Ein gestörtes Gesichtsfeld

Im Alter nimmt die Sehkraft eher ab als zu. In der Dämmerung und in der Nacht habe ich Mühe, Sachen zu erkennen. Dann muss ich Nachfragen. Oft sehe ich Dinge, die es gar nicht gibt. Dagegen finde ich meine Brille selten, wenn sie bereits die Nase verziert.
Kopfschüttelnd sage ich zu mir selbst: „Mann, du wirst zu alt!“ Wenn der gütige Buddha die Sehprothese frei nach Newton auf den Boden befördert, bin ich dankbar. Ich benutze noch kein Hörgerät. Lesen sie noch?

Neulich brachte eine Pflegerin aus dem Krankenhaus Satun spät in der Nacht Blumen für Dick. Jasmin. Wir haben mehrere Sträucher im Garten. Die Blüten sind im Strauch gut verteilt. Die zarten, weissen Blüten duften. Sie werden in Parfums oder in Tee verwendet.
Der Jasmin, den Dick erhielt, sah in meinen bildgebenden Sensoren aus, wie Blüten des „schweizerischen“ Frühlingszaubers Hyazinthen. Die Hyazinthen sind eine Pflanzengattung aus der Familie der Spargelgewächse, Asparagaceae. Solchen Jasmin-Blütenzauber kannte ich noch nicht. Ich hatte tausend Fragen:
„Ist das Handarbeit oder echter Jasmin?“
Phuang Malai, so heissen die Jasmin-Blütenkränzchen in Thailand, werden meist in Familienbetrieben aus frischen Blüten hergestellt. Häufig sieht man sie an den Innenspiegeln von Autos, Bussen und LKWs, am Bug von Schiffen, wo sie als Schutzsymbole wirken. Die Blüten verbreiten einen angenehmen Duft. An fast jeder größeren Kreuzung sah man Verkäufer der Blumengirlanden. Sie kosteten meist 20 Baht.

Dick antwortete: „Der Jasmin ist echt.“ Dabei quetschte sie das Gebilde mühsam in eine leere Sodaflasche. Ich protestierte: „Die Blumen brauchen Wasser!“ Sie gab etwas Wasser in die Flasche. Es erhöhte mindestens die Standfestigkeit.
Am Ende der langen Gehirnwäsche verblieb die nüchterne Erkenntnis: „Die wunderschönen hyazinthenähnlichen Gebilde sind reine Handarbeit.“ Hyazinthenähnlichen Jasmin gibt es nicht. Sie erkennen die Realität am Stengel links, wo oben die Abschlussblüte auf dem Holzstengel fehlt.

Bereits nach zwei Tagen war das Hyzinthen-Wunder von Satun zu Ende. Die Verwesung setzte ein. Wenn man es schlecht sehen konnte, roch man es. Ich stellte die Soda Flasche auf die Veranda.

ANCIEN CULTE MAORIE

Wenn ich mich in nicht allzu ferner Zukunft von dieser Welt verabschiede, die Löffel abgebe – oder wie Berner sagen, den Schirm zu tue, gibt es einige Gegenstände, die in Chiang Mai und Thailand kaum Beachtung finden. Ich möchte verhindern, dass diese Güter im Kehricht landen, kremiert werden. Deshalb wende mich gerne an meine Leser.
Wozu dient die letzte Ölung? Sie verhindert das Quietschen des Schirms beim Schliessen!

Abzugeben:
ANCIEN CULTE MAORIE, Paul Gauguin, Paris VIII 1951, Pierre Berès, La Palme
Das Büchlein ist in gutem Zustand.

PICASSO, Frank Elgar, Robert Maillard, 1956, Droemer
In Bern zeigte vor vielen Jahren niemand Interesse an den zwei Büchern oder an der Bibliothek.

Reisszeug KERN, Aarau, Neuwertiger Zustand. (Vor kurzer Zeit zeichneten Spezialisten Geräte und Maschinen mit Bleistift am Reissbrett.)
Möglicherweise haben Sie andere Wünsche.

Liebe Leser,
bedaure, vergessen Sie meinen Beitrag.
Im Internet werden beide Bücher günstig angeboten. In der guten alten Zeit, vor PC und Smartphone, war mindestens Gauguin teure Mangelware. 23.10.2017 12 00

Es war einmal: Geschichten aus Hinterindien

Zu Beginn schrieb ich im Tip Forum wirklich launige Geschichten. Dann erweiterte ich den Horizont, liess die Geschichten weg und gab mir zusätzliche Freiräume. Sie wurden mir teilweise wieder weggenommen. Ich schränke mich freiwillig ein beim Schreiben, denn es gab und gibt, heikle, sogar heisse Themen in den Gastländern. Die Vielfalt der Ereignisse übertrafen Luftfeuchtigkeit und feuchte Träume.
Die dominierende Militärregierung erschwert und kontrolliert digitalisierte Informationen als Wort oder Bild. Einige Blogger gaben auf. (1) Ich könnte ebenfalls aufgeben. Nur eines kann ich nicht – wie all die Andern – weglaufen.
So sitze ich da und zähle die Tage. Wirklich, denn alle neunzig Tage melde ich mich mit einem in Blockschrift ausgefüllten Formular bei der zuständigen Behörde. Das ist nicht immer einfach. Wenn ein Feiertag auf ein Wochenende trifft, muss der Tag am Montag von den Angestellten kompensiert werden. Die Amtsstellen und Banken bleiben zusätzlich geschlossen. Wenn dann die Farang verspätet, unrasiert, möglichst mit Bierfahne, in billigen roten Klamotten erscheinen, gegenwärtig ist schwarz angesagt, sind sie der Willkür überforderter Beamter ausgeliefert. Vielleicht hatte deren Gattin ihre Tage, die Mia Noi wurde von Migräne geplagt, der uniformierte Angestellte rutschte auf dem Weg zur Arbeit auf einem Kothäufchen aus und beschmutzte seine frisch gebügelte Kleidung, dann setzt es garantiert eine Busse ab.

Vor etwa vierzig Jahren betrat ein Kerl in einem bunten Hemd, er schleppte eine Gitarre, meinen heimischen helvetischen Bildschirm. Er sang keine Lieder. Er spuckte Wörter. Sein Name: Peach Weber. Seine neuesten Weisheiten gelten auch für mich:
„Auf die Frage, wie es mir geht, sage ich immer: Im Rahmen der natürlichen Verwesung gut. Ich kann zufrieden sein, alles tut nur so weh, dass man es aushalten kann, so nach dem Motto: «Was einem noch wehtut, ist noch nicht tot.»“ (2)

Zusätzlich bin ich auf den Hund gekommen. Das Tierlein hat seine Vorteile. Der Garten ist Katzen-Kot-Frei! Eine Mieze trug einen Verband am Schwanz. Eine weitere aus Kleptomanewitschs Bestand ist tot. Seine Hühner in unserem Garten endeten in der Hundeschnauze. Hündchen liebt wie ich Pasta. Die Dame jagt zusätzlich Ratten und tötet Schlangen.
Sie steht gerne auf die Hinterbeine. Der Kopf ist dann annähernd auf einem Meter fünfzig. Sie kopierte, wie Dick den Rollstuhl schiebt. Als ich langsam die Rampe am Haus hinunter reifelte, legte sie ihre vorderen Pfoten auf die Rückenlehne und schubste freudig zusätzlich. Mit Mühe bremste ich mein Vehikel mit Hundeantrieb unfallfrei. Leider verschlief die Kamerafrau die spektakuläre Rollstuhlfahrt mit dem geeigneten Werkzeug in der Hand.

(1) https://wordpress.com/read/feeds/363776/posts/1571792313
(2) https://www.blick.ch/people-tv/schweiz/peach-weber-zieht-vor-dem-eintritt-ins-rentenalter-bilanz-die-leute-merken-dass-ich-ein-schlaues-kerlchen-bin-id7430499.html

Zurück an den Absender

Vorsichtig schrieb ich am 4. Juni: Das war’s dann wohl… Misstritte.
Unter lauten Missfallensäusserungen verliess uns damals glücklicherweise Dicks Mutter. Sie machte wenig Werbung für uns und unseren Beistand in schweren Stunden. Nein, sie und ihre Helfer forderten mehr. Sie verlangten bessere, vor allem teurere Krankenhäuser. Sie bezichtigten uns des Diebstahls laotischer Schätze und Wertgegenstände, die dann sogleich für zwanzig Baht verschleudert wurden. Es handelte sich um handgefertigte Bronzeschalen und Gefässe, die durch ihre Unvollkommenheiten ihren besonderen Charme entfalteten. Wir retteten die stark oxydierten Gegenstände während des Hausbaus aus dem Müll und polierten das Bunt-Metall sorgfältig.

Das Schicksal, speziell dessen Verwalter, muss mich abgrundtief hassen. Das eingeschränkte Dasein im Rollstuhl ist nicht problematisch genug. Seit fünf Jahren leide ich zusätzlich an Schmerzen und Bewegungsstörungen in den Armen. Essen, Trinken, Transfers aufs WC und ins Automobil sind öfters fast unmöglich. Reisen mit Hotelaufenthalten wurden schwierig bis unmöglich.

Gestern erhielten wir gratis, Lieferung franko Domizil, eine zusätzliche Bescherung. Geschenke sind willkommen. Auf dieses hätten wir gerne verzichtet. Weihnachten ist erst in drei Monaten. Ein Dorfvorsteher aus Zentralthailand brachte mit einer Begleittruppe von sechs Leuten Dicks Mutter zurück. Sie lebte seit kurzer Zeit ohne jegliche Betreuung. Die Erbschleicher verzogen sich, als sie bemerkten, dass gar nichts mehr zu holen war. Die Alte verlor aus reiner Habgier ihren gesamten Besitz. Das Wohnhaus konnte sie nicht verschleudern, denn das Land gehört Dick. Anscheinend terrorisierte die geistig labile Person aus Langeweile ihre Nachbarn.

Glücklicherweise bleibt uns die Rückzugsmöglichkeit in den Süden erhalten. Ich bin nicht verheiratet. Sonst wäre diese zweifelhafte Bescherung sogar Verwandtschaft.

https://hinterindien.com/2017/06/04/das-wars-dann-wohl-misstritte/

Herbsttage

Freund Herbert sandte ein Mail mit dem Titel Festtage. Mein überschnelles Gedächtnis schuf aus Herbert und Festtage: Herbsttage. Genauso fühle und empfinde ich. Nach unserer ersten Reise-Etappe von Chiang Mai nach Phitsanulok im November, bestellte ich zum vorzüglichen Essen einen anständigen Wein.
Die Schwierigkeit war, ich konnte mit meinen Gelenkschäden in Armen und Händen die Öffnung des künstlerisch im Neo-barock geformten Glases nicht an meinen Mund führen. Pablo Picasso hätte mich entsprechend porträtieren können. Das Weinglas klapperte aufgeregt und äusserst laut an meinen Augengläsern. Trinken konnte ich nach den Anstrengungen der Reise zunächst nicht.
Mit kürzeren Etappen und weniger Anstrengungen verminderten sich dann die Leiden. Es dauerte einen Monat, bis ich mich annähernd erholt hatte.
Aber wenn der säuselnde Wind eine Türe zuknallt oder wenn die fleissige Dick einen Löffel fallen lässt, dann ist endgültig Feierabend. Ich kann Laptop, Ultra-Book oder Smartphone nicht mehr bedienen. Beim Zeitungslesen lösche ich dauernd Inhalte. Google entdeckt dann verräterisches Verhalten der Seiten des Laptops und möchte Sicherheitstests durchführen. Der einzige Unsicherheitsfaktor bin ich.

Meine Zukunft wurde zur Vergangenheit. Ich mag kaum mehr kämpfen. Hier bedeutet aber das Leben Kampf. Kampf für anständiges Futter, gegen Verleumdung, für Gerechtigkeit, für Gesundheit und Kampf für kleinste Freiheiten.
Wir kauften innerhalb der letzten zwei Monate „orinetalische“ Wai Wai Nudel-Suppen. Ein Verfalldatum auf dem zwölf Portionen Beutel suchten wir vergeblich. Das Pulver in den Verpackungen sind verklebte Monoblöcke. Das Palm-Öl in den Beutelchen ist ranzig! Konsumentenschutz ist ein Fremdwort.
Die Militärdiktatur billigte am 16. Dezember ein Gesetz über sogenannte Computerverbrechen. Es erlaubt, Internetinhalte selbst dann zu verurteilen, wenn sie nicht direkt illegal sind, sondern lediglich gegen die öffentliche Moral verstoßen. Gegenseitige Bespitzelung wird gefördert.
General Prayuth hält bezüglich Moral und der Internetzensur jedoch an seiner Linie fest: Gute Moral ist Frieden, Ordnung und nationale Sicherheit. Innerhalb der Verwandtschaft gelten seine strengen Massstäbe nicht. Da riskierten in den vergangenen Tagen und Monaten mehrere mutige Journalisten ihre Freiheit.

Praktisch jeder 7/11 Laden im Norden hat eine grössere Auswahl an Medikamenten als sogenannte Apotheken in Satun. Wir versuchten Medikamente, von Antibiotika über Heftpflaster bis Stuhlzäpfchen, zu kaufen. Glyzerin ja, Dulcolax nein. Andere Medizin war verschreibungspflichtig durch Fach-Ärzte. Heisst das, ein Augenarzt darf keine Stuhlzäpfchen verschreiben?
Dick sagte:
“Kein Problem, wir besuchen einen Arzt und bringen den Schein.“
Die Apothekerin antwortete:
„Das hilft Ihnen leider nicht. Keine Apotheke in Satun wird dieses Medikament verkaufen!“
Ohne weitere erfolgslose Diskussionen bestellten wir im Norden.
Auf genehmigungspflichtige Schmerzmittel muss ich in Satun verzichten. Dagegen wären harte Drogen einfach zu beschaffen.

Bedingt durch meine Schwächen, sie nehmen eher zu als ab, wird es mir kaum mehr möglich sein, meine Familie, die Grosskinder und die Schwester in der Schweiz zu besuchen. Ist das meine einzige verheissungsvolle Zukunft? Werde ich noch einmal den Mut aufbringen, in wenigen Wochen mit der Fähre nach Langkawi zu reisen?
ruhestaette-ranot
Zuvor fahren wir in einen Tempel, möglicherweise zum Wat Chanathipchaloem. Dort suche ich für meine verspätete Abschieds-Reise einen verschnörkelten südlichen Grabstein aus. Die gefallen mir bedeutend besser, als die Legionen von Geisterhäuschen des Nordens.

Zur feierlichen Verabschiedung des vergangenen Jahres fanden wir einen Prosecco. Mögen die Bläschen perlend in unsere Köpfe aufsteigen und es leicht machen, uns gegen erneute Tiefschläge schützen, denn die Zukunft ist bestimmt nicht nur Zuckerschlecken.
Ihnen wünschen wir mehr als Blasen in ihren Denkmaschinen! Ach, die benutzen Sie kaum mehr. Sie haben jetzt 4G, LTE, Smartphones!
Prosit Neujahr!

Vom Selbstportrait zum Intim-Selfie

Eine Kürzest-Geschichte innovativer Verfahren.
Selbstbildnisse oder Selbstporträts sind Selbstdarstellungen der Physiognomie bildendender Künstler mit Mitteln der Malerei, Grafik, Plastik oder Fotografie. Selbstbildnisse gab es bereits in der Antike.
Der griechische Bildhauer Phidias soll sich auf dem Schild, der von ihm geschaffenen Athena Partenos, selbst abgebildet haben.
Seit der Renaissance setzte sich jeder selbstbewusste Künstler, der nicht einfacher Handwerker war, sondern sich den Philosophen, Literaten und Wissenschaftlern der Zeit als gleichgestellt erachtete, in Selbstporträten Denkmale.
Berühmte Porträts existieren unter anderem von Albrecht Dürer, Leonardo Da Vinci, Rembrandt van Rjin, Vincent van Gogh, Paul Gauguin, und Pierre-Auguste Renoir.

Vor vielen Jahren, das Smartphone war noch nicht erfunden, knipste meine Tochter mit ihrer kleinen Kamera erstmalig viele Selfies. Sie hätte ihre Erfindung als © unter Denkmalschutz stellen sollen.

Ein bedeutendes technisches Ereignis war für mich der Erwerb eines Kopierers von Xerox in einem fortschrittlichen wissenschaftlichen Institut. Das Spezial-Papier war damals mit Zinkoxid beschichtet. Es ermöglichte ein einfaches direktes Verfahren der Elektrofotografie.
Die männlichen Angestellten kopierten anfänglich gedankenlos Banknoten in Schwarz-Weiss. Neugierige junge Damen testeten die Maschine weit innovativer. Sie zogen ihre Unterwäsche aus und setzten sich auf den Xerox-Automaten.
Mit Smartphones funktionieren Sitzungen dieser Art gegenwärtig nur un- oder selbst-befriedigend, während weltweit die Schamschwelle vom Bauchnabel auf Kniehöhe sank.

https://de.wikipedia.org/wiki/Elektrofotografie

Blüten eines jungen Notenfälschers

Meistens fälschen junge Menschen beim Lernen eines Instrumentes unfreiwillig klassische Kompositionen. Das Notenpapier hat eine jedoch derart aussergewöhnliche Qualität, dass die Werke sämtliche Torturen von Generationen übender Musikanten unbeschadet überstehen.
Erste Werksverzerrungen erlebte ich mit annähernd zehn Jahren, als der Knabe des Nachbarn den Schneewalzer auf einer Handharmonika in Schneematsch verwandelte. (1) Später zerhackte eine Freundin, sie hiess nicht Elise, auf einem Piano Beethovens „für Elise“. (2) Solche Musikanten beginnen ihre Karrieren nicht nur als Notenfälscher, sondern auch als Falschspieler. Meine Kinder machten als geborene Künstler beim Üben keine Fehler, oder ich erinnere mich schlecht daran.

Neulich belästigte der kleine Goon mein Gehör. Er beschwatzte mich während eines lieben langen Nachmittags. Er sah beim Big C ein Lego Haus. Das sei mindestens einen halben Meter hoch und die Farbe: Lila! Kein Mensch kümmere sich um seinen Wunsch und würde dieses Haus für ihn kaufen. Er kniff und tätschelte mich.
Seine Aussagen stimmen. Seine Mutter ist Karrierefrau und kümmert sich nicht um ihre Knaben. Sie lebt nur für ihre Geschäfte.
Tischmanieren kannte der Kleine nicht mehr. Er stopfte sich den Mund voll. Danach begann er irgend etwas zu erzählen, während er, wie van Gogh in Frankreich, mit einem Messer aus rostfreiem Stahl, sein Ohr bearbeitete. Kein Wunder, weil die vorbildliche Mutter als Multitalent mit einem halben Hamburger zwischen den Zähnen, ihre teuren Smartphones der Extraklasse, kauend sprechend mit gehacktem Fleisch und Zwiebeln garniert.
Der knapp Sechsjährige brät sich Eier ganz alleine, wenn seine Betreuerin keine Zeit findet, nach Hause zu gehen und gesunde Mahlzeiten auf den Tisch zu stellen. Mama Beutelsuppen isst der Bedauernswerte mittlerweile als Trockenfutter. Das sind üble Zustände. Nicht vorhandene Behörden sollten rasch schützend eingreifen und solche Spiele verunmöglichen.​

Nach einigen Recherchen fanden wir heraus, Goon sah sein Traumhaus im Central Festival. Ich überlegte, sobald das lila Haus gebaut ist, wäre das Spiel leider zu Ende und verstaubt unbenutzt.
Dann erzählte ich dem Knaben, ich sei knapp bei Kasse. Ich hätte ihn zu einem bewaffneten Banküberfall überreden können. Aber ich war bescheiden und begnügte mich mit der Aufforderung, ein paar Scheinchen zu zeichnen, möglichst mit Werten in Millionenhöhe. Tags darauf übergab er mir fünf Scheine zu tausend Baht.
Seine Banknoten sind unzweifelhaft gut geraten. Jeder durchschnittlich ausgebildete Banker erkennt den erlauchten, heute leider verstorbenen Herrscher mit Brille. Einzig das ungewöhnliche Format, A4, verrät den Fälscher als Anfänger. Das gesammelte Papier investierten wir in Lego. note2

Den wichtigsten Arbeitsschritt unterliessen wir. Professionelle hinterindische Notenfälscher patinieren ihre Erzeugnisse mit schmutzigen Schweissfüssen. note1

(1) https://www.youtube.com/watch?v=a-G9DakCe5M
(2) https://www.youtube.com/watch?v=hsi0i1jIzIM

Das Dorf im Norden ist ein Irrenhaus

Garten 2575
Irren ist menschlich. Das Dorf im Norden ist ein Irrenhaus. Niemand ist normal. Keinem kannst du trauen. Das war meine Aussage in Satun. Während fast drei Monaten wurde dies beinahe täglich bestätigt.
Die zubetonierten Nachbarn haben ein Problem mit unserem Garten. Wie kann man nur umgeben von vielen Bäumen und Gras leben? Das muss ja ungesund sein, all die Abluft von den duftenden, farbigen Blüten und unterschiedlich geformten, getönten grünen Blättern. Die Vitamine der Früchte und das Gezwitscher der Vögel erzeugen sicherlich Kopfschmerzen.
Moderne Menschen benötigen nicht Sauerstoff. Deren Lungen bevorzugen den Qualm von halbverbranntem Diesel, oder das abenteuerliche Aroma von feuchtem Hundefell. Die sexanbietende Pflegerin – oder die pflegende Sexanbieterin für die Herren von Welt, hält gegenwärtig auf ihrem betonierten, knappen Platz gleich neun herrlich heulende Köter. Zum bereits bestbekannten Herrn Kleptomanewitsch gesellen sich nun vier weitere Schwerenöter.
Da ist der Polizist, der die Grundstücksmauer zur Begrenzung seines Wohnzimmers umfunktionierte. Wir dürfen dort kein Löchlein bohren. Die Gefahr ist gross, dass wir den gefälschten van Gogh am Ohr verletzen würden! (1)

Als ich bauen liess, lautete die Vorschrift: Zwei Meter Abstand zur Mauer. Ich hielt mich als Einziger daran. Thais bauen so gedrängt, dass der Regen von ihren Dächern auf die Trenn-Mauern strömt. Mir machte das nichts aus. Unsere Rosenstöcke dagegen krepierten. Garten2573
Nachbarn reklamierten:
Ihre Bäume machen Schatten bei uns, bitte schneiden! Wir schnitten. Ihr eigener, halb abgerissener, dadurch äusserst dekorativer Tuchfetzen stört sie seit Jahren nicht.
Garten2574
Den Höhepunkt der Forderungen erlebten wir vor wenigen Tagen. Da erschien ein wichtiger, ein höherer Funktionär und sagte zu Dick:
„Ich habe kein Licht im Haus. Fällen sie ihre Bäume!“
Der Mann liess ein Vordach bis zur Mauer errichten. Zwischen Mauer und Vordach schützt ein Maschendrahtzaun vor allfälligen Eindringlingen. (2) Dick besichtigte mit der Haushälterin des Beschwerdeführers das betreffende dunkle Zimmer und staunte. Vor den Fenstern stand ein hohes, fast fünf Meter langes, schrankähnliches Regal. Da kam kein Lichtstrahl durch. Gute Nacht.

(1) http://www.spiegel.de/einestages/van-goghs-ohr-verlor-der-maler-es-im-wahn-oder-im-streit-mit-gauguin-a-951336.html
(1) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/ausstellung-im-vincent-van-gogh-museum-in-amsterdam-14352769.html
(2) https://www.youtube.com/watch?v=yxwXozLR2IA

Satun Kite Flying Festival

Drachen überall. Nicht nur am Himmel. Auf dem Flugplatz, am Boden, in weissen Uniformen, Verwaltungsangestellte, Würdenträger-innen. Repräsentanten der Macht. Meist ohnmächtige Tanten. Die Landes-Regierung ist weit weg. Tausend Kilometer, in Bangkok. Satun kennt eigene Spielregeln.Kite festivalMarching band Symbol der Zeit: Stehende jugendliche „Marching Band“. Da bewegt sich fast nichts. Officials
flying kites
Kite wallGirls blue
Maori
Kites in the Sky
Girls yellow Sie fliegen nicht. Die hüpfen bloss.
Flying
Das farbenprächtige Festival findet in Satun jährlich im Februar statt. Es wurde termingerecht, unter Einbezug der Chaostheorie, am vierten März eröffnet. Die Chaostheorie beschäftigt sich mit Ordnungen in speziellen dynamischen Systemen, deren zeitliche Entwicklung unvorhersagbar erscheinen. Die Fahrpläne Hinterindiens.
Salam Aleikum Publikum
Dick machte einige Videos. Hier die Links.


https://de.wikipedia.org/wiki/Chaosforschung

Schenkt mir die Zukunft ein Denkmal

Ein kurzer, zu früher Kälteeinbruch Ende September lähmte mich in Chiang Mai. Im Oktober brachen wir Richtung Süden in eine ungewisse Zukunft auf. Wir wussten bloss, wir würden kaum weiter im gemieteten Haus verweilen. Die gesundheitlichen Bedenken überwogen.
Auf Anhieb fand Dick ein angenehmes Haus. Erstmals seit fast zwei Jahren wurden meine Handgelenke schmerzfrei. Ich konnte wieder, ohne Hilfe und ohne den Hintern aufzureissen, das WC benutzen und duschen.. Die Freude währte nicht lange. Eines Nachts verlor ich Empfindungen und Kontrolle der Hände, nicht komplett, aber beängstigend. Ich erhole mich langsam oder gewöhne mich daran.
Die nächtlichen Temperaturen sanken im Januar in HangDong auf 12 °C. In Satun dagegen hatten wir heisses Wetter, denn angesagter Regen blieb oft aus. Strenge Nordwinde bliesen die Wolken aus der Andamanensee nach Süden.

Die Tastaturen von PCs und Laptops spielten mit mir. Schreiben und lesen waren an mehreren Tagen unmöglich. Die unkontrollierbaren Finger wechselten mühsam geöffnete Seiten nach Belieben. Meine eigenen Hände verschaukelten und vergaukelten mich. Ich wusste:
„Erkläre den Lesern, das Ende der Geschichten aus Hinterindien ist möglicherweise nahe.“

Ich weiss, es gibt Spracheingabe.
Der PC versteht meine feuchte Aussprache nicht besonders gut. Ich müsste das Gerät dauernd trocknen oder mit Windeln schützen. Es ist lärmig. Hunde bellen. Hühner gackern. Hähne krähen. Mopeds röhren. Waschmaschinen der Nachbarn dudeln vierundzwanzig Stunden am Tag. Die Lautsprecher arbeiten noch, wenn der Wassertank bereits lange leer ist. Die Warnsignale finden keine Beachtung. Lautsprecherwagen werben fahrend. Akustische Umweltverschmutzung ist gestattet. Dicks Smartphone produziert Geräusche.
Das schlimmste, ich fluche laut. Ich verfluche die Schmerzen, meine Ungeschicklichkeit. Der PC versteht meine Sätze nicht, nur Flüche, dafür in fast sämtlichen Sprachen.

Dank eines Fernsehers mit Zugang zum Internet, wird es mir nicht langweilig, wenn die PCs unbenutzt herumstehen. Wir sehen uns Filme an und hören Musik über YouTube. image

Das Haus fordert uns täglich. Ich entwickelte Moskitogitter für die ausstellbaren Fenster. Eine kleine Firma in der Nähe baut die gesuchten Einheiten mit Magnetschliessern. Die jungen Leute haben einen zusätzlichen Lebenserwerb. BrückeWZ

Am Eingang von der Veranda her bauten wir eine Brücke als Schutz vor Rollstuhl-Rädern für die Profile der gleitenden Kunststoff-Türen. Die sogenannten Aluminium-Fenster – schlecht imitiertes, nicht deutsches, nicht patentiertes Qualitätsprodukt – entpuppten sich als Kunststoff-Attrappen.
Zum Blockieren der Schiebefenster musste ich bohren. Im Geschäft verkaufte man uns nicht die ausgesuchten billig Bohrer aus China. Der Chef erklärte der Verkäuferin:
„Siehst du den Farang im Auto? Der will bessere Qualität, wenn er Stahl bohrt.“
Ich grinste, denn die Bohrer waren für die Aluminium-Fenster bestimmt. Man verkaufte uns Ware aus USA. Zu Hause bohrte ich dann in reinen Kunststoff. Die Arbeit war leichter als das Schneiden von Import-Butter. In die Löcher setzte ich Stahlpfropfen als Fensterstopper. Sie sollen bei Abwesenheiten einige Fenster gesichert offen halten.

Dick stach die zahlreichen Farbbeulen am Haus auf und entfernte die Farbschichten sorgfältig. Danach grundierte sie die Flächen mehrmals mit einem Pinsel.
Der grösste Brocken steht uns noch bevor. Das zweite einbetonierte WC müsste ersetzt werden. Ausgerechnet im Esszimmer stinkt es zeitweise appetitkillend nach Pisse. Ich könnte mir damit ein Denkmal setzen und den Stinker einfach stehen lassen. Thais bemerken solche Düfte nicht. Sie speisen landesweit unbeeindruckt an Abwasserkanälen und neben Abfallhaufen. Gerümpel und Abfälle gehören oft zum unentbehrlichen Hausrat.

Unser Glastisch ist klein und zudem eine unwillkommene Lärmquelle. Demnächst soll er durch ein Holztischblatt mit Chromstahlsäulen ersetzt werden. Noch kontrollieren die Uniformierten den Holzhandel in Satun nur beschränkt.
Mit meinen Händen kann ich nur wenig zum Gelingen beitragen. Die Frage ist, ob mir die Zeit geschenkt wird, die Vollendung zu erleben.
Keiner kennt die Dauer seiner Zukunft. Sind es drei Minuten oder drei Monate? Nur die Wahrsager in den Tempeln wissen alles.