Schluss blieb nur noch eine Untersuchung: Magnetresonanztomographie, MRI. Die Schulversicherung weigerte sich, die Kosten zu übernehmen. Man müsste das genau überprüfen. Die Abklärung hätte mehrere Wochen in Anspruch genommen und war reine Zeitverschwendung. Die Zeit drängte. Also finanzierte ich die Untersuchung.

Ein junger Motorradfahrer hat einen schweren Unfall mit Rückenverletzungen. Eine sofortige Magnetresonanztomographie könnte darüber entscheiden, ob der Verletzte wieder gehen kann, oder ob seine Zukunft im Rollstuhl verbringt. Den Versicherern hierzulande ist das egal. Die bezahlen zwecks Gewinnoptimierung und wegen des Shareholdervalues “teure“ Untersuchungen für Normalbürger nicht. Wesen ranghöherer Kasten wie, Polizei, Armee und degenerierte Spitzenpolitiker sind privilegiert. 

Verantwortliche Manager und herzlose Mathematiker sollte man an den nächsten Strassenbeleuchtungen aufknüpfen, oder noch besser, deren Rückgrat zwecks Stimulierung der grauen Zellen mit einem Vorschlaghammer bearbeiten. Preisgünstig: Ein Schlag genügt! 

Dick verletzte sich vor Jahren an einer Schulter. Sie schlug unglücklich an eine Kante dieser Wendeltreppe. Der anfängliche Schmerz verschwand schnell. Im Laufe der Zeit entstand jedoch eine kleine Geschwulst, ein Tumor.
Am Ende der Reise in Malaysia schmerzte die Stelle. Ich empfahl, sofort das beste Krankenhaus in Chiang Mai zu konsultieren.
Der Arzt war nicht nur versierter Medizinmann. Er kannte die Versicherungen. Dick hatte neben der üblichen dreissig Baht Versicherung eine staatliche Kranken- und Unfallversicherung.  Der Arzt empfahl ihr aber, die Unfallversicherung ihrer Bank zu benutzen. Die würden die Kosten problemlos übernehmen.
Und so war es. Sie bezahlten für Ultraschall, Röntgen, Histologie. Aber nicht für MRI. Keine der Versicherungen war da zuständig. So griff Low einmal mehr auf seinen Sparbatzen zurück.
Zwei Versicherer wollten den Dienstweg einhalten. Drei Wochen intensive Therapie im Gemeindespital mit einem halben Pfund Paracetamol. Sofern erfolgslos und wenn Leber inklusive Nieren nicht kollabierten, erfolgt die Überweisung an die Universitäts-Klinik. Die Wartezeiten sind beachtlich, ein bis zwei Tage bis zur Eintrittsuntersuchung. Danach verordnete Standard-Untersuchungen mit entsprechenden Wartezeiten. Sobald die Versicherung nach ungefähr einer Woche das Wort MRI vernimmt, winkt sie ab, oder beteiligt sich nach brutalem Feilschen grosszügig mit maximal fünfundzwanzig Prozent.

Zweimal vernahm ich das Klopfen in der Röhre in Helvetien. Letztmalig vor zwölf Jahren. Weigerungen der Versicherungen, diese Untersuchungen zu bezahlen, gab es nie.
Buddha und das Nibbana warten in Hinterindien unter dem Motto: Weil du arm bist, musst du früher sterben. 
Den unbefriedigten, leicht angerosteten Geist in der eisernen Wendeltreppe hörte ich nachts übermütig trällern:
“Ach, ich hab‘ sie ja nur auf die Schulter geküsst.“ (3)

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Magnetresonanztomographie
(3) http://www.youtube.com/watch?v=LZBXSoTKdfY&feature=related

Düstere Zukunft: (30 Baht …)
http://www.bangkokpost.com/learning/learning-from-news/322038/hospital-budget-freeze

Der Stararchitekt

                                                                                                                          29. Mai 2012

Eines schönen, jedoch kühlen Morgens in Oberbayern begrüsste ein freundlicher Thai Dick überglücklich beim Frühstück im Hotel. Er freute sich, im Niemandsland am Chiemsee, eine Thaifrau zu finden, der er folgende Unglaubwürdigkeiten auftischte: Er sei ein bedeutender Architekt aus Bangkok, hätte den Flughafen gebaut und sei im Auftrag der thailändischen Regierung in Bayern. Er hätte gestern, er vergass zu erwähnen, es war Pfingstsonntag, eine wichtige, äusserst ermüdende Besprechung gehabt und müsste morgen bereits nach Thailand zurückfliegen. Expats kennen die überragende Effizienz hinterindischer Verwaltungen.

Ich fragte mich, welche bayerische Amtsstelle oder Grossfirma ausgerechnet an Pfingsten mit einem ausländischen Architekten und Wichtigtuer Bauprojekte besprechen müsste. Bernau hat etwa fünftausend Einwohner. Anhand einer überschlagsmässigen Erkundung errechnete ich, mindestens zwei Promille der Bevölkerung dürften Thais sein.

Komischerweise klärte sich die Angeberei innerhalb weniger Stunden beim Treffen eines Bruchteils dieser Population quasselnder Schnattertanten selbsttätig auf. Ein Oberbayer, der mit seiner Angetrauten aus Thailand und ihren zahlreichen Kindern mehr oder weniger glücklich hier lebt, lässt in Bankok bauen.

Der Bauherr war mit der Ausführung der Arbeiten höchst unzufrieden und lud den pfuschenden Architekten kurzerhand nach Bernau zu einer Besichtigung mit eingehender Aussprache ein. Hätte er seinem Vertrauensmann einige Fotos und einen kleinen Strauss Vergissmeinnicht zugestellt, hätte dies vermutlich dieselbe Wirkung. Ich selbst hätte den Betrag durch grössere Flüssigkeitsopfer (Hopfen und Malz) in einem Biergarten  mit  Blaskapelle den fernen Geistern überwiesen.

 http://de.wikipedia.org/wiki/Effizienz