ASEAN – Strassenverkehr, nette Verpackung ohne Inhalt

Was da schon alles diskutiert wurde ist phantastisch. Beispielsweise: ein einziges Visum für mehrere Länder. Die Realität zeigt das Gegenteil. Thailandbesuche wurden in den letzten Monaten härter reglementiert. Terrestrische Reisen werden gedämpft, ja bekämpft. Der Luftverkehr ist bevorzugt.
Im eigenen Fahrzeug nach Singapur zu reisen, ist kaum empfehlenswert. Das Fahrzeug spätestens in Johore Bahru stehen lassen!
Ich kannte die Strassen und Länder Europas während fünfzig Jahren. Die grüne Haftpflichtversicherung war in den meisten Ländern gültig. Nur einmal sassen wir am Ende der sechziger Jahre wartend an der Grenze zwischen Jugoslawien und Ungarn. Der Einreiseentscheid fiel in Budapest.

In Hinterindien sieht es anders aus. Grenzübertritte mit Fahrzeugen benötigen viel Zeit und Geld für Kleinigkeiten wie Versicherungen. Es gab, gibt, sogar Grenzübergänge, die kannten Nachtruhe und Mittagspause. Erst gestern verordnete die Regierung Thailands die Schliessung von sechs Grenzübergängen in Sungai Kolok nach Malaysia.
In Satun wohnen wir zwanzig Minuten von Malaysia entfernt. Wir querten die Grenze öfters für Einkäufe im Niemandsland. Darum bemühten wir uns für internationale Reisedokumente fürs Fahrzeug. Es gab sogar internationale Nummernschilder. Sie wurden uns nach Satun nachgesandt. In Malaysia werden schlechter vorbereiteten Thais bedruckte Kleber als Nummernschilder abgegeben.

Was wir nicht wussten war, es ist in Thailand nicht gestattet, mit einem internationalen Thaischild herum zu fahren. Ganz nach Schildbürgerart müssen die Nummernschilder nach jeder Rückkehr ins Land gewechselt werden. In Satun kümmerte sich niemand um Nummernschilder. Wir reisten problemlos über eintausendsiebenhundert Kilometer in den Norden. In Chiang Mai wurde Dick in der Nähe der Airport Plaza geblitzt. Sie erhielt einen eingeschriebenen Brief mit Bild. Sie wurde gebeten, die Schilder zu wechseln und für das anstössige Vergehen gegen die amtlichen Verkehrsregeln zweitausend Baht zu bezahlen. Das Schild konnte trotz aller Schwierigkeiten von instruierten Fachleuten gelesen werden und führte zur Ermittlung der Fahrzeughalterin. Aber es hätte ebenfalls zu einem schweren Verkehrsunfall führen können…..

Wir sandten die Hausschlüssel in den Süden und baten Freunde, uns die gebräuchlichen Thai-Schilder zuzustellen. Am Montag oder Dienstag werden sie montiert. Danach muss der Wagen von Beamten der Dienststelle neu begutachtet werden.

Als das Fahrzeug neu war, hatte es rote Nummernschilder des Verkäufers. Wir wollten nach Nong Khai reisen. Dafür durften wir eine offizielle Genehmigung des Amtes einholen! Grenzenlose Freiheiten für Schildbürger.

Seit drei Wochen zurück in Chiang Mai

Gemischte Gefühle. Die Bronchitis, die ich mir ab Nakhon Pathom aneignete, entwickelte sich zum morgendlichen, nördlichen Dreckhusten. Trotz häufigen Regenfällen ist die Luft enorm verschmutzt. Bereits heute morgen um fünf lag der Feinstaubgehalt bei 57. Seit dem gibt es keine neuen Messwerte. Das Augenbad hilft kaum gegen die Entzündungen. Bereits der schwarze Trompeter Louis Armstrong bespielte eine Schallplatte mit dem Titel: Rote Augen. (1)
Wir stellten fest, eines der einst beliebten Restaurants in der Nähe hat leider kaum noch Gäste. Deshalb verpflegen wir uns vermehrt zu Hause. Wir kauften Reis. Es ist kein Duftreis, wie die Verpackung lügt. Er verbreite nicht nur keinen Duft, sondern er führt zu Durchfall.
Dafür ist das Grünzeug hier sehr aromatisch. In Satun unterscheiden sich Koriander und Sellerie-Blätter bloss im Aussehen. Hier erfreuen unterschiedliche Düfte die Sinne. Einfache Mahlzeiten wie Brot, Charcuterie, Salate und Wein sind ungewohnte Leckerbissen. Wir meiden Meeresbewohner. Sie sind nicht frisch, wie wir es gewohnt sind. Die Andamanensee ist zu weit weg.

Das Klima im Lande verschärft sich. Blogger sollten sich anmelden. Journalisten nebst Ausweisen einen Maulkorb tragen. Ab sofort sind es strafbare Handlungen, wenn im Internet Seiten betrachtet werden, die als majestätsbeleidigend gelten.
SIM Karten mussten bisher registriert werden. Zusätzlich werden ab Januar 2018 Fingerabdrücke erforderlich. Wann werden Überwachungskameras in die Häuser eingebaut?

Eine richtige Augenweide ist der Garten. Die Früchte, Tiere, Blüten und Pflanzen erfüllen Träume.

(1) https://www.youtube.com/watch?v=xdYw3fn4J4Q

Tücken thailändischer Polizeiarbeit – Oster-Eiersuche im LOS

Während amtlich verordneten Feiertagen wie Songkran, gibt es ausserordentliche Verkehrs-Kontrollen. Sie sind an fest installierte Stützpunkte gebunden. Die Beamten benötigen ordentliche Mahlzeiten und jederzeit sanitäre Einrichtungen. Jeder Ortskundige kennt diese Fallen und verhält sich, wenn nicht total bekifft oder berauscht, entsprechend. Patrouillen mit Dienst-Fahrzeugen, wie wir sie aus Europa und den USA kennen, gibt es selten bis gar nicht.

Im Distrikt Prawet, einem von fünfzig Stadtteilen in Bangkok, haben einige Ordnungshüter ein kleines Problem. Ende März entdeckten und konfiszierten Beamte unter der Leitung von Polizei Maj. Gen. Surachet Hakpan 76 Kilogramm Marihuana. Der Fund wurde zwecks Analyse in die Gerichtsmedizin transportiert.
Nur 37 Kilogramm der Droge fanden später den Weg zurück in das Hauptquartier in Prawet. Darauf wurde Pol. Col. Thongchai Wilaiprom für dreissig Tage auf einen inaktiven Posten versetzt. Während dieser Zeit soll nach dem verlorenen Marihuana gesucht werden.
Nach meiner Vorstellung überlebte das fehlende aromatische Kraut die Verbindung mit dem Luftsauerstoff nicht. Ob dafür einige Scheine die Besitzer wechselten, können wir schlecht ausschliessen. (1)

Im Esszimmer hörte ich Variationen von Puccinis Komposition: Carnaval de Venecia, ausgeführt von Studenten des Konservatoriums Tchaikovsky und dem Philharmonischen Orchester von Moskau – mit dem Dirigenten Yuri Simonov. (2)
Trotz der virtuosen Geigenklänge bemerkte ich, dass die Schiebetüre an der Veranda bewegt wurde. Ohne mir mit Spirituosen Mut einzuflössen, raste ich im fünften Gang ins Wohnzimmer. Ein Junge, gegen zehn Jahre alt, schlich sich schnell auf die Veranda. Er trug keine sichtbare Beute bei sich. Ein weiterer, einige Jahre älterer Jugendlicher, spielte draussen mit seinem Smartphone. Vor dem Haus stand eine neuwertige, blaue Yamaha. Es war keine Nähmaschine. Ich sprach zu den Burschen:
„Das ist nicht euer Haus. Macht es wie die Spinnen: Zieht Fäden!“ Das heisst auf abendländisch: „Entfernt euch.“
Die Knaben zogen sich zum Moped zurück. Vermutlich wollten sie einen Besuch machen und irrten sich bloss in der Hausnummer. Möglicherweise waren es Spione für eine spätere Diebestour.

Als Dick zurück kam, erzählte ich vom unerwünschten Besuch. Ich schlug vor, die Türen in Zukunft zu verriegeln. Sie hört bedeutend schlechter als ich und würde Eindringlinge nicht bemerken, sofern die Diebe ihr nicht die Getränke wegsaufen.
Wir hielten eine kurze Siesta im Schlafzimmer. Danach prüfte ich die Eingangstüre. Sie war wie üblich, nicht gesichert.
Wir wollten mit dem Kochen beginnen, als uns der Anruf einer Nachbarin störte. Der Ortsvorsteher sei mit zwei Kollegen hier. Die Herren hätten eine dringende Mitteilung. Dick verschwand erneut, ohne die Türe zu sichern.
Die Vorsitzenden erzählten:
„Liebe Nachbarn,
wir fordern euch auf, Häuser und Fahrzeuge abzuschliessen und damit zu schützen. Letzte Nacht wurden aus unserer nächsten Umgebung acht Fahrzeuge gestohlen. Es ist vermutlich eine Gruppe von elf Personen aus Pattani am Werk.“
In Satun lassen die Einfältigen die Zündschlüssel stecken, um nicht danach suchen zu müssen.
Einen Tag später erhielten wir die Mitteilung:
„Vier Fahrzeuge wurden bereits gefunden. Vier Diebe wurden festgenommen, zusätzlich einer im Feuergefecht erschossen!“
Frohe Ostern, die besten Wünsche zum Neuen Jahr – Songkran und allen Menschen ein Wohlgefallen.

(1) http://www.bangkokpost.com/news/crime/1232200/prawet-police-chief-lost-drugs
(2) https://www.youtube.com/watch?v=n-ykqFce8Ds

Warm anziehen: Es gibt keinen Hustensirup im Süden

Chumphon:
Die Polizei beschlagnahmte 54.000 Flaschen Hustensirup von einem Lastwagen. Sie sollten in die südlichen Provinzen transportierte werden. Viele Menschen mischen den Saft mit Kratomblättern, um sich zu berauschen.
Apinant Kuenoon, gebürtig in der Provinz Trang, wurde am Donnerstag um 23.00 Uhr in Chumphon mit der Ladung seines 10-Rad-Lkw angehalten.
Er wollte 3‘200 Liter flüssige Hustenmittel, ohne eine spezielle Lizenz, in die Provinz Nakhon Si Thammarat liefern. Die Ladung wurde deshalb beschlagnahmt, sagte Pol Col Wachara Thipmongkol, ein stellvertretender Kommandeur des Betäubungsmittel-Unterdrückungsbüros, am Samstag.
Der Fahrer sagte, eine Frau, die als „Jae Jim“ identifiziert wurde, stellte ihn für 13.000 Baht an, um die Ladung von Sap Sawang im Bang Bon Bezirk von Bangkok zu transportieren.
Nach der Verhaftung telefonierte die Frau angeblich mit einem Offizier des Verhaftungsteams. Sie bot 450.000 Baht an. Ihr wurde empfohlen, das Geld auf das Konto eines Offiziers zu überweisen. Die Summe wurde beschlagnahmt.

Der Beamte, Col Wachara sagte, die Medizin würde zu Preisen verkauft, die 4-6 mal höher sind als die Marktpreise in Bangkok. Er schätzte den Wert der beschlagnahmten Ladung auf 500.000 Baht, meinte aber, der Verkaufspreis im Süden wäre Millionen von Baht.
Die Polizei verzeigte den Lkw-Fahrer wegen illegalem Besitz von unerlaubter Medizin und Bestechung. Sie fahndet nach der Frau hinter der Sendung.

Nach einem Artikel der Bangkok Post verfasst.
http://www.bangkokpost.com/news/crime/1221078/cough-syrup-bound-for-drug-users-seized
Die Zeitung zeigt ebenfalls ein sortentypisches Bild: Mindestens acht uniformierte Beamte mit polierten Stiefeln stehen neben dem ertappten Sünder, hinter einer eindrücklichen Ausstellung. Die Schilder zeigen, dass vier verschiedene Abteilungen von Ordnungskräften mitwirkten.

Mutprobe: Betreten sie in Satun eine Apotheke und verlangen sie eine Flasche Hustensirup!

Wenn Geld nutzlos wird, weil es keiner haben will

Der Herr General erfreut uns, weil er Geld haben will. Zwecks Beschaffung stellte er neue Abgaben auf alkoholischen Getränken in Aussicht. Beim Wein beispielsweise, statt bisher 225 – 2100 Baht pro 0,75 l Flasche, sollen die neuen Steuersätze 519 – 1482 Baht betragen – plus Mehrwertsteuer.
Knochenbrecher-Fusel ist immer noch zu günstig. Ich las im Internet, Rum, Marke Onkel Tom, sei lecker und preisgünstig. Zuckerrohr wächst in Mengen im Land. Wieso noch niemand in Thailand daraus ähnliche Destillate wie Bacardi erzeugen kann, wissen nur die unbefriedigten Geister. Als Schutzgeist würde ich mich nicht mit Lao Khao bestechen lassen. Das müsste mindestens ein gefälschter chinesischer Cognac Courvoisier VSOP XP sein. Sämtlichen sogenannten Thai Rum Destillaten fehlt das typische Rum Aroma. Wenn sie die Etiketten lesen, erfahren sie, dass der in Thailand teuer verkaufte Bacardi in Indien billig hergestellt wird.
Ich legte zweihundertzwanzig Baht aus und brachte sieben Deziliter Onkel Tom mit nach Hause. Ein erster Geruchstest war verheissungsvoll. Die Nase genoss ein volles Rum Aroma mit sonnigen Grüssen aus Barbados, Cuba und Jamaica.
Erst beim Trinken versagte Onkel Tom vollständig. Da waren Fremdgerüche einer ganzen Batterie von Aromen, darunter ein fast stechend beissender Vanille Anteil. Der Fusel reizte zusätzlich unsere Därme. Dieser Schnaps hilft eventuell bei Verstopfungen, oder du ziehst Rizinus-Öl vor.

Das erste Mal wollte eine Gärtnerei in der Nähe von Hang Dong mein thailändisches Geld nicht annehmen und behielt die ausgesuchten Pflanzen. Sehe ich aus wie ein Notenfälscher oder wie ein professioneller Bankräuber?
In Satun in der Nähe befindet sich dem Namen nach zu schliessen ein GROSS-Markt. Die herumstehenden Angestellten machten uns mehrmals Schwierigkeiten, Waren zu beziehen. Einmal warteten wir eine halbe Stunde an der Kasse, um den Preis einer Flasche Wein zu ermitteln.
Die Mitarbeiter entdeckten, dass der Wein im Computer nicht zu finden war. Weil er nicht aufgeführt war, hätten sie ihn verschenken können. Keiner hätte etwas bemerkt. Mit demselben Resultat hätten wir ihn stehlen können. Der Diebstahl hätte nicht bewiesen werden können. Vielleicht war die preislos teure Flasche eine stille „Reserve du Patron“.

Seit drei Jahren liegt eine Flasche Syrah Cabernet im Verkaufs-Regal. Der Flaschenverschluss leckte. Der Wein ist teilweise ausgelaufen und verfärbte Kragen und Etikette. Kein vernünftiger Mensch bezahlt Geld für verdorbenen Wein.

Auf eine besonders miese Masche stiess ich im ganzen Land. Die Angestellten stellen Ware mit Preisen versehen aus. Sofern man das Objekt erwerben will, heisst es dann:
„Das ist unser Ausstellungsstück. Wir verkaufen es nicht.“ Wieso wird Zeug angeboten, das nicht verkauft werden will. Sind die Angestellten zu faul oder zu dumm zum Wegräumen? In Bern musste laut Verfügung angeschriebene Ware zum angebotenen Preis verkauft werden.

Eines Nachts nach zehn Uhr, wechselte Dick die Bettwäsche. Danach erzählte sie mir, die Matratze hätte grau-schwarze, fleckige Stellen, möglicherweise Fungus. Da der Bettinhalt während eines Jahres in Leks Haus mit Schimmelzucht lag, vertraute ich Dicks Bemerkung.
„Verschenk das Ding“, sagte ich. „Morgen kaufen wir eine neue Unterlage.“
Noch am gleichen Abend bot sie die neuwertig aussehende Matratze telefonisch einer Freundin an. Am Morgen sah ich mir im Sonnenschein das zweijährige Objekt an. Ich entdeckte keine verräterischen Flecken, noch roch ich Schimmel. Die Flecken entstanden möglicherweise durch zerriebene Kokosfasern. Eine halbe Stunde später war das Bettgestell geräumt.

Wir betraten, nach dem ich mit Banknoten aufgerüstet hatte, das Geschäft. Wir hatten Glück. Es waren Matratzen am Lager. „Swiss Design“, hiess es, mit einer kleinen rot-weissen Flagge dekoriert. „Made in Thailand!“ Zusammensetzung, unter anderem Stahlfedern, nicht Entendaunen, Rosshaar und Seegras, sondern Kokosfasern. Der Preis war herabgesetzt. Anstatt 45xx Baht nur 28xx Baht, inklusive Gratislieferung. (Wussten sie, dass Chinesischer Tee aus gebrauchten Seegras-Matratzen gebraut wird?)
„Zu dem Preis können wir zuschlagen. Wenn unsere Rücken nach einer Nacht schmerzen, kaufen wir andernorts etwas Besseres“.
Wir warteten vergeblich auf Bedienung. Nach einiger Zeit organisierte Dick eine Angestellte. Diese wiederum sandte einen freundlichen jungen Mann. Er schaute in sein Notizheft und meinte: „Nach vier Uhr kann ich ihnen den Artikel zustellen.“
Wir warteten auf die Rechnung. Anstelle der Rechnung erschien eine grell-giftige, resolute junge Frau. Sie bellte: „Heute wird auf keinen Fall geliefert, vielleicht morgen“. Darauf schrie in einer Lautstärke, dass es jeder hören sollte, zu einer anderen Angestellten: „Die sollen sich doch einen Kleinlaster mieten“.
Dick beschwerte sich an der Kasse über die ungewohnt unfreundliche Abfertigung langjähriger Kunden. Ich dachte, vielleicht machte die aggressive junge Frau unerfreuliche Erfahrungen auf der Unterlage. Sie wollte uns nur warnen.

Dick fuhr zu unserem Möbellieferanten. Er hatte gediegene Bettinhalte beginnend bei achttausend Baht. Wir entschieden uns für eine Qualitätsmatratze von über 20‘000 Baht und erhielten einen grosszügigen Rabatt. Zehn Minuten nach unserer Rückkehr lag das Latex-Ding bei uns im Bettgestell.

Danach klingelte nicht der Tinnitus. Es es war der Grossmarkt. Sie könnten nun doch heute liefern.

Halbgebildete Halbschlaue und Halbblinde

Fragen sie sich, was sind Entwicklungsländer! Nachdenklich betrachtet sind es Orte, wo Kraft und Muskeln Vorrang vor bescheidenem Intellekt haben. Deshalb verbieten kräftige Muskeln die Äusserung absurder Gedanken. Starke Muskeln, deren Potential – vervielfacht durch Waffen, werden von Generälen kontrolliert. Im schönen Thailand gibt es davon viel zu wenige, nur etwa fünfhundert. Daher steckt das Land seit der Machtübernahme der Armee in Krisen. Aber die Uniformierten nisteten sich in fast sämtlichen Betrieben und Verwaltungen ein. Sie kontrollieren Airlines, Banken, Fernsehen, Schnapshersteller sowie Zeitungen. Sie versuchen krampfhaft, selbst das Internet zu zensurieren.

In Satun ist die Kontrolle, abgesehen vom gesetzlosen Strassenverkehr und Drogenhandel, rigoros. Als schwer behinderter Medikamenten–Bezüger leide ich unter dem überwachten, äusserst bescheidenen Angebot der Apotheken. Da sind dank übergeordneter Amtsstellen sogar Stuhlzäpfchen und Heftpflaster öfters nicht erhältlich.

In Chiang Mai ist der gesamte Holzhandel in den Händen uniformierter Abzocker. Sie schreiben den Unternehmern vor, was sie produzieren dürfen und in welchen Mengen. Dicks Sohn, der Kunsthandwerker, berühmt für seine ausserordentlichen Schnitzereien, war gezwungen, von edler Holzbearbeitung auf billiges Aluminium umzustellen, oder er wäre arbeitslos geworden.
Das interessiert die militanten Staatsretter nicht im Geringsten. Die schliessen Hotels, Restaurants und Vergnügungsbetriebe, ohne sich um entlassene Angestellte zu kümmern.

Der Sohn, nun erfolgreicher Aluminiumveredler, wollte sein neuntes Werk aus Leichtmetall seiner Mutter schenken. Er sandte eine Aufnahme davon und teilte mit, das gerahmte Bild sei bereits unterwegs nach Hat Yai. Er war ahnungslos betreffend der Spedition. Die Firma lieferte gleichzeitig eine grössere Sendung in den Süden. Nach Dicks Erzählungen nahm ich an, die sandten einen eigenen Lastkraftwagen. Wozu gibt es spezialisierte Firmen, welche Transporte schnell und preisgünstig erledigen? Dick erhielt einen Anruf, das Fahrzeug hätte eine Panne. Die Ankunft des Pakets würde sich um zwei Tage verzögern. snake-alu
Wir waren unterwegs zu Makro, als Dick einen Anruf erhielt, ihre Sendung sei im Büro der Firma in Satun angekommen. Der Firmen-Name blieb ungenannt. Der Ort wurde mit – in der Nähe der Lichtsignalanlage nach Makro – auf dem Weg nach Hat Yai, angegeben.
Da war nichts. Wir hatten weder Hausnummer noch einen Namen.
„Ruf an“, sagte ich.
Sie telefonierte. Der Firmenname blieb nach wie vor streng geheim. Nächste Ampel. Erneuter Suchvorgang. Hundert Meter nach der Lichtsignalanlage fand Dick den Laden, dank der speziellen Angabe „orangefarbener Lastwagen“ am Strassenrand.
Da prangte ein orangefarbenes Schild am Haus. Sämtliche Angestellte trugen orangefarbene T-Shirts mit dem Aufdruck: Kerry Express. Keiner der Idioten, die das Telefon bedienten, wusste, bei welcher Firma sie angestellt waren! Die T-Shirts waren bloss Kleidungsstücke, Verzierungen ihres fehlenden Intellekts.

Das Grösste: Beim Auspacken entdeckte Dick, der Rahmen war stark beschädigt. Juristenfutter für Monate? TIT.

Reise und Preise im südlichen Grenzverkehr

Neben kulinarischen Beweggründen reisten wir für medizinisch technische Hilfsmittel aus Dänemark nach Malaysia. Die Dinger sind im Nachbarland 65 Prozent günstiger. Bei 24‘000 Baht rentiert sich das nicht nur für Schmalspur Geizhälse.
Eine erste Überraschung erlebten wir an der Fähre in Thammalang, Satun. Der Ringgit ist zwanzig Prozent weniger wert. Der Preisaufschlag in Thailand von 300 auf 350 Baht ist happig und rein rechnerisch nicht gerechtfertigt.
Weil gegenwärtig nur wenige Personen reisen, verwendet Andaman Ferry Venture, Langkawi, kleinere, wesentlich langsamere Schiffe. Für mehr Meereindrücke darf man für den Mehrwert länger an Bord bleiben!
Ein neues Terminal der Einwanderungskontrolle ist in Betrieb. Von dieser Einrichtung profitiert eine illegale Taxi Mafia, die unkundige Reisende aufs Ärgste schröpft.

Die eigentlich zollfreie Insel Lankawi, ein ehemaliges Paradies für Alkoholiker, führte neue Regeln betreffend Schnaps und Wein-verkäufe ein. Malaysias Staatschef benötigt Geld. Der Selbstbedienungsladen korrupter Beamter läuft total selbstschmierend. Leider sind sämtliche Kassen leer. Dies in einem Land mit Bodenschätzen wie Öl-, Zinn-, und Gold. Deshalb entsandte man staatliche Beamte in eindrucksvollen Uniformen in jede Schnaps-Handlung auf Langkawi. Entweder zückt der Käufer seinen Pass, denn die Einkäufe werden registriert, oder es gibt nichts. Die Vielfalt des Angebots schrumpfte in den Geschäften um mindestens dreissig Prozent. Wir waren oft die einzigen Interessenten, die sich um Gestelle mit zehnjährigen Weissweinen herum drückten. Teure, untrinkbare Flüssigkeiten mit intensivem Korkgestank gibt es in Satun ebenfalls.

Die internationalen Hotels leiden gegenwärtig unter dem Druck der günstigst Pauschalreisenden aus China. Reiche Angebote am Frühstücksbuffet und beim beinahe unglaublichen Steamboat- oder Barbeque-Service mussten dank diesen speziellen Naturfreunden gnadenlos reduziert werden. Mehrere Fruchtsäfte am Morgen, frische Croissants, eine breite Brot- und Käse-Auswahl, fielen dem rigorosem Spardruck zum Opfer.
Sogar das einst grosszügige Angebot der Badezimmer, wie Gläser und Frottierwäsche, fielen überbordenden Selbstbedienungswünschen in- und ausländischer Gäste zum Opfer.
Glücklicherweise gibt es noch viele Kleinbetriebe. Sie verrechnen nur erbrachte Leistungen, die durchaus höchste Qualität erreichen können. Sie werden leider durch staatliche flankierende Massnahmen in engste Schranken verwiesen

Wo vor wenigen Jahren noch gebildete Kundschaft die Werke gut ausgebildeter Angestellter und Kochkünstler zu schätzen wusste, beherrscht heute eine rüpelhafte, gedanken- und respekt-lose schnelllebige Fliessbandgesellschaft ohne jegliche Manieren und Moral mit ihren Smartphones die Szenen. Solche Eigenschaften zeichnen ebenfalls die Führungsebenen der betreffenden Länder aus.
Wenn diese Tagediebe eines Tages alle in den Himmel dürfen, kann ich auf das Sterben noch lange verzichten — oder ich schmore lieber in der Hölle.​