Unkontrollierbaren Einflüssen ausgeliefert

Grimmigerweise wusste ich genau, was mir bevorstand. Die längste Etappe der Reise, weil es unterwegs keine empfehlenswerten Unterkünfte gab.
Die beiden Betonklötze in Tak, sprich Daag, hatten ihre beste Zeit vor zwanzig Jahren.

Danach folgte Lampang mit abgewirtschafteter Gastronomie.
Ich sass am Ende meiner Kräfte im Auto im gepflegten Garten, lauschte den Vögeln, während Dick mit dem Empfang verhandelte. Für Dick waren die Backstein-Wege vom Parkplatz zum Bungalow und von dort zum Restaurant zu schwierig für einen durch Dengue Fieber und Beinbruch erschöpften Rollstuhlfahrer. Ob die Beschaffenheit der Wege von unkontrollierten, betrunkenen Arbeitern oder durch Natureinflüsse geschaffen wurde, weiss keiner. Dick liess sich eine untaugliche Karte mit einem anderen Hotel ohne GPS Nummer aufdrängen. Aus Zufall fanden wir ganz in der Nähe eine behindertenfreundliche Unterkunft mit Rampen, leider ohne Verpflegung. Ich war glücklich, dass die Folter des Fahrens für heute zu Ende war.
Die Zukunft in PhonPhat versprach wenig Gutes. Die Alte, die uns vor einem Jahr unter Flüchen und Verwünschungen verliess, verpestete allein durch ihr erneutes Dasein den Frieden des Ortes. Dicks Tochter schrieb damals auf Facebook wenig Erfreuliches über ihre eigene Mutter. Die beiden bösartigen Weiber hatten die Absicht, uns beide des Landes verweisen zu lassen. Die junge Frau schlug Goons Schäferhund einen Zahn aus und beschuldigte Dicks Haushälterin der Tierquälerei. Die Entlassung der unschuldigen Frau war gaunermässig geplant, denn ihr fehlen war die Grundlage des Einbruchs in unser Haus danach. Mit aufmerksamer Haushälterin wäre ein primitiver Einbruch schlecht möglich gewesen.
Die junge Moslem-Familie bot viel Unterhaltung für unser geklautes Geld. Goon verlor seinen Platz in der Schule. Seine Spielsachen, Geschenke von mir, wurde verkauft. Goon verspürte den Segen und die Kraft Allahs, als ihm sein neuer Vater, Berater in Glaubens- und Ernährungs-fragen, in Phitsanoluk mit Hilfe eines eisernen Bettgestells mehrere neue Zähne ausschlug.
Goon lebt jetzt mit Bruder, Hund, weniger Zähnen bei seinen Grosseltern. Seine Mutter bezahlte die Schulgelder bereits in PhonPhat nicht mehr. Wer bezahlt denn jetzt? Grossmutter Dick. Wenn aber dereinst die missratene Tochter, die Lügnerin, Diebin, Einbrecherin auf ihre ausgebeutete Mutter zugehen wird, ist alles vergessen, denn – sie ist ja meine Tochter — während der pseudoarabische Prinz ohne mit Anstand zu Fragen, im grössten Sessel Platz nimmt und sich eine Ejakulation über die Dummheit der Weiber in seine Genitalien lacht. Mahlzeiten und Taschengeld scheinen für die Zukunft gesichert.

Das Delikt Hausfriedensbruch existiert in Thailand nicht. Ohne Ankündigung wie Telefon, Postkarte an Dick, reiste der Dorfobmann mit Mutter und weiteren neun Begleitpersonen nach Phonphat und wollte die Alte abliefern. Zugleich verlangte er Unterkunft und Verpflegung für seine Begleitung. Die Haushälterin nahm Dicks Mutter entgegen. Mit der Bemerkung: „Für Unterkunft und Verpflegung gibt es spezialisierte Betriebe in HangDong,“ sandte sie die Reisegruppe weg.
Dicks Mutter mochte die Haushälterin nicht und verreiste bald darauf zurück in ihr Haus. Da konnte sie schalten und walten wie es ihr gefiel. Der Vorsteher musste Verweise erteilen, wenn die Alte Nachbarn belästigte. Dieser Obmann reiste nur zu gerne nach Chiang Mai. Er sammelte erneut ein Begleitteam und als er einen Grund fand, brachte er die ungehorsame Seniorin in den Norden. Diesmal, ohne resolute Haushälterin, flegelten sich die unerwünschten Besucher in die Küche und richteten sich, wie landesüblich, in den Zimmern ein. Mowgli, gab lieber sein Kopfkissen her, als seine oder gar unsere Interessen zu verteidigen. Man darf sich fragen, wie viel Beteiligung beim Einbruch seiner Halbschwester vorhanden war. Der sonst absolut Interesselose stieg wegen PC-Spielen bereits vor sechs Jahren in unser Haus ein, weil sein eigener Computer krank war. Er verseuchte Dicks und meine Maschine gedankenlos mit heruntergeladenen Viren. Mein Vertrauen liegt knapp unter dem Nullpunkt. Wir erreichten unser Domizil mit der speziellen Nachbarschaft gegen Mittag. Ich musste mich auf reduzierte Pflegeleistungen und ausfallende Mahlzeiten einstellen. Mae diktierte das Geschehen sogleich und unmissverständlich!

Reliquien in Europa und Hinterindien

Einst konnte ich nicht genug Tempel erkunden. Vor einigen Jahren noch wurde detailliert angegeben, welche Reichtümer und Reliquien in den heiligen Stätten versteckt sind. Weil Tempel-Diebstähle unglaublich zunahmen, herrscht nun das grosse Schweigen.
Wat Phrathat Hariphunchai Woramahaviharn in Lamphun ist der Tempel der heiligen Reliquie von Hariphunchai. Der König Aditya Ratcha fand in seinem Garten ein Haar des Buddha. Um die verstorbene Königin Chamadevi zu ehren, liess er einen Tempel bauen. Als ich dort war, wischten uniformierte Schülerinnen während einer Pause Dreck weg.
Auf einem eindrucksvollen Hügel gab es einen Fussabdruck Buddhas. Volltrottel versuchten mit Löffeln, den Abdruck auszukratzen und zu stehlen. Der Abt selbst bewachte danach den heiligen Ort. Währenddessen verkauften geldgierige Weiber unten am Berg, im Tempel-Areal, Bier und Lao Khao. Fussabdrücke Buddhas gibt es in ganz Asien. Niemand stört sich daran, dass die Grössen sehr variabel sind. Ebenso verlor der Erleuchtete Knochen und vor allem Zähne. Heilige Zahntempel gibt es mehr, als ein nicht erleuchteter Mensch Zähne hat.

E.T.A. Hoffman, 1776–1822, beschrieb im Buch: „Die Elixiere des Teufels“ eine Szene in einem Kloster:
„Sollten denn, lieber Bruder Cyrillus“, sagte ich, „alle diese Dinge gewiß und wahrhaftig das sein, wofür man sie ausgibt? – Sollte auch hier nicht die betrügerische Habsucht manches untergeschoben haben, was nun als wahre Reliquie dieses oder jenes Heiligen gilt? So z. B. besitzt irgendein Kloster das ganze Kreuz unsers Erlösers, und doch zeigt man überall wieder so viel Späne davon, daß, wie jemand von uns selbst, freilich in freveligem Spott, behauptete, unser Kloster ein ganzes Jahr hindurch damit geheizt werden könnte.“ – „Es geziemt uns wohl eigentlich nicht“, erwiderte der Bruder Cyrillus, „diese Dinge einer solchen Untersuchung zu unterziehen, allein, offenherzig gestanden, bin ich der Meinung, daß, der darüber sprechenden Dokumente unerachtet, wohl wenige dieser Dinge das sein dürften, wofür man sie ausgibt. Allein es scheint mir auch gar nicht darauf anzukommen. Merke wohl auf, lieber Bruder Medardus! wie ich und unser Prior darüber denken, und du wirst unsere Religion in neuer Glorie erblicken. Ist es nicht herrlich, lieber Bruder Medardus, daß unsere Kirche darnach trachtet, jene geheimnisvollen Fäden zu erfassen, die das Sinnliche mit dem Übersinnlichen verknüpfen, ja unseren zum irdischen Leben und Sein gediehenen Organism so anzuregen, daß sein Ursprung aus dem höhern geistigen Prinzip, ja seine innige Verwandtschaft mit dem wunderbaren Wesen, dessen Kraft wie ein glühender Hauch die ganze Natur durchdringt, klar hervortritt und uns die Ahndung eines höheren Lebens, dessen Keim wir in uns tragen, wie mit Seraphsfittichen umweht. – Was ist jenes Stückchen Holz jenes Knöchlein, jenes Läppchen – man sagt, aus dem Kreuz Christi sei es gehauen, dem Körper – dem Gewände eines Heiligen entnommen; aber den Gläubigen, der, ohne zu grübeln, sein ganzes Gemüt darauf richtet, erfüllt bald jene überirdische Begeisterung, die ihm das Reich der Seligkeit erschließt, das er hienieden nur geahnet; und so wird der geistige Einfluß des Heiligen, dessen auch nur angebliche Reliquie den Impuls gab, erweckt, und der Mensch vermag Stärke und Kraft im Glauben von dem höheren Geiste zu empfangen, den er im Innersten des Gemüts um Trost und Beistand anrief. Ja, diese in ihm erweckte höhere geistige Kraft wird selbst Leiden des Körpers zu überwinden vermögen, und daher kommt es, daß diese Reliquien jene Mirakel bewirken, die, da sie so oft vor den Augen des versammelten Volks geschehen, wohl nicht geleugnet werden können.“ – Ich erinnerte mich augenblicklich gewisser Andeutungen des Priors, die ganz mit den Worten des Bruders Cyrillus übereinstimmten, und betrachtete nun die Reliquien, die mir sonst nur als religiöse Spielerei erschienen, mit wahrer innerer Ehrfurcht und Andacht.

Dir ist das Leben des heiligen Antonius zur G’nüge bekannt, du weißt, daß er, um sich von allem Irdischen zu entfernen, um seine Seele ganz dem Göttlichen zuzuwenden, in die Wüste zog und da sein Leben den strengsten Buß- und Andachtsübungen weihte. Der Widersacher verfolgte ihn und trat ihm oft sichtlich in den Weg, um ihn in seinen frommen Betrachtungen zu stören. So kam es denn, daß der heilige Antonius einmal in der Abenddämmerung eine finstere Gestalt wahrnahm, die auf ihn zuschritt. In der Nähe erblickte er zu seinem Erstaunen, daß aus den Löchern des zerrissenen Mantels, den die Gestalt trug, Flaschenhälse hervorguckten. Es war der Widersacher, der in diesem seltsamen Aufzuge ihn höhnisch anlächelte und frug, ob er nicht von den Elixieren, die er in den Flaschen bei sich trüge, zu kosten begehre. Der heilige Antonius, den diese Zumutung nicht einmal verdrießen konnte, weil der Widersacher, ohnmächtig und kraftlos geworden, nicht mehr imstande war, sich auf irgendeinen Kampf einzulassen und sich daher auf höhnende Reden beschränken mußte, frug ihn, warum er denn so viele Flaschen und auf solche besondere Weise bei sich trüge. Da antwortete der Widersacher: >Siehe, wenn mir ein Mensch begegnet, so schaut er mich verwundert an und kann es nicht lassen, nach meinen Getränken zu fragen und zu kosten aus Lüsternheit. Unter so vielen Elixieren findet er ja wohl eins, was ihm recht mundet, und er säuft die ganze Flasche aus und wird trunken und ergibt sich mir und meinem Reiche.
Danke Herr Hoffmann.
In Thailand ist es Tradition, zu Songkran in den Tempeln Stupas, Chedis, aus Sand zu bauen. Der Sand soll den Staub wieder an den Ursprungsort zurückbringen, den die Gläubigen im Laufe des Jahres an ihren Schuhen haftend von dort weggetragen haben.

http://gutenberg.spiegel.de/buch/die-elixiere-des-teufels-3112/6

Osterbräuche im Laufe der Zeit

Schön war meine Zeit am Liebeggweg, mit der grossartigen Aussicht auf die Altstadt von Bern. Im Hintergrund prangte die Kathedrale, das Münster. Es war eine mutige Tat weniger Einwohner 1421 mit dem kühnen und teuren Bau zu beginnen. Solche Entscheidungskraft vermisse ich bei den Berner Regierungen.
Es war an einem Karfreitag um 1970. Ich betrachtete das Panorama. Im Hintergrund lief klassische Musik vom Schweizer Radio. Am Nachmittag stellte das Radio die Sendungen aus Pietätsgründen ein.
Dank dem Internet kann ich im muslimisch-buddhistischen Satun Schweizer Radio empfangen. So vernahm ich am Karfreitag Klänge aus der einstigen Heimat. Nein, da stampfte ungeschminkt amerikanischer Kommerzpop. Pietät gab es keine mehr. Auf Musikwelle sandten einige unverzagte Jodler ihre Urschreie ins Weltall. Ich vernahm sie ungerührt.
Mit den Kindern fuhr ich jeweilen an Ostern zum Kornhausplatz, zwecks Eiertütschen. Ein spezielles Erlebnis für die Kinder war der Gewinn des Riesen Ostereis im Hotel Holiday Inn in Malta. Aber wir arbeiteten an die zwei Stunden dafür.
In Satun esse ich keine Ostereier. Der Grund ist, die Hühner werden mit Garnelen gefüttert. Die Eier riechen derart fischig, dass ich Garnelen mit Kräuter-Mayo weitaus besser finde.
Unsere Zopf-Bäckerei leidet ebenfalls unter der Eier-Qualität. Das Bestreichen des backbereiten Teiges mit Eigelb entfällt. Der gebackene Zopf roch mehr nach Garnelen als nach Emmentaler Anke-Züpfe. Gesucht wird deshalb ein Geflügelhalter, wo die Tiere noch Körner aller Arten picken dürfen. Noch bunter und lebhafter würde die Frühlings-Szene, wenn gleich dort rammelnde Hasen farbige Eier bemalen.

Die vergebliche Suche nach Glück

Das Tao, das sich mit Worten beschreiben lässt, ist nicht das wahre Tao.“
– LAO TSE: : TAO TE KING, Dàodéjīng, 道德經.

Ein besonderer Markt lockte, der chinesische Frühlingsfest-Markt. Dort wurde neben viel Plunder echtes Glück angeboten. Ein altehrwürdiger Chinese, war er echt – oder wie in Kung-Fu Filmen auf alt geschminkt – erklärte:
„Wenn Du Glück suchst, musst Du erst wissen, was Dein Glück ausmacht. Viele Menschen sagen Glück — und meinen Reichtum, materielle Güter, dazu möglichst viel Geld. Glück transportierst Du nicht im Geldbeutel, sondern im Herzen. Die Meisten suchen ein Leben lang nach den falschen Dingen.“

Der Mann war schmerzhaft Weise. Auch ich unterlag im jugendlichen Alter trügerischen Vorstellungen und Werten — bis ich eines schönen Tages abgeschossen wurde und ausgezockt hatte. Ich durfte mich relativ schnell von meinen Sammlungen materieller Güter wie Bilder, Bücher, Briefmarken, Schallplatten, Sparkonten und Wein, verabschieden. Nicht einmal die alten Freunde blieben mir erhalten.

Das bunte Treiben auf dem exotischen Markt gefiel mir. Kalligrafien und Scherenschnitte schaukelten im Wind. Bilder, gerahmt und ungeschlagrahmt, gab es mit sämtlichen denkbaren Motiven. Künstliche Seidenteppiche, wohl geeignet für sogenannte Teppichetagen, wurden in verschiedenen Preislagen angeboten. Edelsteine, Halbedelsteine und Pflastersteine wurden gehandelt. In Garküchen brodelten und brutzelten Speisen. Um Grillstände roch es teilweise penetrant nach verbranntem Öl. Nur das gut verborgene Glück fand ich nicht.

Eine uralte, dennoch zierliche Dame sprach mich an. War sie die Frau des Kung-Fu Kämpfers?
„Suchen sie etwas? Darf es eine hübsche Begleiterin fürs Frühlingsfest sein?“
Auf Tritte in den Hintern, selbst wenn sie von Lotos-Füssen stammten oder aus einem unerschöpflichen Plappermund, verzichtete ich freiwillig. (1)(2)
„Ich suche das Glück!“
„Das wird schwierig,“ antwortete sie. Sie wies mir den Weg zu einem Marktstand in der näheren Umgebung.
„Diese Leute verkaufen einen speziellen Wachs. Er wird von seltenen Bienen in Neumondnächten aus Pusteblumen gewonnen. Der Wachs ist teuer. Er wird in Gold aufgewogen, ein sicherer Weg zum Glück. Sie bringen den Wachs dann auf das Schiff der Tao-Mönche im Fluss. (3) Die erstellen eine Urkunde. Das Papier bestätigt mit Siegel und Unterschrift, Sie erwarben eine Option auf Glück, was immer es sein mag.“

Mittlerweile wurde es heiss auf dem Markt. Es wurde so warm, dass ich auch jetzt, während des Schreibens, etwas trinken musste. Später fand ich den Bienen-Wachs-Stand und ergatterte ein schönes Stück Wachs. Oben war er bereits angeschmolzen. Unten sah er aus wie steinharter, eiskalter Granit.
In der Ferne sah ich die malerischen Dschunken auf dem Fluss. Dort mussten die Taoisten sein. Der Fluss lag rechts. Als ich endlich dort war, trennte mich eine unüberwindbare Mauer vom Wasser. Ich folgte der Mauer. Irgendwo musste es einen Durchgang geben. Durch die Hitze bedingt, tropfte der Wachs. Der Klumpen wurde spürbar leichter. Anstatt den Weg zum Fluss zu finden, gelangte ich wieder in den unteren Teil des Marktes.

Ich beglückte den ganzen Markt mit meinen Wachstropfen der sehr speziellen Bienen. Für die Mönche blieb nichts mehr übrig. Doch für diese Brüder ist Enthaltsamkeit Ehrensache. Anstelle von Wachs-Kerzen gibt es in Tempeln nun LED-Leuchten. Die Bezeichnung Wachs-Kerzen ist eine Lüge. Sie wachsen nicht, sie brennen – wie unsere Leben, ob weiss, gelb oder rot – kürzer.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Lotosfu%C3%9F
(2) https://www.youtube.com/watch?time_continue=3&v=6tk0QsdsOcU
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Daoismus

PALMEN, GÖTTER UND BLAUFICHTEN

Die Hände und Finger sind fremdgesteuert. Sie erlauben es nicht, meine Weihnachtsgeschichte zu schreiben. Deshalb greife ich auf eine alte Episode aus meinem unveröffentlichten „Bestseller Plattfuss“ zurück.

Blutrot leuchtete der tropische Abendhimmel über einer bewaldeten Kuppe. Höher wurde er blau, dann dunkel. Dazu rauschten die sich überschlagenden und brechenden Wellen in einem ewigen Rhythmus. Eine angenehme Brise säuselte oben in den Palmwedeln.
Eine der Palmen wuchs nicht wie die Andern einer Säule gleich in den Himmel. Mühsam trug sie die Krone im Wind. Der Stamm war einer Exponentialkurve ähnlich. Es war ein aussergewöhnlicher Baum. Vor dem Stamm lagen drei ovale Steine im Gras.
Ein langhaariges, schlankes Mädchen im Sarong Kebaya näherte sich. Es trug eine Schale mit Blumen und Weihrauch. Es stellte die Blumen an den Stamm der Palme, entzündete den Weihrauch und erzählte mir, im Baum wohne ein Gott.

Ein paar Jahre später besuchte ich den Ort wieder. Nicht nur den Menschen gefiel der Platz. Wie ich hörte, hatte sich mittlerweile auch im Nachbarbaum ein Gott niedergelassen. Allerdings konnte ich bloss die Spuren menschlicher Opfergaben erkennen:
Frische Blumen, abgebrannter Weihrauch, eine kleine Laterne mit einem Kerzenstummel. Einer der Steine war mit Silberbronze bemalt. Über der Wurzel der Palme des ersten Gottes war ein Vorhang angebracht. Sogar himmlische Wesen haben ein bescheidenes, unverbrieftes Recht auf Privatsphäre.
Gegen Spitzhacke und Bulldozer kämpfen möglicherweise selbst Götter vergebens, erfuhr ich bei meinem letzten Besuch. Die Palmen sollten einem riesigen Hotelkomplex mit Helikopter-Landeplatz auf dem Dach weichen. So frisst das Kapital die Poesie.

Für die Menschen des Nordens sind Palmen Symbole für Sonne und südliche Wärme. In den Tropen sind es andere Bäume, von denen geträumt wird, weil es sie nur in der unerreichbaren Ferne gibt.
Apfelbäume, mit ihren zarten Blüten und den farbigen, runden Früchten, die entweder aus Amerika, Australien, China oder Europa importiert werden. Tannenbäume, wie sie in geheimnisvollen Märchen und alten, meist englischen Weihnachtserzählungen vorkommen.

Wir durften unser eigenes Häuschen Ende Oktober beziehen. Sogleich pflanzte ich Krokuszwiebeln, um die ersten Frühlingsboten im sonst schmucklosen Garten erblühen zu sehen.
Im Dezember dachte meine Frau jeden Tag mehr an ihren Traumbaum, eine Blautanne. Als es die Finanzen erlaubten, beschlossen wir, den Traum zu verwirklichen. Wir suchten eine Gärtnerei auf und gedachten die Blautanne zugleich als Weihnachtsbaum zu benutzen. Der Boden war noch nicht gefroren. Nebel hing düster herum. Laub lag am Boden. Ein kalter, unfreundlicher Wind und ein wortkarger Gärtner begleiteten uns.
„Die Blautanne sei eigentlich eine Blaufichte,“ erklärte er. Wir besichtigten die anwesenden Fichten. Die einen waren zu gross, zu klein, nicht schön im Wuchs oder zu teuer. Wir konnten uns nicht entscheiden.
An einem unscheinbaren, blattlosen Astgerippe erspähte meine Begleiterin einen Zettel.
„Pfirsiche – grosse rote, gelbfleischige, saftige und voll¬aromatische Früchte,“ versprach er.
„Kann man Tannzapfen essen?“ fragten wir uns. Anstelle des Tannenbaumes trugen wir, total verfressen, einen Pfirsichbaum nach Hause.

Frohe Weihnacht aus Satun, damals aus Penang, Malaysia und Herrenschwanden,
Low

Gerede, Vermutungen, wo liegt die Wahrheit

Aus meinem eingeschränkt bescheidenen Blickwinkel beschreibe ich wieder einmal schonungslos ein Mosaiksteinchen familiärer Lebensqualität in Nordthailand.

Alleinstehende Thai-Mütter finden nur selten Thai-Partner. Die Machos bevorzugen jungfräuliches Fleisch. Privilegierte der Regel schwelgen in unermesslichem Reichtum. Sie bieten schnelle italienische Flitzer, Lao Khao schottischen Ursprungs, Mia Noi und garantiertes Faulenzerleben mit Taschengeld. Da das seltene Ausnahmeerscheinungen sind, haben Farang und Moslems eine gewisse Chance, eine hübsche Gefährtin mit Anhang – ohne Gewähr vor allfälligen Verlusten – zu finden.

In Gegenden, wo Minarette und Moscheen wie Pilze gedeihen und von Lautsprechern Gebetsrufe vernehmbar sind, sehen wir nur wenige Hunde. Ist es die Geräuschkulisse, welche die Kläffer verscheucht? Nein, Hunde gelten als unrein. Sie sind nicht willkommen in dieser religiösen Gemeinschaft. Wahrscheinlich sind wir deshalb zur Hundehaltung degradiert worden.
Goons mehr oder weniger ausgesetztes Tier, war zum Tode verurteilt, wenn es Dick auf meine Empfehlung nicht aufgenommen hätte. Wir kennen die Durchtriebenheit von Dicks Tochter. Sie verkaufte skrupellos einen ihrer Söhne. Die einfachsten Regeln Buddhas kannte sie nie. Sie log, stahl und trieb sich mit uniformierten Strolchen herum. Noch vor wenigen Wochen begeisterte sie als blonde Tussi im durchscheinenden luftigen Kleidchen mein Auge. Ein Flittchen, eine Flöte, auf dem Präsentierteller. Ich kannte diese Frau nicht.
Im Mai versuchte sie, von Dicks Angestellter fünfzigtausend Baht zu erpressen. Vor wenigen Wochen veröffentlichte sie auf Facebook wenig schmeichelhafte Bemerkungen über ihre Mutter. Dicks Söhne ärgerten sich über die Frechheiten und Lügen. Eine herzlich warme Tochter-Mutter-Beziehung bemerkte ich nie. Die gratis Mietwohnung in Dicks Haus benötigte nach dem Rausschmiss Reparaturen für fast hunderttausend Baht.

Gegenwärtig ist sie ehrbare Lebensgefährtin mit Kopftuch und tiefschwarzem Ganzkörperkondom, denn ihr neuester Partner verehrt Allah. Es gibt keine Hunde, Schweinereien und Unreinheiten im Haus!
Goon sorgt für ein sauberes Badezimmer. Als Ausgleich darf er zum Freitagsgebet.
Bei uns isst er, nach dem Herumtollen mit seinem Hündchen, Pilzsauce mit Schweinsfilet und Nudeln. Von Onkel Google lernte der Kleine, bis zum Alter von fünfzehn Jahren dürfe er Schweinefleisch essen. Folglich fühle ich mich nicht als Verführer, nur als Verlierer.

Dick hatte ein ernsthaftes Gespräch mit dem ausserordentlich netten Herrn. Er scheint durchaus ehrbare Absichten zu haben. Er investierte beachtliche Summen in seine Zukunft. Er besorgte ein Geschäftslokal für seine neue Frau. Er kaufte für sie ein neues Motorrad und einen neuen Wagen, nachdem sie ihr Fahrzeug während Jahren ohne jegliche Wartung zu Schrott gefahren hatte. Service, Reifenwechsel und ähnlichen Luxus gab es nur nach Pannen. Genau dieses Spiel war das Strickmuster für ihre sämtliche Lebensbelange wie Arbeit, Beziehungen zu Partnern, zu ihrer Mutter oder zu mir.
Goon könnte nur profitieren, wenn seine Mutter mit einem zuverlässigen Gefährten endlich ihre Ruhe findet. Wir zweifeln beide, ob diese Frau nach jahrelangen, ruhelosen Eskapaden ihre Chance erkennt und wahrnimmt. Materielle Güter behagten ihr. Ratschläge lehnte sie immer kategorisch ab.

Tücken thailändischer Polizeiarbeit – Oster-Eiersuche im LOS

Während amtlich verordneten Feiertagen wie Songkran, gibt es ausserordentliche Verkehrs-Kontrollen. Sie sind an fest installierte Stützpunkte gebunden. Die Beamten benötigen ordentliche Mahlzeiten und jederzeit sanitäre Einrichtungen. Jeder Ortskundige kennt diese Fallen und verhält sich, wenn nicht total bekifft oder berauscht, entsprechend. Patrouillen mit Dienst-Fahrzeugen, wie wir sie aus Europa und den USA kennen, gibt es selten bis gar nicht.

Im Distrikt Prawet, einem von fünfzig Stadtteilen in Bangkok, haben einige Ordnungshüter ein kleines Problem. Ende März entdeckten und konfiszierten Beamte unter der Leitung von Polizei Maj. Gen. Surachet Hakpan 76 Kilogramm Marihuana. Der Fund wurde zwecks Analyse in die Gerichtsmedizin transportiert.
Nur 37 Kilogramm der Droge fanden später den Weg zurück in das Hauptquartier in Prawet. Darauf wurde Pol. Col. Thongchai Wilaiprom für dreissig Tage auf einen inaktiven Posten versetzt. Während dieser Zeit soll nach dem verlorenen Marihuana gesucht werden.
Nach meiner Vorstellung überlebte das fehlende aromatische Kraut die Verbindung mit dem Luftsauerstoff nicht. Ob dafür einige Scheine die Besitzer wechselten, können wir schlecht ausschliessen. (1)

Im Esszimmer hörte ich Variationen von Puccinis Komposition: Carnaval de Venecia, ausgeführt von Studenten des Konservatoriums Tchaikovsky und dem Philharmonischen Orchester von Moskau – mit dem Dirigenten Yuri Simonov. (2)
Trotz der virtuosen Geigenklänge bemerkte ich, dass die Schiebetüre an der Veranda bewegt wurde. Ohne mir mit Spirituosen Mut einzuflössen, raste ich im fünften Gang ins Wohnzimmer. Ein Junge, gegen zehn Jahre alt, schlich sich schnell auf die Veranda. Er trug keine sichtbare Beute bei sich. Ein weiterer, einige Jahre älterer Jugendlicher, spielte draussen mit seinem Smartphone. Vor dem Haus stand eine neuwertige, blaue Yamaha. Es war keine Nähmaschine. Ich sprach zu den Burschen:
„Das ist nicht euer Haus. Macht es wie die Spinnen: Zieht Fäden!“ Das heisst auf abendländisch: „Entfernt euch.“
Die Knaben zogen sich zum Moped zurück. Vermutlich wollten sie einen Besuch machen und irrten sich bloss in der Hausnummer. Möglicherweise waren es Spione für eine spätere Diebestour.

Als Dick zurück kam, erzählte ich vom unerwünschten Besuch. Ich schlug vor, die Türen in Zukunft zu verriegeln. Sie hört bedeutend schlechter als ich und würde Eindringlinge nicht bemerken, sofern die Diebe ihr nicht die Getränke wegsaufen.
Wir hielten eine kurze Siesta im Schlafzimmer. Danach prüfte ich die Eingangstüre. Sie war wie üblich, nicht gesichert.
Wir wollten mit dem Kochen beginnen, als uns der Anruf einer Nachbarin störte. Der Ortsvorsteher sei mit zwei Kollegen hier. Die Herren hätten eine dringende Mitteilung. Dick verschwand erneut, ohne die Türe zu sichern.
Die Vorsitzenden erzählten:
„Liebe Nachbarn,
wir fordern euch auf, Häuser und Fahrzeuge abzuschliessen und damit zu schützen. Letzte Nacht wurden aus unserer nächsten Umgebung acht Fahrzeuge gestohlen. Es ist vermutlich eine Gruppe von elf Personen aus Pattani am Werk.“
In Satun lassen die Einfältigen die Zündschlüssel stecken, um nicht danach suchen zu müssen.
Einen Tag später erhielten wir die Mitteilung:
„Vier Fahrzeuge wurden bereits gefunden. Vier Diebe wurden festgenommen, zusätzlich einer im Feuergefecht erschossen!“
Frohe Ostern, die besten Wünsche zum Neuen Jahr – Songkran und allen Menschen ein Wohlgefallen.

(1) http://www.bangkokpost.com/news/crime/1232200/prawet-police-chief-lost-drugs
(2) https://www.youtube.com/watch?v=n-ykqFce8Ds