Ein gestörtes Gesichtsfeld

Im Alter nimmt die Sehkraft eher ab als zu. In der Dämmerung und in der Nacht habe ich Mühe, Sachen zu erkennen. Dann muss ich Nachfragen. Oft sehe ich Dinge, die es gar nicht gibt. Dagegen finde ich meine Brille selten, wenn sie bereits die Nase verziert.
Kopfschüttelnd sage ich zu mir selbst: „Mann, du wirst zu alt!“ Wenn der gütige Buddha die Sehprothese frei nach Newton auf den Boden befördert, bin ich dankbar. Ich benutze noch kein Hörgerät. Lesen sie noch?

Neulich brachte eine Pflegerin aus dem Krankenhaus Satun spät in der Nacht Blumen für Dick. Jasmin. Wir haben mehrere Sträucher im Garten. Die Blüten sind im Strauch gut verteilt. Die zarten, weissen Blüten duften. Sie werden in Parfums oder in Tee verwendet.
Der Jasmin, den Dick erhielt, sah in meinen bildgebenden Sensoren aus, wie Blüten des „schweizerischen“ Frühlingszaubers Hyazinthen. Die Hyazinthen sind eine Pflanzengattung aus der Familie der Spargelgewächse, Asparagaceae. Solchen Jasmin-Blütenzauber kannte ich noch nicht. Ich hatte tausend Fragen:
„Ist das Handarbeit oder echter Jasmin?“
Phuang Malai, so heissen die Jasmin-Blütenkränzchen in Thailand, werden meist in Familienbetrieben aus frischen Blüten hergestellt. Häufig sieht man sie an den Innenspiegeln von Autos, Bussen und LKWs, am Bug von Schiffen, wo sie als Schutzsymbole wirken. Die Blüten verbreiten einen angenehmen Duft. An fast jeder größeren Kreuzung sah man Verkäufer der Blumengirlanden. Sie kosteten meist 20 Baht.

Dick antwortete: „Der Jasmin ist echt.“ Dabei quetschte sie das Gebilde mühsam in eine leere Sodaflasche. Ich protestierte: „Die Blumen brauchen Wasser!“ Sie gab etwas Wasser in die Flasche. Es erhöhte mindestens die Standfestigkeit.
Am Ende der langen Gehirnwäsche verblieb die nüchterne Erkenntnis: „Die wunderschönen hyazinthenähnlichen Gebilde sind reine Handarbeit.“ Hyazinthenähnlichen Jasmin gibt es nicht. Sie erkennen die Realität am Stengel links, wo oben die Abschlussblüte auf dem Holzstengel fehlt.

Bereits nach zwei Tagen war das Hyzinthen-Wunder von Satun zu Ende. Die Verwesung setzte ein. Wenn man es schlecht sehen konnte, roch man es. Ich stellte die Soda Flasche auf die Veranda.

Ein Zeitgemäss aromatisierter, schiefhängender Haussegen

Warum die Luftfeuchtigkeit in Satun geringer ist als in Chiang Mai begreift man rasch. Der Wind bläst zu neunundneunzig Prozent vom Südchinesischen Meer Richtung Andamanensee. Die hundert Kilometer über Land fressen allfällig hohe Feuchtigkeit weg. Die gemessene Feuchtigkeit im Haus liegt zwischen angenehmen fünfzig bis sechzig Prozent. Es fehlt nur noch ein Kohlekraftwerk im Raum Songkhla. Dann würden sich die Feinstaubwerte den Werten in Chiang Mai automatisch angleichen. Von der Andamanensee dagegen stammen unsere frischen Fische und Meeresfrüchte.

Dick bemerkte das Preisgefälle für getrocknete Garnelen. In Satun kostet ein Kilogramm ungefähr hundertvierzig Baht, während man in Chiang Mai fast das Zehnfache bezahlt. Sie kaufte getrocknete Goong und sandte sie per Post gewinnbringend in den Norden. Der Nachschub in Satun war beschränkt und stotterte.
Die Volksbefreiungsarmee ging unzimperlich mit den alteingesessenen Fischerfamilien um. Die uniformierten Würdenträger behaupteten, die Meerestiere würden durch die Fischer dezimiert. Sie beschlagnahmten Boote. Sie zerstörten einfache Garnelentrockner. Diese Fischer liefern ihre bescheidenen Erträge nicht in industrielle Tierfutterfabriken.
Menschen in Thailand, inklusive Buddhisten, haben bekanntlich nie genug. Dick überlegte kurz, wenn sie die Dinger selbst trocknen würde, könnte sie noch mehr Baht generieren. Sie übersah das kleine Problem beim Trocknen. Von einem Kilogramm verdunsten siebenhundertfünfzig Gramm unter Abgabe von Garnelendampf.

Ich war gegen eine Fischfabrik mit Geruchsbelästigung im Wohnhaus. Sie liess meine Einwände nicht gelten und brachte von Märkten Kiloweise Goong ins Haus. Wir sind nicht verheiratet. Meine Empfehlungen sind unverbindlich. Ich konnte sie dazu überreden, wenigstens die Kocherei vor dem Haus auszuüben.
Davonlaufen kann ich als Rollstuhlfahrer nicht. Hie und da mag ich einen bunt gemischten Crevetten-Cocktail mit schönen grossen Tieren. Dick brachte zwecks hoher Rendite, nur Kleinzeug ins Haus. Es roch so gewaltig, dass ich längere Zeit auf die Delikatessen verzichten kann. Sie gab zu, dass unsere Kühlboxe für Getränke während Reisen und sogar das Auto streng nach Goong riechen. Sie zeigte die Einsicht, dass bei einem Verkaufspreis von tausend Baht, kein grosses Geschäft winkt. Aber die Qualität, meinte Dick, sei unübertrefflich. Der Geruch auch, erwiderte ich.

Tip: Bei einem Todesfall liesse sich allfälliger Leichengeruch mit Garnelengeschmack oder Sambal Belacang, Malaysia – Singapur, ausmerzen. „When toasting belacan, be sure to open the windows and turn on the range hood or kitchen exhaust fan. The scent can be a little funky if trapped in the house. I usually toast my belacanin the summer when I can open the windows. A little peppermint and eucalyptus oil in a small candle lamp diffuser helps freshen up the place very effectively after the toasting.”

https://www.malaysianchinesekitchen.com/sambal-belacan/

Songkran – Thai Neujahr

Schweissige Glückwünsche zum Thai Neujahr. Im Haus in Satun sind es bloss 33 °C, in Chiang Mai wurden es 43 °C.
Vor einem Jahr gab es in Chiang Mai eine Schlagzeile. Das Wasser im Stadtgraben sei ausgetauscht und könne bedenkenlos zum Füllen von Eimern, Wasserpistolen und Wasserkanonen verwendet werden. Eine Touristin aus China las diese Mitteilung offenbar nicht. Sie verrichtete ihr grosses Geschäft in den Wassergraben. Sie hatte keine Ahnung davon, dass der Scheissdreck übers Ohr ins Auge gelangen könnte.

Es ist heiss Mitte April. Darum wandelte sich das einst beschauliche Familienfest gegenseitiger Segnungen mit geweihtem Wasser zu öffentlichen Wasserschlachten, sofern man nicht zuvor im Verkehr abgeschlachtet wird.
Thais sind geborene Rennfahrer. Bekannte von Dick reisten zwecks Songkran von Satun nach Khon Kaen. Auf der Strasse sind das 1431 Kilometer. Sie reisten um Mitternacht ab und trafen am Nachmittag kurz nach vier Uhr in Khon Kaen ein!
Ein Problem der Verkehrsteilnehmer ist der masslose Konsum von alkoholischen Getränken. Seit dem ersten Kontrolltag am 11. April sollen mehr als 113`960 Trunkenbolde erwischt worden sein. Gegen 3`000 Fahrzeuge wurden beschlagnahmt.
(Stand 15. April 09 00.) Die Sargschreiner haben Hochkonjunktur dank grosser Distanzen, zu hohen Geschwindigkeiten und grenzenloser Selbstüberschätzung.
Zum Schutz der Menschen vor Wasserschäden machen die Behörden Razzien in Spielzeugfabriken welche Wasserpistolen verkaufen.
Piknet Tapuang, ein Beamter des Verbraucherschutzes erzählte Medien wie TV und Presse, nach einer Razzia in Bang Pli, die Hochleistungsgewehre könnten Blindheit verursachen. Er stellte fest, dass Wasser in Ohren von Menschen gelangen und das Wasser durch den Kopf ins Auge wandern könnte. Der Spezialist hätte Augenarzt studieren sollen und mit seinen neuen Erkenntnissen die verblödete Menschheit retten können. Ich weiss jetzt endlich, wo alle die Wasserleichen herkommen.

Ergänzung:
In sechs Tagen wurden 220`507 alkoholisierte Verkehrsteilnehmer angehalten. 13`964 Fahrzeuge wurden beschlagnahmt. Beteiligt waren 147`971 Motorradfahrer und 56`674 Automobilisten, darunter Busfahrer des öffentlichen Verkehrs! Trotz aufwändiger Massnahmen starben 418 Menschen auf Thailands Strassen. Vertrauen sie den Nummern nicht. Meine Addition geht nicht auf.

Thomas Schmid veröffentlichte in der Thailand Tip Zeitung vom Mai 2018 andere Zahlen, von Frau Oberst Sirichan Ngathong, Pressesprecherin der Junta. Vom 11. bis zum 17. April seien 480`512 betrunkene Verkehrsteilnehmer erwischt worden. Darunter waren 280`631 Moped und Motorradfahrer. 37`779 hatten keinen Führerschein!

Können Bierflaschen Reliquien sein?

Der Schritt von der Weinflasche des heiligen Antonius zu profanen Bierflaschen ist kurz. Während dem ich zahlreiche Tempel in und rund um Chiang Mai besuchte, Bekanntschaften mit Mönchen und Äbten pflegte, hatten meine Kollegen aus Engelland wichtigere Anliegen. Sie trafen sich immer am Freitagabend in der Loi Kroh Strasse und studierten eingehend Bier-Bars und weit wesentlicher, die Bier-Schlepperinnen. Dabei war die Mehrzahl dieser Deppen mit einheimischen Frauen, die sie natürlich in Bars kennenlernten, verheiratet.
Einige besonders Fleissige trainierten während der ganze Woche intensiv für den Freitag. War es die Bierröhre, die Leber, die Nieren oder die Harnblase, welche besondere Aufmerksamkeit und Pflege erforderte?
Loi Kroh Besuche gingen bei mir ans Limit. Erstens mochte ich Bier als Getränk nur als lebens-rettende Flüssigkeit kurz vor dem Verdursten. Zweitens konnte ich im Rollstuhl nicht alle zwanzig Minuten Wasser abschlagen. Toiletten für Behinderte gab es nicht.
Alle paar Jahre liess die Regierung verlauten, dass sämtliche Bars in der Loi Kroh geschlossen würden. Das waren wichtige Signale für meine Bekannten, um noch gründlicher zu feiern. Die überbordenden Exzesse führten zu Verkehrsunfällen, Bein- und Schädelbrüchen, wohl weil gelegentlich etwas Blut im Alkoholkreislauf fehlte. Die Schwerverletzten scheuten sich nicht, mich im Bedarfsfall um einen Rollstuhl zu bitten.
Ich begegnete den Kampftrinkern an Geburtstagen oder zum Truthahn an Weihnachten. Ihre auf Bier fixierten Verdauungsorgane ertrugen keine Thaispeisen. Ihre Frauen arrangierten sich und kochten für sich landesübliches Essen. Ich schmuggelte Wein zu den Gastgebern und schluckte dazu Thai Spezialitäten. Die Häuser dieser Farangs hatten zwei Küchen. Im Innern war die Farang –Küche mit Kühlschränken, Mikrowellen und Toaster. Auf luxuriösen Geräten wurde Frühstück mit Eiern, Speck und Würsten gebraten. Eine bescheidene Aussenküche diente für Thai-Food.
Während sich die Engelländer vorwiegend um aufgetakelte Wesen mit extremer Kriegsbemalung aus Chromstahlstangenhaltung kümmerten, trank ich im Dorf unter dem Sternenhimmel Wein mit biologisch gackernden Landhühnern aus Bodenhaltung. Als asoziales Wesen wurde ich unter den Säufern als Womanizer verschrien.
Wenn ich selten genug in der Nähe der Loi Kroh Strasse war und meine Leber verzweifelte Durstsignale zum Hirn sandte, drehte ich den Rollstuhl. Dann rollte ich zum Imperial Mae Ping Hotel und dort in die Lobby Bar. Das ausgebildete, freundliche Personal mixte Cocktails nach Barbuch mit Messbechern. Der weitverbreitete Betrug mit verwässerten Spirituosen fand nicht statt. Danke für die angenehme Zeit! Reliquien könnten folglich ebenfalls Schnapsflaschen sein.
In unmittelbarer Nähe der Bar gab es nicht nur für Notfälle eine Toilette.

Osterbräuche im Laufe der Zeit

Schön war meine Zeit am Liebeggweg, mit der grossartigen Aussicht auf die Altstadt von Bern. Im Hintergrund prangte die Kathedrale, das Münster. Es war eine mutige Tat weniger Einwohner 1421 mit dem kühnen und teuren Bau zu beginnen. Solche Entscheidungskraft vermisse ich bei den Berner Regierungen.
Es war an einem Karfreitag um 1970. Ich betrachtete das Panorama. Im Hintergrund lief klassische Musik vom Schweizer Radio. Am Nachmittag stellte das Radio die Sendungen aus Pietätsgründen ein.
Dank dem Internet kann ich im muslimisch-buddhistischen Satun Schweizer Radio empfangen. So vernahm ich am Karfreitag Klänge aus der einstigen Heimat. Nein, da stampfte ungeschminkt amerikanischer Kommerzpop. Pietät gab es keine mehr. Auf Musikwelle sandten einige unverzagte Jodler ihre Urschreie ins Weltall. Ich vernahm sie ungerührt.
Mit den Kindern fuhr ich jeweilen an Ostern zum Kornhausplatz, zwecks Eiertütschen. Ein spezielles Erlebnis für die Kinder war der Gewinn des Riesen Ostereis im Hotel Holiday Inn in Malta. Aber wir arbeiteten an die zwei Stunden dafür.
In Satun esse ich keine Ostereier. Der Grund ist, die Hühner werden mit Garnelen gefüttert. Die Eier riechen derart fischig, dass ich Garnelen mit Kräuter-Mayo weitaus besser finde.
Unsere Zopf-Bäckerei leidet ebenfalls unter der Eier-Qualität. Das Bestreichen des backbereiten Teiges mit Eigelb entfällt. Der gebackene Zopf roch mehr nach Garnelen als nach Emmentaler Anke-Züpfe. Gesucht wird deshalb ein Geflügelhalter, wo die Tiere noch Körner aller Arten picken dürfen. Noch bunter und lebhafter würde die Frühlings-Szene, wenn gleich dort rammelnde Hasen farbige Eier bemalen.

Frühsommer

Am Samstag, den 10. März herrschte heisses Frühsommerwetter in Satun. Mit 34 °C zeigten die Thermometer hohe Werte. Vergleichsweise war es in Chiang Mai 39 °C bei Feinstaubbelastungen bis 170 Mikrogramm. Wir freuten uns auf die abendliche kalte Dusche. Aus dem Wassertank fliesst das kalte Wasser dann mit über 30 °C ins Haus.
Es wurde noch enger. Wir bemerkten, der Motor unserer Wasserpumpe war defekt. Die kalte Dusche wurde unweigerlich zum frommen Weihnachtswunsch. In Chiang Mai werden an sieben Tagen pro Woche während 10 Stunden am Tag Pumpen angeboten. In Satun darfst du bis Montag warten. Aber man könnte sich ebenfalls mit Flaschenwasser aus dem Kühlschrank behelfen. Da stimmt bei uns der Verteilschlüssel leider nicht. Verteilschlüssel wurden in Thailand nämlich noch nicht erfunden. Zusätzlich ist mir diese Flüssigkeit sogar zum Trinken zu kalt und führt zu unangenehmen Krämpfen.
Lacht bitte nicht. Vor langer Zeit musste meine Schwägerin in Singapur zwecks schlecken eines Eis-Cremes einen Mantel anziehen. Entweder war das Eis zu gross und zu kalt, oder das junge Mädchen zu dünn.

Vereinzelt treffen uns glücklich machende Überraschungen, wie an jenem Morgen, als wir einen Schwarm Wildbienen in einem Strauch sahen. Das gramselte und wuselte unbeschreiblich. Die Bienen beschützten Königin, Waben und Brut mit ihren Körpern.

Wahrscheinlich bleiben die Untermieter nicht zu lange. Das gewählte Ästchen ist zu schwach, um ein schwereres Nest zu tragen. Sollten sie eines schönen Tages weiterreisen und sich in einen Garten in der Nähe verirren, könnten sie Pech haben. Diese hirnlosen pseudo Buddhisten greifen schnell zum Insektenspray, weil Bienen bekanntlich stechen könnten.

Erfindungen und gerissene Gauner

Was war die hervorragendste Erfindung des letzten Jahrhunderts? Ein ungesunder Brotaufstrich? War es die Entwicklung nuklearer Waffensysteme und Träger-Raketen? Für die Damenwelt waren es wohl Nylon-Strümpfe, Bikini-Badegarnituren und mit Teflon beschichtete Pfannen. Grossmutter besass emaillierte Pfannen. Sie waren teuer, schwer und zerbrechlich, aber erfüllten sämtliche Anforderungen der Spitzenköchin. Waren es Grossraumflugzeuge für globale Rucksacktouristen.
Für mich persönlich war es die Arbeit des Schotten Alexander Fleming. Er entdeckte 1928 das Penicillin. Ab 1942 wurde es erfolgreich als Antibiotika gegen Infektionskrankheiten eingesetzt. Ohne diese grossartige Entdeckung und verschiedene daraus weiterentwickelte Medikamente hätte ich meinen Unfall mit Querschnittlähmung, Paraplegie, nie überlebt.
Nach einigem Überlegen fand ich einen anderen Sieger. Der Brite Tim Berners-Lee entwickelte aus älteren, komplizierten instabilen Kommunikations-Versuchen im CERN 1989 das Internet. Ab 30. April 1993 bot CERN die geniale Software lizenzfrei an.
Bald verkabelte ich die Maschinen im Laboratorium entsprechend. Von meiner Wohnung aus hatte ich den Zugriff auf die meisten Geräte an meinen Arbeitsplätzen. Mein privater Provider (pop.agri.ch) arbeitete vorbildlich. Updates und Systemwartung wurden angekündigt. Das Netz der Universität nutzte ich kaum.

In Thailand änderten sich die Zustände dramatisch. Kontakt zu den Providern gab es nur auf finanzieller Ebene. Das Internet war und ist eine Einbahnstrasse. Die Elektronikindustrie entwickelte für geistige Neandertaler Fingerfones. Die Datenflut stieg. Unser Pflegesohn erhielt täglich dreihundert Mails. Noch schlimmer wurde es durch die Einführung der schnellen Datenübermittlungen G2, G3, G4 und GXY. Die Preise stiegen monatlich auf das Zehnfache. Die Anbieter in Chiang Mai sandten Sabotage-Trupps mit Seitenschneidern aus, um Kunden der Konkurrenz den Zugang zu vermiesen.
Aus Fingerfones wurden Smartphones. Dazu gab es leicht bedienbare Programme wie Line. Sprachübermittlung, Text mit Bild wurden für intellektuell Unterprivilegierte möglich. Dick erhält täglich hundertachtzig Nachrichten mit Line. Die meist sinnlose Datenflut, Kopien von Kopien, wächst. Darum muss die Geschwindigkeit der Netze stetig erhöht werden. Wenn die handlichen hochtechnischen Telekommunikationsgeräte mit Daten zugemüllt sind, ist es im Dorf üblich, dass anstatt den Schrott zu löschen, ein neueres Gerät her muss.

Die Spitze der Zerstörungswut war erreicht, als mein Provider unter Vertragsbruch, eine Horde Dilettanten mit Seitenschneidern aussandte, um den erneuerten Anschluss nach knapp einem Jahr zu kappen. Hätte ich geahnt, was geschehen würde, hätte ich die Kerle am Haus weder nageln noch bohren lassen.
Das Internet bereitete der Regierung sorgen. Sogenannte Kriegsräume wurden installiert, um die Datenflut zu überwachen. Zwei Müsterchen erwähne ich. Ich hatte über das Netz Kontakt mit einer grösseren Weinfirma. Plötzlich blieben die wöchentlichen Informationen aus. Aber Microsoft fragte mich trotzdem mehrmals, ob ich, diese für mich unlesbaren Mails als Spam markieren möchte!
Es gab also jemanden, der meinen Briefkasten pflegte. Ich änderte und verlängerte mein Kennwort von 11 auf 24 Zeichen. Das Resultat war eindeutig, ich erhalte diese Mails wieder.
Noch interessanter war die Erfahrung mit unseren „Smart TV“. Das Gerät erlaubt Zugriff auf das Internet. Dort benutzten wir hauptsächlich YouTube. Vor etwa einer Woche war der Zugriff auf YouTube möglich, das Laden der Programme funktionierte am Fernseher nicht. Die Computer dagegen hatten Zugriff. Muss ich als Sehprothesenträger Spielfilme im Postkartenformat ansehen, während ein Grossgerät nutzlos herumsteht?
Dick telefonierte mit einer Angestellten des Netz-Anbieters. Die Intelligenzbestie löschte sogar das Passwort des Routers erfolglos. Ich wollte eigentlich nur wissen, ob andere Kunden gleiche Erfahrungen meldeten. Das lügende Spatzenhirn behauptete frech, unser Smart-TV sei defekt.
Ein Nachbar, Polizist, ebenfalls Besitzer eines schlauen Fernsehers, machte dieselben Erfahrungen mit YouTube. Wahrscheinlich kroch eine Schnecke über die Hochgeschwindigkeitsleitung, denn nach einigen Tagen funktionierten unsere Guckkästen wieder vollumfänglich. War nur der tiefe Süden betroffen –
oder hatten andere Landesteile ähnliche Probleme?

https://de.wikipedia.org/wiki/CERN