Geschichten aus mehr als 6‘000 Nächten in Hinterindien

1. Teil

Wer kennt sie nicht, die wunderbaren Geschichten aus „Tausendundeine Nacht“. Arabische Träume wie „Aladins Wunderlampe“ oder „Ali Baba und die vierzig Räuber“. (1)

Als ich mit den Aufzeichnungen exotischen Lebens begann, schrieb ich Märchen, Schnurren, Schwänke und grinste selbst zufrieden darüber. Da bestand doch eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Reisberg, durch den man sich ins Schlaraffenland frisst.
Mittlerweile futterte ich genügend Reis samt Beilagen. Das Schlaraffenland ist immer noch unerreichbar fern. Ich stecke vollgefressen mitten in einem Berg von Betrug, Lügen und Skandalen fest. Ich habe eigentlich genug, bin übersättigt von all den Feen und Märchen. Davon laufen, flüchten kann ich nicht.

Als wir in der Schule in das klassische Griechenland und dessen Götterwelt eingeführt wurden, war ich vernarrt in „Die schönsten Sagen des klassischen Altertums“. Eine Sammlung antiker Mythen des deutschen Schriftstellers Gustav Schwab. (2)

„Himmel und Erde waren geschaffen: das Meer wogte in seinen Ufern, und die Fische spielten darin; in den Lüften sangen beflügelt die Vögel; der Erdboden wimmelte von Tieren. Aber noch fehlte es an dem Geschöpfe, dessen Leib so beschaffen war, daß der Geist in ihm Wohnung machen und von ihm aus die Erdenwelt beherrschen konnte. Da betrat Prometheus die Erde, ein Sprößling des alten Göttergeschlechtes, das Zeus entthront hatte, ein Sohn des erdgebornen Uranossohnes Iapetos, kluger Erfindung voll. Dieser wußte wohl, daß im Erdboden der Same des Himmels schlummre; darum nahm er vom Tone, befeuchtete denselben mit dem Wasser des Flusses, knetete ihn und formte daraus ein Gebilde nach dem Ebenbilde der Götter, der Herren der Welt. Diesen seinen Erdenkloß zu beleben, entlehnte er allenthalben von den Tierseelen gute und böse Eigenschaften und schloß sie in die Brust des Menschen ein. Unter den Himmlischen hatte er eine Freundin, Athene, die Göttin der Weisheit. Diese bewunderte die Schöpfung des Titanensohnes und blies dem halbbeseelten Bilde den Geist, den göttlichen Atem ein.“

Ich verschlang die Bücher. Doch die Übersättigung mit den Göttern, es gibt zu viele im Olymp, danach war derart, dass ich die schlechteste Prüfungs-Arbeit meines jungen Lebens schrieb.

Gegenwärtig geht es mir ähnlich. In der Küche können wir von Reis auf Kartoffeln oder Teigwaren wechseln. Hinterindien ist nicht nur voller Geister und Götter. Die belasten mich nicht. Aber die Ausreden, Flunkereien und Lügen, täglich neu erfunden und aufgetischt, gehen mir allmählich auf den Wecker. Sie wiegen schwerer, als die gesamte Götterwelt aus dem Olymp.

Der Nachbarschaft blieb es nicht verborgen, dass wir ein weiteres Tischblatt suchen. Ausgerechnet ein Ordnungshüter sollte uns dazu verhelfen. Wir kennen sie aus Chiang Mai bestens, die auf Holz spezialisierten, uniformierten Wegelagerer.
Der unbekannte Kerl soll im Besitze eines grossformatigen Holzstückes mit dem mir unbekannten Namen Hlumpha sein. Der Preis scheint mit 15‘000 Baht angemessen. Aus Erfahrung möchte ich mir aber das edle Stück erst ansehen.
Das sei unmöglich, wurde mitgeteilt. Das Objekt befinde sich in neunzig Kilometern Entfernung im Dschungel. Es müsse erst mit einem Elefanten, (warum nicht zwei?) zur Strasse transportiert werden. Dann funktionierten meine vom Alkohol nur teilweise betäubten Gehirnwindungen. Ich fragte mich, wie sägten die Arbeiter dort ein einziges Blatt von annähernd zwei auf einen Metern Grösse. So ein Riesenbaum von mindestens hundert Jahren liefert weit mehr Holz. Wo blieb der bescheidene Rest?
Dick erhielt Bilder. Schlechter kann selbst ein preisgünstiges Smartphone nicht fotografieren. Das Holz, praktisch farblos, erdige Grautöne, wies grosse Risse auf und war mit Schmutz, Kieseln, Blättern und Aststücken bedeckt. Wieder fragte ich nach dem Namen. „Ist es Hua Li?“
„Ja, ja, Hlumpha ist Huali.“
Mit Hua Li, Rosenholz, englisch Brazilian Tulipwood, wird die Holzart Dalbergia decipularis aus der Gruppe der Palisanderhölzer bezeichnet. Dieses seltene Holz wird üblicherweise nach Gewicht gehandelt. Der Preis liegt gegenwärtig bei etwa dreihundert Dollar pro Kilogramm! Neunzig Prozent der alten Bäume sind hohl. So hohl wie die Lügen der Händler. Ausgerechnet der Polizist erzählte, aus Furcht vor den Ordnungshütern, wurde das Brett vor vier Jahren eingegraben.

Die Basler haben einen Spruch für unglaubwürdige Geschichten:
„Verzell du das em Fährimaa!“ Der Fährimann steuerte früher seine Fähre über den Rhein. (3)

Fortsetzung folgt

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Tausendundeine_Nacht
(2)
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_sch%C3%B6nsten_Sagen_des_klassischen_Altertums
(Hörbuch) https://www.youtube.com/watch?v=Sy0AJLt7ZQo
(Holzfällerteller nach Otto) https://wordpress.com/read/post/id/732973/36950
(3) http://www.srf.ch/sendungen/hoerspiel/verzell-du-das-em-faehrimaa-3

Abhängigkeiten

Wir sind ein ganzes Leben lang abgängig von irgend etwas oder irgend wem. Am Anfang saugen wir an den Brüsten der Mütter. Als Gegenleistungen säubern sie uns die Hintern. Nahrung, Kleidung, Bildung, Einbildung liefert teilweise das Elternhaus. Ausbildung nach Noten vermitteln Schulen und Lehrer. Von ihnen sind wir abhängig, denn wir benötigen Zeugnisse.
Zeugnisse sind lebenswichtig. So ein Papier bescheinigt in Thailand, der Inhaber beherrsche die englische Sprache mündlich und schriftlich, obwohl er keine Minute Unterricht genoss. Der Vater bezahlte mit dem Unterricht ebenfalls das Dokument, das der korrekte Farang Lehrer nicht ausstellen wollte.

Weitere Formulare, Abhängigkeitsdokumente, liefern Ämter und Verwaltungen. Da gibt es Scheine, wie beispielsweise zu meiner Zeit das Ehefähigkeitszeugnis. Dazu muss man weder geistige noch körperliche Beweise liefern, Banknoten genügen. Spätestens damit beginnt eine lebenslängliche Papiersammlung.
Vielleicht wird man nach erfolgter Ausbildung abhängig von Arbeitgebern, Vermietern und anderen Ausbeutern. Kirchenglocken locken. Der Weg zum ewigen Leben wird durch eifriges bitten, beten und opfern erworben. Mindestens ein Platz im Paradies wird geboten. Aber die sogenannten Gotteshäuser sind gottlose Prunkbauten für nutzloses Wirken von Bonzen und Priestern. Denken sie, Thailands Geisterhäuser werden von Geistern bewohnt?
Sogar bei der Nahrungsaufnahme werden Verpflichtungen geschaffen. Neben absurden religiösen Essensvorschriften existieren Fastfood-Fans, Makrobiotiker, Vegetarier und Veganer. Sie alle verkünden ihre Heilsbotschaften für unzerstörbare Gesundheit, garantieren wohltuende Darmentleerungen und fast ewiges Leben.
Charakterlose Wesen, geistige Weicheier und Neandertaler, Schwachköpfe, werden durch Laster aller Art, wie Alkohol, Drogen, Tabak und geschlechtliche Entgleisungen jederzeit verführt.

Ausser dem Lügen habe ich keine Laster. Aber es kann vorkommen, dass beim exzessiven ausserehelichen Beischlaf, ich bin nicht verheiratet, Glimmstengel und Schnapsglas zu Boden plumpsen und in der Hitze des tropisch exotischen Nahkampfes die Matratze flambieren.

Dennoch bin ich abhängig. Ein Leben lang kämpfte ich für Selbständigkeit und Unabhängigkeit. Das Schicksal, nicht besänftigt durch Weihrauch und fromme Gesänge, rächte sich und schlug vor wenigen Jahren grausam zu. Seitdem benötige ich die Hilfe und Unterstützung von Dick. Ohne sie kann ich nichts mehr unternehmen.

Ich suche immer wieder nach neuen technischen Kniffen und Krücken. Diese Dinge erleichtern das Leben im Haus in Satun. Im unbekannten Dschungel und den Unterkünften der Grossstädte bin ich auf Hilfe angewiesen. Das ist hart.
Erst jetzt verstehe ich die Situation, in welcher sich meine, durch Kinderlähmung behinderten Freundinnen und Freunde im Krankenhaus befanden. Sogar ihre Lungenfunktion war beeinträchtigt. Sie konnten nicht dauernd selbst atmen. Freund Heini legte am Respirator (Beatmungsgerät) öfters eine Rauchpause mit Peter Stuyvesant ein. Diese Patienten lebten trotzdem glücklich und zufrieden.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Beatmungsger%C3%A4t
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Stuyvesant_(Zigarettenmarke)

LOS – Legendäre obrigkeitliche Schlitzohrigkeit

Wir Farang kennen es. Nach dem besonders sorgfältigen Rasieren und Kämmen rennt man zum Garderobe-Schrank und reisst den Konfirmations- oder Hochzeits-Anzug heraus. Nach der eingehenden Kontrolle, ob die Krawatte richtig sitzt, nimmt man seine Dokumenten-Tasche, möglichst von Gucci, schnürt die auf Hochglanz polierten Leder-Schuhe, Armani, und geht mit freundlichem Lächeln, üben, üben, üben, zur Immigration.
Vorher legt der Kluge in der Morgendämmerung beim Geisterhäuschen, San Phra Phum, ศาลพระภูมิ, einen Sicherheitshalt ein. Ein Schluck Lao Khao, duftende Blüten, sowie einige angebrannte Weihrauchstäbe, könnten die Geister milde stimmen. Man ist ja nicht abergläubisch, aber sofern es nichts nützt, schadet es sicher nicht.

Sind die wenigen Parkplätze rings um die Gebäude der Immigration besetzt, findet man sicher ein Plätzchen am Internationalen Flughafen von Chiang Mai. Nach einem gesundheitsfördernden Fussmarsch steht man dann in der Reihe und wartet gespannt auf die Erteilung einer Glücksnummer. Sofern die aufgerufen wird, darf man einen Beamten mit seinem Anliegen betrauen.

So war es einmal. So ist es nicht mehr. Die Immigration in der Nähe des Flughafens gibt es nicht mehr. Die Beamten residieren in der Promenada, einem drittklassigen Einkaufszentrum. Dort gibt es schattige, vor Regen schützende Parkplätze. Die sind (waren) bisher gratis.
Ein ungebügeltes, löchriges T-Shirt, Shorts, Flip-Flops und genügend Geldscheine genügen jetzt völlig für die wichtigen Amtshandlungen und Stempel. Man darf auf Wunsch morgens um fünf Uhr immer noch anstehen, um dann nach halb acht Uhr eine Nummer zu erhalten, muss aber nicht.
Die neue Immigration beeindruckt durch eine grosszügige, klimatisierte Schalterhalle für die Beamten. Die Besucher können beliebig vom warmen thailändischen Klima vor der Halle profitieren, bis ihre Nummer viel später aufgerufen wird.
Für die neunzig Tage Aufenthalts-Frist, gibt es täglich hundert Nummern. Für das Rentnervisum werden angeblich nur zwanzig Nummern verteilt.
In der alten Immigration arbeiteten etwa dreissig Angestellte. In der neuen Promenada sieht man rund ein Dutzend Beamte. Offenbar konnte deren Effizienz bedeutend gesteigert werden.
Meine Erfahrung: Re-Entry Erlaubnis, kurz vor Dienstschluss, in fünf Minuten!

Als wir die Promenada und das Amt besuchten, erzählte ein unglücklicher Deutscher allen Anwesenden:
„Ich stand bereits um fünf Uhr in der Früh hier. Jetzt ist vier Uhr und ich warte, warte, warte immer noch auf meinen Reisepass!“
Der uneinsichtige Mann wurde wiederholt aus den Schalterraum, wo er lauthals aufbegehrte, an die warme Luft gesandt. Er begriff nicht, dass er vom Schicksal ausgesucht wurde, den Beamten Eis-Tee oder Eis-Kaffee anzubieten.

Neben dem geräumigen Dienst-Raum der Immigration steht ein klitze kleines Büro. Die netten Leute dort bieten folgende Dienstleistungen an:
90 Tage-Kontrolle, Kosten: 500 Baht (Erledigung in fünfzehn Minuten, Stand September 2015)
Rentnervisum: 3000 Baht plus Gebühren. (vor 10 Uhr die Unterlagen abgeben. Am frühen Nachmittag Fototermin bei der Immigration, der Rest ist erledigt.)

Glücklicherweise gibt es seit der Militärregierung keine Korruption mehr!

http://forum.thailand-tip.com/index.php?topic=14206.msg1189098#msg1189098

Uferstrecken am Mekong

Nach einem unglaublichen Monat im Dorf trieb uns der täglich professionell angewandte Schwachsinn der Nachbarn, die Verwandtschaft inbegriffen, zu einem vorgezogenen Visarun. Meine Meldefrist für neunzig Tage Aufenthalt läuft demnächst ab. Anstatt während Stunden der Hitze und den Abgasen der ohnehin überlaufenen Amtsstelle in Chiang Mai ausgesetzt zu sein, reisten wir über Loei nach Nong Khai. Wie ein Magnet zog uns in der Stadt der Mekong an.
Entlang des Flusses gibt es einige Lokale, die eigentlich zum Verweilen einladen sollten. Das Ufer ist durch eine Betonstrasse mit Brüstung gegen Hochwasser vermauert. Das Material strahlt die Hitze nicht nur ab, es speichert sie. Ohne schattenspendende Bäume wird es bei schönem Wetter eher ungemütlich. Zum Spazieren empfehle ich hitzeschützende Schuhe und Beinkleider.
Die strenge Gesetzgebung betreffend den reduzierten Ausschank überteuerter alkoholischer Getränke ist für den Umsatz der Kneipen wenig förderlich. Am Montag, einem buddhistischen Feiertag, gab es zum Fisch am Fluss bloss Wasser, für Einheimische bunt gefärbt und stark gezuckert. Im Hotel dagegen wurden zu den unvermeidlichen, zeitweise schwer verdaulichen Karaokeklängen, unbekümmert Feuerwasser und Bier heran geschleppt.
Nach zwei Nächten reisten wir nach Vientiane. (1) Wir besitzen noch keine Fahrzeugschilder für fünfundzwanzig Millionen (2) und mussten deshalb den neuen Wagen beim Hotel in Nong Khai stehen lassen. Der freundliche und hilfsbereite Taxifahrer konnte nicht rechnen. Er erzählte uns, Laos sei teuer. Hundert Baht wären tausend Kip. In Wirklichkeit gibt es vierundzwanzig Mal mehr. Die Bank der demokratischen Volksrepublik Laos vermittelte mir als helvetischem Kapitalisten  Glücksgefühle: Für zweihundert Franken durfte ich über 1.6 Millionen Kip in den Händen halten.vientiane
Das Hotel am Fluss behagte uns. Anders als im verordneten trockenen Kneipen-Klima von Nong Khai, standen in nächster Umgebung verlockende Magenstimulierungsinstitute. Auf hunderten von Metern war die Uferpromenade mit einladenden Stühlen und Tischen möbliert.
Spirit houseIm Spirit House sassen im Schatten alter Bäume auf Holzbänken lauter fröhliche Menschen. Ich interessierte mich von Anbeginn an für Geister und Geisterhäuser. (3) Im Geisterhaus werden geistige Getränke in Flaschen und Gläsern angeboten. An den Ufern des Mekong reizte mich natürlich der Mekong High Tea. Diese spezielle Mischung enthält Wachholder, Pfirsich Tee und Gurken-Scheiben.
Schwaden von Düften aus Garküchen und von zahlreichen Feuerstellen stimmten, besser als teurer Weihrauch, Geister, Götter und Menschen – Laoten und zugereiste Chaoten – freundlich. Wein ist in den Gaststätten jederzeit einfach und preisgünstig erhältlich. Trotz niedrigem Pegel des Flusses, zwei Drittel des Bettes sind trocken, herrscht Hochstimmung.

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Vientiane
(2) https://hinterindien.com/2015/05/23/das-kasten-wesen-thailands/
(3) https://hinterindien.com/2012/04/10/mae-nak-phra-khanong/
(3) https://hinterindien.com/2012/04/09/geister-gespenster-gemahlinnen-gelehrte-bananen-und-andere-pflanzen/

Mondkuchen und hungrige Geister

Mondkuchen sind Spezialitäten der chinesischen Küche. Die Füllungen sind salzig oder süß. Traditionell werden die Kuchen zum Mondfest im Herbst gegessen. Im Hotel in Melaka dauert der Herbst vom 19. August bis am 19. September. Typische Mondkuchen sind rund, bräunlich und mit Stukkaturen verziert. Sie weisen Durchmesser von ungefähr zehn Zentimetern auf und sind etwa fünf Zentimeter hoch. Die kleinen Dinger sind als gut getarnte Kalorienbomben äusserst sättigend.
Ich sah verschiedenste Arten. Der letzte Trend war Schwarzwald, einer Füllung mit einer in einem schwarzen Loch nach Stephen Hawking (1) verdichteten Schwarzwälder Torte nachempfunden.
Zwischen Melaka und Singapur gibt es über dreissig Sorten. Als Testesser bin ich ungeeignet. Nach einem halben Kuchen, benötigen die Verdauungsorgane mindestens einen Tag Pause.

Vor wenigen Jahren wurden im siebenten Mond Monat keine Mondkuchen verkauft, denn das ist die Zeit der hungrigen Geister. Der Trend in den Geschäften lag eher bei brennbaren Gütern wie Papiergeld, aus Papier bestehenden Schuhen, Kleidern, Häusern, Betten, Autos, Dienstboten und Leibwächtern. Neuerdings gibt es papierene Smartphones. Führend ist auch für die Hölle das iPad.
Der ganze Kram wird vor den Häusern der Verstorbenen verbrannt, wie ich aus Melaka berichtete. Komischerweise konnte sich die papierene Kreditkarte nicht durchsetzen.
Da blieb man beim üblichen Papiergeld. Es gibt beim Verbrennen rein optisch mehr her, als ein lausiges Kreditkärtchen.
Die alten Bräuche gelten ebenfalls bei den chinesischen Taoisten in Johor Bahru.
Da entdeckte ich Joss Sticks, Weihrauchstäbchen, die das Herz eines jeden hungrigen Geistes schneller schlagen lassen!Joss sticks

Heutzutage findet man in den Geschäften gleichzeitig Mondkuchen und Artikel für die hungrigen Geister. Irgendjemand freut sich immer, sofern reichlich Kassen lieblich klingeln.

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Stephen_Hawking
http://german.china.org.cn/china/2013-08/30/content_29875560.htm

Geisterspuren in Melaka

Am Samstag, den 17. August, lockten uns am späteren Abend Trommel- und Paukenschläge auf den Balkon. Mitten durch das dichte Verkehrsgetümmel schlängelte sich ein Umzug, eine Prozession mit beleuchteten Wagen, Laternen, Kerzen, elektrischem Licht und Feuerwerk.
Dazwischen quetschten sich Gruppen von Männern, welche rhythmisch, beinahe fanatisch, Schlaginstrumente in allen Grössen und Formen bearbeiteten. Aus einem kleinen Tempel in der Nachbarschaft drangen tiefe, vibrierende Gongschläge in den tropisch feuchten Nachthimmel.Tempel Bald frass der übliche Verkehrslärm die kleine exotische Nachtmusik auf. Von irgendwo und überall knallte plötzlich Feuerwerk.
Am 21. August suchten wir an der Jalan Bunga Raya eine alte chinesische Apotheke, um Muskatnussöl und ähnliche Heilmittel zu kaufen. Apotheke Später überquerten wir den Fluss, verzehrten im Chinesen-Viertel Nudeln, begleitet von einigen Schlücken Guinness Stout. LaternenDanach kehrten wir am Spätnachmittag gemächlich zum Hotel zurück.
Erstaunlicherweise brannten viele Kerzen auf den Strassen vor den Häusern. Strenge Winde drohten die Lichter erbarmungslos auszublasen. Männer brachten bündelweise Geldscheine, sogenanntes Geistergeld (Hellmoney) und verbrannten es. Kleine Altäre mit reichlich Opfergaben, Reis, Nudeln, Früchten, Weihrauch, Kerzen und Schnaps standen zwischen parkierten Fahrzeugen. Daneben brauste unbeeindruckt, rücksichtslos der Verkehr.Dschunke1 Am Ende des sechsten Mond Monats öffnen sich für 28 Tage die Pforten der Hölle. Sämtliche ausgehungerten Geister durchwandern in den folgenden vier Wochen ziellos die Welt Ostasiens. Sie halten sich gerne auf Friedhöfen und anderen düsteren, einsamen Orten auf.
Der 15. Tag des siebenten Monats, er fiel 2013 auf den 21. August, ist der wichtigste Tag im Monat der hungrigen Geister. Da werden die meisten Opfer dargeboten. In der chinesischen Tradition ist das Fest Zhong Yuan tief verwurzelt. In Singapur nennt man es Yue Lan Jie. In Malaysia und Thailand ist es das Por Tor Festival (Poh Tho Khong). Stuhl Dieser Geist war wegen lebenslangem amerikanischem Fastfood wohl zu schwer.

Mehr über Geister, speziell hungrige Geister, erfahren sie unter:
Phi Pret und Poh Tho Khong in http://wp.me/p2ljyL-1s
(g) http://www.thaipage.ch/autor/stevens/feste/07_geister.php
(g) https://sites.google.com/site/thailandprivat/home/dies-und-das/hungrige-geister-stiften-unruhe
(g) http://de.wikipedia.org/wiki/Hungergeist
(g) http://www.20min.ch/panorama/news/story/Inflation-in-der-Geisterwelt-macht-Hongkong-Sorgen-31648037
Welch ein Privileg, zu reisen, in Gaststätten beste Verpflegung zu geniessen,
und nicht als hungriger Geist, Kinder und alte Leute erschrecken zu müssen.
– Low
Fotos:
Die Bilder erfasste eine Nikon P510. Die Datenflut reduzierte ich mit COREL von 6 MB auf etwa 150 kB. Der kleine Tempel steht am Jalan Parameswara. Zwei Bilder sind aus der Apotheke. Die Laternen sah ich ebenfalls an der Bunga Raya. Die Dschunke steht am Eingang zur Jalan Hang Jebat. Den zusammengekrachten Stuhl fand ich am Fluss vor einer entsprechenden Wellblech-Villa.

Ansichtssache

HandkDie Anteilnahme der Leserschaft betreffend Wurzelleiden hielt sich in Grenzen.
Möglicherweise nehme ich kleine Verfehlungen der Mitmenschen viel zu ernst. Was war denn schon geschehen, provoziert durch einige harmlose Lügen, gemischt mit Spielsucht, Diebstahl und Hurerei? Eigentlich gar nichts.

Heisse Luft gibt es dank des Wetters in Chiang Mai mehr als genug.
Als direkt Betroffener betrachte ich den Vorfall kritischer. Einmal wollte eine hoch verschuldete Spielerin meinen Wohnsitz liquidieren. Die Grundstücke in letzter Sekunde auf eine Vertrauensperson zu übertragen wurde teuer.
Ich hatte eine Freundin aus besserer Gesellschaft. Glücklicherweise bemerkte ich früh genug: Sie ist eine spielsüchtige Alkoholikerin. Der Schaden hielt sich in Grenzen. Die Beziehung war gestört.

Die junge Frau im Dorf äusserte sich gestern, sie möchte ihren Wurzelmann zurück haben. Es sei ja eigentlich nichts geschehen. Kamera und Schmuck seien wieder im Hause und der Beischläfer sei bloss ein harmloser Ladyboy gewesen.
Mir ist der Ungeist dieser Götterdämmerung intellektuell zu anspruchsvoll. Für andere gibt es Tempel und Geisterhäuser!

http://de.wikipedia.org/wiki/San_Phra_Phum